Adolphe-Brücke

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49.6084083333336.1268472222222Koordinaten: 49° 36′ 30,3″ N, 6° 7′ 36,6″ O

f1

Adolphe-Brücke
Adolphe-Brücke
Offizieller Name Pont Adolphe
Nutzung Straßenbrücke
Querung von

Petruss-Tal

Ort Luxemburg
Konstruktion Steinbogenbrücke
Gesamtlänge 153 m
Breite 18 m
Anzahl der Öffnungen 1 + 2
Längste Stützweite 84,55 m
Lichte Höhe 42 m
Baubeginn 1900
Eröffnung 1903
Planer Paul Séjourné
Die Adolphe-Brücke bei Nacht

Die Adolphe-Brücke (französisch Pont Adolphe, andere deutsche Schreibweise Adolph-Brücke[1][2][3], früher auch Adolfbrücke[4]), auch "Neue Brücke" genannt, quert das Petruss-Tal in Luxemburg und verbindet den Boulevard Royal in der Altstadt mit der Avenue de la Liberté im Bahnhofsviertel. Sie zählt immer noch zu den größten Steinbogenbrücken der Welt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Adolphe-Brücke dient dem allgemeinen Straßenverkehr zwischen der Altstadt und dem Bahnhofsviertel. Ursprünglich ermöglichte sie auch einer vom Volksmund Charly genannten Schmalspurbahn Luxemburg–Echternach die Überquerung des Petruss-Tales. Die geplante neue Straßenbahn soll ebenfalls über die Brücke fahren.[5]

Technische Angaben[Bearbeiten]

Die 153 m lange Brücke besteht aus einem mächtigen Doppelbogen mit einer Spannweite von 84,55 m, der das Petruss-Tal in einer Höhe von 42 m überquert. Allein für diese zwei Mittelbögen wurden 2850 m³ Gilsdorfer Sandstein verwendet. Auf den beiden Seiten dieses Doppelbogens sind je vier 5,40 m weite Sparbögen zur Stützung der Brückenplatte aufgeständert. Die Doppelbögen werden beiderseits von starken Pfeilern und 21,60 m weiten Doppelbögen über den Hängen des Tales eingerahmt. Die beiden Doppelbögen haben einen Abstand von 6 m voneinander; sie sind am Kämpfer 6,12 m und am Bogenscheitel 5,32 m breit. Jeder Bogen ist am Kämpfer 2,16 m stark und verjüngt sich zum Bogenscheitel auf 1,44 m. Diese aus Steinen gemauerte Konstruktion trägt eine Brückenplatte aus Stahlbeton, die von Balustraden begrenzt wird. Ursprünglich war die Brückenplatte rund 16 m breit; bei einer Erneuerung 1961/62 wurde sie verbreitert auf 17,20 m innerhalb der Balustraden. Sie hat gegenwärtig vier Fahrspuren und je einen von einem erhöhten Randstein geschützten Gehweg.[5] t

Bedeutung für die Entwicklung des Brückenbaus[Bearbeiten]

Die Brücke wurde nach Plänen von Paul Séjourné gebaut und gilt als sein Meisterwerk, mit dem er internationale Anerkennung erreichte. Sie war zum Zeitpunkt ihrer Errichtung die größte Steinbogenbrücke der Welt. Ihr wichtigstes Merkmal ist die Auflösung des einheitlichen, breiten Brückenbogens in zwei schmale, parallel nebeneinander stehende Bögen, die nacheinander gebaut wurden, so dass nur ein schmales Lehrgerüst notwendig war, das zweimal verwendet werden konnte. Das als Sprengwerk konzipierte Lehrgerüst wurde nicht in seiner vollen Breite auf dem Talboden aufgestellt, sondern nur von einem schmalen Mittelpfeiler gestützt und im übrigen an den Widerlagern abgestützt und mit Drahtseilen versteift, was weitere erhebliche Einsparungen ermöglichte. Die auf dem großen Bogen aufgeständerten offenen Sparbögen führten ebenfalls zu einer Gewichtsersparnis gegenüber den früher üblichen, massiven Bögen mit verfüllten Zwickeln. Mit der Brückenplatte aus dem damals noch neuartigen Stahlbeton konnte der Zwischenraum zwischen den Doppelbögen problemlos überdeckt und eine Fahrbahn geschaffen werden, die um ein Viertel breiter war als die beiden Bögen. Der Zwischenraum konnte außerdem für Kanalisationsleitungen genutzt werden. Paul Séjourné schuf damit einen Brückentypus, der vor allem bei Betonbrücken bald weltweite Verbreitung fand. Nur wenige Jahre später wurde das Design beim Bau der Walnut Lane Bridge in Philadelphia, Pennsylvania, USA verwendet, einer in den Jahren 1906 bis 1908 errichteten Betonbrücke mit ähnlichen Maßen. Er selbst wiederholte das Design bei der von 1908 bis 1912 gebauten, etwas kleineren Pont Sidi Rached in Constantine (Algerien).

Geschichte[Bearbeiten]

Bau der Adolphe-Brücke

Die Passerelle, ein 1859 bis 1861 erbautes Viadukt aus 24 Bögen wenige hundert Meter weiter östlich, erwies sich nach der Öffnung der Festung im Jahre 1867 bald als zu eng für den Verkehr der sich rasch ausdehnenden Stadt. 1896 wurden erste Pläne für eine Brücke unter der Leitung des luxemburgischen Ingenieurs Albert Rodange erstellt. In Anbetracht der Größe des Bauvorhabens hielt die Regierung es für sinnvoll, den ihr von der französischen Regierung empfohlenen Paul Séjourné als Experten für große Bogenbrücken hinzuzuziehen. Sein wichtigster Beitrag war sicherlich – neben zahlreichen anderen Änderungen – die Aufteilung der Brücke auf parallele Bögen.

