Admiralspalast

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Dieser Artikel behandelt das Berliner Bauwerk. Siehe auch Admiralspalast (Zabrze).
Der Admiralspalast, 2011

Der Admiralspalast ist ein traditionsreicher Veranstaltungsort in der Friedrichstraße 101/102 im Berliner Ortsteil Mitte. Er zählt zu den wenigen erhaltenen großen Vergnügungsstätten von Anfang des 20. Jahrhunderts in Berlin. 2006 wurde das Theater in dem denkmalgeschützten Gebäude nach umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeiten wiedereröffnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Admiralsgartenbad, Vergnügungspalast und Revuetheater[Bearbeiten]

Im Jahr 1867 wurde bei Bauarbeiten in der Friedrichstraße zufällig eine Solequelle entdeckt. Die Architekten Walter Kyllmann und Adolf Heyden errichteten für diese 1873 ein Badehaus, das als „Admiralsgartenbad“ bald eine vorherrschende Stellung unter den Berliner Bädern einnahm. Nach Plänen vom Beginn des 20. Jahrhunderts war eine Umgestaltung in eine Sport- und Unterhaltungsstätte vorgesehen.[1]

Eisarena im Admiralspalast, 1911

Das Gebäude wurde 1910 abgerissen und nach Plänen der Architekten Heinrich Schweitzer und Alexander Diepenbrock ein mehrflügeliger, viergeschossiger Vergnügungspalast mit luxuriösen Bädern, einer Eislaufbahn und Restaurants errichtet. Im Jahr darauf wurde das Haus unter dem Namen Admiralspalast eröffnet und galt bald als eine der großen Vergnügungsstätten Berlins. Außer einer Eisarena und dem Bädertrakt im Seitengebäude beherbergte das über 900 Zimmer bzw. Säle fassende Haus im Vorderhaus zur Friedrichstraße Kegelbahnen, ein großes Café und ein Lichtspieltheater. Die reich ausgestatteten Räumlichkeiten der Bäder hatten Tag und Nacht geöffnet. Neben dem 14 × 5 Meter großen Hauptbadebecken gab es mehrere römisch-russische Bäder sowie Herren- und Damenbaderäume, die im klassischen Stil mit Mosaikbildern und Karlsruher Majolikaplastiken geschmückt waren.[1] In der 50 × 23 Meter großen Eisarena wurden „Eisballette“ aufgeführt, die eigens von dem Leiter des Hausorchesters Julius Einödshofer komponiert wurden.[2]

Rund zehn Jahre später wurde nach Entwürfen der Architekten Oskar Kaufmann und Richard Wolffenstein das Konzept des Hauses geändert. Die Eisbahn im Mittelflügel wurde zunächst zu einem Varietétheater (Welt-Varieté) im Art-déco-Stil mit zwei Rängen und 1065 Plätzen umgebaut.[1][3] 1923 übernahm der Operettenregisseur Herman Haller die Leitung und ließ es zu einem Revuetheater (Theater im Admiralspalast) umbauen, in dem es dann zur Aufführung der berühmten Haller-Revuen kam. Eröffnet wurde mit der Revue Drunter und drüber, für die Walter Kollo die Musik komponierte. Bis zur Übernahme durch die Gebrüder Alfred und Fritz Rotter 1931 wurden viele weitere Revuen dort aufgeführt.[2]

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Der Umbau in ein Volltheater mit 2200 Plätzen erfolgte 1930 und ein Jahr später ein Umbau im expressionistischen Stil. 1933 ging der Rotter-Konzern, zu dem noch viele weitere Theater gehörten, in Konkurs und es kam zur Übernahme durch den Kapellmeister Walter Hochtritt. Mitte der 1930er Jahre verlagerte sich der Schwerpunkt des Repertoires auf Operetten. 1939 fusionierte der Admiralspalast mit dem Metropol-Theater in der Behrenstraße.[4] Am 20. Dezember erfolgte auf Anordnung des Reichsministers Goebbels und nach Plänen von Paul Baumgarten[3] eine völlige Neugestaltung des Theaters in eine „festlich-schöne Erholungsstätte“ in schlichter, klassizistischer Form, die bis heute noch erhalten ist. Johannes Heesters spielte hier den Danilo in Die lustige Witwe.[2] Nach der Schließung des hauseigenen Solebades 1940 erfolgte ein Jahr später der Einbau einer „Führerloge“ in die Mitte des ersten Ranges.[4] Am 1. September 1944 wurde der Admiralspalast zusammen mit den anderen Berliner Theatern auf Anordnung der NSDAP wegen Ausruf des „Totalen Krieges“ geschlossen.[5]

Nach dem Krieg[Bearbeiten]

Das Gebäude blieb vom Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont. Der noch intakte und repräsentative Theatersaal diente der sowjetischen Besatzungsmacht und den deutschen Behörden nach 1945 als Veranstaltungsort für politische und kulturelle Zwecke. Auf Initiative des sowjetischen Militärkommandanten Bersarin zog in dem Admiralspalast die Deutsche Staatsoper ein, deren Gebäude durch Bombentreffer nicht mehr benutzbar waren. Zwei Wochen nach dem Eröffnungskonzert am 23. August 1945 kam es zur Aufführung von Glucks Orpheus und Eurydike. Die Staatsoper spielte zehn Jahre in dem Palast und brachte es auf insgesamt 55 Inszenierungen.[6]

Vereinigungsparteitag von SPD und KPD zur SED im Admiralspalast (April 1946). Händedruck zwischen Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl, vorn rechts: Walter Ulbricht; 3. Reihe, 2. v. l.: Erich Honecker.

