AfE-Turm

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
AfE-Turm
AfE-Turm
Campus Bockenheim: AfE-Turm
Basisdaten
Ort: Robert-Mayer-Straße 5–7 (Westend-Süd)
Senckenberganlage 13–17
Bauzeit: 1970–1972
Baustil: Brutalismus
Architekten: Staatliche Neubauabteilung des Landes Hessen
Nutzung/Rechtliches
Nutzung: 1973-2013
Arbeitsplätze: 300 Arbeitsplätze
2.500 Studenten
Eigentümer: Goethe-Universität
Technische Daten
Höhe: 116,0[1] m
Etagen: 38 Bürogeschosse,
29 Bibliotheksgeschosse
Nutzfläche: 12.304
Konstruktion: Stahlbeton-Skelettbauweise
Baukosten: 60.000.000 DM
Höhenvergleich
Frankfurt am Main: 21. (Liste)
Deutschland: 42. (Liste)
Anschrift
Stadt: Frankfurt am Main
Land: Deutschland

Der AfE-Turm ist ein 116 Meter hohes Hochhaus in Frankfurt am Main. Er gehört zum Campus Bockenheim der Johann Wolfgang Goethe-Universität und beherbergte bis März 2013 die Büros und Seminarräume der Fachbereiche Gesellschaftswissenschaften und Erziehungswissenschaften. Seit Mai 2013 steht das Gebäude leer. Die Abkürzung AfE bedeutet Abteilung für Erziehungswissenschaft, jedoch zog diese Abteilung nie in das Hochhaus ein, da sie vor Eröffnung des Gebäudes bereits wieder geschlossen wurde.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte [Bearbeiten]

Anfang der 1960er Jahre begannen Planung und Bau des AfE-Turms. Der Bau war nötig geworden, nachdem 1961 die Hochschule für Erziehung der Universität angegliedert worden war und sich die alte Bettinaschule im Frankfurter Westend auch als Provisorium als unzureichend herausstellte. Dem Gebäude fehlte von Beginn an die geplante Funktionalität. Der AfE-Turm wurde 1972 fertiggestellt.

Dass die Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften in das damals höchste Gebäude in Frankfurt einzogen, hatte Symbolcharakter: Die Stellung der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer in Frankfurt wurde auf diese Weise unterstrichen. Der Einzug begleitete die mit den 1970er Jahren einhergehenden Umbrüche in Gesellschaft und innerhalb der Universität.[2]

Die Fernuniversität Hagen hatte im Gebäude ein Fern-Studienzentrum, sodass auch viele externe Studenten das Gebäude aufsuchten. Schätzungsweise arbeiteten bis zu 300 Personen, hauptsächlich wissenschaftliches und Verwaltungspersonal, im Gebäude.

Aus feuerpolizeilichen Gründen waren die Seminarräume ab dem 11. Stock im Jahr 2000 vom Universitätspräsidenten Rudolf Steinberg für Veranstaltungen gesperrt worden.[3] Nach der Modernisierung des Brandschutzes, zu der insbesondere die Installation einer Brandmeldeanlage und elektroakustischen Anlagen zur Notfall-Alarmierung und die Ertüchtigung eines bestehenden Aufzuges zu einem Feuerwehraufzug zählten[4], wurde das Nutzungsverbot aufgehoben. Die Kosten für diese Modernisierung beliefen sich auf 1,1 Millionen D-Mark, wovon 700.000 Mark vom Land Hessen aufgebracht wurden.[4]

Anfang Februar 2013 wurden von Unbekannten die in der Geschichte des Turms bislang größten Vandalismusschäden im Gebäude mit einem Schaden von 40.000 € verursacht.[5]

Der ursprünglich für 2011[6] geplante Umzug der Fachbereiche des AfE-Turms auf den Campus Westend wurde mehrmals verschoben. Zum Ende des Wintersemesters 2012/2013 zogen die einzelnen Abteilungen des Turms schließlich auf den Campus Westend.[7]

Im Vorfeld der am 22. April 2013 stattgefundenen Räumung des seit 2003 unter den Namen Institut für vergleichende Irrelevanz firmierenden, besetzten ehemaligen Institutsgebäudes des Instituts für England- und Amerikastudien wurde der AfE-Turm präventiv gesichert und ist seitdem nicht mehr öffentlich zugänglich.[8] Ende April 2013 zog die letzte verbliebende Abteilung aus.

Das Areal um den AfE-Turm wurde 2011 an die ABG Frankfurt Holding verkauft.[9] Nachdem der AfE-Turm von der Universität geräumt wurde, soll er in der zweiten Jahreshälfte 2013 abgerissen werden.[10] An seiner Stelle könnte abermals ein Hochhaus entstehen.[11]

Da eine geplante zweimonatige Zwischennutzung durch den Verein Forum Kulturcampus aus finanziellen Gründen gescheitert ist, soll der Beginn des Abbruchs des Gebäudes auf Juli 2013 vorgezogen werden.[12]

Gebäude [Bearbeiten]

Die Nordseite des Turms, der kurzzeitig das höchste Gebäude Frankfurts war, beherbergte neben der Bibliothek der Sozialwissenschaften ausschließlich Seminarräume mit anderthalbfacher Etagenhöhe. Die Südseite besteht aus Büros in einfacher Etagenhöhe, was zur Folge hat, dass es zwischen den beiden Turmhälften ein kompliziertes System von Treppenhäusern und Zwischenetagen gibt, die die Orientierung erheblich erschweren. Ferner sind viele der Büroetagen mit geraden Stockwerksnummern nicht barrierefrei zugänglich. Im 1. OG des Gebäudes befinden sich zentrale Hörsäle mit Tageslicht durch große Fensterflächen, die direkt vom Erdgeschoss über Treppen erreicht werden können. Nach dem Bau war in der obersten Etage eine Cafeteria eingerichtet worden, die aber mangels Zuspruch wieder geschlossen wurde (diese Etage ist nicht mit allen Aufzügen zu erreichen). Das studentisch verwaltete TuCa (Turm Café) im Erdgeschoss wurde auf Veranlassung der Hochschulverwaltung polizeilich geräumt, um ein Studentenwerk-Café („C’AfE“) zu eröffnen. Seit Anfang 2007 saß das "TuCa [im Exil]" im 5. Stock.

Der Turm wurde ursprünglich für 2.500 Studenten konzipiert. Jedoch war das Gebäude seit der Eröffnung mit einer um ein Vielfaches höheren Zahl Studenten belegt, so dass an den sieben Fahrstühlen oftmals mit Wartezeiten von mehr als 15 Minuten gerechnet werden musste. Von den sieben Aufzügen funktionierten meist nur fünf, zudem blieben die Fahrstühle regelmäßig stecken.[13] In einem besonders schlechten Zustand waren zuletzt die Fahrstühle der 5er-Gruppe auf der Ostseite des Gebäudes, die vor dem Halt an einer Etage in eine sehr langsame, ruckelige Fahrweise schalteten. Ungeplante Halte an eigentlich stillgelegten Etagen kamen ebenso vor wie falsche Stockwerksanzeigen.

Der Turm war Ziel für Studentenproteste, da er im Gegensatz zu den meisten anderen Gebäuden der Universität mit relativ wenigen Helfern vollständig abgeriegelt werden konnte. Die in den letzten Jahren dramatisch verschlechterten Studienbedingungen innerhalb des Turmes bildeten ein weiteres Motiv und die daraus resultierenden Turmblockaden waren ein fester Bestandteil der regelmäßig wiederkehrenden Proteste an der Goethe-Universität.

Zwischenfall [Bearbeiten]

Im August 2005 verunglückte eine Universitätsmitarbeiterin in einem der Fahrstühle tödlich, als dieser zwischen zwei Stockwerken stecken blieb und die Mitarbeiterin versuchte herauszuklettern. Es ist umstritten, ob dieser Unfall lediglich Folge menschlichen Versagens war oder eine Folge des fast alltäglichen Versagens der Technik.[14]

Trivia [Bearbeiten]

Im Vorfeld der Internationalen Automobil-Ausstellung im Sommer 2011 wurde vom Automobilhersteller Mercedes der Universitätsleitung der Vorschlag unterbreitet, für einen Betrag von über 100.000 Euro am Gebäude das Firmenlogo zu Werbezwecken anzubringen (der AfE-Turm ist von der Messe aus gut sichtbar).[15] Die Stadt lehnte dies jedoch ab.[16]

Siehe auch [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: AfE-Turm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten [Bearbeiten]

  1. AfE-Turm bei CTBUH
  2. Siehe Artikel "Turm adé" in der Januar/Februar Ausgabe der Zeitschrift der "Turm-Fachschaften" (PDF): http://141.2.38.226/www.gesellschaftswissenschaften.uni-frankfurt.de/uploads/7660/2256/flur_funk_ausgabe2.pdf
  3. http://m.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/brandschutz-historisches-museum-koennte-geschlossen-werden-1279452.html, zugegriffen am 31. März 2013
  4. a b http://www2.uni-frankfurt.de/44480573/unireport_82001.pdf, zugegriffen am 31. März 2013
  5. FR-online, zugegriffen am 22. Februar 2013
  6. http://www.fachschaft04.de/?p=138
  7. http://www.ub.uni-frankfurt.de/bge/zeiten.html#umzug
  8. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/uni-frankfurt-verriegelt-sich-aus-angst-vor-ivi-besetzern-a-896597.html, zugegriffen am 3. Mai 2013
  9. Siehe interaktive Karte auf http://www.kulturcampusfrankfurt.de/page/2/
  10. FR-online, zugegriffen am 2. Februar 2013
  11. Aus einer Pressemitteilung der Universität: "Für das Areal zwischen Robert-Mayer-Straße und Georg-Voigt-Straße, auf dem im Augenblick noch der AfE-Turm steht, sieht der Vertrag nach Möglichkeit den Bau eines Hochhauses vor."
  12. http://www.seiten.faz-archiv.de/rmo/20130430/fda201304303869428.html, zugegriffen am 1. Mai 2013
  13. FR-Onine am 6. März 2012
  14. FR-Online am 2. Juni 2010
  15. FR-Online am 1. Juli 2011
  16. FR-Online am 5. Juli 2011

50.1161111111118.6508333333333Koordinaten: 50° 6′ 58″ N, 8° 39′ 3″ O