Aglasterhausen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Aglasterhausen
Aglasterhausen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Aglasterhausen hervorgehoben
49.3538888888898.9902777777778197Koordinaten: 49° 21′ N, 8° 59′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Neckar-Odenwald-Kreis
Höhe: 197 m ü. NHN
Fläche: 22,85 km²
Einwohner: 4816 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 211 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 74856, 74858
Vorwahl: 06262
Kfz-Kennzeichen: MOS, BCH
Gemeindeschlüssel: 08 2 25 002
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Am Marktplatz 1
74858 Aglasterhausen
Webpräsenz: www.aglasterhausen.de
Bürgermeisterin: Sabine Schweiger (CDU)
Lage der Gemeinde Aglasterhausen im Neckar-Odenwald-Kreis
Hessen Bayern Hohenlohekreis Landkreis Heilbronn Main-Tauber-Kreis Rhein-Neckar-Kreis Rhein-Neckar-Kreis Adelsheim Aglasterhausen Billigheim Binau Buchen (Odenwald) Elztal (Odenwald) Fahrenbach Hardheim Haßmersheim Höpfingen Hüffenhardt Limbach (Baden) Mosbach Mudau Neckargerach Neckarzimmern Neunkirchen (Baden) Obrigheim (Baden) Osterburken Ravenstein Rosenberg (Baden) Schefflenz Schwarzach (Odenwald) Seckach Waldbrunn (Odenwald) Walldürn Zwingenberg (Baden)Karte
Über dieses Bild

Aglasterhausen ist eine zum Neckar-Odenwald-Kreis gehörende Gemeinde in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet liegt im nordbadischen Kleinen Odenwald, grenzt an den nordöstlichen Kraichgau und ist etwa 25 km südöstlich von Heidelberg gelegen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Aglasterhausen gehören die ehemaligen Gemeinden Breitenbronn, Daudenzell und Michelbach. Zu Aglasterhausen in den Grenzen von 1971 gehören der Ort Steinzeugwarenfabrik (Tongrube) und die Häuser Neumühle und Weilermühle. Zu Daudenzell gehört das Haus Zellermühle.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Aglasterhausen[Bearbeiten]

Rathaus Aglasterhausen mit Ortsbrunnen

Der Ortsname stammt von althochdeutschen agilalstra (Elster) ab. Über agilaster, Aggleisterhusen (1265), Agilsterhusen (1278), Agileisterwiler, Alsterhausen, Agelesterhausen (1406) wandelte sich der Ortsname schließlich zum heutigen Aglasterhausen.

Aglasterhausen wurde 1137 in Kaufverhandlungen in Verbindung mit den Herren von Kirchheim erstmals urkundlich erwähnt. Das Patronatsrecht lag bei den Herren von Horneck. Die Brüder Werner und Konrad von Horneck schenkten mit einer Urkunde vom 27. Mai 1254 diese Rechte zusammen mit denen von Helmstadt dem Stift Wimpfen.

Um 1255 tritt ein „Wer…“ (Werner?) von Agilasterhusen gemeinsam mit einem Arnold und Sweneger als Unterzeichner eines Schriftstückes in Erscheinung. Vermutlich stand zu jener Zeit auch eine kleine Wehrburg auf dem Gewann Schlossbuckel, die Burg Aglasterhausen. Die Anlage wurde 1959 bei Straßenbauarbeiten entdeckt. Als Besitzer der Burg erscheint zunächst ein Edelknecht zu Aglaisterhausen, danach ein Swicker von Helmstatt, der sie 1421 samt Äcker und Wiesen an die Herren von Hirschhorn verkaufte, die schon 1358 einen Teil des Ortslehens von Diether von Massenbach gekauft hatten. Die Ritter von Hirschhorn verwalteten als Dorfvögte die Bischofsgüter im Ort. Der Zehnt floss zu dem Stift Wimpfen im Tal. Nach einer alten Beschreibung befand sich das Amtshaus der Vögte an der Kirchhofmauer (vermutlich Haus Höfer). Johann von Hirschhorn verpfändet den Ort 1416 an Kurpfalz.

