Adverbiale Bestimmung

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Die adverbiale Bestimmung (auch Adverbial, Adverbiale, Adverbialbestimmung) oder Umstandsbestimmung (auch Umstandsangabe genannt) ist ein Begriff aus der Grammatik und bezeichnet ein Satzglied bzw. eine Satzgliedergänzung. Sie bestimmt die Umstände eines Geschehens und charakterisiert die Art und Weise einer Tätigkeit oder eines Vorgangs genauer. Ein Satzadverbial ist eine durch Satzadverbien oder präpositionale Fügungen ausgedrückte subjektive Stellungnahmen des Sprechers zum Sachverhalt. Satzadverbiale modifizieren (im Unterschied zu Modaladverbien) den Gesamtsatz (Skopus).[1]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Abgrenzungen

[Bearbeiten] Abgrenzung zum Adverb

Der Begriff des Adverbials ist von dem Begriff des Adverbs zu unterscheiden: das Adverb ist eine Wortart, die ein Adverbial sein kann - oder auch nicht. Das Adverbial ist eine syntaktische Funktion (auch: Satzfunktion, Satzgliedfunktion), das als Adverb realisiert sein kann - oder auch nicht. Die terminologische Verwirrung beruht darauf, dass im Fall des Ausdrucks Adverb Verb auf den lateinischen Ausdruck verbum im Sinne von Wort und nicht im Sinne von Verb zurückgeht. Das Adverb ist also ein Bei-Wort, das Adverbial ist eine nähere Bestimmung des Verbs oder eines ganzen Satzes[2].

[Bearbeiten] Abgrenzung zum Objekt

Das Adverbial wird gewöhnlich vom Objekt unterschieden. Zugleich wird auf "Schwierigkeiten" der Abgrenzung hingewiesen und die Abgrenzung als "oft nur gradueller Natur" relativiert oder in Frage gestellt[3]. Der Unterschied soll nicht darauf beruhen, dass Objekte obligatorisch seien, Adverbiale jedoch nicht[4].

[Bearbeiten] Semantische Klassenbildung

Adverbiale Bestimmungen werden gemäß ihrer Bedeutung unterteilt in:

  • Lokaladv. (= Adverbiale Bestimmung des Ortes):
Frage: Wo? Wohin? Woher?
Beispiel: Der Wolf lauerte tief im Wald. Ich wohne hoch oben.
  • Temporaladv. (= Adverbiale Bestimmung der Zeit):
Frage: Wann? Seit wann? Bis wann? Wie oft? Wie lange?
Beispiel: Ich wasche mich jeden Morgen.
  • Modalbestimmung (= Adverbiale Bestimmung der Art und Weise):
Frage: Wie? Auf welche Art und Weise?
Beispiel: Unter allgemeinem Beifall fiel ich auf die Nase. Ich erreichte das Ziel mit letzter Kraft.
  • Kausalbestimmung (= Adverbiale Bestimmung des Grundes):
Frage: Warum? Weshalb? Wieso?
Beispiel: Aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse hatte ich das Schild übersehen.
  • Instrumentalbestimmung (= Adverbiale Bestimmung des Mittels):
Frage: Womit? Wodurch? Mit welchem Mittel/Werkzeug/Hilfsmittel?
Beispiel: Mithilfe einer Schere schneidet Stefan das Bild aus.
  • Finalbestimmung (= Adverbiale Bestimmung des Zwecks):
Frage: Mit welchem Zweck? Wozu? Zu welchem Ziel? Mit welcher Absicht?
Beispiel: Zwecks besserer Sicht setzte ich eine Sonnenbrille auf.
  • Konditionalbestimmung (= Adverbiale Bestimmung der Bedingung):
Frage: Unter welcher Bedingung?
Beispiel: Bei schönem Wetter fahren wir morgen ins Freibad.
  • Konsekutivbestimmung (= Adverbiale Bestimmung der Folge):
Frage: Mit welcher Folge? Mit welcher Wirkung?
Beispiel: Seine hohe Laufgeschwindigkeit brachte Peter zum Stolpern.
  • Konzessivbestimmung (= Adverbiale Bestimmung des Gegengrunds):
Frage: Trotz welchen Umstands?
Beispiel: Trotz aller Schwierigkeiten erreichte ich das Ziel.
  • Adversativbestimmung (= Adverbiale Bestimmung des Gegensatzes):
Frage: Anstatt wessen?
Beispiel:Anstatt eines Fußballs bekam Boris zu Weihnachten einen Tennisschläger.

