Agadez

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Stadtgemeinde Agadez
Stadtgemeinde Agadez (Niger)
Stadtgemeinde Agadez
Stadtgemeinde Agadez
Koordinaten 16° 58′ N, 7° 59′ O16.9741666666677.9888888888889Koordinaten: 16° 58′ N, 7° 59′ O
Basisdaten
Staat Niger

Region

Agadez
Departement Tchirozérine
Höhe 502 m
Einwohner 118.240 (2012)
Blick auf die Stadt
Tuareg in Agadez
Moschee von Agadez

Agadez (auch Agadès) ist die Hauptstadt der gleichnamigen Region Agadez in Niger. Sie ist die größte Stadt im Norden des Landes. Am 23. Juni 2013 wurde die historische Altstadt von Agadez als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt.[1]

Geographie[Bearbeiten]

Agadez liegt in der nördlichen Sahelzone. Das Gemeindegebiet ist in 24 Stadtviertel, drei administrative Dörfer und zwei Wasserstellen gegliedert.[2] Agadez ist vollständig vom Gemeindegebiet von Dabaga umgeben.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stadt wurde der Überlieferung nach 1449 von Berberstämmen gegründet. 1515 wurde die Stadt vom Songhaireich unter Mohamed Askia erobert.[3] Als dieses 1591 von Marokko erobert wurde, übernahmen die Tuareg die Kontrolle über die Stadt und ihr Umland. Sie war in dieser Zeit Hauptstadt des unabhängigen Sultanats Aïr, welches offiziell bis heute fortbesteht. Der Sultan nimmt allerdings nur repräsentative und beratende Aufgaben wahr.

Agadez wurde offenbar erstmals um 1711 von Europäern besucht, nämlich von zwei Franziskanermissionaren, über deren weiteres Schicksal aber wenig bekannt ist. Die erste wissenschaftliche Beschreibung der Stadt, der Umgebung und der Geschichte von Agadez stammt von dem deutschen Afrikaforscher Heinrich Barth, der Agadez 1850 erreichte. Die Stadt geriet im Zuge des Kolonialismus gegen 1900 unter die Kontrolle Frankreichs. Sie war ein wichtiges Zentrum des Karawanenhandels.

Agadez erhielt 1988 zugleich mit neun weiteren nigrischen Orten den Status einer eigenständigen Gemeinde. Bis dahin hatte es landesweit zwölf Gemeinden gegeben.[4] 2009 wurde die Stadt von Überschwemmungen heimgesucht, bei denen über 41.000 Einwohner materielle Schäden erlitten.[5]

Während des Bürgerkriegs in Libyen musste die Stadt große Flüchtlingsströme aus dem Nachbarland aufnehmen. Bei den Personen handelte es sich zumeist um Menschen, die Jahre zuvor von Staaten Subsahara-Afrikas nach Libyen immigriert waren.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Im Jahr 1950 hatte Agadez 5.414 Einwohner, bei der Volkszählung 1988 49.424 Einwohner und bei der Volkszählung 2001 76.957 Einwohner.[7] Bei der Volkszählung 2012 betrug die Einwohnerzahl 118.240.[8] Die Stadt ist ein Zentrum der Tuareg.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Stadt bewahrt zum Teil noch die typische sudanische Lehmarchitektur. Die Moschee von Agadez hat ein berühmtes Minarett in Lehmbauweise, das spitz zulaufend und 27 Meter hoch ist. Am Flughafen befindet sich eine Kopie der Felsgravuren der Dabous-Giraffen. Besonders sehenswert ist der Markt von Agadez im November, wenn die Salzkarawanen aus Bilma eintreffen.

