Adolfkanone

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Adolfkanone in Trondenes

Die Adolfkanone (norwegisch: Adolfkanon) ist ein Geschütz aus dem Zweiten Weltkrieg, das in der Küstenbatterie von Trondenes in Nord-Norwegen aufgestellt ist. Mit einem Kaliber von 40,6 cm ist die Kanone (offizielle Bezeichnung: Schnell-Ladekanone C/34) die weltweit größte ihrer Art. Die Batterie umfasst vier solcher Geschütze und sollte die nördlichen Zufahrten zum Erzhafen von Narvik abdecken. Sie kam während des Krieges nicht zum Einsatz. Die vier erhaltenen Kanonen befinden sich in einem gepanzerten Geschützturm und können auf einem Betonring geschwenkt werden. Die Rohrlänge beträgt 21,5 Meter und das Gewicht 158,664 Tonnen. Die Lebensdauer einer Kanone wurde auf 250 bis 300 Schüsse geschätzt. Standard-Granaten hatten ein Gewicht von 1.030 kg und eine Reichweite von 42 km. Eine leichtere, etwa 600 kg schwere Adolf-Granate, ermöglichte eine Reichweite von bis zu 56 km bei einer maximalen Bahnhöhe von 21.800 Metern. Zur Feuerleitung waren auf umliegenden Bergen und Inseln Beobachtungsposten eingerichtet.

Insgesamt wurden ab 1934 von Krupp elf C/34-Geschütze produziert. Sie waren ursprünglich für die im Z-Plan konzipierten Schlachtschiffe der Serie H entwickelt und hergestellt worden. Da diese aber nach Beginn des Kriegs nicht mehr gebaut wurden, wurden die ersten drei 1941 in der Batterie „Schleswig-Holstein“ auf der Halbinsel Hel zum Schutz der Danziger Bucht aufgestellt. Danach wurden die Geschütze im Rahmen des Ausbaus des Atlantikwalls ab 1942 für Küstenbatterien verwendet. Die drei aus Hel wurden am Ärmelkanal in Sangatte, südlich von Calais, der sogenannten Batterie Lindemann, aufgestellt, acht nach Norwegen geschickt, wovon eine beim Seetransport verloren ging. Drei Kanonen wurden im Süden des Vestfjords in Engeløya aufgestellt, vier weitere in der Batterie Theo in Trondenes. Dort wurden 1942/43 auf einem bestehenden Militärstützpunkt zunächst spezielle Kaianlagen für die Verladung der Kanonen sowie umfangreiche Bunkeranlagen mit Munitionsdepot, Versorgungseinrichtungen und Wohnräume für die jeweils 68 Mann starken Bedienungsmannschaften errichtet.

Beim Bau der Anlagen wurden zahlreiche sowjetische Kriegsgefangene eingesetzt, die in einem eigenen Lager untergebracht waren. Rund 800 dieser Gefangenen kamen im Lauf der Baumaßnahmen ums Leben. Sie wurden zunächst auf einem separaten Friedhof in Trondenes bestattet und nach dem Krieg auf den Soldatenfriedhof von Tjøtta umgebettet. In Trondenes besteht heute noch ein Denkmal für die Opfer.

Nach Kriegsende wurde die Anlage mit den vier Adolfkanonen von der norwegischen Armee übernommen, die von 1951 bis 1957 auch Schießübungen mit zwei der Geschütze durchführte. Am 1. September 1958 kam es in einem Munitionslager zu einem Explosionsunfall, der fünf Menschenleben kostete. 1961 wurde die Batterie demobilisiert. Während die drei Kanonen von Engeløya schon 1956 verschrottet worden waren, wurden die vier Geschütze der Trondenes-Batterie in den Jahren 1978–1982 restauriert. Sie sind als einzige erhalten geblieben. Eines davon (Turm Barbara) kann heute, zusammen mit den Bunkeranlagen, in den Sommermonaten besichtigt werden. Im Technikmuseum Sinsheim ist eine Granate der C/34 ausgestellt.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • (O.V.): Adolfkanonen – Broschüre des Kanonmuseum Trondenes, Harstad o.J. (1998)
  • Harald Isachsen: Adolfkanonen, 2008, ISBN 978-82-303-1028-1
  • Ian V. Hogg: German Artillery of World War Two, Greenhill Books, London 2002, ISBN 1-85367-480-X