Adessiv

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Der Adessiv (zu lat. adesse: anwesend sein) ist ein grammatikalischer Lokalkasus, der die Position in der Nähe eines Objekts ausdrückt. Er war einer der sekundären Lokalkasus im Altlitauischen, z. B. jūraip(i) (am Meer), tėviep(i) (beim Vater), heute wird jedoch dieser Umstand mit Präpositionalphrasen ausgedrückt, z. B. prie jūros (am Meer, aber auch: ans Meer, vgl. Allativ), pas tėvą (beim Vater, aber auch: zum Vater).

Sekundär kann dieser Kasus auch das Agens einer Handlung ausdrücken.

In finno-ugrischen Sprachen[Bearbeiten]

Die Funktion des Adessivs entspricht den Präpositionen auf, an, bei (im Finnischen und Estnischen) bzw. bei (im Ungarischen). Im Finnischen und Estnischen wird der Adessiv auch für die Umschreibung von haben verwendet, weil die finno-ugrischen Sprachen kein echtes Verb haben kennen.

Finnisch[Bearbeiten]

Im Finnischen endet der Adessiv auf -lla bzw. -llä. Die Endung richtet sich nach der Vokalharmonie.

Beispiel: meillä „bei uns“

Der Adessiv drückt im Finnischen das fehlende Verb haben aus.

Beispiel: Minulla on vuode. „Ich habe ein Bett.“

Estnisch[Bearbeiten]

Im Estnischen lautet die Endung -l bzw. im Plural -tel oder -del.

Beispiele

  • maal „auf dem Land“
  • laud „Tisch“ → laual „auf dem Tisch“

Der Adessiv drückt im Estnischen wie auch im Finnischen das fehlende Verb „haben“ aus.

Beispiel: Mul on poeg. „Ich habe einen Sohn.“

Ungarisch[Bearbeiten]

Im Ungarischen endet der Adessiv auf -nál bzw. -nél. Die Endung richtet sich nach der Vokalharmonie.

Beispiel: fánál „beim Baum“.