Aeta

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Dieser Artikel beschreibt das indigene Volk Aeta; für das US-Gesetz AETA siehe Animal Enterprise Terrorism Act.
Gruppe von Negritos, zu denen man die Aeta zählt

Die Aeta (ausgesprochen Aïta), Agta oder Ayta sind ein Indigenes Volk, das hauptsächlich in den abgesonderten, isolierten Bergregionen der Insel Luzon auf den Philippinen lebt. Sie werden dort den Negritos zugerechnet, einer Personengruppe, die eine dunkelbraune bis schwarze Hautfarbe besitzt und sich durch eine kleine Statur, einen schmalen Körperbau, lockige Haare, schmale Nasen und dunkelbraune Augen auszeichnet. Sie werden als die ersten Einwohner des Archipels angesehen und waren womöglich bereits vor der Zuwanderung austronesischer Menschen auf den Philippinen heimisch.

Namensherkunft[Bearbeiten]

Etymologische Untersuchungen deuten darauf hin, dass Aeta sich von dem Wort es ableitet, welches sich im Laufe der Zeit zu itim oder itom gewandelt hat, was in verschiedenen philippinischen Dialekten mit schwarz oder dunkel zu übersetzen ist.

Während der spanischen Kolonialherrschaft wurden alle Einheimische als Negritos oder als „die kleinen braunen“ bezeichnet, deren Aussehen mehr an die Bewohner des afrikanischen Kontinents erinnerte, als an Südseeinsulaner. Die Angehörigen der Aeta gehörten gleichfalls zu diesem, als „Negrito“ charakterisiertem Menschenschlag. Verschiedene Gruppen der Aeta im Norden Luzons sind zudem unter dem Begriff „Pugut“ oder „Pugot“ bekannt, ein Name, der der Sprache Ilokano entstammt, die in der Nachbarschaft zu den Aeta gesprochen wird. Diese Bezeichnung ist ein umgangssprachlicher Begriff für Leute mit dunkler Gesichtsfarbe und heißt soviel, wie „Kobold“ oder „Waldgeist“.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte der Aeta sorgt unter den Anthropologen und Archäologen für heftige Debatten. Dabei geht es um die zentrale Frage, wann und wie diese Volksgruppe einst auf die Philippinen eingewandert war. Eine Theorie geht davon aus, dass die Aeta Nachkommen der Ureinwohner der Philippinen sind, die, im Gegensatz zu den seefahrenden austronesischen Nachbarvölkern, die Inseln über Landbrücken erreicht haben, die den heutigen Inselstaat vor 30.000 Jahren mit dem asiatischen Festland verbanden. Traditionell sind die Aeta ein Volk von Jägern und Sammlern und gehören zu den Menschen, die die besten Voraussetzungen besitzen, um im Dschungel überleben zu können.

Im Unterschied zu ihren austronesischen Konterparts widerstrebt den Aeta jede Form der Veränderung. Während das Volk über Hunderte von Jahren dem Einfluss anderer Gesellschaften widerstand, haben sie sich mit bemerkenswerter Belastbarkeit auf den sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Druck eingestellt. Dabei schufen sie innerhalb ihrer Kultur Systeme und Strukturen, die eine schnelle Veränderung abschwächen und den einwirkenden Einfluss abdämpfen. Dies war ein Grund dafür, dass der Versuch der Spanier während ihrer Herrschaftszeit fehlschlug, sie in reducciones, eine Form von Reservaten, umzusiedeln.

Das Aufkommen und die Ausbreitung von Bergbau, Entwaldung, illegaler Abholzung und Brandrodung führte zu einem stetigen Rückgang der einheimischen Urbevölkerung in allen Teilen der Philippinen. Hinzu kamen Naturkatastrophen wie Erdbeben, Vulkanausbrüche und Erdrutsche, die dazu führten, dass die indigenen Völker immer wieder ihre angestammten Gebiete verlassen mussten. Dies traf ebenso auf die Aeta zu. Heute hat diese Entwicklung einen Punkt erreicht, an dem sich ihre Anzahl auf nur noch einigen Tausend Individuen beschränkt. Die verbliebenen Gruppen findet man vor allem im Zentrum von Luzon, wo sie in Bergmulden der Provinzen Zambales, Pampanga, Tarlac, Bataan und Nueva Ecija leben.

Die Kultur und Lebensweise, die sich die Aeta über Tausende von Jahren bewahrt haben, werden durch einen starken sozialen und wirtschaftlichen Druck belastet, den die Expansion der sie umgebenden Zivilisation ausübt. Viele Angehörige der Aeta sind Nomaden und errichten nur provisorisch aufgebaute Unterkünfte, die aus zwei angespitzten Stöcken bestehen, die in den Boden gesteckt, an einen Baum oder Felsvorsprung angelehnt und mit Bananenblättern bedeckt werden. Einige modernere Aeta haben mittlerweile gelernt, in Dörfern auf Hochplateaus und Berglichtungen zu leben. Sie wohnen dort in Häusern aus Bambus und Cogongrass.

Lange Zeit wurde den indigenen Völker auf den Philippinen keinerlei Anspruch auf staatlich garantierten Schutz ihrer Landrechte und Lebensgewohnheiten zugestanden. Dies änderte sich 1997, als das Republik-Gesetz 8371, auch bekannt als Indigenous Peoples Rights Act (kurz: IPRA), verabschiedet wurde und so die Rechte der Aeta gestärkt wurden. Im Kampf um einen Landanspruch müssen die Aeta dennoch den Rechtsweg einschlagen.[1] 2005 konnten die Aeta einen politischen Sieg erringen, als ihnen von der philippinischen Regierung eine 48 km² große Landfläche zugesprochen wurde. Darin enthalten sind ein geschütztes Gebiet des Regenwaldes (Naturpark Pamulaklakin) und die Mangrovensümpfe von Subic-Bucht (Naturpark Subic-Bucht) rund um den Vulkan Pinatubo.

Bevölkerungswissenschaft[Bearbeiten]

Die Lebenserwartung eines geborenen Aeta beträgt gerade 16 1/2 Jahre,[2][3][4] wobei nur jedes dritte Kind ein Alter von 15 Jahren erreicht.[3][5] Aber auch danach beträgt die Lebenserwartung wiederum lediglich 27,3 Jahre.[3] Junge Frauen erreichen ihre volle Körpergröße (Durchschnittlich 140 cm) im Alter von 12 oder 13.[2][3][4] Ein wissenschaftliches Forschungsprogramm betraf die San Ildefonso Aeta, die auf der langgestreckten Halbinsel San Ildefonso leben, die von dem Casiguran Sound von der Hauptlandmasse Luzons getrennt wird. Ihre Lebensgewohnheiten wurden in einer 44 Jahre andauernden Studienreihe näher erforscht, besonders die Geburten-, Sterberate und die Wanderungsbewegungen standen im Fokus der Studien.[6]

Kultur[Bearbeiten]

Sprache[Bearbeiten]

Mit der Zeit nahmen die Mitglieder dieser Volksgruppe die austronesischen Sprachen ihrer Inselnachbarn an. Im Laufe der Zeit veränderten sich die Mundarten und entwickelten sich zu eigenen Sprachformen. Zu diesen Dialekten gehören, geordnet nach der Anzahl ihrer Sprecher, Mag-indi, Mag-antsi Abellen, Ambala und Mariveleño.

Fähigkeiten[Bearbeiten]

Die Sinne der Aeta sind hoch entwickelt. Insbesondere ihr Geruchs- und ihr Orientierungssinn sind als außergewöhnlich zu bezeichnen. Sie sind fähig, eine Schlange anhand des Geruchs, der von ihr ausgeht, aufzuspüren und sie vermögen es, verschiedene Pflanzenarten und ihren Blütenstand allein durch ihren Duft zu identifizieren.

