Adam Weishaupt

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Adam Weishaupt

Johann Adam Weishaupt (* 6. Februar 1748 in Ingolstadt; † 18. November 1830 in Gotha) war der Gründer des Illuminatenordens sowie Freimaurer, Autor, Hochschullehrer und Philosoph. Als Gegner der Jesuiten wurde der Aufklärer in seinen religiösen und politischen Ansichten zunehmend liberal. Er favorisierte den Deismus und den Republikanismus.

Leben[Bearbeiten]

Das Haus Parkallee 13 in Gotha, Weishaupts Wohnsitz von 1786 bis zu seinem Tode.

Weishaupt wuchs in Ingolstadt auf. Sein Vater Johann Georg Weishaupt war Professor für Rechtswissenschaft. Der junge Weishaupt besuchte das Jesuiten-Gymnasium in Ingolstadt. Mit 15 Jahren verließ er die Schule, um sich dem Studium der Philosophie, der Geschichte und Staatswissenschaften zu widmen. Früh verwaist, wurde er von Christian Wolffs Schüler Johann Adam von Ickstatt adoptiert und im Geiste der aufgeklärten wolffschen Philosophie erzogen. Er studierte an der Universität Ingolstadt Geschichte, Rechte, Staatswissenschaften und Philosophie und wurde 1768 zum Doktor der Philosophie promoviert. 1772 wurde er außerordentlicher Professor der Rechte, 1773 ordentlicher Professor für Kirchenrecht in Ingolstadt.

Weishaupt gründete am 1. Mai 1776 den Bund der Perfektibilisten,[1] (Bienenorden)[2], der später als die Illuminaten[3] bekannt wurde. Ihre Mission war die Entfaltung der Moral und Tugend sowie die Gründung einer Vereinigung guter Menschen, um dem Voranschreiten des Bösen zu begegnen. Der wirkliche Charakter der Gesellschaft bestand in einem ausgeklügelten Erziehungssystem, um die Tugend und Sittlichkeit zu befördern und den absolutistischen Staat durch Unterwanderung überflüssig zu machen. Im Orden verwendete Weishaupt den Geheimnamen Spartacus. Durch den Beitritt des Freiherrn Adolph Knigge 1780 (Ordensname: Philo) erfuhr der Illuminatenorden bald reichsweite Verbreitung, wobei Knigge neue Mitglieder besonders in den Reihen der Freimaurer anwarb.

Weishaupt selbst wurde erst 1777 Freimaurer in der Loge „Zur Behutsamkeit“ in München und trug hier den Namen ‚Sanchoniaton‘.[4] Diesen Ordensnamen änderte er jedoch nach der Aufdeckung des Illuminatenordens in Bayern in ‚Cocyrus‘ und er verwendete auch wahlweise den Namen ‚Scipio Aemilianus‘. Zusammen mit Franz Xaver von Zwack begann er darauf hinzuarbeiten, sein System des Illuminatenordens auf eine freimaurerische Grundlage zu stellen. Sie verschafften sich über den Marchese di Constantin Costanzo ein Patent der Berliner Großloge Royal York für die Münchner Loge Theodor zum guten Rat, erklärten diese daraufhin für unabhängig und überführten sie in den Illuminatenorden.[5]

Nachdem die Gesellschaft 1784 von der bayerischen Regierung verboten worden war, verlor Weishaupt seine Anstellung an der Universität von Ingolstadt und floh zunächst nach Regensburg. Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg (seit 1783 Mitglied der Illuminaten unter dem Ordensnamen ‚Quintus Severus‘, bzw. ‚Timoleon‘) gewährte ihm in Gotha Asyl, wo Weishaupt von 1786 (1787?) an mit dem Titel und der Pension eines Hofrates lebte.[6] Hier schrieb er eine Serie von rechtfertigenden Arbeiten über den Orden, darunter Vollständige Geschichte der Verfolgung der Illuminaten in Bayern (1785), Schilderung der Illuminaten (1786), Apologie der Illuminaten (1786) und Das verbesserte System der Illuminaten mit allen seinen Einrichtungen und Graden (1787).