Am 14. Juli 1900 legte Großherzog Adolph I. den Grundstein. Da bei dieser Brücke alle Materialien aus den hoch gelegenen Stadtvierteln angeliefert wurden, begann man mit einer Hilfsbrücke quer über das Tal, von der aus das Material zu seinem Bestimmungsort herabgelassen wurde. Der Stand der Bauarbeiten wurde von Anfang an regelmäßig von dem luxemburger Hof-Photographen Charles Bernhoeft dokumentiert Die Arbeiten an der Steinbogenbrücke wurden von Fougerolle Frères ausgeführt (das später im Unternehmen Eiffage aufging); die Stahlbetonplatte wurde durch das Unternehmen von Edmond Coignet erstellt. Nach einer Bauzeit von drei Jahren wurde die Brücke am 24. Juli 1903 feierlich ihrer Bestimmung übergeben.[5]

Den Namen "Neue Brücke" (luxemburgisch "Nei Bréck") bekam die Adolphe-Brücke zur Unterscheidung von der Passerelle, die auch "Alte Brücke" ("Al Bréck") genannt wurde.

Zur Feier des hundertjährigen Bestehens der Adolphe-Brücke gab die luxemburgische Post 2003 eine 0,45 € Briefmarke und die französische Post eine für 0,50 € heraus.

Sanierungen[Bearbeiten]

Adolphe-Brücke: Blick in die Sparbögen mit den Verankerungen

Im Rahmen einer Überholung in den Jahren 1960/61 wurde die Fahrbahn der Brücke verbreitert. Dazu wurde ihre Brückenplatte vollständig entfernt, der 6 m breite Zwischenraum zwischen den beiden Bögen mit Betonplatten überdeckt und darauf eine neue Stahlbetonplatte betoniert. 1976 wurden kleinere Reparaturmaßnahmen und eine Erneuerung des Fahrbahnbelags vorgenommen.

Bei Untersuchungen der Straßenbauverwaltung wurde in den neunziger Jahren festgestellt, dass zahlreiche Steinblöcke in den Brückenbögen Schäden aufweisen, die sich auf die Trassenarbeiten in den sechziger Jahren zurückführen lassen, die zu einer exzentrischen Belastung der Doppelbögen führten. Damit die Risse nicht größer werden, wurden im Herbst 2003 mehr als 200 Verankerungsstangen an den Bögen befestigt. Anfang 2005 brach eine solche Verankerungsstange, worauf Fußgängerwege unter der Brücke vorübergehend gesperrt wurden. Außerdem erwies sich die Abdichtung der Brücke gegen Tauwasser als ungenügend, was zu einer Durchfeuchtung großer Teile des Steinmauerwerkes mit Salzwasser geführt hatte.[6]

Mit einer grundlegenden Sanierung der Brücke sollte 2011 begonnen werden.[7] Ende 2011 begannen die Vorarbeiten. Die Bauarbeiten sehen auch eine Verbreiterung der Brücke um 75 cm vor[8], die den für 2014 geplanten Bau einer Straßenbahnlinie vom Luxexpo-Gebäude über den historischen Stadtkern zum Bahnhof von Luxemburg ermöglichen soll[9]. Da die Sanierung die Entfernung der Brückenplatte und Teilen des Oberbaus vorsieht, begann im Dezember 2012 der Bau einer Behelfsbrücke, die ungefähr ca. 50 m westlich der Adolphe-Brücke errichtet wird. Diese soll während der vierjährigen Sanierung den Verkehrsfluss der Hauptstadt aufrechterhalten.[10] Am 6. August 2013 begann die Errichtung der ersten Brückenpfeiler und -träger. Die Behelfsbrücke wurde am 12. April 2014 eröffnet.[11]. Die Gesamtkosten für die Behelfsbrücke werden mit 23 Millionen angegeben.[12] Mit den Sanierungsarbeiten an der Adolphe-Brücke wurde am 19. Mai 2014 begonnen[13].

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean-Pierre Koltz: Baugeschichte der Stadt und Festung Luxemburg, 3 Bde., Luxemburg 1946/51.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Adolphe-Brücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Der Bau der Adolphe-Brücke, photographiert von Charles Bernhoeft – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Luxemburger Lexikon. Das Großherzogtum von A-Z. Editions Guy Binsfeld, Luxemburg 2006, S. 24-25
  2. Ons Stad, Nr. 71/2002, S. 8
  3. Memotransfront. Stätten grenzüberschreitender Erinnerung
  4. Eduard Feitler: Luxemburg, deine Heimatstadt. Verlag Sankt Paulus, Luxemburg 1952. S. 36
  5. a b c Historique du pont Adolphe auf der Website der Administration des Ponts et Chaussées, Grand Duché de Luxembourg.
  6. Pathologie (Krankheitsbild der Brücke) und Les mesures de stabilisations provisoires (vorläufige Sicherungsmaßnahmen); auf der Website der Administration des Ponts et Chaussées, Grand Duché de Luxembourg.
  7. Trotz Sparpakets: Pont Adolphe wird saniert. Luxemburger Wort, 8. Mai 2010.
  8. wort.lu:Das Petrusstal in Blau-Grün
  9. luxtram.lu:Calendrier
  10. wort.lu:Réhabilitation du Pont Adolphe: 23 millions d'euros pour le pont provisoire
  11. wort.lu:Die blaue Brücke ist offen
  12. rtl.lu:Provisoresch Bréck laanscht déi Nei Bréck hëlt Form un
  13. wort.lu:Auf bald, Pont Adolphe!