Académie de la Carpette anglaise

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Die Académie de la Carpette anglaise (dt. etwa Akademie der englischen Schleimer) ist ein Negativpreis, der in Frankreich seit 1999 jährlich verliehen wird. Er zeichnet jeweils ein Mitglied der politischen oder gesellschaftlichen französischen Elite aus, das das Vordringen des Englischen in Frankreich und in den europäischen Einrichtungen auf Kosten der französischen Sprache fördert.

Preisträger[Bearbeiten]

Die Liste der Preisträgern[1][2] ist:

  • 2013: Geneviève Fioraso, Ministerin für Hochschulbildung und Forschung, weil sie das Unterrichten auf Englisch an französischen Universitäten erlaubte.
  • 2011: Jean-François Copé, Generalsekretär der UMP für seine Forderung zur Verwendung des Englischen in der Schule und im Fernsehen.
  • 2010: Martine Aubry, Parteivorsitzende der Parti socialiste (und ihre Kommunikationsberater), für ihre wiederholte Verwendung englischer Werbeslogans wie care oder What would Jaurès do?
  • 2009: Richard Descoings, Direktor der Sciences Po in Paris, weil er für bestimmte Studiengänge ausschließlich englischsprachige Veranstaltungen einführen wollte. Außerdem korrespondierte er mit dem Französischen Gymnasium in Madrid auf Englisch.
  • 2008: Valérie Pécresse, französische Bildungs- und Forschungsministerin für ihren Ausspruch, die französische Sprache sei im Niedergang begriffen und man müsse das Tabu des Englischen in den europäischen Institutionen und in den französischen Universitäten durch einen verpflichtenden Intensivunterricht dieser Sprache brechen.
  • 2007: Christine Lagarde, französische Wirtschaftsministerin, dafür, dass sie mit ihrem Stab manches Mal auf Englisch kommuniziere - die Zeitschrift Le Canard enchaîné berichtete, Lagarde hätte aus diesem Grund bereits den Spitznamen Christine The Guard.
  • 2006: Der französische Verfassungsrat (conseil constitutionnel) für seine „vielfachen Verfehlungen des Artikels 2 der Verfassung, der festlegt, dass Französisch die Sprache der Französischen Republik ist“ und dafür, „das Protokoll von London für verfassungskonform erklärt zu haben, das englischen und deutschen Texten ermöglicht, rechtliche Auswirkungen in Frankreich zu entfalten“.
  • 2005: France Télécom, Telekommunikationsanbieter, für die Einführung von Diensten und Produkten mit englischen Bezeichnungen („Business Talk, Live-Zoom, Family Talk ...“)
  • 2004: Claude Thélot, Vorsitzenden der Nationalen Kommission zur Diskussion über die Zukunft der Schule, für seine Einschätzung, „das Englische der internationalen Verständigung“ sei ein grundlegendes Unterrichtsfach und ebenso wichtig wie Französisch. Außerdem empfahl er, dazu amerikanische Sendungen in der Originalfassung in französischen Fernsehkanälen zu zeigen.
  • 2003: Die HEC-Gruppe, deren Direktor Bernard Ramanantsoa im Dezember 2002 erklärte: „Zu behaupten, das Französische sei eine Sprache der internationalen Verständigung wie das Englische, bewirkt heute eher ein Lächeln.“
  • 2002: Jean-Marie Colombani, Direktor der Zeitung Le Monde, die ohne ein Arrangement der Gegenseitigkeit und ohne Berücksichtigung anderer Sprachen eine wöchentliche Beilage mit englischsprachigen Artikeln aus der New York Times veröffentlicht.
  • 2000: Alain Richard, französischer Verteidigungsminister, dafür, dass er die französischen Soldaten verpflichtete, im Eurokorps Englisch zu sprechen, obwohl in diesem Verband kein englischsprachiges Land teilnimmt.
  • 1999: Louis Schweitzer, Vorstandsvorsitzender von Renault, für die Festlegung auf amerikanisches Englisch für alle Berichte für Vorstandssitzungen seines Unternehmens

Träger des besonderen Preises der Jury für Ausländer[Bearbeiten]

Die Liste der Preisträgern des besonderen Preises der Jury für Ausländer[3] ist:

  • 2013: Tom Enders, Chief Executive Officer (CEO) von EADS. Unter anderem hat er in Frankreich dem Personal, das heisst den deutschen, französischen und spanischen Arbeitnehmern der Abteilung "Verteidigung und Raumfahrt", einen umfangreichen, drastischen Entlassungsplan nur in englischer Sprache angekündigt.
  • 2012: AFII (Französisch Agentur für internationale Investitionen) und INPI (Nationales Institut für gewerbliches Eigentum) für ihre Werbung Say oui to France, say oui to Innovation.
  • 2011: Ryanair, weil es Zertifikate in englischer Sprache für Schwangere verlangt (in Spanien).
  • 2010: Paul Kagame, Präsident der Republik Ruanda, weil er seinem Land den Übergang vom Französischen zum Englischen als Amtssprache verordnete und die Francophonie zugunsten des Commonwealth verließ.
  • 2009: Jean-Louis Borloo
  • 2008: Eurostat
  • 2007: Genfer Polizei
  • 2006: Ernest-Antoine Seillière
  • 2005: Josep Borrell, Präsident des Europaparlaments
  • 2004: Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank
  • 2003: Pascal Lamy
  • 2002: Romano Prodi, Präsident der Europäischen Kommission
  • 2001: das Unternehmen Lego, dänischer Hersteller von Kinderspielzeug

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Veröffentlichungen der Akademie in Défense de la langue française.
  2. Veröffentlichungen der Akademie in Avenir de la langue française
  3. Veröffentlichungen der Akademie in Avenir de la langue française