Adonischer Vers

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Der Adonische Vers, auch Adonius [aˈdoːni̯us] oder Adoneus [adoˈneːʊs], ist ein fünfsilbiges Versmaß antiker Herkunft. Auf eine Länge folgen zwei Kürzen, eine Länge und eine wahlweise lange oder kurze Silbe. Es handelt sich also um einen Choriambus, der am Ende um eine Silbe erweitert ist.

Benannt ist der Adonische Vers nach den Liedern um den Tod des Adonis, nämlich nach dem Klageruf ὦ τὸν Ἄδωνιν („Ach, der Adonis!“), der diesem Metrum entspricht.

Der Adonische Vers wird vor allem am Ende der Sapphischen Strophe verwendet. Im daktylischen Hexameter ergibt sich, wenn dieser eine bukolische Dihärese aufweist, als Ausklang ein Adoneus, wie beispielsweise in Vers 926 des zwölften Buchs von Vergils Aeneis:

Per me|di|um stri|dens tran|sit fe|mur. || In|ci|dit ic|tus
–   ∪ |∪ |–  –   |–    –   |–   ∪ |∪    || – |∪ |∪   – |–

Ein deutsches Beispiel liefert der Chor der Engel aus Goethes Faust II:

Hei|li|ge Glu|ten
–  |∪ |∪  –  |∪

Literatur[Bearbeiten]

  •  Dieter Burdorf, Christoph Fasbender, Burkhard Moennighoff (Hrsg.): Metzler Lexikon Literatur. Begriffe und Definitionen. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2007, ISBN 978-3-476-01612-6, DNB 979626358.