Aegirin

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Aegirin
Aegirine-Orthoclase-114177.jpg
Aegirin (schwarz) auf Orthoklas (weiß) vom Berg Malosa bei Zomba in Malawi (Größe: 6,0 x 5,4 x 4,7 cm)
Andere Namen
  • Ägirin
  • Akmit
Chemische Formel NaFe3+[Si2O6][1]
Mineralklasse Silikate und Germanate - Kettensilikate
9.DA.25 (8. Auflage: VIII/F.01) nach Strunz
65.01.03c.02 nach Dana
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-prismatisch 2/m[2]
Farbe dunkelgrün bis schwarzgrün
Strichfarbe hell Gelbgrau
Mohshärte 6
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,50 bis 3,60 ; berechnet: 3,576[3]
Glanz Glasglanz bis matt
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig
Bruch uneben
Spaltbarkeit gut nach {110}; Absonderung nach {100}
Habitus Bitte ergänzen!
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,720 bis 1,778 nβ = 1,740 bis 1,819 nγ = 1,757 bis 1,839[4]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,037 bis 0,061[4]; zweiachsig negativ
Optischer Achsenwinkel 2V = gemessen: 60° bis 90°, berechnet: 68° bis 84°[4]
Pleochroismus sichtbar: X = smaragdgrün bis dunkelgrün ; Y = grasgrün bis dunkelgrün, gelb ; Z = bräunlichgrün bis grün, gelblichbraun bis gelb[4]

Aegirin, auch Ägirin oder Akmit genannt, ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung NaFe3+[Si2O6][1] und entwickelt meist lange, prismatische, nadelige Kristalle oder radialstrahlige Aggregate in den Farben grün bis schwarz.

Aegirin gehört neben vielen anderen Mineralen zur Pyroxengruppe. Mit Augit bildet es eine Mischreihe. Deren Zwischenglieder werden als Aegirinaugit bezeichnet.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Benannt wurde Ägirin nach Ägir, dem nordischen Gott des Meeres, da er zum ersten Mal in Norwegen gefunden wurde. Als Typlokalität gelten Rundemyr bei Nedre Eiker in der Provinz Buskerud und die im Langesundsfjorden gelegene Insel Låven in der Provinz Vestfold.

Erstmals beschrieben wurde das Mineral, ein bräunlicher Pyroxen aus Rundemyr bei Nedre Eiker in der Provinz Buskerud, 1821 von Jöns Jakob Berzelius und P. Ström, die ihn nach dem griechischen Wort Akmit für Punkt benannten, in Anlehnung an die meist spitze Form der Kristalle. 1835 wurde ein grüner Pyroxen auf der im Langesundsfjord gelegenen Insel Låven in der Provinz Vestfold gefunden und von Berzelius nach Ägir, dem nordischen Gott des Meeres, benannt. Als man erkannte, dass beide Proben derselben Mineralart angehörten, wurde entschieden, den Namen Akmit zukünftig als Synonym des Minerals Aegirin zu führen.[5]

Gelegentlich wird Aegirin auch mit dem Synonym Schefferit belegt. Dieser Name wurde allerdings 1988 vom IMA Subcommittee einer manganhaltigen Varietät von Diopsid zugewiesen, die in der schwedischen Grubengemeinde Långban entdeckt wurde.[6]

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Aegirin zur Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“, wo er zusammen mit Augit, Diopsid, Esseneit, Hedenbergit, Jadeit, Jervisit, Johannsenit, Kanoit, Klinoenstatit, Klinoferrosilit, Kosmochlor, Namansilit, Natalyit, Omphacit, Petedunnit, Pigeonit und Spodumen die Untergruppe der „Klinopyroxene“ mit der System-Nr. VIII/F.01 innerhalb der Pyroxengruppe bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Aegirin ebenfalls in die Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Art der Struktur der Ketten, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 2-periodischen Einfachketten Si2O6; Pyroxen-Familie“ zu finden ist, wo es zusammen mit Jadeit, Jervisit, Kosmochlor, Namansilith und Natalyit die Gruppe der „Na-Klinopyroxene, Jadeitgruppe“ mit der System-Nr. 9.DA.25 bildet.

Auch die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Aegirin in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Kettensilikatminerale“ ein. Hier ist er zusammen mit Jadeit, Namansilith, Kosmochlor, Natalyit und Jervisit in der Gruppe der „C2/c Klinopyroxene (Na-Klinopyroxene)“ mit der System-Nr. 65.01.03c innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Einfache unverzweigte Ketten, W=1 mit Ketten P=2“ zu finden.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Eine manganhaltige Varietät von Aegirin wird als Urbanit bezeichnet.[7]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Aegirin (grün-schwarz) und Rhodochrosit (rosa) auf Nenadkevichit (rötlichbraun) vom Mont Saint-Hilaire in Québec, Kanada
Eudialyt-Aegirin-Aggregat vom Chibinen (Halbinsel Kola), Größe: 5,4 x 4,3 x 2,6 cm

Aegirin bildet sich in magmatischen Gesteinen wie Syenit, Karbonatit, aber auch in basischen Graniten. Begleitminerale sind unter anderem Aenigmatit, Apophyllit, Arfvedsonit, Astrophyllit, Catapleiit, Eudialyt, verschiedene kaliumhaltige Feldspate, Nephelin, Riebeckit und Sérandit.

