Adjungierter Operator
In der Funktionalanalysis kann zu jedem dicht definierten linearen Operator
ein adjungierter Operator (manchmal auch dualer Operator)
definiert werden.
Lineare Operatoren können zwischen zwei Vektorräumen mit gemeinsamem Grundkörper
(
oder
) definiert werden, adjungierte Operatoren werden allerdings häufig nur auf Hilberträumen betrachtet, also beispielsweise (endlichdimensionalen) euklidischen Räumen. Auf endlichdimensionalen Räumen entspricht der adjungierte Operator der adjungierten Matrix. In der Matrizenrechnung mit reellen Einträgen entspricht die Bildung des adjungierten Operators dem Transponieren, bei komplexen Einträgen dem (komplex) Konjugieren und Transponieren der Ausgangsmatrix. In der Physik und bei den Ingenieuren wird daher, in Analogie zur Matrixtheorie, der adjungierte Operator in der Regel nicht mit
sondern mit
bezeichnet.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Adjungierter Operator
[Bearbeiten] Definition
Seien
und
Hilberträume. Mit
wird der Definitionsbereich des linearen Operators
bezeichnet. Die Operatoren
und
heißen zueinander formal adjungiert, falls
für alle
und
gilt. Unter diesen Voraussetzungen ist
im Allgemeinen nicht eindeutig durch
gegeben. Ist
dicht definiert, so existiert ein zu
maximaler, formal adjungierter Operator
.
nennt man den adjungierten Operator von
.
[Bearbeiten] Eigenschaften adjungierter Operatoren
Sei
dicht definiert. Dann gilt:
- Ist
dicht, so ist
, d. h.
und
auf 
. Dabei steht Ker für den Kern des Operators und Ran (für Range) für den Bildraum.
ist genau dann beschränkt, wenn
beschränkt ist. In diesem Fall gilt 
- Ist
beschränkt, so ist
die eindeutige Fortsetzung von
auf 
Sei
dicht definiert. Der Operator
ist definiert durch
für
. Ist
dicht definiert, so ist
. Ist
beschränkt, so gilt sogar die Gleichheit.
Seien
ein Hilbertraum und
. Dann wird die Hintereinanderausführung bzw. Komposition
von
und
definiert durch
für
. Ist
dicht definiert, so gilt
. Ist
beschränkt, erhält man
.
[Bearbeiten] Konstruktion für beschränkte Operatoren
Zur Vereinfachung kann der Bild- und Definitionsraum als gleich angenommen werden.
Beschränkte Operatoren können auf dem gesamten Hilbertraum
definiert werden. In diesem Fall ist für jedes
die Funktion
ein auf dem ganzen Hilbertraum definiertes, lineares stetiges Funktional, da aus der Beschränktheit des auf ganz
definierten linearen Operators T die Stetigkeit von
folgt.
Der Darstellungssatz von Riesz liefert für jedes stetige lineare Funktional
ein eindeutig bestimmtes Element
, sodass
für alle
. Also existiert für jedes
genau ein Element
mit
. Nun setzt man
. Diese Konstruktion ist äquivalent zu obiger Definition.
[Bearbeiten] Symmetrische und selbstadjungierte Operatoren
Ein linearer Operator
heißt
- symmetrisch oder formal selbstadjungiert, falls
für alle
gilt. - wesentlich selbstadjungiert, falls
symmetrisch, dicht definiert und seine Abschließung selbstadjungiert ist. - selbstadjungiert, falls
dicht definiert und
gilt.
Außerdem gibt es noch den Begriff des hermiteschen Operators. Dieser wird vor allem in der Physik verwendet, jedoch nicht einheitlich definiert. Meist wird das Objekt wie ein wesentlich selbstadjungierter Operator verwendet.
[Bearbeiten] Verallgemeinerung auf Banachräume
Adjungierte Operatoren können auch allgemeiner auf Banachräumen definiert werden. Für einen Banachraum
bezeichnet
den topologischen Dualraum. Im Folgenden wird die Schreibweise
für
und
benutzt. [1] Seien
und
Banachräume und sei
ein stetiger, linearer Operator. Der adjungierte Operator
wird definiert durch
für alle
definiert. Um diesen adjungierten Operator von den adjungierten Operatoren auf Hilberträumen zu unterscheiden, werden diese oft mit einem
statt mit einem
notiert.
Ist der Operator
jedoch nicht stetig aber dicht definiert, so definiert man den adjungierten Operator
durch
Der Operator
ist stets abgeschlossen, wobei
möglich ist. Ist
ein reflexiver Banachraum und
, dann ist
genau dann dicht definiert, wenn
abschließbar ist. Insbesondere gilt dann
.
[Bearbeiten] Abweichende Konventionen
Die Physiker, beispielsweise, haben es überwiegend mit komplexen Räumen zu tun und benutzen deshalb - wie bei komplexen Matrizen - für den dualen Operator nicht die Bezeichnung
sondern
(Transposition und Übergang zum Konjugiert-Komplexen), während die Bezeichnung
für die konjugiert-komplexe Matrix
vorbehalten wird, da bei Physikern das Querstrich-Symbol für die Mittelwertbildung reserviert ist. Ferner wird anstelle des Begriffs „symmetrischer Operator“ gegebenenfalls der Begriff „hermitische Matrix“ benutzt.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Literatur
- Dirk Werner: Funktionalanalysis, Springer-Verlag, Berlin, 2007, ISBN 978-3-540-72533-6
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Vorsicht: Die Physik-Lehrbücher bezeichnen mit
das Skalarprodukt im Hilbertraum. In einem allgemeinen Banachraum existiert dies gar nicht, im Gegensatz zu den hier benutzten allgemeineren Begriffen wie dem Dualraum etc.

dicht, so ist
, d. h.
und
auf
. Dabei steht Ker für den 
die eindeutige Fortsetzung von
für alle
gilt.
gilt.



das Skalarprodukt im