Adolf Galland

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Adolf Galland, 1943 in Süditalien

Adolf Josef Ferdinand Galland (* 19. März 1912 in Westerholt, Westfalen; † 9. Februar 1996 in Remagen-Oberwinter) war ein deutscher Luftwaffenoffizier und Jagdflieger. Er war zuletzt Generalleutnant der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg.

Leben[Bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten]

Unterschrift Adolf Gallands

Adolf Galland wurde als zweiter von insgesamt vier Söhnen eines Gutsverwalters des Grafen von Westerholt in Westerholt (heute zu Herten gehörend) geboren. Sein Bruder Wilhelm-Ferdinand Galland fiel als Luftwaffenoffizier und Jagdpilot nach 55 Luftsiegen am 17. August 1943 bei Lüttich. Paul Galland, ebenfalls Jagdpilot war bereits am 31. Oktober 1942 (17 Luftsiege) im Einsatz des Jagdgeschwaders 26 gefallen. Galland selbst besuchte das Hindenburg-Gymnasium in Gelsenkirchen-Buer. Seine ersten fliegerischen Erfahrungen machte er 1928 auf dem Flugplatz Borkenberge bei Dülmen mit Segelgleitern und -flugzeugen des Luftfahrtvereins Gelsenkirchen. Die dort erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten bildeten die Grundlage für seine Laufbahn als Jagdflieger.

Militärische Laufbahn[Bearbeiten]

Im Februar 1932 bewarb sich Galland bei der Verkehrsfliegerschule in Braunschweig. Er behauptete sich gegen 4000 andere Bewerber und erhielt eine von 20 Lehrstellen. 1933 machte er eine streng geheime Jagdfliegerausbildung in Italien, da das Deutsche Reich zu diesem Zeitpunkt durch den Versailler Vertrag keine Luftstreitkräfte unterhalten durfte. Im Februar 1934 wurde er Rekrut beim 10. (Sächsisches) Infanterie-Regiment in Dresden und nach Absolvierung der Kriegsschule Ende 1934 zum Leutnant ernannt. Im März 1935 wurde Galland zur I. Gruppe des Jagdgeschwaders Richthofen, am Flugplatz Döberitz versetzt. Bei einem Kunstflugtraining im Oktober 1935 stürzte er ab, wobei seine Nase deformiert und seine Sehkraft stark beeinträchtigt wurde, sodass er vom Stabsarzt als „fluguntauglich“ eingestuft wurde. Der entsprechende Bericht wurde aber von einem Vorgesetzten zurückgehalten, sodass Galland dennoch weiterfliegen konnte.

Heinkel He 51 C der 3./J 88, Legion Condor, geflogen von Adolf Galland

Galland nahm ab Mai 1937 am Spanischen Bürgerkrieg in der Legion Condor auf Seiten der Truppen Francos als Staffelkapitän der 3. Staffel der Jagdgruppe J 88 (3./J 88) teil. Nach 15 Monaten wurde er von Werner Mölders abgelöst. Obwohl er an der Bombardierung von Guernica, dem ersten großen Verstoß der deutschen Luftwaffe gegen das Kriegsvölkerrecht,[1] nicht beteiligt war, verteidigte er sie nach dem Krieg als fehlgeschlagenen taktischen Angriff der Luftwaffe. Der Angriff habe eigentlich einer Straßenbrücke in der Nähe der Ortschaft gegolten, die den spanischen Republikanern und internationalen Brigaden als Nachschubweg diente. Galland führt das in seinem Buch Die Ersten und die Letzten auf die durch Rauch- und Explosionswolken schlechten Sichtverhältnisse und die primitive Zieloptik der Bomber zurück.

Kommodore Major Adolf Gallands Messerschmitt Bf 109 E-4/N, Stab/JG 26, W.Nr. 5819, Audembert/Frankreich, September 1940

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Galland (Bildmitte) mit Hermann Göring (2.v.l.), Bruno Loerzer (2.v.r.) und Albert Speer (rechts).