[Bearbeiten] Syntaktische Klassenbildung

Nach der syntaktischen Funktion, der Stellung im Satz als Satzglied, lassen sich folgende Klassen bilden:[5]

  • Verbgruppenadverbiale
Die adverbiale Bestimmung bezieht sich auf ein Verb oder eine Verbgruppe (Verb und vom Verb regierte weitere Wörter). Sie kann aus einem einzelnen Wort (Adjektiv oder Adverb) oder einer Wortgruppe (Präpositionalphrase) bestehen.
Beispiel: Sie holt die Hemden sauber aus dem Schrank.
Beispiel: Er spielt die Geige mit Begeisterung.
  • Satzadverbiale
Die adverbiale Bestimmung bezieht sich auf den ganzen Satz und drückt subjektive Stellungnahmen des Sprechers zum Satz aus. Satzadverbien, auch Modalwörter genannt, bilden die hierarchisch höchste Gruppe der Adverbien. Sie kann aus einem einzigen Wort (Adjektiv oder Adverb), einer Wortgruppe (Nominalphrase, Präpositionalphrase, Nebensatz oder Infinitkonstruktion) bestehen. Semantisch gesprochen geben sie eine Einschätzung oder Bewertung des an das Prädikat gebundenen Sachverhalts, des ganzen Satzes.
Beispiel: Glücklicherweise ist heute ein sonniger Tag.
Beispiel: Dein Geld bekommst du wahrscheinlich nie wieder.
Beispiel: Ich denke nicht, dass er es böse gemeint hat. (Konsekutivsatz)
Beispiel: Leider hat er mich nicht verständigt[6].
  • Abtönungspartikel
Die adverbiale Bestimmung besteht aus Abtönungspartikeln, einer Teilmenge der Adverbien. Diese Funktion ist typisch für die gesprochene Sprache.
Beispiel: Du kommst doch morgen?
Beispiel: Das geht wohl doch nicht!

Zusammenfassend kann die adverbiale Bestimmung aus einem einzelnen Wort (Adjektiv oder Adverb), aus einer Wortgruppe (Nominalphrase, Präpositionalphrase, Infinitivkonstruktion oder Partizipialkonstruktion) oder einem Nebensatz bestehen.

[Bearbeiten] Interne und externe Funktionen

Ingrid Renz[7] vertritt in ihrer Arbeit "Adverbiale im Deutschen - Ein Vorschlag zu ihrer Klassifikation und unifikationsbasierten Repräsentation" für den uneinheitlich gebrauchten Begriff "Adverbial" eine Definition, die sich auf Erkenntnisse aus der Computerlinguistik und der Valenztheorie stützt. Um sowohl die semantischen als auch die syntaktischen Merkmale der Adverbiale zu umfassen, werden die beiden Kategorien "externe Funktion" und "interne Funktion" unterschieden. Eine Unterteilung der Adverbiale hinsichtlich ihrer externen Funktion führt zu den beiden Subkategorien "Ergänzungen" und "Angaben", die aus der Valenztheorie stammen. Die internen Funktionen umfassen in erster Linie semantische Merkmale der Adverbiale (faktiv, modal, lokal, direktiv, temporal, konditional, ...).

Die Subkategorie "Angaben" wird wiederum unterteilt in "prädikatsmodifizierende Adverbiale" (entsprechen etwa den Verbgruppenadverbialen) und "satzbezogene Adverbiale". Letztere sind nicht gleichzusetzen mit den "Satzadverbialen", die nur einen Teil der internen Funktionen von satzbezogenen Adverbialen ausmachen. Satzadverbiale können entweder faktiv (z.B. glücklicherweise, klugerweise, ...) oder modal (z.B. vielleicht, offenbar, ...) sein. "Zusatz" und "Verknüpfung" sind weitere interne Funktionen von satzbezogenen Adverbialen, die sich laut Polenz[8] jedoch nicht klar voneinander abgrenzen ließen. Beide bestimmen demnach die Umstandskategorien lokal, direktiv, temporal, Aktionsart, Konditionalverhältnisse und Modalverhältnisse.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Kommasetzung

Adverbiale Bestimmungen, die selbst kein Verb enthalten, werden nicht durch Kommata vom Hauptsatz abgetrennt[9].

[Bearbeiten] Weblinks

Wiktionary Wiktionary: adverbiale Bestimmung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Bußmann, Hadumod: Lexikon der Sprachwissenschaft. 2. völlig neu bearbeitete Auflage, Stuttgart: Kröner, ²1990, S. 660
  2. Christa Dürscheid: Syntax. Grundlagen und Theorien. 5. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010 (UTB, 3319), ISBN 978-3-8385-3319-9, S. 38
  3. Christa Dürscheid: Syntax. Grundlagen und Theorien. 5. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010 (UTB, 3319), ISBN 978-3-8385-3319-9, S. 39. Dort (S. 39-41) aber auch eine nähere Darstellung der Abgrenzung des präpositionalen Adverials zum präpositionalem Objekt und des Kausaladverbials zum Kausalobjekt.
  4. Meibauer: Einführung in die germanistische Linguistik. 2. Aufl. (2007), S. 157
  5. grammis, Institut für deutsche Sprache, Mannheim
  6. Lexikon der Linguistik
  7. Renz, Ingrid (1993): Adverbiale im Deutschen.Ein Vorschlag zu ihrer Klassifikation und unifikationsbasierten Repräsentation.Tübingen: Max Niemeyer Verlag (=Serie Linguistische Arbeiten Nr. 298)
  8. Renz, Ingrid (1993): Adverbiale im Deutschen.Ein Vorschlag zu ihrer Klassifikation und unifikationsbasierten Repräsentation.Tübingen: Max Niemeyer Verlag (=Serie Linguistische Arbeiten Nr. 298)
  9. www.neue-rechtschreibung.net
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