Afrin

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arabisch ‏عفرين‎, DMG ʿAfrīn
Afrin
Afrin (Syrien)
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Koordinaten 36° 31′ N, 36° 52′ O36.5136.867777777778Koordinaten: 36° 31′ N, 36° 52′ O
Basisdaten
Staat Syrien

Gouvernement

Aleppo
Höhe 240 m
Einwohner 44.121 (2003)
Afrin im fruchtbaren Tal des gleichnamigen Flusses von Süden. Der Baumstreifen besteht aus Granatäpfeln.
Afrin im fruchtbaren Tal des gleichnamigen Flusses von Süden. Der Baumstreifen besteht aus Granatäpfeln.

Afrin (arabisch ‏عفرين‎, DMG ʿAfrīn, kurdisch: Efrîn bzw. Afrîn) ist die Bezeichnung sowohl für einen Bezirk im Gouvernement Aleppo in Syrien, als auch für die gleichnamige Hauptstadt.

Stadt Afrin[Bearbeiten]

Das heutige Marktzentrum Afrin ist eine Neugründung des 19. Jahrhunderts. Die Einwohnerzahl 1929 betrug 800 und stieg bis 1968 auf etwa 7000.[1] Für 2003 werden 44.121 Einwohnern angegeben.[2] Afrin liegt auf zwei verschiedenen Straßenverbindungen jeweils 55 Kilometer nordöstlich von Aleppo im breiten Flusstal des Afrin, über den innerhalb des Ortes zwei Brücken führen. Der zentrale Platz ist die Haltestelle für Kleinbusse, das alte Wohngebiet erstreckt sich über den nördlich davon ansteigenden Hügel.

Bezirk Afrin[Bearbeiten]

Der Bezirk grenzt südlich an die türkischen Provinz Kilis und östlich an die türkische Provinz Hatay (kurdisch Xetayê, die geographische Bezeichnung für das Land südwestlich des Euphrats). Der Bezirk Afrin umfasst die Region Kurd Dagh (Çiyayê Kurd yan Kurmanc, arabisch ‏جبل الاكراد‎ Dschabal al-Ākrād ‚Berg der Kurden“ bzw. „Kurdenberg‘), die nach Westen bis zur türkischen Grenze reicht und im Süden und Osten vom Fluss Afrin begrenzt wird, wobei der Bezirk in dieser Richtung über den Fluss hinausreicht. Afrin hat eine Fläche von 2033 km² und besteht aus sieben Gemeinden: der Stadt Afrin im Zentrum, Jindêrês, Scharan, Mobetan/Mahbatli, Rajo, Bulbul, Maydana und Schiyê, mit insgesamt 366 Dörfern oder Weilern wie z. B. Katma, Kastall, Qîbar und Rajo. Der Name Afrîn bedeutet auf Kurdisch „(gesegnete) Schöpfung“. Zu sagen, dass man aus Afrin kommt, ist in der Gegend um Aleppo die verklausulierte Form um auszudrücken, dass man Kurde ist.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Im Jahr 2000 lebten im Bezirk Afrin nach zwei unterschiedlichen Quellen etwa 200.000 oder 450.000 Menschen.[3] Obwohl die syrische Regierung seit den 1970er Jahren die Ansiedlung von Arabern förderte, bilden die Kurden nach wie vor die Bevölkerungsmehrheit. Hinzu kommen einige verstreut lebende arabische Beduinen und Roma. In den frühen 1920er Jahren flohen viele Kurden aus dem Südosten der Türkei in die bereits zuvor von Kurden besiedelte Region. Zahlreiche Bewohner Afrins leben heute im Ausland. Durch die hohe Arbeitslosigkeit und Landflucht flohen in den letzten Jahrzehnten viele Kurden in die Metropolen Aleppo und Damaskus, wo sie sich teilweise in den Elendsquartieren niederließen.

Die meisten Einwohner in der Region Afrin sind sunnitische Muslime. Es gibt etwa 7.500 bis 10.000 Jesiden, die hier Zawaštrī genannt werden. Noch vor wenigen Jahrhunderten bekannten sich mehr Kurden zum Jesidentum als heute. Dazu kommen wenige kurdische alevitische Dörfer.