1808 wurde er zum auswärtigen Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannt. Die Initiative für seine Ernennung ging von Montgelas aus. Mit ihm stand Weishaupt in regelmäßigem brieflichem Kontakt. Für die Akademie spielte Weishaupt insoweit eine gewichtige Rolle, als sein radikal aufklärerisches Gedankengut von vielen Akademiemitgliedern geteilt wurde.[7]

Ab 1817 setzte sich Weishaupt nach dem Vorbild Englands für ein großzügiges Geld- und Kreditsystem, auch zur Finanzierung erhöhter Staatsausgaben, ein.[8][9]

Weishaupt starb nach längerer Krankheit am 18. November 1830 nachmittags ½ 5 Uhr[10] in Gotha, wo er drei Tage später auf dem 1883 geschlossenen Friedhof II neben seinem früh verstorbenen Sohn Wilhelm beerdigt wurde. Nach ihm fanden auch seine Ehefrau Anna Maria sowie die Töchter Nanette und Charlotte hier ihre letzte Ruhestätte.[11] Der bei der Beräumung des Friedhofes im Jahre 1969 verschwundene Grabstein Weishaupts trug, wie Fotos zeigen, weder Geburts- noch Sterbedaten, sondern lediglich die Inschrift:

HEIC JACET / WEISHAUPT / VIR INGENIO ANIMO DOCTRINA / PRIMARIUS CIVIUM LIBERTATIS / VINDEX ACERRIMUS / EXSUL OBIIT OCTOGENARIUS[12]

(sinngemäß: Hier liegt Weishaupt / Ein geehrter Mann mit einem gelehrten Geist / der Erste in der Bürgerschaft der Freiheit / deren glühender Verteidiger er war / im Exil achtzigjährig verstorben)

In Gotha existiert noch immer sein einstiges Wohnhaus, das sich direkt gegenüber dem Schloss Friedenstein in der Parkallee 13 neben dem Herzoglichen Museum befindet. In Ingolstadt erinnert heute nur noch eine Gedenktafel an dem Gebäude, in dem sich der Versammlungssaal der Illuminaten befand, an den Orden. Das Gebäude befindet sich in der Theresienstraße 23, mitten in der heutigen Fußgängerzone der Stadt.

Familie[Bearbeiten]

Weishaupt war seit 1773 verheiratet mit Anna Maria Sausenhofer (gest. 1846). Er hatte mit ihr sieben Kinder:

  • Wilhelm Damianus (1784–1802)
  • Franz Eduard (1786–1864)
  • Carl Romanus (1787–1853)
  • Ernst Ferdinand Gottfried (geb. 1789)
  • Nanette (1790–1853)
  • Charlotte Mariane (1792–1867)
  • Alfred Joseph Heinrich (gest. 1872)

Verschwörungsmythen[Bearbeiten]

Adam Weishaupt wurde als Gründer der Illuminaten ein fester Bestandteil spekulativer Verschwörungstheorien, die besonders in rechts-konservativen Gruppen in den Vereinigten Staaten Verbreitung finden. Diesen zufolge soll Weishaupt nach dem Verbot der Illuminaten im Geheimen weitergemacht und mit französischen Freimaurerkreisen Kontakt gehabt haben. Heute gibt es wenige bekannte Vereinigungen, denen nicht unterstellt wurde, durch Illuminaten infiltriert zu sein oder selbst die Illuminaten-Nachfolger zu sein. Urheber dieser Theorien, die den feindlichen Aussagen der katholischen Kirche gegenüber den Illuminaten ähneln, war Anfang des 19. Jahrhunderts der ehemalige Jesuit Abbé Barruel. Diese Theorien trugen maßgeblich zu Adam Weishaupts Popularität bei. In rechtsextremen Verschwörungstheorien findet man seit dem späteren 19. Jahrhundert auch die Aussage, Adam Weishaupt sei Jude gewesen und habe das „Neue Testament Satans“ (alias „Protokolle der Weisen von Zion“) geschrieben.

