Acanthodii

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Acanthodii
Veraltete Lebendrekonstruktion von Climatius macnicoli (ohne große Knochenplatten in der Kopfregion und mit freiliegenden Kiemenspalten) aus dem Unterdevon von Schottland.

Veraltete Lebendrekonstruktion von Climatius macnicoli (ohne große Knochenplatten in der Kopfregion und mit freiliegenden Kiemenspalten) aus dem Unterdevon von Schottland.

Zeitliches Auftreten
unteres (Silur) bis Sakmarium (Perm)
440 bis 290,1 Mio. Jahre
Fundorte
  • weltweit
Systematik
Neumünder (Deuterostomia)
Chordatiere (Chordata)
Wirbeltiere (Vertebrata)
Kiefermäuler (Gnathostomata)
Acanthodii
Wissenschaftlicher Name
Acanthodii
Owen, 1846

Die Acanthodii sind eine Klasse ausgestorbener, sehr vielgestaltiger Fische. Systematisch gehören sie zu der Überklasse Kiefermäuler (Gnathostomata) und sind die Schwestergruppe der Knochenfische (Osteichthyes), mit denen sie zusammen das Taxon Teleostomi bilden. Sie sind die ersten fossil überlieferten Gnathostomata[1] und lebten vom Silur bis zum Perm. Die Blüte erlebten sie im Devon. Einzelne fossilisierte Stacheln und Schuppen (sogenannte Ichthyodorulithen) hat man bereits aus dem Untersilur gefunden, gesicherte, gut erhaltene Funde sind aus dieser Zeit noch unbekannt. Der oft gebrauchte deutsche Name „Stachelhaie“ bedeutet keine nahe Verwandtschaft, sondern bezieht sich nur auf das haiähnliche Aussehen vieler Acanthodier mit dem typischen Merkmal, dass die häutigen Flossen an ihrem Vorderrand von einem Stachel gestützt wurden.

Merkmale[Bearbeiten]

Die Acanthodii wurden 8 Zentimeter bis 2,5 Meter lang und kamen im Meer, hauptsächlich aber im Süßwasser vor. Ihr Innenskelett bestand aus Knorpel, der Hirnschädel aber aus einem Stück Knochen (wenn auch mit tiefen Knorpelbuchten – in sich jedoch ohne Gelenkung). Kopf und Körper waren von kleinen Schuppen bedeckt. Einige Arten hatten Kiemendeckel aus knöchernen „Radien“. Alle Arten besaßen Kiefer, aber Zähne fehlten oft. Wenn vorhanden saßen sie oft nur auf dem Unterkiefer. Die zahnlosen Gattungen (zum Beispiel Acanthodes) werden als pelagische Filtrierer angesehen. Der Hyoidbogen wurde anfangs als „normaler Kiemenbogen“ gedeutet, aber genauere Untersuchungen (Miles 1973) zeigten, dass er schon wie bei Haien, Rochen und Knochenfischen den Kieferbogen abstützte; zwischen beiden lag oft das Spritzloch. Hingegen gab es noch keine Pharyngealia mit Schlundzähnen. Die Unpaarflossen hatten noch keine eigenen Flossenträger, sondern saßen auf verlängerten Neural- bzw. Hämalfortsätzen (auf der Chorda dorsalis). Die kleinen Paarflossen waren mitunter unabhängig von den ventralen Stachelreihen. Der Schultergürtel war schwach. Die Flossen hatten noch keine Strahlen, nur Schuppen als Stützen. Die Augen saßen weit vorne und waren mit Scleralringen versehen; die Nasenorgane müssen klein gewesen sein, aber es bestanden schon je zwei Narinen (Nasenlöcher).

Systematik (unvollständig)[Bearbeiten]

Die Ischnacanthiformes und Climatiiformes findet man bereits im Silur, während die Acanthodiformes erst ab dem Unter-Devon bekannt sind.

Climatiiformes[Bearbeiten]

Diplacanthus longispinus im Museum für Naturkunde, Berlin

Bis auf die Diplacanthides besaßen viele Kieferzähne.

Ischnacanthiformes[Bearbeiten]

Acanthodiformes[Bearbeiten]

V.o.n.u.: Mesacanthus, Parexus und Ischnacanthus, drei Lebensformen von devonischen Acanthodii

Alle Acanthodiformes besaßen nur eine Rückenflosse, während bei den Climatiiformes und den Ischnacanthiformes jeweils zwei zu finden sind. Sie waren vermutlich Filtrierer, meist sind keine Zähne vorhanden.

Einige Gattungen unsicherer systematischer Stellung[Bearbeiten]

  • Onchus Unter-Silur bis Unter-Devon, Fundorte: Nordamerika und Europa
  • Antarchtonchus Mittel- und Ober-Devon, Fundorte: Antarktis
  • Monopleurodus Ober-Silur, Fundorte: Europa

Anmerkung[Bearbeiten]

  1. d.h. von den primitiveren Placodermi kennt man Fossilien erst von der Grenze zum Devon

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert L. Carroll: Paläontologie und Evolution der Wirbeltiere. Thieme-Verlag, Stuttgart. 1993
  • Frickhinger, Karl Albert: Fossil atlas, fishes Melle : Mergus, Publ. for Natural History and Pet Books Baensch. 1995 ISBN 1-56465-115-0
  • Miles, R.S. (1973): Relationships of acanthodians.- In: P. H. Greenwood, R. S. Miles, and C. Patterson (eds.), Interrelationships of Fishes, 63-103. Supplement 1, Zoological Journal of the Linnean Society, Volume 53, Academic Press, London.
  • Valiukevičius, J. New Wenlock–Pridoli (Silurian) acanthodian fishes from Lithuania. Acta Palaeontologica Polonica 49 (1): Seite 147–160. (2004)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Acanthodii – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien