Aeroflot

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Aeroflot
Аэрофлот
Logo der Aeroflot
Airbus A320-200 der Aeroflot
IATA-Code: SU
ICAO-Code: AFL
Rufzeichen: AEROFLOT
Gründung: 1932
Sitz: Moskau, RusslandRussland Russland
Drehkreuz:

Moskau-Scheremetjewo

Heimatflughafen: Moskau-Scheremetjewo
Unternehmensform: Aktiengesellschaft
ISIN: RU0009062285
Leitung: Waleri Michailowitsch Okulow
Mitarbeiterzahl: 14.802
Fluggastaufkommen: 27,5 Mio. (2012)
Allianz: SkyTeam
Vielfliegerprogramm: Aeroflot Bonus
Flottenstärke: 132 (+ 178 Bestellungen)
Ziele: National und international
Webseite: aeroflot.ru

Aeroflot, eigentlich Aeroflot – Russische Luftfahrtlinien (russisch Аэрофлот – Российские авиалинии/Transkription Aeroflot – Rossiskije awialinii), ist die größte russische Fluggesellschaft mit Sitz in Moskau und Drehkreuz auf dem Flughafen Moskau-Scheremetjewo. Sie ist Mitglied der Luftfahrtallianz SkyTeam und war mehrere Jahrzehnte lang die größte Fluggesellschaft der Welt. Als Staatsunternehmen befindet sich Aeroflot mehrheitlich im Eigentum des russischen Staates.

Geschichte[Bearbeiten]

Anfangsjahre[Bearbeiten]

Der 9. Februar 1923 wird offiziell als Geburtsdatum der russischen Zivilluftfahrt angesehen. Der Arbeiter- und Verteidigungsrat gab an diesem Tag eine Entschließung heraus, die die Verwaltung der zentralen Luftflotte bevollmächtigte, die technische Überwachung von Fluglinien und die Gründung eines Zivilluftfahrt-Rates vorzunehmen.[1] Am 8. März 1923 wurde in der jungen Sowjetunion der „Verein der Luftfahrtfreunde“ gegründet, der es sich zum Ziel machte, Geldmittel für den Bau von Flugzeugen zu sammeln und die Vorteile der Luftfahrt zu propagieren. Nur wenige Tage später, am 17. März, fand die konstituierende Versammlung der „Aktiengesellschaft Dobroljot“ (russisch Добролёт), der ersten Luftfahrtgesellschaft der Sowjetunion, statt. Neben den Vereinsmitgliedern kauften auch Funktionäre die zum Preis von je 1,05 Rubel emittierten Aktien. Selbst Lenin soll 60 Aktien gekauft haben.

Im selben Jahr wurde die ukrainische Luftfahrtgesellschaft „Ukrwosduchput“ sowie die kaukasische „SakAvia“ gegründet. Durch Parolen wie etwa „Wer nicht Aktionär von Dobroljot ist, der ist auch kein Bürger der Sowjetunion“ eingeschüchtert, spendeten die Arbeiter ihren Lohn und die Bauern ihre Erzeugnisse an den Verein unter Vorsitz von Felix Edmundowitsch Dserschinski und Michail Wassiljewitsch Frunse oder kauften Aktien von Dobroljot.

Für die erste Flotte der neuen Luftfahrtgesellschaft wurden in Deutschland 15 Flugzeuge vom Typ Junkers F 13 gekauft. Die erste Linie von Moskau nach Nischni Nowgorod wurde am 15. Juli 1923 mit einer F-13, gesteuert von J. N. Moissejew, eröffnet. Ein großer Anteil ausländischer Typen, vor allem deutsche und US-amerikanische, sollten noch bis weit in die 1930er Jahre hinein das Bild der zivilen Luftfahrt der Sowjetunion prägen. Mit der AK-1 flog 1924 das erste einheimische Modell bei Dobroljot. Auslandsflüge konnte die Gesellschaft immer noch nicht ausführen und so verlängerte die Regierung der Sowjetunion den Vertrag mit der deutsch-russischen Fluggesellschaft Deruluft für Flüge von Moskau über Königsberg nach Berlin.

Am 29. Oktober 1930 fusionierte Dobroljot mit der Aktiengesellschaft Ukrwosduchput, die schon zuvor die SakAvia übernommen hatte, zur „Allunionsvereinigung der Zivilluftflotte“ (WO GWF).

Nach Entstehen der Aeroflot[Bearbeiten]

eine Tupolew Tu-124 der Aeroflot im Jahr 1967
eine Iljuschin Il-62 der Aeroflot im Jahr 1976

Am 25. Februar 1932 wurde die WO GWF zur „Hauptverwaltung der Zivilluftflotte“ (GU GWF) umgewandelt. Die mittlerweile zu einem riesigen Verband der zivilen Luftfahrt angewachsene GU GWF erhielt am 5. März gleichen Jahres als Kurzbezeichnung den Namen „Aeroflot“.[1] Die Flotte der Fluggesellschaft zählte nun über 100 aktive Flugzeuge, darunter einige sowjetische wie ANT-9 und K-5. Eines der wichtigsten Modelle der Aeroflot war Ende der 1930er Jahre die in mehreren tausend Exemplaren produzierte Li-2, eine Lizenzversion der DC-3. Bis 1940 war das Streckennetz der Aeroflot auf 138.700 km angewachsen, auf denen in jenem Jahr 400.000 Passagiere und 58.400 t Fracht befördert wurden.[2]. Während des Zweiten Weltkrieges wurden sämtliche Aktivitäten in den Dienst des Militärs gestellt. So wurden Transportflüge zur Versorgung des eingeschlossenen Leningrad oder von Partisanen im deutschen Hinterland ebenso durchgeführt wie das Absetzen von Luftlandetruppen oder Verwundetentransporte. Von 1941 bis 1945 beförderte Aeroflot solchermaßen 4,5 Mio. Personen sowie etwa 400.000 t Fracht.

In den Folgejahren nach Kriegsende sonderte Aeroflot ihre bis dahin genutzten Modelle wie die Li-2 aus und ersetzte sie durch neuentwickelte Typen wie Il-12 oder Il-14. 1956 setzte die Gesellschaft als eine der ersten weltweit mit der Tu-104 ein ziviles Strahlverkehrsflugzeug ein. Weitere Meilensteine stellen die Einführung der Turboprop-Verkehrsflugzeuge Tu-114 und Il-18 Ende der 1950er Jahre dar. In große Zahl wurden ab den 1960 Jahren die Tu-134 und Il-62 in den Bestand aufgenommen.

1975 begann Aeroflot den Flugbetrieb des Überschallverkehrsflugzeuges Tu-144, der allerdings knapp drei Jahre später wieder eingestellt wurde.

Zu Sowjetzeiten war Aeroflot mit mehr als 10.000 Flugzeugen, davon etwa 700 größere Verkehrsflugzeuge, die größte Fluggesellschaft der Welt, sie versorgte das ganze Land flächendeckend. 1982 umfasste allein das Inlandroutennetz rund 1 Mio Kilometer mit 3600 angeflogenen Zielen. Die Transportleistung betrug in jenem Jahr 500 Mio Passagiere und 14 Mio Tonnen Fracht. Im Ausland wurden 111 Ziele in 90 Ländern angeflogen.

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 ging auch der Zerfall der Aeroflot einher. Zahlreiche Gesellschaften wurden ausgegliedert und konkurrieren heute mit der Aeroflot. Seit 1992 ist die Aeroflot eine offene Aktiengesellschaft und im RTS-Index gelistet, 1993 richtete sie sich neu aus und benannte sich in „Aeroflot – Russian International Airlines“ (ARIA) um.

Seit dem 14. April 2006 ist Aeroflot Mitglied der Luftfahrtallianz SkyTeam, der beispielsweise auch Air France angehört. Zu diesem Zeitpunkt war sie also die erste russische Airline in einer weltweiten Allianz.

Im Februar 2010 wurde bekannt, dass Aeroflot binnen zwei Jahren mit Rossija sowie weiteren fünf kleineren russischen Regionalfluggesellschaften unter der Marke Aeroflot fusionieren soll:[3] Vladivostok Avia, Kavminvodyavia, Orenair, Saravia und SAT Airlines.

Am 30. März 2014 musterte Aeroflot ihre letzten von ehemals sechs Iljuschin Il-96-300 aufgrund deren bereits länger bemängelten Unwirtschaftlichkeit aus.[4]

Flugziele[Bearbeiten]

Aeroflot bedient ein dichtes Netz an Verbindungen innerhalb Russlands und fliegt darüber hinaus zahlreiche europäische Metropolen wie beispielsweise London, Madrid, Paris, Rom und Wien an. Des Weiteren werden mehrere Langstreckenziele, darunter Bangkok, Hongkong, Los Angeles, Havanna und Tokio angeflogen.

In Deutschland werden Berlin, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, München, Stuttgart und Hannover angesteuert, während in Österreich neben Wien saisonal auch Salzburg und Innsbruck und in der Schweiz Zürich und Genf bedient werden.

Flotte[Bearbeiten]

Ein Airbus A330-200 der Aeroflot
Ein Suchoi Superjet 100 der Aeroflot
Business-Klasse an Bord eines Airbus A330-200 der Aeroflot

Mit Stand November 2013 besteht die Flotte der Aeroflot aus 138 Flugzeugen[5] mit einem Durchschnittsalter von 5,1 Jahren:[6]

Flugzeugtyp aktiv bestellt[7][8][9][10] Anmerkung
Airbus A319-100 014
Airbus A320-200 051
Airbus A321-200 024 002
Airbus A330-200 005
Airbus A330-300 017 00
Airbus A350-800 018 Auslieferung vsl. ab 2016[11]
Airbus A350-900 004 Auslieferung vsl. ab 2016[11]
Boeing 737-700 015 Auslieferung vsl. ab 2013[12]
Boeing 737-800 002 025 Auslieferung vsl. ab 2013[12]
Boeing 737-900ER 010 Auslieferung vsl. ab 2013[12]
Boeing 767-300ER 005
Boeing 777-300ER 004 012
Boeing 787-8 022 Auslieferung vsl. ab 2016[11]
Irkut MS-21 050
Suchoi Superjet 100 010 020
insgesamt 132 178

Um hohe Importsteuern für im Ausland hergestellte Flugzeuge (die die deutliche Mehrheit der Flotte ausmachen) zu vermeiden, lässt Aeroflot ihre Airbus- und Boeing-Flugzeuge auf den Bermudas registrieren. Diese haben daher die entsprechende Luftfahrzeug-Kennung VP-B oder VQ-B anstelle der Kennung RA- für in Russland registrierte Flugzeuge.

Zwischenfälle[Bearbeiten]

Die Unfall-Datenbank von AirDisaster.com listet seit 1953 insgesamt 127 Unfälle auf, in die Maschinen der Aeroflot verwickelt waren. Insgesamt kamen dabei 6.875 Menschen an Bord der Maschinen sowie 20 Menschen am Boden ums Leben. Bei der Einordnung dieser Zahlen ist jedoch zu berücksichtigen, dass zu Zeiten der Sowjetunion die russische Luftfahrt eine völlig andere Struktur hatte als im Westen üblich. Die Aeroflot umfasste die komplette zivile Luftfahrt sowie einen großen Teil der militärischen Flugzeuge, zeitweise trugen etwa 10.000 Flugzeuge des zivilen Fluggeräts den Namen Aeroflot. Die meisten Piloten waren Offiziere der Reserve, und insgesamt war diese Fluggesellschaft sehr eng mit den russischen Luftstreitkräften verwoben.[13]

Seit den frühen 1990er Jahren jedoch hat Aeroflot ihre bis dahin sehr negative Sicherheitsbilanz und somit auch ihr Image wesentlich verbessern können. Nach dem Ende der Sowjetunion und der damit einhergehenden Restrukturierung der Gesellschaft gab es lediglich zwei Unglücksfälle mit Todesopfern:

  • Nahe dem sibirischen Meschduretschensk stürzte am 23. März 1994 ein Airbus A310-300 der Aeroflot auf Aeroflot-Flug 593 ab, nachdem der Pilot seinen Sohn ans Steuer gelassen hatte. Dieser deaktivierte versehentlich einen Kanal des Autopiloten, wodurch das Flugzeug allmählich in eine abnormale Fluglage geriet, die von der Besatzung zu spät bemerkt wurde.
  • Am 14. September 2008 stürzte Aeroflot-Flug 821 aus Moskau kommend während des Landeanflugs auf den Flughafen von Perm ab. Alle 88 Insassen der Boeing 737-500 (Kennung VP-BKO) kamen dabei ums Leben.[14] Obwohl der Flug aus dem Flugplan von Aeroflot stammte, war er nicht von Aeroflot selbst, sondern von deren Tochtergesellschaft Aeroflot-Nord im Rahmen eines gegenseitigen Beförderungsabkommens durchgeführt worden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Geschichte von Aeroflot auf der offiziellen Webpräsenz des Unternehmens, abgefragt am 21. November 2012
  2. Wilfried Kopenhagen: Lexikon Sowjetluftfahrt. Elbe-Dnjepr, Klitzschen 2007, ISBN 978-3-933395-90-0, S. 302
  3. airliners.de: Aeroflot auf dem Weg zu alter Größe?, 3. Februar 2010
  4. ch-aviation.com - Aeroflot retires the Ilyushin IL-96 from service (englisch) 1. April 2014
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatFlotte der Aeroflot. ch-aviation.ch, abgerufen am 4. Juli 2013 (englisch).
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatFlottenalter der Aeroflot. airfleets.net, abgerufen am 4. Juli 2013 (englisch).
  7. Orders, Deliveries, Operators. Airbus, 30. Juni 2013, abgerufen am 4. Juli 2013 (englisch).
  8. Customer Summary. Boeing, 30. Juni 2013, abgerufen am 4. Juli 2013 (englisch).
  9. Aeroflot has performed the first commercial flight using Sukhoi Superjet 100. ruaviation.com, 16. Juni 2011, abgerufen am 9. Oktober 2011 (englisch).
  10. itar-tass.com - Investment in MS-21 to reach RUB 160 bln (englisch), 15. Oktober 2012
  11. a b c aeroflot.ru - Company Profile (englisch), abgerufen am 13. August 2011
  12. a b c [1] (englisch), abgerufen am 22. August 2012
  13. Soviet Union – Aeroflot Operations. Library of Congress Country Studies, 1989, abgerufen am 30. Juli 2010 (englisch).
  14. FAZ.NET: 88 Tote bei Flugzeugabsturz in Russland, 14. September 2008
  15. aerotelegraph.com, abgerufen am 3. Juni 2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Aeroflot – Sammlung von Bildern