George Washington; nur geringe Ähnlichkeit mit Adam Weishaupt

In der Romantrilogie Illuminatus! von Robert Anton Wilson und Robert Shea werden auch folgende Theorien (in parodistischer Absicht) aufgestellt:

  • George Washington soll während seiner Amtszeit ermordet und durch Adam Weishaupt ersetzt worden sein. In diesem Zusammenhang wird häufig erwähnt, dass von beiden Hanf zum Konsum als Droge angebaut wurde. Mit dem Weißkopfseeadler, auf Washingtons Anregung zum Wappentier der Vereinigten Staaten gewählt, habe sich in Wahrheit Weishaupt ein Denkmal gesetzt.
  • Der Begriff „Flower Power“ soll auf den angeblichen Illuminatenspruch „Ewige Blumenkraft“ zurückgehen.
  • Adam Weishaupt soll die Illuminaten nicht gegründet, sondern lediglich reformiert haben. Wer die wirklichen Gründer seien, wird unterschiedlich beantwortet: Hassan-i Sabbah, Galileo Galilei, Luzifer, Lilith sind nur einige aus der Galerie der angeblichen Gründer.
  • Adam Weishaupt soll Jesuit, beziehungsweise Teil einer Jesuitenverschwörung gewesen sein

Werke[Bearbeiten]

  • Oratio panegirica in Laudem Egolphi a Knoeringen Episcopi quondam Augustani (1768)
  • De Lapsu Academiarum Commentatio Politica (1775)
  • Vollständige Geschichte der Verfolgung der Illuminaten in Bayern (1785)
  • Apologie der Illuminaten (1786) Digitalisat Göttingen
  • Schilderung der Illuminaten (1786)
  • Über Materialismus und Idealismus (1786)
  • Einleitung zu meiner Apologie (1787)
  • Kurze Rechtfertigung meiner Absichten (1787)
  • Nachtrag zur Rechtfertigung meiner Absichten (1787)
  • Das verbesserte System der Illuminaten (1787) Digitalisat Archive.org
  • Apologie des Misvergnügens und Übels (1787)
  • Nachtrage von weitern Originalschriften, welche die Illuminatensekte überhaupt, sonderbar aber den Stifter derselben Adam Weishaupt, betreffen, und bey der auf dem Baron Bassusischen Schloß zu Sandersdorf, einem bekannten Illuminaten-Neste, vorgenommenen Visitation entdeckt, sofort auf Churfürstlich höchsten Befehl gedruckt und zum geheimen Archiv genommen worden sind … (1787)
  • Über die Gründe und Gewißheit der Menschlichen Erkenntniß (1788)
  • Über die Kantischen Anschauungen und Erscheinungen (1788)
  • Zweifel über die Kantischen Begriffe von Zeit und Raum (1788) Digitalisat Hathi Trust
  • Pythagoras, oder Betrachtungen über die geheime Welt- und Regierungskunst (1790)
  • Über Wahrheit und sittliche Vollkommenheit (1793)
  • Über die Lehre von den Gründen und Ursachen aller Dinge (1794)
  • Über die Selbsterkenntnis, ihre Hindernisse und Vorteile (1794)
  • Die neuesten Arbeiten des Spartacus (d. i. Adam Weishaupt) und Philo (d. i. Adolph Freiherr von Knigge) in dem Illuminaten-Orden (1794, hrsg. Ludwig Adolf Christian Grolmann)
  • Philo an die versammelten Repräsentanten des Wirtembergischen Volks (1797)
  • Über die Zwecke oder Finalursachen (1797)
  • Über die Hindernisse der baierischen Industrie und Bevölkerung (1802)
  • Die Leuchte des Diogenes (1804)
  • Über die Staats-Ausgaben und Auflagen (1817)
  • Über das Besteuerungs-System (1818)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Reinhard Markner, Monika Neugebauer-Wölk, Hermann Schüttler (Hrsg.): Die Korrespondenz des Illuminatenordens. Bd. 1: 1776–1781, Niemeyer, Tübingen 2005, ISBN 3-484-10881-9. Bd. 2: Januar 1782–Juni 1783, De Gruyter, Berlin 2013, ISBN 978-3-11-029486-6.
  • Jan Rachold (Hrsg.): Die Illuminaten. Quellen und Texte zur Aufklärungsideologie des Illuminatenordens (1776–1785). Akademie-Verlag, Berlin 1984.
  • Ludwig Hammermayer: Entwicklungslinien, Ergebnisse und Perspektiven neuerer Illuminatenforschung, in: Staat und Verwaltung in Bayern (Festschrift für Wilhelm Volkert zum 75. Geburtstag, Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 139), München 2003, S. 421-463.
  • Daniel Jacoby: Weishaupt, Adam. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 41, Duncker & Humblot, Leipzig 1896, S. 539–550.
  • Johannes Rogalla von Bieberstein: Der Mythos von der Verschwörung. Philosophen, Freimaurer, Juden, Liberale und Sozialisten als Verschwörer gegen die Sozialordnung, marixverlag, Wiesbaden 2008.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Adam Weishaupt – Quellen und Volltexte
 Commons: Adam Weishaupt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. F. A. Brockhaus: Allgemeine deutsche Real-Encyclopädie für die gebildeten Stände. Fünfter Band. I-L. (6. Auflage) Leipzig 1824. (online) S. 18.
  2. Fritz Mauthner: Der Atheismus und seine Geschichte im Abendlande. Band 3. Heppenheim 2010. (online) S. 356.
  3. Wolfgang Menzel: Geschichte der Deutschen. (2. Auflage) Stuttgart und Tübingen 1834. (online) S. 640.
  4. Ernst Hagmann, Adam Weishaupt war Freimaurer. In: Quatuor-Coronati-Jahrbuch 18 (1981), S. 93-97
  5. Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon. 5. Auflage 2006, Herbig Verlag, ISBN 978-3-7766-2478-6, Lemma Weishaupt, Adam, S. 891; bzw. Ausgabe von 1932 (online (Version vom 20. Mai 2009 im Internet Archive)).
  6. Hermann Schüttler (Hrsg.), Johann Joachim Christoph Bode: Journal von einer Reise von Weimar nach Frankreich. Ars Una, München 1994, ISBN 3-89391-351-3
  7. Alexander Ecker: Recht und Rechtsgeschichte in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften von 1759 bis 1827. Universität Regensburg, Regensburg 2004 (Dissertation), S. 154
  8. Konrad Frohn, Adam Weishaupt: Das neue Finanz-System. Nürnberg 1820. (online) S. 156:
    „[…] wohl auch über die Einnahmen zu erheben wissen; muß sich ein brillantes Kreditsystem aneignen […] wenn das System gehörig verstanden wird und mit Vorsicht angewendet wird […]. England ist die erste, weil es das Schuldenmachen besser versteht, als alle andere; seine beste Ressource ist die Staatsschuld […] seine Goldgrube. Sie soll mit eurer Bewilligung auch die unsrige werden.“
  9. Adam Weishaupt: Über die Staatsausgaben und Auflagen. 1817. S.53-54:
    „Der Grund von dem Stillstand und Verfall der Staaten liegt also nicht in der Menge der Ausgaben, sondern er muß darin gesucht werden, daß zu wenig oder zu unvernünftig ausgegeben wird; daß es Menschen giebt, welche mehr einnehmen als ausgeben, welche die Liberalität anderer, zu derselben Nachtheil mißbrauchen, und dem von diesen, in Umlauf gesetzten Geld auflauern, um des dem Umlauf zu entziehen. Diesem größten aller Übel kann ein Staat am wirksamsten dadurch begegnen, daß er nicht ein Gleiches thut. Laßt uns also eingestehen, was Thatsache ist. Ein Staat, welcher größer und mächtiger werden will, als er ist - und welcher Staat will dieß nicht? – kann die Zahl seiner Konsumenten nicht vermindern, ohne sich selbst entgegen zu arbeiten. Ihm liegt vielmehr alles daran, daß sich diese beständig vermehre. Diese Vermehrung der Konsumenten kann unmöglich auf dem Weg der Einschränkung bewirkt werden.“
  10. Leopold Engel: Geschichte des Illuminaten-Ordens, Berlin 1906, S. 396
  11. Matthias Wenzel: Dokumentation zur Geschichte des Friedhofs II, Gotha 2014, S. 72
  12. Louis Schmidt: Ein Gang über unseren ältesten Friedhof, Gotha o.J., Seite 21