Aggersborg

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Wikingerburg Aggersborg
Wikingerburg in Aggersborg. Foto: Løgstør Kommune

Wikingerburg in Aggersborg. Foto: Løgstør Kommune

Entstehungszeit: Wikingerzeit
Burgentyp: Niederungsburg
Erhaltungszustand: Wallrekonstrukion
Bauweise: Palisaden, Tore, Wälle (und Gräben)
Ort: Aggersborg
Geographische Lage 56° 59′ 40″ N, 9° 15′ 24″ O56.9944444444449.2566666666667Koordinaten: 56° 59′ 40″ N, 9° 15′ 24″ O
Aggersborg (Dänemark)
Aggersborg
Rekonstruiertes Wikingerhaus in Fyrkat

Aggersborg ist Dänemarks größte Wikingerburg. Sie liegt in Nordjylland am Aggersund nördlich des Limfjordes. Die nächstgrößere Ortschaft ist Aggersund etwa 2,5 km nordöstlich, die nächste größere Stadt ist Aars, knapp 30 km südöstlich.

Datierung[Bearbeiten]

Die Anlage ist schwer zu datieren, zumal sich darunter eine Siedlung mit Gruben- und Langhäusern aus dem 9. und 10. Jahrhundert befindet. Deren Hauformen gleichen denen der Burg. Aber es gab keine Feuerstellen in den Häusern, so dass sie kaum zu Wohnzwecken genutzt worden sein können. Eher kommen Lagerhäuser in Betracht.[1] Ob das Dorf beim Bau der Burg beseitigt wurde oder schon verlassen war, ist nicht festzustellen. Sie ist wahrscheinlich jedoch zusammen mit den drei anderen Wikingerburgen (Fyrkat, Nonnebakken und Trelleborg bei Slagelse) gebaut worden, also um 980 unter der Herrschaft Svend Tveskægs. Die Bauzeit dürfte etwa zwei Jahre betragen haben. Benutzt wurde die Anlage zwischen 5 und 20 Jahre.

Fundbeschreibung[Bearbeiten]

360° Panorama der ehemaligen Burganlage Aggersborg

Die Burganlage weist einen Innendurchmesser von 240 Metern und außen bis zur Außenkante des Grabens einen Durchmesser von 288 Metern auf. Zwischen Wall und Graben liegt eine ebene Fläche von 8 Metern. Der Graben war etwa 1,30 Meter tief, der Wall etwa 4 Meter hoch. Er bestand aus Erde und Torf, mit Eichenholz versteift und verkleidet. Oben auf dem Wall befand sich eine Holzbrüstung. Der heutige Wall ist niedriger, er wurde 1990 errichtet und soll nur die ursprüngliche Form markieren. Die vier Hauptwege gingen, wie bei allen Wikingerburgen, vom Zentrum in die vier Himmelsrichtungen. Sie führten durch einen Tunnel aus dem Rund. In den von den Achsen gebildeten Vierteln lagen die Gebäude mit vielen kleinen Querwegen.

Drei Quadrate aus je vier, also insgesamt 12 Langhäuser lagen in jedem Viertel. Sie waren alle in Nord-Süd- oder Ost-West-Richtung gebaut. Mit den 48 Langhäusern darin könnte man von einer Belegung der Burg mit ungefähr 5.000 Mann ausgehen. Die Form der Anlage kommt auch auf Felszeichnungen vor.

Es sind nur noch die Stümpfe der Holzpfeiler erhalten. Die Neigung der Stümpfe, ihre Platzierung und Dimension, sowie die Form des Cammin-Schreines, eines hausförmigen Reliquienschreins, und hausförmige Grabsteine in England geben eine Vorstellung für die Rekonstruktion der Häuser. Sie hatten einen gebogenen Dachfirst und gebogene Längsseiten. Sie waren 32 Meter lang und 8,5 Meter breit mit geringerer Breite an den Enden. Für den Bau eines Haus wurden etwa 66 große Eichenbäume benötigt. Insgesamt wurden für die Häuser und den Wall etwa 5.000 große Eichenbäume verwendet.

Bei der Ausgrabung kamen viele alte Fundstücke zu Tage, darunter importierte Luxuswaren. So wurden im größten Haus Bergkristall-Perlen und Teile von Glaskannen gefunden. In einem Pfostenloch wurde ein zusammengeklemmter Goldarmreif gefunden, dessen Kopie hier abgebildet ist und im Museum bei der Anlage zu sehen ist.

Interpretation[Bearbeiten]

Die Anlage lag am Limfjord, der zu beiden Seiten zum Meer hin für Schiffe offen war. Außerdem lag sie an einem der Heerwege durch Jütland. Zudem liegt sie strategisch gut an einem Verkehrsknotenpunkt, Ost-West durch den Limfjord, Nord-Süd am Heerweg. Es ist aber nicht klar, ob es sich bei Aggersborg um ein Machtzentrum zur Kontrolle des Handels oder um eine Kaserne und Trainingslager in Verbindung mit Svend Tvæskeggs Plünderungszügen nach England handelt.

Aelnoth, ein Kleriker in Odense, schrieb Anfang des 12. Jahrhunderts von einem Aufruhr im Jahr 1086 gegen Knut d. Heiligen, wobei Aggersborg geplündert wurde. Damals war die Burg also noch in Benutzung.[1] Andererseits wird auch bezweifelt, dass in dieser schriftlichen Erwähnung die Burg gemeint ist. Es wird auch vertreten, es habe sich um dabei um einen jüngeren Königshof gehandelt.[2] Sie wurde in den Jahren 1945 sowie 1947 und 1948 ausgegraben.

Die Anlage verfällt zunehmend, es wurde sogar ein Gestüt nebst Bauernhof in die Kreissegmente eingezogen.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b Vgl. Holger ArbmanAggersborg. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 1, Walter de Gruyter, Berlin/New York 1973, ISBN 3-11-004489-7, S. 95–96. (online)
  2. Vgl. Else RoesdahlFyrkat. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 10, Walter de Gruyter, Berlin/New York 1998, ISBN 3-11-015102-2, S. 295–301.

Literatur[Bearbeiten]