Advanced Chemistry

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Advanced Chemistry (AC) war eine 1987 gegründete Hip-Hop-Gruppe aus Heidelberg, der häufig die Pionierfunktion des deutschen Hip-Hops zugesprochen wird. Auch wenn die Fantastischen Vier bereits 1991 zwei Singles und ein Album auf einem Majorlabel veröffentlichen konnten, gilt die Heidelberger Gruppe bei vielen als erste deutschsprachige Hip-Hop-Erscheinung (→ Deutscher Hip-Hop). Ihren Durchbruch schafften sie mit der 1992 erschienenen Single Fremd im eigenen Land (12", MZEE), die durch ihren Conscious Rap erstmals für eine breitere Wahrnehmung der Hip-Hop-Kultur außerhalb der noch überschaubaren Szene sorgte.

Die Gruppe bestand aus Toni-L, Linguist (bürgerlicher Name: Kofi Yakpo[1]), Gee-One, DJ Mike MD und Torch, die teilweise auch heute noch musikalisch aktiv sind. Nachdem DJ Mike MD und Gee-One bereits in den frühen 1990er Jahren abgesprungen waren, wirkte die Gruppe als Trio weiter.[2] Großen Einfluss auf Advanced Chemistry hatte der Produzent Boulevard Bou, der stets im Advanced-Chemistry-Umfeld anzutreffen war, aber nicht zur Band gehört.

Rolle als Hip-Hop-Pioniere in Deutschland[Bearbeiten]

Grund für den Status von Advanced Chemistry in der Hip-Hop-Szene als „Urväter“ des deutschen Rap ist die ablehnende Haltung gegenüber den schon vor AC kommerziell erfolgreichen Fantastischen Vier, die zu diesem Zeitpunkt noch keinen ausreichenden Rückhalt in der deutschen Szene gefunden hatten. Zudem kommt der Gruppe eine große kulturelle Leistung im Hinblick von Aufbau und Entwicklung der Hip-Hop-Szene im deutschsprachigen Raum zu, ähnlich den Rappern um den afroamerikanischen Sänger Afrika Bambaataa, die die Organisation Zulu Nation gründeten. Vielen Aktivisten gilt Torch als der „Erfinder des deutschen Rap“, da er als einer der ersten Mitte und Ende der 1980er begann, auf deutschen Bühnen auf deutsch zu rappen. Abschließend lässt sich sagen, dass sowohl Advanced Chemistry als auch die Fantastischen Vier auf unterschiedliche Weise Pionierstellungen im deutschen Hip-Hop einnehmen.

Themen der Musik[Bearbeiten]

Wie zur damaligen Zeit im deutschen Hip Hop üblich, beeinflusst vom amerikanischen Conscious Rap und der Native-Tongue-Bewegung, waren die zentralen Themen von Advanced Chemistry politisch und intellektuell motiviert und drehten sich überwiegend um ihre Identität als Deutsche ausländischer bzw. afrodeutscher Herkunft und den Platz der Hip-Hop-Bewegung in der Welt. Advanced Chemistry wurden als eine der wenigen deutschsprachigen Hip-Hop-Bands Mitglied der Organisation Zulu Nation.

Heute[Bearbeiten]

Toni-L veröffentlichte zuletzt „Funkanimal“ (2007), Torch sein Solo-Debütalbum „Blauer Samt“ (2000). Beide veröffentlichten zudem eine Reihe von Maxi-CDs auf ihrem Label 360° Records.

Diskografie[Bearbeiten]

  • 1992: Fremd im eigenen Land (12" / MCD, MZEE)
  • 1993: Welcher Pfad führt zur Geschichte (12" / MCD, MZEE)
  • 1994: Operation § 3 (12" / MCD)
  • 1994: Dir fehlt der Funk! (12" / MCD)
  • 1995: Advanced Chemistry (2xLP / CD)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kofi Yakpo: „Denn ich bin kein Einzelfall, sondern einer von vielen“. Afro-deutsche Rapkünstler in der Hip-Hop-Gründerzeit. Artikel vom 10. August 2004 im Portal bpb.de (Bundeszentrale für politische Bildung), abgerufen am 10. Mai 2014
  2. Bastian Heger: Konstruktion von Identität in den Anfängen des deutschen HipHop. Eine Analyse der Gruppe „Advanced Chemistry“. Studienarbeit, GRIN Verlag, Münster 2009, ISBN 978-3-640-69513-3, S. 5 (online)