Zu Beginn des islamischen Monats Muharram wird bis zum Aschura-Tag in Agadez das zehntägige Neujahrsfest der Tuareg Bianou gefeiert. Dabei werden Tänze und Straßenprozessionen von der großen Kesseltrommel Tobol begleitet. Die Veranstaltung ähnelt dem in Djanet (Südalgerien) veranstalteten Sebiba-Tanzfest.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Neben dem traditionellen Handel ist noch heute die Viehzucht (Dromedare, Ziegen und Schafe) in der Umgebung wichtig. Agadez liegt an der Nationalstraße 11, die die Stadt mit der Oase Ingall im Norden und der Staatsgrenze zu Nigeria im Süden verbindet, und an der bis zur nigrischen Hauptstadt Niamey führenden Nationalstraße 25. In Agadez befindet sich ein ziviler Flughafen, der Mano Dayak Airport (IATA-Code: AJY, ICAO-Code: DRZA).[9]

In Agadez gibt es 56 Grundschulen, davon sind sieben Privatschulen. Auf einen Grundschullehrer kommen durchschnittlich 38 Schüler (landesweit 39).[10] Agadez ist der Sitz eines Tribunal de Grande Instance, eines der landesweit zehn Zivilgerichte der ersten Instanz.[11]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Klimatabelle[Bearbeiten]

Agadez
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
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29
11
 
 
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24
 
 
49
 
37
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7
 
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23
 
 
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38
20
 
 
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15
 
 
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30
12
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Agadez
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 29,2 32,0 35,9 39,6 41,4 41,6 39,2 36,9 38,6 37,7 33,5 29,7 Ø 36,3
Min. Temperatur (°C) 10,9 13,1 17,3 21,8 24,4 24,8 23,8 23,0 22,8 20,3 15,4 12,0 Ø 19,2
Niederschlag (mm) 0 0 0 2 6 12 35 49 7 0 0 0 Σ 111
Sonnenstunden (h/d) 9,6 9,8 9,5 9,3 9,5 9,1 9,3 9,2 9,3 9,9 9,9 9,4 Ø 9,5
Regentage (d) 0 0 0 0 0 2 6 6 2 0 0 0 Σ 16
Luftfeuchtigkeit (%) 22 18 15 14 18 24 39 45 29 20 22 23 Ø 24,1
T
e
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10,9
32,0
13,1
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21,8
41,4
24,4
41,6
24,8
39,2
23,8
36,9
23,0
38,6
22,8
37,7
20,3
33,5
15,4
29,7
12,0
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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0
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Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Barth: Reisen und Entdeckungen in Nord- und Centralafrika in den Jahren 1849 bis 1855. Gotha 1857–58, 5 Bde., hier Bd. 1.
  • Karl Rolf Seufert: Die Karawane der weißen Männer. Freiburg 1961.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Agadez – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. unesco.org Mitteilung der 37. Session des World Heritage Committee (englisch), abgerufen am 24. Juni 2013
  2. Répertoire National des Communes (RENACOM). Website des Institut National de la Statistique, abgerufen am 8. November 2010.
  3. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 70.
  4. Historique de la décentralisation au Niger (PDF; 93 kB). Website des Programme nigéro-allemand de lutte contre la pauvreté dans les zones de Tillabéri et Tahoua-Nord, veröffentlicht im Mai 2008, abgerufen am 21. Januar 2012.
  5. Situation des besoins des populations victimes d’inondations (2009). Website des Centre d’Information et de Communication, veröffentlicht am 22. September 2009, abgerufen am 31. März 2012.
  6. SPIEGEL ONLINE: Die Gestrandeten von Agadez, abgerufen am 23. Januar 2013.
  7. agence française de développement international (AFD): Africapolis- Country Sheets – Niger – Seite 77, abgerufen am 20. April 2014.
  8. Présentation des résultats globaux définitifs du Quatrième (4ème) Recensement Général de la Population et de l’Habitat (RGP/H) de 2012. Institut National de la Statistique, 2014, abgerufen am 18. April 2014 (PDF-Datei, französisch).
  9. Airports in Niger. Website Aircraft Charter World, abgerufen am 23. Januar 2012.
  10. Statistiques de l’éducation de base. Annuaire 2009–2010 (PDF; 19,1 MB). Website des nigrischen Unterrichtsministeriums, veröffentlicht im September 2010, abgerufen am 14. Februar 2012.
  11. Bachir Talfi: Note sur l’organisation judiciaire. Website des nigrischen Justizministeriums, abgerufen am 24. September 2012.