AdBlue

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AdBlue-Einfüllstutzen an einem Audi Q3 2.0 TDI (2014)

AdBlue (ISO 22241/DIN 70070/AUS32) ist der Markenname für eine wasserklare, synthetisch hergestellte 32,5-prozentige Lösung von hochreinem Harnstoff in demineralisiertem Wasser, die bei der Abgasnachbehandlung von Automobil-Dieselmotoren verwendet wird. Die Anwendung findet im SCR-Katalysator (selective catalytic reduction, SCR) statt; dort wird durch selektive katalytische Reduktion der Ausstoß von Stickoxiden (NOx) um etwa 90 % (im Stationärbetrieb) reduziert. Die Markenrechte für AdBlue liegen beim Verband der Automobilindustrie (VDA). In Nordamerika wird die Bezeichnung Diesel Exhaust Fluid (DEF) verwendet.

Anwendung[Bearbeiten]

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AdBlue wird bislang in Nutzfahrzeugen (insbesondere bei LKW und Omnibussen) verwendet, findet aber auch bei der Eisenbahn Anwendung, z.B. beim Stadler Regio-Shuttle RS1. Seit 2007 wird es in den USA im PKW-Bereich in Fahrzeugen mit Dieselmotor und SCR-Katalysatoren eingesetzt (BMW & Mercedes). Bei Mazda im CX-7 (MZR 2.2 Diesel) und mittlerweile auch Volkswagen wird AdBlue bei einigen BlueMotion-Modellen (z.B. VW Passat, VW Sharan II) und im baugleichen SEAT Alhambra eingesetzt, dessen Diesel-Versionen seit Herbst 2010 mit AdBlue-Motoren ausgeliefert werden. Im Audi A8 besitzen beide erhältlichen Dieselmotoren einen SCR-Katalysator und erfüllen die Euro-6-Abgasnorm. In weiteren Modellen ist dieser optional erhältlich (Audi Q7, Audi A4, Audi Q5). Seit Oktober 2010 ist auch der Mercedes-Benz S 350 Bluetec serienmäßig mit einer AdBlue-Abgasreinigung ausgerüstet. Ab 2013 verwendet auch Opel für seine neue Dieselmotorengeneration den Zusatz. Als erster japanischer Automobilhersteller präsentierte Mazda im September 2009 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt ein Fahrzeug mit Dieselmotor und SCR-Abgasreinigung. Das System kommt in der überarbeiteten Version des Mazda CX-7 zum Einsatz, der seit Oktober 2009 auf den europäischen Märkten angeboten wird und die Euro-5-Norm erfüllt.

AdBlue wird in Nordeuropa primär von den Unternehmen BASF, AMI, SKW Stickstoffwerke Piesteritz und Yara produziert.

Im März 2003 wurde von OMV damit begonnen, dass AdBlue an Tankstellen auch an einer Zapfsäule getankt werden kann.[1] Mittlerweile wird AdBlue auch von einer Reihe anderer Tankstellenunternehmen (Aral, Raiffeisen-Tankstellen, Westfalen AG, Total, AGIP, Tank & Rast, Shell, AVIA, CLASSIC, Hoyer KG) entweder an Zapfsäulen oder als Kanister angeboten. Für die Verwendung von AdBlue ist ein zusätzlicher Tank am Fahrzeug angebracht, der Verbrauch von Harnstoff-Wasser-Lösung beträgt etwa 4–6 % des normalen Kraftstoffverbrauchs und entspricht bei schweren LKW etwa 1,4 Liter auf einer Strecke von 100 km.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Innenansicht eines Adblue-Tanks mit Tauchpumpe und Heizung (rot)

Das SCR-Verfahren nutzt Ammoniak, welches an Bord des Fahrzeugs aus Harnstoff gewonnen wird. Die in einem separaten Tank liegende Harnstofflösung wird z. B. mittels Dosierpumpe oder Injektor dosiert in den Abgasstrom eingespritzt und sorgt im SCR-Katalysator für eine chemische Reaktion. Hierbei werden nur die Stickoxide in Stickstoff und Wasserdampf umgewandelt. Das Verhältnis von Harnstofflösung zu Dieselkraftstoff beträgt etwa 1:20 bis 1:30.

Da die Harnstofflösung bei −11 °C gefriert, sind die Vorratstanks beheiz- und das Leitungssystem entleerbar. Der Entleervorgang wird zum Beispiel über ein Reversieren der Tauchpumpe im Vorratstank realisiert: die Lösung im Leitungssystem wird nach Abschalten der Zündung in den beheizbaren Vorratstank zurückgefördert.

Vor- und Nachteile der Verwendung von AdBlue[Bearbeiten]

Vorteile[Bearbeiten]

  • Bedingt geeignet für die Verwendung von Biodiesel
  • Kraftstoffeinsparung bis ca. 8 % durch Einsparung der Abgasrückführung
  • Ermöglicht die Erfüllung der Euro-4-Norm, Euro-5-Norm, Euro-6-Norm (PKW-Bereich) und BIN-5-Norm (USA, PKW-Bereich)
  • An allen relevanten LKW-Tankstellen in Europa zumindest als Kanisterware verfügbar
  • Kein Einfluss auf Wartungs- und Ölwechselintervalle
  • Wassergefährdungsklasse 1 (schwach)

Nachteile[Bearbeiten]

  • Zusätzlicher Platzbedarf für den Behälter
  • Zusätzliches Gewicht der Anlage und deren Flüssigkeit
  • Gefrierpunkt bei −11 °C, Zersetzung ab etwa +60 °C
  • Zusätzliche Kosten durch zusätzliche AdBlue-Betankung
  • Störung des Systems durch kristallinen Harnstoff[2]

Praxis[Bearbeiten]

Mehrere europäische Länder belohnten die vorzeitige Erfüllung von Euro 4 und 5 mit Vergünstigungen wie geringeren Straßennutzungsgebühren (in Deutschland beispielsweise eine Vergünstigung von 2 Cent pro Kilometer bei der Autobahnmaut). Den Mautvorteil von 0,02 € pro Kilometer bot in Deutschland zwischenzeitlich nur noch Euro 5, da seit 1. Oktober 2006 Euro 4 gesetzlich vorgeschrieben war; seit dem 1. Oktober 2009 sind Euro 4 und 5 wieder gleich in der Mauttabelle eingestuft.

Gefährdung und Gesundheit[Bearbeiten]

Von AdBlue geht keine besondere Gefährdung im Sinne des europäischen Chemikalienrechts aus. Auch gemäß dem Transportrecht ist AdBlue kein Gefahrgut. Hautkontakt sollte vermieden werden; eventuelle Reste mit Wasser abwaschen.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Eigenschaft Wert Einheit
Harnstoffgehalt 31,8 – 33,2 Gew.-%
Brechungsindex 1,3817–1,3840
Wärmeleitfähigkeit 0,57 W/(m·K)
Spezifische Wärmekapazität 3,51 J/(g·K)
Schmelzenthalpie 270 J/g
Dichte bei 20 °C 1,087 – 1,093 g/cm³
Dynamische Viskosität 1,4 mPa·s
Quelle:[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. OMV baut europaweite Infrastruktur für schadstoffarme LKW. Abgerufen am 24. November 2014.
  2. http://www.patent-de.com/20090813/DE102008008564A1.html
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatTechnisches Merkblatt AdBlue. Abgerufen am 24. November 2011 (PDF; 103 kB).

Weblinks[Bearbeiten]