Weltweit konnte Aegirin bisher (Stand: 2011) an rund 700 Fundorten nachgewiesen werden. Hervorzuheben sind unter anderem die Fundorte Malosa und Songwe in Malawi sowie die Umgebung des Langesundsfjord, wo gut ausgebildete, prismatische Kristalle von bis zu 15 bzw. 30 cm Größe gefunden werden konnten. Des Weiteren lassen sich auch am Mont Saint-Hilaire in Québec und anderen Regionen in Kanada sowie auf der Halbinsel Kola und vielen anderen Regionen in Russland gute Aegirinkristalle finden.

Neben seinen Typlokalitäten Rundemyr (Nedre Eiker, Buskerud) und Låven (Vestfold) trat Aegirin in Norwegen noch in vielen weiteren Regionen der Provinzen Nord-Trøndelag, Oppland, Oslo und Telemark auf.

In Deutschland konnte Aegirin unter anderem in mehreren Regionen des Schwarzwaldes, am Kaiserstuhl und im Odenwald in Baden-Württemberg; am Teichelberg und bei Bad Berneck im Fichtelgebirge in Bayern; bei Perlenhardt-Königswinter und Wachtberg (Hohenburg) in Nordrhein-Westfalen; am Ettringer Bellerberg bei Ettringen in Rheinland-Pfalz sowie bei Brunsbüttel, Schwedeneck (Stohl) und Groß Pampau in Schleswig-Holstein gefunden werden.

In Österreich fand sich das Mineral am Pauliberg im Burgenland; Pleschitzkogel in Kärnten; Schlossberg und Puchberg am Schneeberg (in Niederösterreich); am Einberg und in der „Haagen Mine“ bei Abtenau sowie am Grabenbach und am Grubach bei Golling an der Salzach in Salzburg; im Gipsbergwerk bei Bad Aussee in der Steiermark; am Tarntaler Köpfe in Tirol und bei Dalaas im Vorarlberg.

In der Schweiz trat Aegirin bisher nur in Ausserferrera und im Val Starlera im Hinterrheintal sowie im Val Lumnezia im Kanton Graubünden auf.

Weitere Fundorte sind Afghanistan, Algerien, Angola, die Antarktis, Argentinien, Armenien, Äthiopien, Australien, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Frankreich, Französisch-Polynesien, Griechenland, mehrere Regionen in Grönland, Guatemala, Guinea, Guyana, Honduras, Indien, mehrere Regionen in Italien, Japan, Kamerun, auf der Kanalinsel Jersey, Kasachstan, Kenia, Kirgisistan, die Demokratische Republik Kongo, Libyen, Madagaskar, Mali, Marokko, Mazedonien, Mexiko, Mongolei, Myanmar, Namibia, Neuseeland, Niger, Nigeria, Nordkorea, Pakistan, Paraguay, Peru, Polen, Portugal, Réunion, Rumänien, St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha, Sambia, Saudi-Arabien, Schweden, Slowakei, Somalia, Spanien, Südafrika, Tadschikistan, Tansania, Tschechien, Türkei, Uganda, der Ukraine, Ungarn, Venezuela, im Vereinigten Königreich, viele Regionen in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA), Vietnam sowie Weißrussland.[8]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Aegirin kristallisiert monoklin in der Raumgruppe C2/c (Raumgruppen-Nr. 15) mit den Gitterparametern a = 9,66 Å; b = 8,80 Å; c = 5,29 Å und β = 107,4° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 621.
  2. Webmineral - Aegirine (englisch)
  3. Handbook of Mineralogy - Aegirine (englisch, PDF 77,8 kB)
  4. a b c d MinDat - Aegirine (englisch)
  5. T. Prestvik, C.G. Barnes: A new occurrence of aegirine in Norway. In: Norwegian Journal of Geology, vol. 87, pp. 451-456. Trondheim 2007. ISSN 029-196X, (PDF 1,1 MB)
  6. Mindat - Schefferite
  7.  Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 5. vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2008, ISBN 978-3-921656-70-9.
  8. MinDat - Localities for Aegirine (engl.)

Literatur[Bearbeiten]

  •  Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7. Auflage. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York 2005, ISBN 3-540-23812-3, S. 95.
  •  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 235.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Aegirine – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien