Kaffernbüffel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Afrikanischer Büffel)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kaffernbüffel
Kaffernbüffel im Krüger-Nationalpark

Kaffernbüffel im Krüger-Nationalpark

Systematik
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Tribus: Rinder (Bovini)
Gattung: Syncerus
Art: Kaffernbüffel
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Syncerus
Hodgson, 1847
Wissenschaftlicher Name der Art
Syncerus caffer
(Sparrman, 1779)
Porträtaufnahme käuender Büffel in der Serengeti, Tansania

Der Kaffernbüffel (Syncerus caffer), seltener auch Afrikanischer Büffel genannt, ist eine über weite Teile Afrikas verbreitete Art der Rinder.

Merkmale[Bearbeiten]

Groß gewachsene Bullen der Steppenbüffel oder Schwarzbüffel (Syncerus caffer caffer) können eine Schulterhöhe von 1,7 Metern, eine Kopf-Rumpf-Länge von 3,4 Metern und ein Gewicht von 1000 Kilogramm erreichen. Es gibt allerdings erhebliche Unterschiede zwischen den Unterarten, was die Größe und auch andere Merkmale betrifft. Der Waldbüffel oder Rotbüffel (Syncerus caffer nana) der zentralafrikanischen Regenwälder ist mit 300 kg deutlich kleiner als der Steppenbüffel der nördlich beziehungsweise südlich und östlich angrenzenden Savannen.

Während Kälber noch dicht behaart sind, wird das Haarkleid mit zunehmendem Alter spärlicher, und alte Tiere sind fast nackt. Die Farbe ist meistens beim Steppenbüffel schwarz und beim Waldbüffel rotbraun, kann aber bei beiden Typen auch unterschiedliche Brauntöne haben.

Beide Geschlechter tragen ausladende Hörner. Die Ohren sind unter den Hörnern angesetzt. Beim Bullen sind beide Hörner durch einen Knochenschild verbunden, der dem Kopf aufsitzt. Steppenbüffel haben sehr viel größere Hörner als Waldbüffel.

Verbreitung[Bearbeiten]

Der Büffel der Art Syncerus caffer hat stets nur südlich der Sahara gelebt. Eine weitere Art, Pelorovis antiquus, früher auch gelegentlich Syncerus antiquus, kam einst auch nördlich der Sahara vor, starb aber vor langer Zeit aus (siehe Namen und Systematik). Der Kaffernbüffel hat sich einer Vielzahl von Habitaten angepasst, vom dichten Regenwald bis zur offenen Savanne. In den Bergen findet man ihn bis in 3000 m Höhe. Am dichtesten sind die Bestände in Feuchtsavannen mit ganzjährig gutem Angebot von Trinkwasser, Nahrung (Gräsern) und Dickicht.

Lebensweise[Bearbeiten]

Weiblicher Kaffernbüffel mit Kalb (Ngorongoro Conservation Area, Tansania)

Kaffernbüffel leben in Herden, die über Jahre in ein und demselben Revier bleiben und dieses auf festgelegten Routen durchwandern. Die Herden bestehen meistens aus Weibchen und ihren Jungen; während der Paarungszeit schließen sich auch Männchen den Herden an. Daneben gibt es Junggesellenherden mit jugendlichen Bullen. Eine Herde von Steppenbüffeln besteht aus 50 bis 500 Büffeln; Waldbüffel leben offenbar in sehr viel kleineren Verbänden von acht bis 20 Tieren. Wenn sich mehrere Männchen in einer Herde befinden, kommt es immer wieder zu Kämpfen, um die Hierarchie festzulegen. Afrikanische Büffel müssen jeden Tag abhängig von der Futtersituation ein- oder zweimal trinken, sodass ihnen Trockenheit sehr zu schaffen macht, da sie dann häufig weitere Wege von den Grasflächen zu den Trinkstellen zurücklegen müssen.

Nach einer Tragzeit von 340 Tagen kommt ein Kalb zur Welt. Männliche Jungtiere verbringen etwa zwei Jahre bei der Mutter, ehe sie die Herde verlassen müssen. Weibliche Tiere bleiben dagegen für gewöhnlich ein Leben lang in der Herde, in der sie geboren wurden. Mit vier oder fünf Jahren werden die Tiere geschlechtsreif. Ihre Lebenserwartung liegt in der Wildnis bei maximal 20 Jahren, in Zoos bei 30 Jahren.

Feinde[Bearbeiten]

Büffelbulle (Syncerus caffer caffer) mit Madenhackern auf dem Rücken

Neben dem Menschen haben Büffel kaum Feinde. Löwen und Leoparden versuchen gelegentlich, junge Büffel oder kranke Tiere zu erbeuten. Die gesunden Tiere der Herde wissen sich aber wirksam zur Wehr zu setzen, so dass manche Raubtiere einen solchen Versuch mit schweren Verletzungen bezahlen. Einzelne erwachsene Büffel fallen allerdings zuweilen durchaus Löwen zum Opfer, auch große Nilkrokodile erbeuten Kaffernbüffel, wenn diese Flüsse durchqueren oder zum Trinken ans Wasser kommen.

Schlimmere Feinde sind wohl die zahlreichen Parasiten wie Zecken, die in der Haut der Büffel sitzen. Deswegen sieht man oft Madenhacker auf dem Rücken der Büffel, die sich von den Schmarotzern ernähren.

Büffel und Menschen[Bearbeiten]

Der Kaffernbüffel hat den Ruf, eines der gefährlichsten Wildtiere Afrikas zu sein. Angeblich sollen Bullen immer wieder Menschen angreifen. Es ist aber davon auszugehen, dass dies meist auf Fälle zurückzuführen ist, in denen Farmer die Tiere von ihrem Land vertreiben wollen. Bei den heutigen Safaris ist es dagegen relativ gefahrlos möglich, nahe an die grasenden Herden heranzufahren.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat die nach Afrika eingeschleppte Rinderpest die Büffel in vielen Ländern selten werden lassen oder ganz ausgerottet. In Südafrika war er zwischenzeitlich ganz ausgestorben, wurde inzwischen aber wieder in den Nationalparks des Landes eingeführt. Die größte Bedrohung für den Afrikanischen Büffel ist heutzutage die zunehmende Einschränkung seines Lebensraumes durch den hohen Bevölkerungszuwachs in weiten Teilen Afrikas.

Als Tier der Big Five wurde der Kaffernbüffel auch auf Safaris bejagt. Diese Großwildjagden existieren auch noch heute, jedoch bei weitem nicht mehr so häufig wie Anfang und Mitte des 20. Jahrhunderts.

Der Kaffernbüffel ist ein Reservoirwirt für Theileria parva, den Erreger des ostafrikanischen Küstenfiebers. Dadurch können sich Interessenkonflikte mit Rinderhaltern ergeben.

Namen und Systematik[Bearbeiten]

Verbreitungsgebiet der allgemein akzeptierten, verschiedenen Formen des Kaffernbüffels (wissenschaftliche Namen angegeben)
Waldbüffel (Syncerus caffer nanus) im Loango-Nationalpark, Gabun
Sudanbüffel (Syncerus caffer brachyceros) im Pendjari-Nationalpark

Der Namensbestandteil Kaffer in Kaffernbüffel ist eine in Südafrika und Namibia heute als abfällig und rassistisch gewertete Bezeichnung für Schwarze; sie stammt von dem arabischen Wort Kafir ‚Ungläubiger‘. Das Artepithet caffer im wissenschaftlichen Namen kann, da durch den Erstbeschreiber vergeben, nach den Regeln der ICZN nicht mehr geändert werden.

Wenigstens 30 Unterarten sind von verschiedenen Wissenschaftlern beschrieben worden, aber wenige davon werden heute allgemein anerkannt. Übereinstimmend lassen sich relativ klar drei bis fünf Formen unterscheiden, die entweder als eigenständige Arten oder als Unterarten einer Art aufgefasst werden. Die IUCN unterscheidet neben dem Waldbüffel (Syncerus caffer nanus) Zentralafrikas, dem Steppenbüffel (Syncerus caffer caffer) Süd- und Ostafrikas und dem Sudan-Büffel (Syncerus caffer brachyceros) aus den westafrikanischen Savannen auch Syncerus caffer aequinoctialis aus den zentralafrikanischen Savannen. Die Büffel der ostafrikanischen Virungaberge könnten eine fünfte Unterart (Syncerus caffer mathewsi) darstellen.[1] Groves & Leslie (2011) fassen diese Formen als eigenständige Arten auf, erkennen aequinoctialis allerdings nicht als unterschiedlich vom Sudanbüffel an. Der Waldbüffel oder Rotbüffel ist die kleinste Form, die sich durch eine rötlichbraune Färbung und kurze, nach hinten gerichtete, kaum geschwungene Hörner auszeichnet. Deutlich größer ist der Schwarz-, Steppen- oder Kaffernbüffel, der nach außen gerichtete, geschwungene Hörner besitzt und zudem besonders dunkel schwarz bis grauschwarz gefärbt ist. In der Färbung zwischen beiden liegt der Sudanbüffel, der auch in der Größe und Hornform zwischen Wald- und Steppenbüffel vermittelt.[2]

Mit Pelorovis hat bis etwa 2000 v. Chr. eine andere große Rindergattung in Afrika existiert. Dieser „Riesenbüffel“ war nördlich der Sahara von Marokko bis Libyen verbreitet, im Pleistozän lebte er auch südlich der Sahara. Er hatte gewaltige Hörner mit einer Spannweite von fast 3 m. Möglicherweise war Bejagung durch den Menschen der Grund für das Aussterben des Riesenbüffels.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. 2 Bände. 6th edition. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD u. a. 1999, ISBN 0-8018-5789-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kaffernbüffel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Syncerus caffer in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2008. Eingestellt von: Antelope Specialist Group, 1996. Abgerufen am 22. Mai 2012
  2. Colin P. Groves, David M. Leslie Jr.: Family Bovidae (Hollow-horned Ruminants). In: Don E. Wilson, Russell A. Mittermeier (Hrsg.). Handbook of the Mammals of the World. Volume 2: Hooved Mammals. Lynx Edicions, Barcelona 2011, ISBN 978-84-96553-77-4, S. 585–588.