Galland führte im Polenfeldzug zunächst eine Staffel Henschel Hs 123 und wurde dann Kapitän der 4. Staffel der II. Gruppe des Lehrgeschwaders 2 (Schlachtflieger) in Heinsberg-Dremmen. Am 1. Oktober 1939 wurde Galland zum Hauptmann befördert. Die Gruppe wurde zur Auffrischung und zur Vorübung mit den Fallschirmjägern nach Braunschweig verlegt. Da Galland die Schlachtfliegerei nicht behagte, betrieb er seine Versetzung zum Jagdgeschwader 27 nach Krefeld. Am 12. Mai 1940 erzielte Galland seine ersten drei Abschüsse gegen Hawker Hurricanes der Royal Air Force über Frankreich. Im Juni 1940 kam Galland als Kommandeur der III. Gruppe zum Jagdgeschwader 26 „Schlageter“. Am 18. Juli wurde Galland zum Major befördert. Kurze Zeit später wurde er zum Kommodore des JG 26 ernannt. Wenige Tage später, am 24. September, meldete Galland seinen 40. Abschuss. In den Reihen der RAF war Galland wegen seines mondänen Lebensstils als „The Fighting Fob“ bekannt. Am 17. November 1940 gelang ihm der Abschuss der Hurricane des Squadron Leaders Manfred Czernin, der dabei verletzt wurde.[2]

Galland trug durch sein Verhalten wesentlich zum Ruf der „Kanaljäger“ bei. So begegnete er in dieser Zeit den abgeschossenen und gefangenen alliierten Jagdfliegern Douglas Bader und Robert Stanford Tuck, die er beide auf seinen Stützpunkt nach St. Omer einlud.

Am 22. November 1941 wurde Galland mit der Funktion des Generals der Jagdflieger (vormals Inspekteur der Jagdflieger) betraut, um den verunglückten Werner Mölders zu ersetzen. Unter anderem gelang ihm der Jagdschutz für die Passage der Schlachtschiffe Scharnhorst und Gneisenau sowie des schweren Kreuzers Prinz Eugen durch den Ärmelkanal gegen die Attacken der Royal Air Force (Unternehmen Cerberus).

Nach seinem 94. Luftsieg, am 28. Januar 1942, erhielt er als zweiter Soldat der Wehrmacht die Brillanten zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.

Am 19. November 1942 wurde Galland zum Generalmajor ernannt und war damit im Alter von 30 Jahren der bis dahin jüngste General der deutschen Wehrmacht.

Im April 1943 wurde der Prototyp des Düsenjägers Messerschmitt Me 262 erfolgreich getestet. Nach einem Testflug am 22. Mai 1943 beschrieb Galland die Antriebsleistung des Düsenjägers so, „als wenn ein Engel schiebt“. Galland war wie viele andere Offiziere mit Fronterfahrung davon überzeugt, dass dieses Flugzeug dringend zur Verteidigung gegen die immer massiveren Angriffe der 8. Luftflotte der USAAF mit ihren „Fliegenden Festungen“ gebraucht würde. Hitler jedoch wollte die Me 262 als Blitzbomber gegen die zu erwartende alliierte Invasion im Westen verwenden. Mit einer Rücktrittsdrohung setzte Galland das „Kommando Nowotny“ zur Erprobung des Düsenjägers als Jagdflugzeug im Fronteinsatz durch.

Am 11. April 1944 folgte die Ernennung zum Generalleutnant für seine Leistungen als Kommandeur der Jagdfliegerkräfte.

Der Druck auf Galland wurde zunehmend stärker. So warf man ihm vor, sich bei Göring nicht genügend gegen ungerechtfertigte Kriegsgerichtsverfahren gegen junge Kameraden einzusetzen, obwohl er davon Kenntnis hatte.

Ende Januar 1945 kam es nach „unüberwindlichen Differenzen“ zwischen Galland und Hermann Göring zu seiner Ablösung als General der Jagdflieger. Galland erhielt aber auf Drängen Hitlers den Befehl, den „Jagdverband 44“ aufzustellen, der mit Me 262 ausgerüstet werden sollte. Viele der erfolgreichsten deutschen Jagdflieger meldeten sich noch kurz vor der absehbaren Niederlage zu dieser Eliteeinheit.