Aeta Frauen sind zudem überall im Land für ihre Kenntnisse in der Pflanzenheilkunde bekannt.

Religion[Bearbeiten]

Es gibt verschiedene Sichten, wer der dominante Weltenlenker in der Religion der Aeta ist. Diejenigen, die ihnen Monotheismus zugestehen, argumentieren, dass verschiedene Aeta-Stämme an einen Allmächtigen glauben, der mehr oder weniger über niedere Geister und Gottheiten herrscht. Bei den Aeta am Mount Pinatubo heißt dieser oberste Gott "Apo Namalyari", wobei die Mamanua wiederum "Magbabaya"[7] verehren.

Die Aetas gehören ebenso zu den animistischen Völkern, als Gruppen, die Naturreligionen praktizieren. So glauben die Aeta des Pinatubo zum Beispiel an verschiedene, sie umgebende Geisterwesen wie Anito (gute Geister) und Kamana (bösartige Geister),[7] die ihre Umwelt bewohnen. Anito leben in den Wäldern, den Baumstämmen, im Bambus, den Bächen und Höhlen. Obwohl sie wohlwollend sind, können sie doch böse werden und einen sündigen Menschen mit Unglück und Krankheit belegen. Um den Geist wieder gnädig zu stimmen sind Geschenke oder Opfergaben nötig. Andere Geister finden sich in den Flüssen, den Meeren, dem Himmel, den Bergen, den Ebenen und an anderen Orten.

Sie glauben an Kaelwa oder Kalola (Seele),[7] die als eine eigenständige Einheit den Körper bewohnt. Die Seele vermag den Körper während der Traumphase zeitweise zu verlassen und lässt ihn nach dem Ableben endgültig zurück. Sie haben jedoch keine spezielle Vorstellung von der Welt nach dem Tode. Manche glauben daran, dass die Seele in den Himmel aufsteigt, während andere behaupten, sie schwebe zum Gipfel des Pinatubo, was ein Grund dafür ist, dass sie den Berg verehren.

Dieses Urvolk benötigt keinen speziellen Anlass für ein Gebet, obgleich es eine direkte Verbindung zwischen der Fürbitte und ihren ökonomischen Aktivitäten gibt. So führen die Frauen in der Nacht bevor sie sich aufmachen, um Muscheln zu sammeln, einen Tanz auf, der teilweise als eine Abbitte gegenüber den Meerestieren verstanden werden kann und teilweise einen Zauber darstellt, der ihnen das Glück bei der Nahrungssuche sichern soll. In gleicher Weise huldigen die Männer den Bienen, indem sie vor einer bevorstehenden Suche nach Honig einen spezifischen Tanz inszenieren. Auch die Schweinejagd soll durch das Tanzen positiv beeinflusst werden und, im Falle des Erfolg, eine Danksagung darstellen.

Kleidung[Bearbeiten]

Ihre traditionelle Kleidung ist sehr einfach und primitiv gehalten. So legen sich junge Frauen Stoff als Wickelrock um die Hüfte, während ältere Frauen Kleidung aus Baumrinde tragen, die zwischen den Beinen am Körper anliegt und durch einen Strick, der um die Hüfte herum gebunden ist, gehalten wird. Ältere Männer wiederum tragen einfache Genitalschnüre.

Heutzutage trifft man jedoch viele Aeta an, die sich westlichen Sitten angenähert haben und in T-Shirts, Hosen und Kautschuksandalen gekleidet sind.

Handwerk[Bearbeiten]

Die Aeta sind handwerklich geschickte Weber und Flechter. Frauen weben fast ausschließlich Worfeln und Matten. Haushaltsgegenstände sind üblicherweise aus Kokosnuss, Muscheln und Bambus gearbeitet, während Körbe ebenfalls aus Bambus oder Rattan geflochten werden. Männern ist die Herstellung von Armreifen vorbehalten. Sie fertigen ebenso Regenmäntel aus Palmblättern an, deren unterer Teil um den Nacken des Trägers gelegt wird und deren Oberseite sich wie ein Fächer um den Körper herum ausbreitet.

Kunst und Schmuck[Bearbeiten]

Eine traditionelle Form der Körperverzierung ist die Skarifizierung, das Tragen von Ziernarben (Tuktuk).[7] Die Aeta fügen sich absichtlich Wunden am Rücken, den Armen, der Brust, den Beinen, den Händen, den Waden und am Bauch zu, die sie dann mit Feuer, Kalk und anderen Mitteln reizen, damit sich wirkungsvolle Wundmale ausbilden. (siehe auch: Philippinische Stammestätowierungen)

Zu den weiteren „schmückenden Entstellungen“ gehört das Abfeilen und Anspitzen der Zähne (Tayad).[7] Mit Hilfe von Messern oder Macheten bearbeiten die Dumagat gegen Ende der Pubertät ihre Zähne. Die Zähne färben sich einige Jahre danach schwarz.

Im Allgemeinen schmücken sich die Aeta mit Gegenständen, die typisch für Menschen sind, die in ihren Bedarf alleine durch die sie umgebende Natur decken. So werden für bestimmte Anlässe Blumen und Blätter als Ohrstöpsel verwendet und Gürtel, Halsketten und Halsbänder sind aus geflochtenem Rattan gefertigt, in welche Borsten von Wildschweinen eingearbeitet wurden. Sowohl Männer wie auch Frauen tragen Halsketten und Perlen aus Samen und Knochen. Das Baggery, ein Halsband aus Rattan und Grass gefertigt, wird hingegen im Allgemein von Männern getragen.[7]

Musik[Bearbeiten]

Ihre Unterhaltung besteht aus Gesang und Tanz, wobei ihre Musikinstrumente hoch entwickelt sind. Die Aeta haben eine Musikkultur, die verschiedene Typen von Agung-Esembles beinhalten – Musizierende Gruppen, die für ihre Darbietungen große hängende, getragene oder gehaltene bucklige Gongs verwenden, auf denen sie ihre Melodien spielen. Dabei entwickelt die Musik ein Brummen, das von keinem melodischen Instrument begleitet wird.

Die weiteren Instrumente der Aeta sind das Tabengbeng, eine Zither mit zwei Saiten aus Bambus, das Kulibaw, eine Maultrommel aus Bambus, eine Gitarre mit fünf Saiten aus Massivholz sowie eine Bambusflöte, das Bulongodyong.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Agta Demographic Database:Chronicle of a Hunter-Gatherer Community in Transition S. 24 (PDF; 1,6 MB)
  2. a b Science: Volume 319, Issue 5859, January 4 2008. Editors' Choice: Highlights of the recent literature: Live Fast, Die Young by Caroline Ash
  3. a b c d Proceedings of the National Academy of Sciences December 18, 2007 | vol. 104 | no. 51 | 20216-20219 Life history trade-offs explain the evolution of human pygmies, by Andrea Bamberg Migliano, Lucio Vinicius, and Marta Mirazón Lahr
  4. a b Proceedings of the National Academy of Sciences December 18, 2007 | vol. 104 | no. 51 | 20216-20219 Life history trade-offs explain the evolution of human pygmies, by Andrea Bamberg Migliano, Lucio Vinicius, and Marta Mirazón Lahr
  5. The Telegraph: Pygmies life expectancy is between 16 and 24, By Roger Highfield, Science Editor, Last Updated: 10:01pm GMT 10/12/2007
  6. Population Dynamics of a Philippine Rain Forest People: The San Ildefonso Agta von John D. Early und Thomas N. Headland
  7. a b c d e f g pinatubo aeta von Khristin Fabian

Weblinks[Bearbeiten]