Afrancesado

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Joseph Bonaparte.
Leandro Fernández de Moratín.

Afrancesados (dt. etwa Französiserte, Frankophile, Französischgesinnte, Franzosenfreunde oder Französlinge), auch Josefinos (nach Joseph Bonaparte) war im napoleonischen Spanien und im besetzten Portugal die Bezeichnung für die Parteigänger der Franzosen. Die Beweggründe reichten dabei von Furcht über Gewinnsucht bis zur Hoffnung auf eine durchgreifende Reform des Staates. Viele stammten aus dem Adel und zählten später in den 1820ern, 1830ern und 1840ern zu den Moderaten oder den Liberalen.

Afrancesados in Spanien[Bearbeiten]

Im speziellen Fall war ein Afrancesado eine Person, die auf die Verfassung von 1808 geschworen hatte, die König Joseph Bonaparte nach dem durch Napoléon Bonaparte erzwungenen Thronverzicht der Bourbonen proklamierte hatte.

Die Zahl und Macht der Partei war Anfang 1809 am größten. Regional war ihr Einfluss vor allem in Katalonien, Valencia, dem Baskenland und Madrid bedeutend. Nach dem Sturz der Fremdherrschaft wanderten etwa 10.000 Afrancesados nach Frankreich aus. Von Ferdinand VII. durch Verordnung vom 30. Mai 1814 ihrer Würden, Ämter und Güter verlustig erklärt, erhielten sie erst nach Herstellung der Cortesverfassung die Erlaubnis zur Rückkehr (Dekret vom 8. März 1820). Durch Beschluss der Cortes vom 21. September desselben Jahres wurden ihnen auch ihre Güter rückübertragen.

In Frankreich entwickelten die spanischen Afrancesados eine spezifische Exilkultur. Beispiel für einen Parteigänger der Franzosen war der Dichter und Dramatiker Leandro Fernández de Moratín. Auch der ehemalige Vizekönig von Neuspanien (1800-1803), Miguel José de Azanza, der Bankier Miguel José de Azanza (der Joseph Bonapartes Finanzminister wurde), Godoys ehemaliger Außenminister Mariano Luis de Urquijo oder Francisco Javier de Burgos waren spanische Afrancesados im französischen Exil.

Afrancesados in Portugal[Bearbeiten]

In Portugal wurde der Begriff Afrancesados bereits Ende des 18. Jahrhunderts für jene Elite verwendet, die ihre Bildung in Frankreich erhalten hatten und dabei Gedanken der Aufklärung übernommen hatten.[1] Auch in Portugal wurden die Franzosen 1807 daher zunächst von Franzosenfreunden, deren Anhänger vor allem der liberalen Bourgeoisie Portos entstammten[2], begrüßt. Diese portugiesischen Afrancesados waren jedoch überwiegend revolutionär-republikanisch wie Jakobiner gesinnt, die kaiserlich-französischen bzw. königlich-spanischen Besatzer mißtrauten ihnen daher und förderte ihre Reformpläne nicht. Die französische Besatzungspolitik diskreditierte die Afrancesados daher rasch. Dennoch führte die französische Besetzung und vor allem ihre Vertreibung durch eine reaktionäre britische Besatzungsmacht zur Förderung einer profranzösischen Form des Liberalismus.[3][4]

... Als nach der Vertreibung der Franzosen die Beresford-Administration das Land beherrschte, wurde die "englische Fraktion" an den Rand gedrängt, da die Briten nunmehr als die neuen Besatzer betrachtet wurden; die Jakobiner konnten sich durchsetzen...[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carsten Sinner: Wissenschaftliches Schreiben in Portugal zum Ende des Antigo Regime(1779-1821) - Die Memórias económicas der Academia das Ciências de Lisboa, Seite 152. Frank & Thimme, Berlin 2012
  2. Luís António de Oliveira Ramos: Os Afrancesados do Porto (PDF; 469 kB). Universidade do Porto 1980
  3. a b Walther Bernecker, Horst Pietschmann: Geschichte Portugals, Seiten 75 und 77f. Beck, München 2008
  4. A. H. de Oliveira Marques: Histoire du Portugal et de son empire colonial, Seite 374ff. Paris 1998 (auf Deutsch erschienen als Geschichte Portugals und des portugiesischen Weltreiches im Alfred Kröner Verlag Stuttgart, 2001)

Quellen[Bearbeiten]