Anlässlich der Wiedereröffnung der Berliner Universität fand am 29. Januar 1946 ein Festakt im Admiralspalast statt. Am 21. und 22. April 1946 wurde im Admiralspalast, der sich im Sowjetischen Sektor von Groß-Berlin befand, der Vereinigungsparteitag der ostzonalen KPD und SPD abgehalten, auf dem die Gründung der SED beschlossen wurde. Nach der Spaltung der Berliner Stadtverwaltung kam es im November 1948 in dem Gebäude zur Wahl von Friedrich Ebert zum Oberbürgermeister von Ost-Berlin.[1]

Nachdem die Deutsche Staatsoper 1955 in ihr angestammtes und wieder aufgebautes Haus Unter den Linden zurückziehen konnte, zog in dem Admiralspalast das Metropol-Theater ein. Im Vorderhaus befand sich zeitweise das Haus der Presse mit Clubräumen, die vom Verband der Journalisten der DDR (VDJ) genutzt wurden.[1]

Bis zur Schließung 1997 wurden in dem großen Saal mit 1400 Plätzen Operetten und Musicals mit einem festen Hausensemble aufgeführt.

Außerdem befindet sich seit dem 2. Oktober 1953 das politische Kabarett Die Distel im Vorderhaus des Admiralspalastes.

Nach einer längeren Zeit des Leerstandes übernahm der Kultur-Unternehmer Falk Walter 2005 den Gebäudekomplex, der daraufhin aufwendig saniert wurde. Der Admiralspalast sollte wieder im alten Glanz entstehen mit Theater, Luxusbad, Café, Restaurant und Club. Für die Sanierung des Bades waren noch originale Marmorfliesen, Mosaiken und Glasmalereien vorhanden, die in einem Lichtenberger Depot eingelagert worden waren.

Die offizielle Wiedereröffnung fand am 11. August 2006 mit einer von der Kritik zwiespältig aufgenommenen Aufführung der Dreigroschenoper unter der Regie von Klaus Maria Brandauer in dem noch unfertigen Gebäude statt. Bei der Nachpremierenfeier trat u. a. der damals 103-jährige Johannes Heesters auf und stimmte samt Big Band mehrere seiner großen Erfolge an.

Für das Jahr 2010 wurde das Gebäude mit einem Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege ausgezeichnet.[7]

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Neben dem großen Saal wird seit 2006 auch das bis zum Mai 2007 im Ausbau befindliche Studio im fünften Geschoss bespielt. Das Studio wurde von der Theatercompagnie Familie Flöz eröffnet und bis 2008 regelmäßig bespielt. Heute sei vor allem das Theater Strahl erwähnt, das mit seinen Theaterproduktionen für Jugendliche dieser Spielstätte ein verschärftes Profil gibt.

Der Radiosender radioeins betreibt ein Studio im Admiralspalast.

Aufgrund von Mietschulden in Höhe von 380.000 Euro meldete der Betreiber der Spielstätte, die Admiralspalast Produktions GmbH, im August 2010 Insolvenz an. Dennoch führt das Haus bis auf Weiteres das Programm fort.[8]

Seit dem 15. Juni 2011 wird das Haus von Produzent Maik Klokow und seiner Unternehmensgruppe Mehr! Entertainment betrieben.[9][10]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jost Lehne: Der Admiralspalast. Die Geschichte eines Berliner „Gebrauchs“Theaters. bebra wissenschaft, Berlin 2006, ISBN 3-937233-29-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Admiralspalast, Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Horst Ulrich, Uwe Prell, Ernst Luuk: Berlin Handbuch. Das Lexikon der Bundeshauptstadt. FAB-Verlag, Berlin 1992, ISBN 3-927551-27-9, S. 19.
  2. a b c Admiralspalast (zur Geschichte des Metropol Theaters in Berlin). Operette in Berlin e. V., abgerufen am 7. November 2012.
  3. a b Denkmale in Berlin. Admiralspalast. Denkmaldatenbank / Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin, 12. Juli 2012, abgerufen am 7. November 2012.
  4. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatEin Jahrhundert Admiralspalast. Historische Chronik – Vom Admiralsgartenbad zur glänzenden Vergnügungsstätte. Presseinformation. Pressestelle Admiralspalast Produktions GmbH/arena Berlin, August 2006, abgerufen am 8. November 2012 (PDF; 53,4 kB).
  5. Das Haus / Historie. admiralspalast.de, abgerufen am 8. November 2012.
  6. Geschichte der Admiralspalast AG. Internetseite der Admiralspalast AG, abgerufen am 8. November 2012.
  7. Preis für Handwerk in der Denkmalpflege
  8. Berliner Admiralspalast ist insolvent. Musikmarkt, 30. August 2010, abgerufen am 6. November 2012.
  9. Nina Apin: Neuer Chef im Admiralspalast: „Bin für alles offen“. taz.de, 15. Juni 2011, abgerufen am 6. November 2012.
  10. Frederik Hanssen: Friedrichstraße: Taktwechsel im Admiralspalast. Der Tagesspiegel, 15. Juni 2011, abgerufen am 6. November 2012.

52.52083333333313.388611111111Koordinaten: 52° 31′ 15″ N, 13° 23′ 19″ O