An mehreren abgelegenen Orten in der Region gibt es Pilgerstätten, die überwiegend von Sunniten, aber auch von anderen Religionsgemeinschaften mit Ausnahme der Jesiden besucht werden. Der berühmteste im Volksglauben heilige Ort ist Nebi Huri. Ein anderer islamischer Lokalheiliger ist Šayḫ Rāšid, dessen Grabmal (Qubba) ist als Ziyārat Ḥanān (Ziyārat, „Pilgerreisen zu Heiligengräbern“) bekannt und befindet sich sieben Kilometer nordöstlich von Afrin auf einem Hügel.

Sprache[Bearbeiten]

Kurden in der Region Afrin sprechen Kurmandschi, den Hauptdialekt der kurdischen Sprache. Wegen einiger regionaler Eigenheiten wird ihre Mundart innerhalb des Westdialektes des Kurmandschi auch Efrînî (also Afrinisch) genannt. Charakteristisch für das Afrini ist die Aussprache des û als ü, des e als a und des a als ɔ:. Außerdem heißen „sie“ und „er“ (3. Person, Singular und Plural) nicht nur „ewan, wana, wî, wê“ sondern auch „gendio“ bzw. „gêndih“. „Gêndih“ (Plural: „Gêndiyan“) wird nur im Nominativfall und meistens als Höflichkeitsform verwendet. Die Mundart Afrini wird auch in den Regionen Antep und Urfa gesprochen.

Klima[Bearbeiten]

Während der Sommermonate ist bewässerter Feldbau auf kleine Gebiete mit Grundwassernähe beschränkt. Nördliche Afrin-Region bei Nebi Huri

Es herrscht ein trockenes mediterranes Klima, mit Jahresniederschlägen von über 400 bis 500 Millimeter überwiegend in den Wintermonaten. Auch in trockenen Jahren ist der Regen ausreichend zum Anbau von Wintergetreide, Sommerfrüchte benötigen künstliche Bewässerung. Die durchschnittliche Temperatur im Januar beträgt 6–10 °C. In den Wintermonaten kann Schnee fallen, Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sind jedoch selten. Die durchschnittliche Maximaltemperatur im Juli und August beträgt 30–33 °C.[4]

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Im Afrin-Tal wird auf tiefgründigen roten Böden und mit Bewässerung durch Dieselpumpen aus dem Grundwasser intensive Landwirtschaft betrieben, es werden vor allem Weizen, Baumwolle, Zitrusfrüchte, Granatäpfel, Melonen, Weintrauben und Feigen angepflanzt. Das Hauptanbauprodukt sind in der ganzen Region Olivenbäume, von denen es mehr als 13 Mio. in Afrin geben soll.[5] Diese gedeihen auch noch teilweise auf den angrenzenden, steinigen Hügeln des nordsyrischen Basaltplateaus, das oft nur von einer dünnen Bodenschicht überdeckt wird. Auf unbewässertem Land wird meist Wintergetreide (Weizen oder Gerste) angebaut.

Viehzucht in kleinen Stallungen am Haus wird zur Eigenversorgung oder für den lokalen Markt betrieben. In den Dörfern werden Joghurt (arabisch leben) und Käse (lebne) im eigenen Haushalt hergestellt.

Geschichte[Bearbeiten]

Acht Kilometer südlich der Stadt Afrin liegt der späthethitische Siedlungshügel Tell Ain Dara aus dem 10. bis 8. Jahrhundert v. Chr. Zur Zeit des Osmanischen Reiches gehörte die Region Afrin zur einstigen kurdischen Provinz Kilis, die heute in der Türkei liegt. Nach dem Grenzabkommen zwischen Frankreich und der Türkei in den 1920er Jahren kam Afrin, das bis dahin zur osmanischen Provinz Kilis gehört hatte, zunächst zum Völkerbundmandat für Syrien und Libanon, woraus 1946 das unabhängige Syrien entstand.

Am 21. März 1986 kam es zu Unruhen von Kurden gegen die Regierung, bei denen die Polizei während einer Nouruz-Feier drei Menschen tötete, darunter ein junges Mädchen. Als 1999 der Vorsitzende der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Abdullah Öcalan festgenommen wurde, kam es zu Auseinandersetzungen und Randalen zwischen aufgebrachten Jugendlichen und der Polizei.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eugen Wirth: Syrien, eine geographische Landeskunde. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1971, S. 376
  2. The governorates of Syria and all cities of more than 35,000 inhabitants. citypopulation.de, 20. Juli 2009
  3. The Name and the History of Afrin. REEFNET 2009
  4. Wirth, S. 101
  5. Aref Gabeau: Das Gebiet der Berge der Kurden Afrin. efrin.net