Aerobus

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1974: Testanlage in Dietlikon

Das von dem Schweizer Gerhard Müller erfundene Nahverkehrssystem Aerobus, das inzwischen von der Firma Aerobus International, Inc. vermarktet wird, ist eine Einschienenbahn, deren elektrisch betriebene Fahrzeuge ähnlich wie die Wuppertaler Schwebebahn hängend verkehren. Im Unterschied zur dortigen Konstruktion handelt es sich bei den Fahrwegen aber nicht um starre Stahlschienen, sondern um Aluminiumschienen, die nach Hängebrückenart an Kabelkonstruktionen aufgehängt sind.

Prinzip[Bearbeiten]

Ein Hauptvorteil des Aerobusses sind die langen Abstände zwischen jeweils zwei Trägern (Pylonen), die bis zu 600 Meter betragen können und dadurch den Aufwand für Bauarbeiten am Boden und auf der Straße auf ein Minimum reduzieren. Im Gegensatz zu traditionellen Verkehrsmitteln im Öffentlichen Personennahverkehr wie etwa der Straßenbahn oder dem Omnibus fährt der Aerobus ungehindert von anderen Verkehrsteilnehmern und weitestgehend geräuscharm.

Als hauptsächliche Nachteile gelten die vergleichsweise aufwändige Konstruktion von Kurven und Weichen sowie die mühsame Evakuation der Fahrgäste im Notfall.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Aerobus in Mannheim, 1975

1970 erfolgte in der Schweiz die erste probeweise Installation einer Aerobus-Anlage, sie befand sich in Schmerikon am Zürichsee. 1975 verkaufte man diese nach Ste. Anne in Kanada, wo sie noch bis 1992 in Betrieb stand.

1974 erbaute man im Schweizer Dietlikon eine zweite Teststrecke.

Zur Bundesgartenschau 1975 in Mannheim wurde zwischen den beiden Ausstellungsteilen Luisenpark und Herzogenriedpark eine 2,8 Kilometer lange Strecke errichtet. Bei einer der ersten Probefahrten musste der damalige Mannheimer Bürgermeister Ludwig Ratzel wegen eines technischen Defekts mühsam mit einer Drehleiter aus einer stehengebliebenen Bahn befreit werden. Der Betrieb während der Bundesgartenschau verlief danach jedoch reibungslos, nicht zuletzt auch wegen täglicher Testfahrten vor Betriebsbeginn. Die acht Wagen transportierten in der Zeit vom 18. April bis 19. Oktober 1975 insgesamt 2,2 Millionen Besucher.[1] Längster freitragender Abschnitt war die Neckarquerung unmittelbar östlich der Kurpfalzbrücke. Die Strecke wurde nur während dieser Ausstellung befahren und nach Beendigung der Betriebserlaubnis 1976 bis auf ein 600 Meter langes Teilstück abgebaut. Das verbleibende Teilstück diente der damaligen Studiengesellschaft „Hochbahn Mannheim“, an der auch die Mannheimer Verkehrsbetriebe MVV beteiligt waren, als einbahnige Versuchsstrecke. Hierzu wurde die Trasse für rund 1,2 Millionen Deutsche Mark (heute circa 1.486.000 Euro) umgebaut. Das Tragkabel wurde durch Aluminiumschienen ersetzt, die einen ruhigeren Lauf gewährleisten sollten. Bei möglicher Finanzierung und einer Bewährung des Systems war die Erschließung weiterer Stadtteile mit diesem verbesserten Aerobus-System geplant. Da sich die Hoffnungen jedoch zerschlugen, wurde der nichtöffentliche Testbetrieb 1979 eingestellt und die restliche Trasse 1987 komplett demontiert und verschrottet.

2000 schloss man mit der Stadt Chongqing in der Volksrepublik China ein Abkommen über eine 2,6 Kilometer lange Installation. Zu einer Verwirklichung kam es bisher jedoch nicht.

2004 folgte ein Abkommen mit der ebenfalls chinesischen Stadt Weihai über eine 4,2 Kilometer lange Installation. Diese führt überwiegend über Wasser und soll an neun bis zu 100 Meter hohen Pylonen aufgehängt werden. Die Wagen selbst sollen in einer Höhe von 50 Metern verkehren, um auch großen Meeresschiffen die Passage zu ermöglichen.[2] Die Finanzierung des Projekts in Weihai ist seit 2006 gesichert, die Inbetriebnahme war ursprünglich für 2008 vorgesehen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aerobus Mannheim Buga 1975
  2. Kundenmagazin der Wuppertaler Stadtwerke, September 2007, S. 5 (PDF)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Aerobus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten]