Afrikanisches Viertel

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Wohnanlage am Nachtigalplatz

Das Afrikanische Viertel ist eine Ortslage im Berliner Ortsteil Wedding (Bezirk Mitte). Es wird durch die Müller- und Seestraße sowie den Volkspark Rehberge (mit Goethepark) und die Bezirksgrenze zum Bezirk Reinickendorf eingegrenzt. Folgende Straßen liegen im Viertel:

Afrikanische Straße, Damarastraße, Dualastraße, Ghanastraße, Guineastraße, Kameruner Straße, Kongostraße, Lüderitzstraße, Mohasistraße, Otawistraße, Petersallee, Sambesistraße, Sansibarstraße, Senegalstraße, Swakopmunder Straße, Tangastraße, Togostraße, Transvaalstraße, Ugandastraße, Usambarastraße und Windhuker Straße sowie der Nachtigalplatz (benannt nach Gustav Nachtigal, einem deutschen Afrikaforscher).

Namensgebung[Bearbeiten]

Carl Hagenbeck plante vor dem Ersten Weltkrieg für den heutigen Volkspark Rehberge eine – seinem Hamburger Tierpark ähnliche – Anlage, in der er unter anderem Tiere aus den damaligen deutschen Kolonien auf dem afrikanischen Kontinent präsentieren wollte. Der Krieg verhinderte diese Pläne, aber die Straßennamen waren bereits vergeben, sodass sie bis heute existieren.

Kontroversen gibt es bis heute um die Namensgebung, beispielsweise um den Namen des Dauerkleingartenvereins Togo e. V. (Kurzform: Dauerkolonie Togo e. V.). Während die Bewohner diese Namen im täglichen Leben nicht wahrnehmen, werden sie von Kritikern als Relikte aus der Zeit des Imperialismus und Kolonialismus als diskriminierend gegenüber den Afrikanern und daher als problematisch angesehen.

Seit den späten 1990er Jahren haben sich zudem im Viertel immer mehr Afrikaner (vor allem aus Ghana, Kamerun und Nigeria) angesiedelt, was auch dazu führt, dass der Name Afrikanisches Viertel nun auch auf die Bevölkerungszusammensetzung zutrifft. So zogen allein in den letzten Jahren ca. 1000 afrikanische Staatsbürger ins Viertel, sodass aktuell insgesamt rund 2500 Afrikaner offiziell in dem Quartier gemeldet sind. Hinzu kommen die zahlreichen Eingebürgerten und in Deutschland geborenen Kinder afrikanischer Herkunft, die nicht als solche erfasst werden.[1][2]

Architektur[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu weiten Teilen des Weddings wird das Viertel durch Siedlungsbauten der 1920er und 1930er Jahre geprägt. Zu nennen sind hier vor allem die Friedrich-Ebert-Siedlung sowie die von Ludwig Mies van der Rohe errichteten vier Gebäude zwischen Sambesi- und Seestraße an der Afrikanischen Straße.

Literatur[Bearbeiten]

  • Berlin-Wedding; Verlag Karl Baedeker GmbH Freiburg; 2. Auflage 1983; S. 34/35
  • Ulrich van der Heyden: Auf Afrikas Spuren in Berlin. Die Mohrenstrasse und andere koloniale Erblasten. Berlin 2008
  • Ulrich van der Heyden: Das afrikanisches Viertel, in: Ulrich van der Heyden, Joachim Zeller (Hrsg.): Kolonialmetropole Berlin. Eine Spurensuche, Berlin Edition, Berlin 2002, S. 261–263

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jenseits von Wedding. In: Der Tagesspiegel, 15. April 2009.
  2. Zweites Afrika-Magazin „Afrikanisches Viertel“ erschienen Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke ist Schirmherr. In: berlin.de

52.55416666666713.338611111111Koordinaten: 52° 33′ 15″ N, 13° 20′ 19″ O