Aerocaribbean-Flug 883

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Aerocaribbean-Flug 883
Aero Caribbean ATR-72-212 CU-T1549.jpg

Das in den Unfall involvierte Flugzeug im Oktober am Aeropuerto Playa Baracoa

Unfall-Zusammenfassung
Unfallart Absturzursache noch ungeklärt
Ort Guasimal, Sancti Spíritus, Provinz Sancti Spíritus
21° 44′ 39″ N, 79° 28′ 16″ W21.744194-79.470978
Datum 4. November 2010
Todesopfer 68
Verletzte 0
Überlebende 0
Luftfahrzeug
Luftfahrzeugtyp ATR 72-212
Betreiber Aerocaribbean
Kennzeichen CU-T1549
Abflughafen Aéroport international Toussaint Louverture, Port-au-Prince
Stopover Aeropuerto Internacional Antonio Maceo, Santiago de Cuba
Zielflughafen Aeropuerto Internacional José Martí, Havanna
Passagiere 61
Besatzung 7
Liste von Katastrophen der Luftfahrt

Aerocaribbean-Flug 883 war ein zweimal wöchentlich durchgeführter internationaler Linienflug von Port-au-Prince, Haiti, nach Havanna, Kuba mit Zwischenlandung in Santiago de Cuba. Am 4. November 2010 verunglückte eine ATR 72-212 der kubanischen Fluggesellschaft Aerocaribbean nahe dem Ort Guasimal im Municipio Sancti Spíritus in Zentral-Kuba. An Bord waren 61 Passagiere und sieben Besatzungsmitglieder, die alle ums Leben kamen.

Unfallhergang und Untersuchungen zur Ursache[Bearbeiten]

Die Maschine befand sich am Abend des 4. November auf einem Inlandsflug von Santiago de Cuba kommend nach Havanna. Die ATR startete in Santiago um 16:30 Uhr Ortszeit.[1] Gegen 17:46 Uhr meldete der Pilot der Bodenleitstelle Probleme wegen Vereisung und bat um Erlaubnis, auf eine niedrigere Flughöhe wechseln zu dürfen. Unmittelbar daraufhin verlor er die Kontrolle über das Flugzeug und meldete den Notfall noch per Funk.[2][3] Kurz danach stürzte das Flugzeug nahe Guasimal in bergigem Gelände nahe der Sierra del Escambray ab. Augenzeugenberichten zufolge soll das Flugzeug vor seinem Absturz ziemlich tief und unruhig geflogen sein. Auch habe man Rauch und Feuer aus der Maschine treten sehen.[4] Am darauf folgenden Tag wurden die Flugschreiber der Unglücksmaschine geborgen.[5]

Ob es einen Zusammenhang mit dem zum Zeitpunkt des Starts der Unglücksmaschine in Santiago de Cuba sich nähernden Hurrikan Tomas gibt, der im Osten Kubas für heftige Winde und starke Niederschläge sorgte, ist unklar.[6] Flug Aerocaribbean 883 war jedenfalls eines der letzten Flugzeuge, die Santiago de Cuba verließen. Danach wurde der Luftraum wegen des herannahenden Tropensturms gesperrt.[7]

Die kubanischen Behörden kündigten an, den Unfall ohne ausländische Hilfe untersuchen zu wollen. Man habe dafür alle nötigen Voraussetzungen.[5] Externe Unterstützung wie zum Beispiel eine Expertengruppe des Herstellers der verunglückten Maschine, Avions de Transport Régional, lehnten die kubanischen Behörden ab.[8]

Am 15. Dezember 2010 informierte die kubanische Zivilluftfahrtbehörde darüber, dass die Unglücksursache eine Mischung aus Vereisung des Flugzeuges auf Grund extremer Witterungsbedingungen sowie Fehler der Besatzung bei der Handhabung dieser Situation sei. Demzufolge verlief der Flug anfangs normal, bis das Flugzeug in einer Höhe von 20.000 Fuß (rund 6000 Meter) auf extreme Wetterbedingungen traf.[9]

Opfer[Bearbeiten]

Neben den sieben Besatzungsmitgliedern befanden sich 33 weitere Kubaner, sowie 28 ausländische Touristen an Bord des Unglücksflugzeugs, darunter zwei Deutsche, zwei Australier,[7][10] ein Italiener, neun Argentinier, ein Spanier, drei Niederländer, ein Franzose, ein Japaner, eine Venezolanerin und sieben Mexikaner.[11]

Das Unglücksflugzeug[Bearbeiten]

Das Flugzeug mit der Seriennummer 459 und dem Luftfahrzeugkennzeichen CU-T1549 hatte bis zum Absturz insgesamt rund 25.000 Flugstunden sowie rund 34.500 Starts und Landungen absolviert. Das Flugzeug war mit zwei Triebwerken Pratt & Whitney Canada PW127 ausgestattet.[2] Das im November 1995 fertiggestellte Flugzeug wurde seit Oktober 2006 von Aerocaribbean betrieben.[12] Der Unfall war der insgesamt drittschwerste in der Geschichte der kubanischen Luftfahrt. Außerdem war es der elfte Verlust einer ATR 72 und der bis dahin schwerste Unfall mit diesem Flugzeugtyp.[2]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kubanisches Passagierflugzeug abgestürzt (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung, tagesschau.de vom 5. November 2010
  2. a b c Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network
  3. Reconstrucción del Accidente Aéreo de Cuba. Vuelo 883 de un ATR 72-212 Trickfilm-Simulation mit dem Original-Funkverkehr auf YouTube, abgerufen am 4. November 2013
  4. Crashed Cuban plane trailed smoke, flame: witnesses, Reuters vom 5. November 2010
  5. a b Juan Antonio Borrego: Cuba tiene plena capacidad para investigar la tragedia aérea. In: Granma. 6. November 2010, archiviert vom Original am 10. November 2010, abgerufen am 6. April 2014.
  6. Mauricio Vicent: Cuba investiga la peor catástrofe aérea en 20 años (Spanisch) El País. 6. November 2010. Abgerufen am 8. November 2010.
  7. a b Flugzeugabsturz: Keine Österreicher an Bord, Der Standard vom 6. November 2010
  8. Cuba investigará el accidente con sus propios medios y sin ayuda externa - ABC.es - Noticias Agencias, EFE in abc.es vom 6. November 2010
  9. Congelamiento severo de avión de Aerocaribbean causó el accidente, Cubadebate vom 15. Dezember 2010
  10. Australians killed in Cuba plane crash, Australian Broadcasting Corporation vom 6. November 2010
  11. Prosiguen las investigaciones y rescate de cadáveres en lugar del accidente aéreo, Cubadebate vom 5. November 2010
  12. ATR statement on Aero Caribbean Flight 883 (Englisch) Alenia Aeronautica (Pressemitteilung). 5. November 2010. Archiviert vom Original am 6. November 2010. Abgerufen am 8. November 2010.