Adam Wiśniewski-Snerg

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Adam Wiśniewski-Snerg (* 1. Januar 1937 in Płock; † 23. August 1995 in Warschau) war ein polnischer Science-Fiction-Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Wiśniewski-Snerg verlor sehr früh seine Eltern und wurde zusammen mit seinem älteren Bruder Stanisław von einer Tante aufgezogen. Er lebte seit seinem elften Lebensjahr in Warschau, wo er sich nach dem Grundschulbesuch autodidaktisch weiterbildete.[1] Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde seine Familie weiter dezimiert, als Stanisław wegen angeblichen Widerstands gegen den Kommunismus zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurde. Wiśniewski-Snerg legte nie ein Abitur ab und konnte kein Studium aufnehmen. 1968 veröffentlichte er seine erste Erzählung Anonym in der Zeitschrift „Kamena“.[1] Sein 1973 publizierter Erstlingsroman Robot wurde von den polnischen Science-Fiction-Lesern zum bedeutendsten polnischen Science-Fiction-Roman seit 1945 gewählt.[1] Adam Wiśniewski-Snerg gilt als bester polnischer Science-Fiction-Autor nach Stanisław Lem.[2] Ohne große Aufmerksamkeit unter Wissenschaftlern zu erzielen, versuchte er sich an der einheitlichen Feldtheorie.[3] Sein Buch Jednolita teoria czasoprzestrzeni (etwa Vereinheitlichte Theorie der Raumzeit, ein Beitrag zur theoretischen Physik, in dem er Einsteins Theorien ablehnt) fand keinen Verlag, so dass er es 1990 auf eigene Kosten drucken ließ.

Adam Wiśniewski-Snerg beging 1995 Suizid.[3] Einige seiner Werke wurden erst postum veröffentlicht.

Da wichtige Motive seiner Romane Die Arche und Das Evangelium nach Lump in den Matrix-Filmen wiederauftauchen (nur der Protagonist erkennt die vorgetäuschte Natur der Wirklichkeit, alle Menschen spielen eine vorherbestimmte Rolle in einem geheimen Drehbuch), hat es unter polnischen Lesern mehrfach Diskussionen darüber gegeben, ob die Wachowski-Geschwister in ihrer Filmtrilogie Ideen von Adam Wiśniewski-Snerg verwendet haben.

Schriftstellerkollege Janusz A. Zajdel nahm den hochintelligenten Adam Wiśniewski-Snerg als Vorbild für die Figur des Adi Cherryson, genannt Sneer, die in Zajdels Dystopie Limes inferior (1982, deutsch 1993) anderen dabei hilft, die IQ-Tests eines Überwachungsstaates auszutricksen.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Bücher

  • Robot. 1973
Roboter. Heyne, München, 1981 (übersetzt von Halina und Gerhard Meiser nach dem vom Autor leicht gekürzten und verbesserten Text der zweiten Auflage), ISBN 3-453-30717-8.
  • Według łotra. 1978
Das Evangelium nach Lump. Heyne, München 1982 (übersetzt von Rudolf J. Retz), ISBN 3-453-30840-9.
  • Nagi cel. 1980
Nacktes Ziel. Heyne, München 1989 (übersetzt von Hanna Rottensteiner), ISBN 3-453-03455-4.
  • Arka. 1989
Die Arche. Heyne, München 1993 (übersetzt von Hanna Rottensteiner), ISBN 3-453-07239-1.
  • Jednolita teoria czasoprzestrzeni. 1990
  • Oro. 1997
  • Trzecia cywilizacja. 1998

Erzählungen

  • Oaza. 1979
Die Oase. In: Klaus Staemmler (Hrsg.): Phantasma – Polnische Geschichten aus dieser und jener Welt. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1982 (übersetzt von Klaus Staemmler), ISBN 3-518-37326-9.
  • Aniol przemocy. 1980
Engel der Gewalt. In: Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Science Fiction Story-Reader 16. Heyne, München 1981 (übersetzt von Hanna Rottensteiner), ISBN 3-453-30720-8.
  • Rozdwojenie. 1997
Gespalten. 1997 In: Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Die letzten Bastionen – Internationale Science Fiction Stories. Heyne, München 1997 (übersetzt von Hanna Rottensteiner), ISBN 3-453-12659-9.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Hans J. Alpers, Werner Fuchs, Ronald M. Hahn und Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Lexikon der Science Fiction Literatur. Band 1, Heyne, München 1980, ISBN 3-453-01063-9, S. 663
  2. Alpers/Fuchs/Hahn/Jeschke (Hrsg.): Lexikon der Science Fiction Literatur. Erweiterte und aktualisierte Neuausgabe in einem Band, Heyne, München 1988, ISBN 3-453-02453-2, S. 1065
  3. a b Ivan Adamovic: Adam Wisniewski-Snerg. (Obituaries) In: Charles N. Brown: Locus. Ausgabe 420, Januar 1996, S. 66