Aghori

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Aghori (Sanskrit: अघोर, aghorī, wörtlich: "die Furchtlosen") sind eine tausend Jahre alte radikale, religiöse Gemeinschaft des shivaitisch tantrischen Hinduismus in Indien. Sie heben sich besonders durch Ablehnung der traditionell und soziologisch begründeten Konventionen von der hinduistischen Gesellschaft ab. Ihr Name bezieht sich auf Aghora, einen Beinamen von Shiva.

Stifter der Sekte ist wahrscheinlich Kina Rama (18. Jahrh.), sie gilt aber als Nachfolge-Organisation der berüchtigten tantrischen Sekte der Kapalikas. Aghoris sind bekannt für ihre besonders strenge Askese, weshalb die Anhängerzahl eher gering ist. Ungefähr eintausend werden geschätzt, einen großen Teil davon findet man in Varanasi[1], wo sich das wichtigste Zentrum mit dem Grab von Kina Rama befindet. Sie leben an Verbrennungsplätzen, und ihr Kennzeichen ist ein Totenschädel als Bettelschale[2], der sie ständig an die Vergänglichkeit erinnern soll. Bewusst gebärden sie sich „verrückt“ in Sprache und Benehmen. Das extreme Verhalten soll die Überwindung der Welt ausdrücken. Ihre Praktiken werden geheim gehalten. Man munkelt aber, sie würden Leichenteile und Exkremente essen, und ihre Speisen auf Leichenholzresten kochen.[3] Auch Geschlechtsverkehr mit Toten wird ihnen nachgesagt. Alles, was Hindus als unrein gilt, dient ihnen zur inneren Reinigung. So essen sie rohes Fleisch, trinken Alkohol und reiben sich mit der Asche verbrannter Leichen ein.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Olaf Ihlau: Weltmacht Indien. Die neue Herausforderung des Westens. Siedler Verlag, München. S.175
  2. Axel Michaels: Der Hinduismus, Geschichte und Gegenwart. Verlag C.H. Beck München, S. 350
  3. Axel Michaels: Der Hinduismus, Geschichte und Gegenwart. Verlag C.H. Beck München, S. 351

Literatur[Bearbeiten]

  • Jonathan P. Parry, Death in Banaras. Cambridge University Press 1994.