Galland wurden 104 feindliche Abschüsse anerkannt.[3]

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Galland in einem Segelflugzeug in Argentinien um 1950

Galland erlebte das Kriegsende in einem Lazarett in Bayern, nachdem er durch Beschuss eines US-amerikanischen Jägers P-51 Mustang am Bein verletzt worden war. Er wurde von Amerikanern nach England überstellt und verbrachte dort eine zweijährige Kriegsgefangenschaft.

Ab 1948 wurde Galland als Berater der argentinischen Luftwaffe unter dem damaligen Präsidenten Juan Perón engagiert. Sechs Jahre später kehrte er nach Deutschland zurück und wurde Industrieberater, außerdem Verwaltungsratsvorsitzender dreier Firmen der allgemeinen Luftfahrt und eines bedeutenden Hubschrauber-Einsatzunternehmens. Aufgrund der Intervention des Oberbefehlshabers der United States Air Forces in Europe wurde Galland nicht – obwohl von Beratern des Amtes Blank gewünscht – als erster Inspekteur der Luftwaffe berufen. Gründe für diese Intervention lagen vor allem in den Bedenken der USAFE bezüglich der Qualifikation Gallands, da er während des Krieges nur Aufgaben innehatte, die nie über die Geschwaderebene hinaus gingen. Auch als General der Jagdflieger hatte er, wenn überhaupt, nur sehr geringen Anteil an der operativen Luftverteidigung des Reichsgebietes. Des Weiteren wurden ihm durch die USAFE „strong Neo-Nazi leanings“ („starke neonazistische Tendenzen“) attestiert.[4][5]

1953 veröffentlichte Galland unter dem Titel Die Ersten und die Letzten seine Autobiografie, die mit über zwei Millionen verkauften Exemplaren ein Bestseller wurde.

Für den 1969 erschienenen Kassenerfolg Luftschlacht um England wurde Galland von United Artists als historischer Berater engagiert und war bei den Dreharbeiten dabei.[6]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • Adolf Galland, Karl Ries, Rainer Ahnert: Die deutsche Luftwaffe 1939–1945. Eine Dokumentation in Bildern. Müller, Erlangen 2000, ISBN 3-86070-857-0.
  • Adolf Galland: Die Ersten und die Letzten. Schneekluth, München 1993, ISBN 3-7951-1299-0.

Literatur[Bearbeiten]

  • David Baker: Adolf Galland. The authorised biography. Windrow & Greene, London 1996, ISBN 1-85915-017-9.
  • Robert Michulec: Adolf Galland. Mushroom, Redbourn 2003, ISBN 8391632741.
  • Raymond F. Toliver: Adolf Galland. General der Jagdflieger. Herbig, München 2001, ISBN 3-7766-1755-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Adolf Galland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klaus A. Maier: Guernica 26.4.1937. Herausgegeben vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt, Freiburg 1975, S. 22
  2. http://www.dnw.co.uk/medals/auctionarchive/viewspecialcollections/itemdetail.lasso?itemid=37561
  3. http://www.bundesarchiv.de/oeffentlichkeitsarbeit/bilder_dokumente/01079/index-19.html.de Bundesarchiv, Adolf Galland
  4. Militärgeschichtliches Forschungsamt, 2004: Kompilation von Dokumenten zur Person Werner Mölders anlässlich der Frage der Verwendung des Traditionsnamens Mölders, S. 17, Fußnote Nr. 37
  5. Jörg Muth, M.A., Universität Potsdam Fremde, Feinde, Kameraden – Die Wehrmachtsoffiziere im Spiegel der Erinnerungen und Dokumente der amerikanischen Generale (1935–1957)
  6. Heinz Birkholz: „Luftschlacht“, die zweite. In: Flugzeug Classic. Nr. 6, Juni 2008, S. 21ff.
  7. Jörg Nimmergut: Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945. Band 4. Württemberg II – Deutsches Reich. Zentralstelle für wissenschaftliche Ordenskunde, München 2001, ISBN 3-00-001396-2, S. 2092
  8. Jörg Nimmergut: Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945. Band 4. Württemberg II – Deutsches Reich. Zentralstelle für wissenschaftliche Ordenskunde, München 2001, ISBN 3-00-001396-2, S. 2441
  9. Veit Scherzer: Die Ritterkreuzträger 1939–1945. Scherzers Militaer-Verlag, Ranis, Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S. 325