Aderendhülse

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Aderendhülsen (englisch wire ferrules) werden verwendet, um die abisolierten Enden von Litzenleitungen zu schützen, so dass sie ohne Beschädigung der Einzeldrähte in Klemmen angeschlossen werden können. Bei der Verwendung bestimmter Klemmentypen wie den Fahrstuhlklemmen ist keine Aderendhülse nötig.

Verschiedene Aderendhülsen mit und ohne Schutzkragen.

Verarbeitung[Bearbeiten]

Die Aderendhülsen sind exakt zum Leiterquerschnitt auszuwählen und mit dem dafür vorgesehenen Einsatz im Crimp-Werkzeug zu verarbeiten. Die Anforderungen an Crimpverbindungen sind in der DIN EN 60352-2:2006-11 festgelegt. Neben der Vermeidung typischer Fehler, wie sie beim Crimpen entstehen können, ist die erreichte Zugfestigkeit der Verbindung ein wesentliches Qualitätsmerkmal. Die einzelnen Arbeitsschritte beginnend mit dem Abisoliervorgang auf richtige Länge und ohne Beschädigung der Litzen und der verbleibenden Isolierung, dem Aufschieben einer geeigneten Aderendhülse und der Fertigstellung mit einem geeigneten Crimp-Werkzeug erfordern handwerkliche Sorgfalt.[1]

Fehler, die beim Crimpen entstehen können[Bearbeiten]

Aderendhülsen in Handelsverpackung
  • Riss-Bildung an den Längskanten und Stempelabdrucken
  • Aufplatzen der Aderendhülse
  • unsymmetrische Crimpform
  • starke Gratbildung an den Längskanten
  • Hülse vom Leiter nicht ausgefüllt
  • Einzellitzen zurückgeschoben, stehen aus dem Kragen heraus
  • Einzellitzen abgequetscht
  • Draht zu kurz oder zu weit bis in Kontaktfläche eingeschoben
  • Kunststoffkragen durch Crimp-Stempel beschädigt
  • Leiterisolation nicht in den Kunststoffkragen geschoben
  • Aderendhülse nach Crimpen in Längsrichtung durchgebogen

Ausführung und Varianten[Bearbeiten]

Aderendhülsen mit Schutzkragen (die farbigen im Bild) bieten einen zusätzlichen Knickschutz der angeschlossenen Ader. Der konische Kragen erleichtert einerseits das Einführen des Litzenbündels in die Hülse, andererseits auch das Einführen des behülsten Leiters in die Klemme. Ein Verhaken der Kanten von Klemmenisolation und Leiterisolation wird vermieden. Zum Anschluss zweier Adern in einer Klemme gibt es sogenannte Duo-Aderendhülsen (im Bild das graue Exemplar, wofür allerdings auch ein spezieller Werkzeugeinsatz erforderlich ist).

Die Hülsen bestehen aus typisch 0,15 mm starkem Kupfer, können verzinnt, in Sonderfällen auch versilbert oder vergoldet sein. Der Schutzkragen besteht etwa aus PA6.6 oder PP.

Farbliche Markierung[Bearbeiten]

Die Farbe des Schutzkragens gibt Aufschluss über den maximalen Draht- bzw. Leiterquerschnitt. Es gibt drei verschiedene, sich teils widersprechende Kennfarben. Im Fachhandel setzt sich die Farbkodierung nach der DIN-Norm 46228 zunehmend durch.

Querschnitt Französischer Farbcode Deutscher Farbcode DIN-Norm 46228
0,14 mm²  braun  grau
0,25 mm²  violett  hellblau
0,34 mm²  rosa  türkis
0,50 mm²  weiß  orange  weiß
0,75 mm²  blau  weiß  grau
1,00 mm²  rot  gelb  rot
1,50 mm²  schwarz  rot  schwarz
2,50 mm²  grau  blau  blau
4,00 mm²  orange  grau  grau
6,00 mm²  grün  schwarz  gelb
10,00 mm²  braun  elfenbein  rot
16,00 mm²  elfenbein  grün  blau
25,00 mm²  schwarz  braun  gelb
35,00 mm²  rot  beige  rot
50,00 mm²  blau  oliv  blau
70,00 mm²  gelb
95,00 mm²  rot
120,00 mm²  blau

Normative Anforderungen[Bearbeiten]

Leitungen, die aus Einzellitzen bestehen, müssen mit Aderendhülsen versehen werden, wenn die Anschlussklemme nicht für den Anschluss unkonfektionierter Litzenleitungen zugelassen ist.[2] Beim Einbau der Litze in eine dafür ungeeignete Klemme bleiben häufig einzelne Drähte am Rand der Klemme hängen, werden dadurch zurückgeschoben und stehen im ungünstigsten Fall über den isolierten Rand der Klemme vor. Es besteht Gefahr für Kurzschluss und/oder Gefahr eines Stromunfalls. Zudem besteht bei nicht mit Aderendhülsen versehenen Leitungen eine erhöhte Korrosionsgefahr. In Käfigfederzugklemmen ist eine Aderendhülse nicht mehr erforderlich, da die Konstruktion solcher Klemmen sowohl das Herausrutschen einzelner Drähte als auch das Abscheren wirksam verhindert.

Andere Verfahren[Bearbeiten]

Das an Stelle von Aderendhülsen früher häufig praktizierte Verlöten von Litzenenden ist in der Elektroinstallation nicht mehr Stand der Technik. Der Grund dafür ist die niedrige Druckfestigkeit des Lotes. In Schraubklemmen verformt sich ein verlötetes Litzenende unter der Anpresskraft der Schraube mit der Zeit so stark (sog. „Fließen“), dass kein hinreichender Kontakt zwischen Litze und Klemme mehr besteht. Im Extremfall entsteht eine nicht gewollte Funkenstrecke. Die Ausbildung von Oxidschichten lässt dann den Übergangswiderstand stark ansteigen, was zu einer hohen Brandgefahr führt. Gefördert wird diese Entwicklung auch noch durch die hohe Korrosionsneigung von Lötverbindungen. In den einschlägigen Normen ist das Löten elektrischer Verbindungen zwar nicht ausdrücklich verboten, in VDE 0100-520:2003-06 Abschnitt 526.2 ist jedoch festgehalten, dass Lötverbindungen in Leistungskreisen vermieden werden sollen.[3]

Industrielle Verarbeitung[Bearbeiten]

Es werden auch Maschinen angeboten, die automatisch abisolieren, Hülse aufstecken und verpressen. Die Hülsen sind dann meist automatengerecht verkettet. Wenige Maschinen arbeiten auch mit losen Hülsen, die über Schwingförderer sortiert zugeführt werden.

Im industriellen Bereich werden statt verpressbaren Aderendhülsen auch crimpbare Endhülsen verwendet. Diese sind bedeutend kostengünstiger, da als Halbzeug Bandmetall verwendet werden kann, das entsprechend vorgeformt wird.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wire ferrules – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Qualitätshandbuch für industrielles Crimpen. Molex, 20091223, abgerufen am 27. November 2012 (PDF; 1,2 MB, Begriffe, Verfahren, Fehlerbilder, Prüfung).
  2. Vergleiche VDE 0100-520:2003-06: Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 5: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmitteln; Kapitel 52: Kabel- und Leitungsanlagen
  3. Anmerkung in VDE 0100-520:2003-06 Abschnitt 526.2 - (sinngemäß): Lötverbindungen sollten in Leistungsstromkreisen vermieden werden. Werden diese angewendet, müssen die Verbindungen so ausgeführt sein, dass das Fließen des Lötmittels, mechanische Belastungen und Temperaturerhöhung im Fehlerfall berücksichtigt sind.