Achselhaar

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Mann mit Achselhaaren
Frau mit Achselhaaren

Achselhaare (lat. hirci[1]) nennt man Haare, die in den Achselhöhlen von Menschen wachsen. Sie sind als Teil der Körperbehaarung sekundäres Geschlechtsmerkmal.

Allgemeines[Bearbeiten]

Die Achselbehaarung entwickelt sich während der Pubertät, zumeist erst lange nach der Ausprägung anderer Geschlechtsmerkmale.[2] Achselhaare dienen der Schweißaufnahme, sind aber wie auch die Schamhaare sekundäres Geschlechtsmerkmal und dienen einerseits als optischer Reiz, andererseits aber auch (durch bessere Verteilung) verstärkend bei der Entsendung von Sexual-Lockstoffen (Pheromonen). Ferner dient die Achselbehaarung zur Reduzierung von Reibung in den Achselhöhlen.

Achselhaare können (wie Haupt- und Schamhaare) in Farbe, Form und Dichte individuell sehr unterschiedlich sein. Die Ausprägung der Achselhaare ist nicht nur von der genetischen Veranlagung und vom Androgen-Spiegel des Individuums abhängig, sondern auch von anderen Faktoren, wie Reibung und Klima. Menschen in heißen Klimazonen weisen evolutionsbedingt in der Regel stärkere Achselbehaarung auf, da die Verdunstungskälte des dort aufgenommen Achselschweißes der Körperkühlung dient.[3] Das Wachstum der Achselhaare hört nicht mit einer bestimmten Haarlänge auf, die Haare haben vielmehr genetisch bedingt nur eine bestimmte Lebensdauer von ca. sechs Monaten und fallen dann aus.[4] Ein Kopfhaar dagegen wird bis zu sieben Jahre alt.

Entfernung der Achselhaare[Bearbeiten]

Fotomodell mit Achselhaaren aus dem Jahr 1890
Werbung für die Entfernung des Achselhaars

In den meisten Kulturkreisen in Europa, den USA oder im Orient entfernen heutzutage viele Menschen ihre Achselhaare. Zunächst entfernten im westlichen Kulturkreis besonders Frauen die Achselhaare, seit einem Jahrzehnt nimmt die Rasur der Achselhaare jedoch auch bei Männern zu. So gaben in einer repräsentativen Umfrage 2012 43,3 % der jungen Männer im Alter zwischen 14 und 29 an, die Achselhaare zu entfernen.[5] Dabei kam die Entfernung der Körperbehaarung generell als Modetrend und Ausdruck von Femininität in den USA bereits zwischen 1915 und 1945 auf und verbreitete sich danach erst in Europa.[6]

Religion[Bearbeiten]

Im Orient hat die Haarentfernung vorwiegend religiöse Gründe, die hier in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Begriff der Hygiene stehen. Die Reinlichkeitsvorschriften der Fitra im Islam verlangen unter anderem das Auszupfen der Achselhaare und die Rasur der Schamhaare nach spätestens „40 Nächten“. Dies gilt sowohl für Frauen als auch für Männer.

Im Buddhismus hingegen verbieten die Ordensregeln der Mönche das Entfernen der Achselbehaarung.[7]

Ästhetik[Bearbeiten]

Bereits im römischen Altertum zur Zeit der ersten Kaiser wurden Achsel- und Schamhaare als kosmetischer Übelstand empfunden und mit dem Begriff der Unreinlichkeit und des Übelriechenden verbunden. Im westlichen Kulturkreis heutiger Zeit entfernen Frauen vor allem in der wärmeren Jahreszeit aus ästhetischen Gründen ihre Achselhaare, da deren Sichtbarkeit beim Tragen der sehr verbreiteten ärmellosen Tops und Kleider als ungepflegt empfunden wird.[8][9] Bereits ältere Spielfilme belegen, dass Frauen, die im Rampenlicht standen, aus optischen Gründen ihre Achselhaare entfernten. Zumindest in Westdeutschland war natürliche Achselbehaarung auch bei Frauen vor 1980 noch üblich, in der DDR bis zu deren Ende. Mitte der 80er Jahre sorgte die Sängerin Nena aufgrund ihrer unrasierten Achselhaare in der englischen Boulevardpresse für Gesprächsstoff. Bei einem Konzert in England wurden jedoch von Fans Spruchbänder mit der Aufschrift „Nena, wir lieben deine haarigen Achseln!“ hochgehalten.[10] Die Rasurverweigerung der damals noch jungen Juliette Lewis wurde in manchen Medien als „ungeheure Demonstration rebellischer Eigenartigkeit“ gesehen.[11] Auch Patti Smith zeigte auf dem Plattencover von Easter ihre Achselhaare. Die Zeitschrift Vogue wollte Helmut Newtons Fotoaufnahmen von Hanna Schygulla nicht veröffentlichen, weil sie fast immer ihre Achselhaare zeigte.[12] Auch heute noch wird das Tragen von Achselhaaren im Foto- und Filmbereich medienwirksam thematisiert, wie z. B. im Fall von Drew Barrymore beim Besuch der Fashion Week in New York und von Julia Roberts 1999 bei der Premiere von Notting Hill.

Seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts gilt natürliche Achselbehaarung in der westlichen Kultur bei Frauen zunehmend als Normverletzung, während Achselbehaarung beim Mann eher akzeptiert wird. Dennoch gehört die Entfernung der Achselhaare seit Ende des 20. Jahrhunderts vielerorts zum Schönheitsideal bei Männern. Besonders bei jungen Menschen nimmt die Anzahl der Rasierenden jährlich zu, nicht selten im Zusammenhang mit dem Entfernen sämtlicher Körperbehaarung außerhalb des Haupthaares.

Gesundheit und Hygiene[Bearbeiten]

Wie auch die Intimrasur kann die Achselrasur zu unangenehmen Reizungen der empfindlichen Achselhaut führen.

Eine behaarte Achsel, in der sich Schweiß sammelt, führt bei vielen Menschen zu der Assoziation, man würde mit Achselbehaarung mehr schwitzen. Dies ist nicht der Fall, allenfalls können die geruchsbildenden Bakterien schwieriger abgewaschen werden, so dass behaarte Achseln zwar nicht häufiger, aber je nach individueller Veranlagung gründlicher gereinigt werden sollten als enthaarte Achseln. Die Tatsache, dass sich aufgrund der ästhetischen Normen (siehe oberer Abschnitt) hauptsächlich Frauen die Achseln enthaaren, obwohl Frauen weniger Schweiß absondern als Männer, zeigt den Vorrang des ästhetischen Aspektes gegenüber dem Hygienischen, auch wenn letzterer im Volksglauben dominiert.

Sexualität[Bearbeiten]

Die sexuelle Einstellung gegenüber Achselhaaren unterscheidet sich auch kulturell. In einigen Kulturen gelten sie als besonders anziehend und erotisch, während sie in anderen Kulturräumen eher als abstoßend empfunden werden.

Auch in den heutigen westlichen Kulturen reichen die Ansichten von ästhetisch und hygienisch begründeter Ablehnung über Gleichgültigkeit bis hin zu erotischer Anziehung und vereinzelt zum Fetischismus, wie zum Beispiel beim japanischen Schriftsteller Mishima Yukio, dessen Fetische „männliche Achselhaare, Schweiß und weiße Handschuhe“ waren.[13]

Leistungssport[Bearbeiten]

Neben optischen Gründen soll die Entfernung der Körperbehaarung und somit auch der Achselbehaarung in einigen Sportarten, beispielsweise beim Schwimmen, zur Minimierung des Strömungswiderstandes beitragen.[14]

Färben[Bearbeiten]

Seit wenigen Jahren findet man bei Angehörigen jugendlicher Subkulturen grell gefärbte Achselhaare. Auch der mehrfach preisgekrönte Star-Visagist René Koch bezeichnete in der Sendung des WDR Böttingers Gäste – „Kleider machen Leute“ vom 8. Oktober 2005 das Färben der Achselbehaarung bei Männern als seit einigen Jahren modischen Trend.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hirci (lat.; pl.) von hircus „Bock“ oder auch „Achselhaare“. Hircismus bedeutet „Bocksgeruch der Achselhöhle“
  2. Barmer: Weibliche Entwicklung – Pubertät
  3. Walter Landauer: Die Vererbung von Haar- und Hautmerkmalen, ausschließlich Färbung und Zeichnung, mit Berücksichtigung von Rassedifferenzierung und Deszendenz. In: Molecular and General Genetics MGG. Heidelberg, Dezember 1926
  4. Ilka Lehnen-Beyel: Warum Haare ständig wachsen. In: New Scientist. 4. November, S. 39
  5. http://www.abendblatt.de/ratgeber/article2192552/Der-nackte-Mann-30-Prozent-rasieren-mehr-als-nur-den-Bart.html
  6. The Hairless Ideal: Women and Their Body Hair Susan A. Basow1 Lafayette College doi: 10.1111/j.1471-6402.1991.tb00479.x Psychology of Women Quarterly March 1991 vol. 15 no. 1 83-96
  7. Alois Payer: Vinayamukha: Grundbegriffe der Ordensregeln und des Ordensrechts des Theravāda. Teil II. Materialien zu den Grundbegriffen des Buddhismus. Fassung vom 21. April 2006.
  8. Wenke Husmann: Geschmacksfragen. In: Leben. Die ZeitOnline, 2. Juni 2006
  9. Bericht über die Studie von Susan Basow Der Klügere trägt Achselhaar. Berliner Zeitung, 30. August 2000
  10. Falter: Die mit den Luftballons. Interview, 2001
  11. Günter Göckenjahn: Schnell gelebt. In: Berliner Zeitung. 5. Juli 2004
  12. Helmut Newton: Big Nudes: Das Abenteuer Leben. Autobiografie
  13. Yukio Mishima: Geständnis einer Maske. Rowohlt, Reinbek 1964
  14. Martin Holfeld: Didaktische Aufarbeitung chemischer Inhalte aus dem Sport für den fachübergreifenden Chemie-Sport-Unterricht – 4.5.8 Schwimmanzüge.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Underarm hair – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien