Adler (Wappentier)

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Der Adler ist in der Heraldik eine Gemeine Figur und nach dem Löwen das zweithäufigste Wappentier.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Allgemeines

Der Adler kann im Wappen geteilt oder gespalten vorkommen. Wenn er am Spalt ist, wird er mittig in zwei gleiche Teile zerlegt. Der Adlerkopf ist davon ausgenommen und wird vollständig dargestellt. Die Blickrichtung legt die Schildseite fest. Erst spät hat sich der nimbierte Adler seinen Platz im Wappen erobert. Der Heiligenschein, häufig in Gold, selten anders gefärbt, ist erst ab dem 15. Jahrhundert nachweisbar und beschränkt sich auf den Kopf. Kaiser Sigismund soll ihn im Wappen um 1433/37 verwendet haben. Beim Doppeladler ist der Nimbus um beide Köpfe.

[Bearbeiten] Symbolik

Er symbolisiert Unsterblichkeit, Mut, Weitblick und Kraft, gilt aber auch als König der Lüfte und Bote der höchsten Götter. Nach altem Glauben blickt er beim Auffliegen direkt in die Sonne, weshalb er auch ein Sinnbild für den Aufstieg in den Himmel und die Erlösung der Seele ist. Mythologisch wird der Adler bei den Griechen mit dem Gott Zeus, bei den Römern mit Jupiter und bei den Germanen mit Odin verbunden. Der Adler ist das Attribut des Evangelisten Johannes.

[Bearbeiten] Adler im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation

Kaiser Heinrich VI. im Codex Manesse mit dem kaiserlichen Adlerwappen
Kaiser Heinrich VI. im Codex Manesse mit dem kaiserlichen Adlerwappen

Im Heiligen Römischen Reich galt der Adler als kaiserliches Symbol und als Symbol des Reiches. Die Verwendung eines Adlers war daher auch immer ein Bekenntnis zu Kaiser und Reich. So sind Adlerwappen typisch für viele freie Reichsstädte, die Wert auf ihre Reichsunmittelbarkeit legten und sich keinem Fürsten unterwerfen wollten. Der Löwe stellte dahingegen die fürstliche Macht und das regionale Streben nach Unabhängigkeit von kaiserlicher Macht dar. Bürgerliche Familienwappen zeigen oft einen Hund.

[Bearbeiten] Teile des Adlers im Wappen

Drei Adlerköpfe im Pasewalker Wappen
Drei Adlerköpfe im Pasewalker Wappen
Adlerbein im Wappen von Aindling
Adlerbein im Wappen von Aindling

In Wappen finden häufig auch nur Teile des Adlers Anwendung. So wird der Kopf, nur ein Fang (Bein) oder beide Fänge zur Gestaltung genommen. Farben entsprechen den heraldischen Regeln. Wird nur der Oberkörper im Wappen gezeigt, so kann er wachsend oder wenn er nicht den Schildrand berührt, schwebend sein. Sind nur die Flügel oder mindestens einer im oder über dem Wappen (Oberwappen) angebracht, spricht der Heraldiker vom Flug. Dieser Flug kann offen, geschlossen oder ein Halber Flug sein. Schnabel, Zunge, Körper und Schwanz, aber auch die Krallen und Flügel können immer andere Farben im Schild haben.

Eine Sonderform eines Fluges ist das Flügelrad, einseitig oder beidseitig. Die hauptsächliche Verwendung ist weniger in der Heraldik, sondern als Abzeichen auf Dienstuniformen.

[Bearbeiten] Sonderformen

[Bearbeiten] Doppeladler

Hauptartikel: Doppeladler

Der Doppeladler, ein zweiköpfiger Adler, ist eines der ältesten Adlermotive in der Heraldik. Unter anderem nutzten ihn das Heilige Römische Reich, das Russische Reich und die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Andere Nationen, die den Doppeladler als Staatwappen führen, sind Albanien, Jugoslawien (ehemalig), Serbien, Montenegro sowie Russland.

[Bearbeiten] Adler mit drei Köpfen

Bei einem dreiköpfigen Adler sind die Sachsen nach innen gedreht und mit einwärts gerichteten Adlerköpfen an den Enden bestückt. Der eigentliche Adlerkopf folgt den heraldischen Regeln. Diese Darstellung ist aus der Großen Heidelberger Liederhandschrift bekannt. Einen dreiköpfigen Adler in Conrad Grünenbergs Wappenbuch verweist auf das Wappenbild des römisch-deutschen Kaiser hin.

[Bearbeiten] Adler Saladins

Hauptartikel: Adler Saladins

Der Adler Saladins, nach Saladin, ist eine besondere Form des Adlers. Viele arabische Länder besitzen ihn in der Landesfahne oder im Staatswappen, darunter Ägypten, der Irak und der Jemen.

[Bearbeiten] Weißkopfseeadler

Hauptartikel: Weißkopfseeadler
Weißkopfseeadler im Siegel der USA
Weißkopfseeadler im Siegel der USA

Die USA nutzen im Gegensatz zu den anderen Nationen mit dem Weißkopfseeadler eine bestimmte Adlerart.

[Bearbeiten] Besondere Formen eines Adlers

Die Staatswappen von Mexiko, Moldawien, Polen und Rumänien zeichnen sich durch eine besondere Form eines Adlers aus.

[Bearbeiten] Adler mit anderem Körper

Der Jungfrauenadler, ein heraldischer Adler mit dem nackten Oberkörper einer Frau, ist auch eine Sonderform. Diese Adlerformen sind zu den Fabelwesen zu zählen.

Das große Wappen der Österreichisch-Ungarischen Monarchie wurde rechts von einem Adlerlöwen als Schildhalter gehalten. Auf einem Löwenkörper wurde das Vorderteil durch den oberen Teil eines Adlers ersetzt.

Seltener ist in der Heraldik der Adlermann.[1] Diese Fantasiegestalt ist aus dem Oberkörper des Adlers und den Beinen eines Mannes zusammengesetzt.

[Bearbeiten] Adler mit anderem Kopf

In der Heraldik haben sich noch weitere Formen herausgebildet. So gibt es im Wappen der märkischen Familie von Flans den Wolfsadler, ein Adler mit Wolfskopf und im Wappen der Grafen von Reichenbach-Lessonitz einen Adler mit Ziegenkopf, den Ziegenkopfadler. Ein weiteres Beispiel ist das Wappen von Schwalmstadt.

[Bearbeiten] Alérion

Hauptartikel: Alérion

Der Adler ohne Schnabel und Krallen heißt Alérion. Beispiel ist das Wappen von Lothringen.

[Bearbeiten] Phönix

Hauptartikel: Phönix (Mythologie)
Phönix im Wappen von Buko
Phönix im Wappen von Buko

Ein aus der Asche, Glut oder Feuer aufsteigender Adler wird Phönix genannt. Er wird in der Heraldik oft eingesetzt. Beispiel ist das Wappen der Gemeinde Bechtsrieth, Weener und Buko.

[Bearbeiten] Garuda

Hauptartikel: Garuda

Garuda ist ein Begriff für zwei unterschiedliche Wappentiere. Im Wappen Indonesiens ist es ein goldener Adler und wird mit Garuda-Adler bezeichnet. Im thailändischen Wappen ist es ein Mischwesen. Die allgemeine Beschreibung dieses Wappentieres Garuda seit 1910 ist: Menschlicher Oberkörper in Rot mit gleichfarbigen Flügeln, goldener gekrönter löwenähnlicher Kopf, rote Schwanzfedern und goldene Adlerklauen am Unterkörper.

[Bearbeiten] Beispiele

[Bearbeiten] Liste weiterer Adlerwappen

[Bearbeiten] Galerie

[Bearbeiten] Reichsadler

Bundes- und Reichsadler auf einer bundesdeutschen Sonderbriefmarke von 1969
Bundes- und Reichsadler auf einer bundesdeutschen Sonderbriefmarke von 1969

Bereits die Römer nutzten seit etwa 100 v. Chr. den Adler als Heeres- und Wappenzeichen, sowie als Feldzeichen der Römischen Legionen. Als Symbol für die Himmelfahrt Christi verwendeten die Christen den Adler auch als Wahrzeichen von Johannes. Karl der Große verwendete ihn als Sinnbild für die kaiserliche Gewalt. Von Friedrich I. Barbarossa wurde der Adler zum Reichswappen und damit zum Symbol des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation erhoben. Dieses erste deutsche supranationale Reich wurde erst 1806 offiziell zu Grabe getragen.

Auch für Napoléon I. und Napoléon III. war der Adler in Anlehnung an römische Cäsarenmacht Kennzeichnungssymbol der Heere. Neben vielen Nationen ist der Adler auch in zahlreichen Wappen von Städten und Fürstenhäusern vertreten.

In Deutschland stellte der Reichsadler – neben dem Preußischen Adler (seit 1701) – auch das Hoheitszeichen des Deutschen Reiches (Deutsches Kaiserreich 1871–1918) dar. Auch die Weimarer Republik (1919–1933) und das nationalsozialistische Deutschland (1933–1945) führten den Reichsadler im Wappen. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde der Reichsadler oft mit dem Hakenkreuz in Verbindung gebracht. Es wurden z. B. kleine und größere Statuen des Reichsadlers mit ausgebreiteten Schwingen gefertigt, der auf einem Siegerkranz mit eingraviertem Hakenkreuz stand. Noch heute kann man Gebäuden aus dieser Zeit begegnen, die mit diesem Adler geschmückt sind und lediglich das Hakenkreuz aus dem Kranz herausgemeißelt wurde.

[Bearbeiten] Bundesadler

Hauptartikel: Bundeswappen (Deutschland) und Bundeswappen Österreichs

In Deutschland und Österreich wird nach dem Zweiten Weltkrieg das Wappentier Bundesadler genannt. In der Bundesrepublik Deutschland ist er seit dem 20. Januar 1950 staatliches Hoheitszeichen auf Bundesebene. Die offizielle Form entspricht dem Entwurf von Tobias Schwab aus dem Jahr 1928.

Der österreichische Bundesadler geht auf einen Entwurf von 1920 zurück. In der Zeit des austrofaschistischen Ständestaates von 1934 bis 1938 war er durch einen Doppeladler ersetzt worden. Seit 1945 ist der ursprüngliche Adler wieder in Gebrauch, als Symbol der wiedereerlangten staatlichen Unabhängigkeit wurden gesprengte Ketten an die Fänge des Adlers angefügt. Das Wappentier selbst ist ein Seeadler, wie am gelben Schnabel und den gelben Fängen erkennbar ist. [2]

In Österreich sind Adler im großen Wappen von Wien (Wiener Wappen) und in den Wappen von Tirol (Tiroler Wappen), Niederösterreich (Niederösterreichisches Wappen), dem Burgenland (Burgenländisches Wappen), und Oberösterreich (Oberösterreichisches Wappen) zu sehen.

[Bearbeiten] Preußischer Adler

Hauptartikel: Flagge Preußens

Hermann von Salza, Hochmeister des Deutschen Ordens, erhielt in der Goldenen Bulle von Rimini den schwarzen Reichsadler als Gnadenzeichen verliehen, den er daraufhin in einem weißen Schild führte. Das Herzogtum Preußen übernahm diesen schwarzen Adler. Seit dem Königreich zeigt der gekrönte Preußische Adler neben einer hellen Spange auch die Initialen FR (Fridericus Rex) auf der Brust, während er in den Fängen Zepter und Reichsapfel hält.

In den heraldischen Symbolen des Landes Sachsen-Anhalt ist aufgrund der ehemaligen Zugehörigkeit von Landesteilen zum Königreich Preußen (1701–1918) und späteren Freistaat Preußen (1919–1945) ein Adler zu sehen. Auch die Wappen von Ostpreußen und Westpreußen führen den preußischen Adler in modifizierter Form.

[Bearbeiten] Brandenburgischer Adler

Hauptartikel: Märkischer Adler

Dieser Adler hat eine lange Geschichte in der Heraldik erlebt. Als Wappentier im Land Brandenburg ist er in vielen Gemeindewappen vorhanden. Brandenburg führt den roten Adler auch in der Flagge. Er wird als Märkischer Adler bezeichnet.

[Bearbeiten] Weitere Adler mit Namen

[Bearbeiten] Johannisadler

Im Staatswappen von Spanien ist der Johannisadler hinter dem Wappenschild gestellt. Er ist als Symbol auf den Evangelisten Johannes zu verstehen. Bereits die katholischen Könige benutzten ihn seit etwa dem 5. Jahrhundert als Emblem im Wappen. Von der spanischen Republik abgeschafft, wurde er 1938 wieder eingeführt, verblieb aber nur bis 1980 im Staatswappen.

[Bearbeiten] Friesischer Adler

Ein mit Namen versehener Adler, der in vielen Wappen die Zugehörigkeit zu der Region Friesland dokumentieren soll, ist der Friesische Adler („Friesenadler“). Er verkörpert die Reichsunmittelbarkeit und die Freiheitsrechte der Friesen. Der Begriff Friesischer Adler ist nicht so feststehend wie Mainzer Rad. Eine einheitliche Darstellung ist nicht durchgängig. Ein verbreitetes Bild ist in Gold ein halber schwarzer rotbewehrter Adler am Spalt. Auch kann er in Silber ein halber schwarzer rotbewehrter Adler am Spalt sein.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Fußnoten

  1. Gert Oswald, Lexikon Heraldik, VEB Bibliographische Institut, Leipzig 1984, ISBN 3-411-02149-7
  2. aeiou – das Kulturinformationssystem

[Bearbeiten] Literatur

  • Walter Leonhard: Das große Wappenbuch der Wappenkunst. Verlag Georg D.W Callwey, J.R., München 1978.
  • Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1984, ISBN 3-411-02149-7.

[Bearbeiten] Weblinks

Commons
 Commons: Adler in der Heraldik – Bilder, Videos und Audiodateien
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