Acaeruloplasminämie

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Klassifikation nach ICD-10
E83.1 Störungen des Eisenstoffwechsels
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Acaeruloplasminämie, auch Acoeruloplasminämie (von lat. coeuruleus = blau), ist eine vererbbare Stoffwechselerkrankung mit komplettem Fehlen der Ferroxidase-Aktivität des Caeruloplasmins, das durch Mutationen im entsprechenden Gen hervorgerufen wird. Auch genetisch heterozygote Ausprägungen können zu Symptomen führen, insbesondere im Falle des Ausfalls der Ferroxidase-Aktivität trotz Vorhandensein von Coeruloplasmin im Serum (Hypocaeruloplasminämie, Hypocoeruloplasminämie).[1][2]

Acaeruloplasminämie wurde 1987 erstmals beschrieben von Miyajima et al. Die Krankheit ist sehr selten und wird in Japan mit einer Inzidenz von etwa 1:2.000.000 am häufigsten beobachtet. Die Altersspanne neurologischer Diagnose liegt zwischen 16 und 72 Jahren, mit einem Mittelwert von 51.[3] Im Krankheitsverlauf kommt es durch Ausfall der Oxidation von Fe2+ zu Fe3+ zu einer erhöhten Anreicherung von toxischem zweiwertigem Eisen. Dies führt zu Eisenablagerungen im Körper, insbesondere im Gehirn, der Leber und der Bauchspeicheldrüse, aber auch in anderen Organen und Gewebe. Es findet sich häufig die klinische Trias retinale Degeneration (ca.93%), Diabetes Mellitus (ca.89%) und neurologische Symptome (ca.73%) wie Ataxie, unwillkürliche Bewegungen und Demenz. Eine Anämie wird ebenfalls häufig festgestellt (ca.80%).[4] Darüber hinaus gibt es Studien wonach es in einigen Fällen auch zu Beeinträchtigungen durch eine Störung des mitochondrialen Energiestoffwechsels[5] sowie Lipidperoxidation durch Radikalbildung (als Folge der Eisenanreicherung) kommen kann, sowie zu hormonellen Beeinträchtigungen des Hypothalamus und dadurch zu Hypothyreose und Diabetes Insipidus.[6][7]

Zur Diagnose dienen hauptsächlich Blutuntersuchungen, bildgebende Verfahren sowie genetische Untersuchungen. Differentialdiagnostisch relevant sind insbesondere Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit) sowie Morbus Wilson, bei welchem ebenfalls das Coeruloplasmin erniedrigt ist, sich die Symptome aber primär aus Kupferanreicherungen ergeben. Bildgebende Verfahren wie das MRT können metallische Ablagerungen bei der Acaeruloplasminämie sichtbar machen. Im Serum zeigt sich eine fehlende Ferroxidase-Aktivität, ein Fehlen von Coeruloplasmin (bzw. niedriges Coeruloplasmin bei heterozygoten Patienten), ein niedriger Kupferspiegel, sowie ein niedriger Eisenspiegel und ein erhöhter Wert an Ferritin (bei heterozygoten Patienten sind Eisen und Ferritin meist in der Norm).[8] Eine erhöhte Lipidperoxidation kann mittels Malondialdehyd (MDA) und 4-Hydroxynonenal (4-HNE)[9] sowie Prostaglandin F (PGF) bestimmt werden. Im Gegensatz zum Morbus Wilson ist der Kupferspiegel im Urin bei der Acaeruloplasminämie nicht erhöht.[10]

Bei gesicherter Diagnose können Eisen-Chelatoren eingesetzt werden, um die Eisenablagerungen im Körper zu reduzieren. Es wird jedoch über Patienten berichtet, die lediglich eine geringe oder keine Besserung unter dieser Behandlung zeigen.[11]

Eine Studie legt nahe, dass in sehr speziellen Fällen bei heterozygoten Patienten die "Umgebungsbedingungen" darüber entscheiden können, ob ein Patient Symptome entwickelt oder nicht; so wird von Fällen berichtet, bei denen ein Elternteil und ein Kind die gleiche heterozygote Mutation aufweisen, aber nur das Kind erkrankt ist.[12]

Quellen[Bearbeiten]

  1. H-F Shang/ Movement Disorder Society: High Brain Iron Level in Asymptomatic Carriers of Heterozygous Ceruloplasmin Gene Mutations, Vol. 23, No. 6, 2008, pp. 916–917
  2. Y Takeuchi, M Yoshikawa, T Tsujino, S Kohno, N Tsukamoto, A Shiroi, E Kikuchi, H Fukui, H Miyajima: A case of aceruloplasminaemia: abnormal serum ceruloplasmin protein without ferroxidase activity, 2002, engl.
  3. Alisdair McNeill, Massimo Pandolfo, Jens Kuhn, Huifang Shang, Hiroaki Miyajima: The Neurological Presentation of Ceruloplasmin Gene Mutations, 2008, doi:10.1159/000148691, engl.
  4. Hiroaki Miyajima: Genetic Disorders Affecting Proteins of Iron and Copper Metabolism: Clinical Implications, 2002
  5. Hiroaki Miyajima, Yoshitomo Takahashi, Satoshi Kono, Masahiro Sugimoto, Yoji Suzuki, Hishida, Masanobu Sakamoto, Yasuomi Ouchi: Glucose and Oxygen Hypometabolism in Aceruloplasminemia Brains, 2002
  6. Minemori Watanabe, Chikako Asai, Kota Ishikawa, Atsushi Kiyota, Tatsuhiro Terada, Satoshi Kono, Hiroaki Miyajima, Ataru Okumura: Central Diabetes Incipidus and Hypothalamic Hypothyroidism Associated with Aceruloplasminemia Case Report, 2010, engl.
  7. Hiroaki Miyajima H , Takahashi Y and Kono S: Aceruloplasminemia, an inherited disorder of iron metabolism BioMetals, Volume 16, Number 1, March, 2003, 205-213, doi:10.1023/A:1020775101654, engl.
  8. Alisdair McNeill, Massimo Pandolfo, Jens Kuhn, Huifang Shang, Hiroaki Miyajima: The Neurological Presentation of Ceruloplasmin Gene Mutations, 2008, doi:10.1159/000148691, engl.
  9. Hiroaki Miyajima, Satoshi Kono, Yoshitomo Takahashi, Masahiro Sugimoto: Increased Lipid Peroxidation and Mitochondrial Dysfunction in Aceruloplasminemia Brains Sept. 2012, doi:10.1006/bcmd.2002.0561, engl.
  10. J.-M.Trocello, P.Chappuis, S.El Balkhi, J.Poupon, A.Leyendecker, P.Chaine, F.Woimant: Anomalies du métabolisme du cuivre chez l’adulte 2009, franz.
  11. Ping-Lei Pan, He-Han Tang, Qin Chen, Wei Song, Hui-Fang Shang: Desferrioxamine treatment of aceruloplasminemia: Long-term follow-up, 2011, doi:10.1002/mds.23797, engl.
  12. Maria Carmela Bonaccorsi di Patti, Nunziata Maio, Gianluca Rizzo, Giovanni De Francesco, Tiziana Persichini, Marco Colasanti, Fabio Polticelli, Giovanni Musci: Dominant Mutants of Ceruloplasmin Impair the Copper Loading Machinery in Aceruloplasminemia, July 2008, doi:10.1074/jbc.M805688200, engl.
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