Nach dem Aussterben der Hirschhorn 1632, erhielten die Herren von Ehrenberg das Lehen. Nach deren Aussterben erhielt Graf Johann Anton Cratz von Scharfenstein, Neffe des Bischofs Eberhard Cratz von Scharfenstein, das Lehen. Jedoch zog der Bischof mit der Bevorzugung der eigenen Familie den Ärger der Kurpfälzer auf sich. Zwischen 1678 und 1680 schickten diese ihren Zentgrafen in dörflich-vogteiliche Ruggerichtssitzungen und sorgten für reichlich Konflikte. Nach dem Aussterben der Grafen Scharfenstein 1718, ließ das Bistum Worms den Ort durch den Amtmann Herr Valois mit Sitz auf Burg Ehrenberg verwalten. Dieser hatte wohl viel zu tun, die Rechte des Bischofs gegen die Kurpfalz zu verteidigen.

1803 fiel im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses Aglasterhausen an das Großherzogtum Baden.

1862 erhielt Aglasterhausen Anschluss an die Badische Odenwaldbahn; in der Folge soll der Ort wie ausgestorben gewirkt haben. Bäckereien, Gaststätten und Schmieden mussten schließen, auch bedingt durch eine Missernte im selben Jahr. Der Bahnhof Aglasterhausen ist seit 1971 Endpunkt dieser Bahnstrecke.

1939 wurden 1087 Einwohner gezählt, Ende 1945 waren es 1338.[3]

Breitenbronn[Bearbeiten]

Wappen
Ortsmitte von Breitenbronn

Breitenbronn liegt in einem Seitental des Schwarzbaches. Erstmals erwähnt wurde der Ort 976 als ein von Kaiser Otto II. dem Domstift Worms verliehenes Zubehör zur Abtei Mosbach. Später war der Ort kurpfälzisch. Lehensträger im 17. Jahrhundert waren die Landschad von Steinach zu Eicholzheim. Nach 1803 gehörte Breitenbronn zum Bezirksamt Neckargemünd. 1939 wurden 229 Einwohner gezählt, Ende 1945 waren es 257.[3] Der Ort wurde am 1. März 1972 nach Aglasterhausen eingemeindet.

Daudenzell[Bearbeiten]

Wappen

Daudenzell wurde wie Breitenbronn ebenfalls 976 als Zubehör der Abtei Mosbach erwähnt und wurde ebenfalls später pfälzisch. Ortsherren waren u. a. die Herren von Gemmingen. Daudenzell gehörte bis 1803 zur so genannten Stüber Cent des kurpfälzischen Oberamts Heidelberg, anschließend zum Großherzogtum Baden und zu dessen Amtsbezirk bzw. Landkreis Mosbach. 1939 wurden 231 Einwohner gezählt, Ende 1945 waren es 249.[3] Der Ort wurde am 1. Januar 1975 nach Aglasterhausen eingemeindet.

Michelbach[Bearbeiten]

Hauptstraße von Michelbach
Wappen

Michelbach im Tal des gleichnamigen Baches wurde erstmals 1383 erwähnt und war ebenfalls Kurpfälzer Besitz unter Lehensherrschaft u. a. der Herren von Berlichingen, das Kirchenpatronat lag bei den Grafen von Löwenstein und den Herren von Helmstatt. Der Ort war bis zum Jahre 1803 kurpfälzisch und gehörte zum Oberamt Heidelberg und dort zur Stüber Cent. 1939 wurden 385 Einwohner gezählt, Ende 1945 waren es 411.[3] Michelbach wurde am 1. Februar 1974 nach Aglasterhausen eingemeindet.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

  • 1. März 1972: Breitenbronn
  • 1. Februar 1974: Michelbach
  • 1. Januar 1975: Daudenzell

Religionen[Bearbeiten]

Seit Einführung der Reformation in der Kurpfalz ist Aglasterhausen mehrheitlich evangelisch geprägt, neben den beiden evangelischen Pfarrämtern gibt es aber auch ein römisch-katholisches Pfarramt.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahlen 2009 brachten folgendes Ergebnis[4]:

Partei Stimmen +/- Sitze +/-
UWV 44,7 % (–1,8) 10 (±0)
SPD 22,1 % (+7,3) 4 (+1)
CDU 20,5 % (–6,5) 4 (–1)
Grüne Liste 12,6 % (+0,9) 2 (±0)

Die Wahlbeteiligung lag bei 55,8 % und war damit um 3,7 Prozentpunkte geringer als bei der Kommunalwahl 2004.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der Bürgermeister wird für acht Jahre direkt gewählt.

  • 1981–2013 Erich Dambach
  • ab 5. April 2013 Sabine Schweiger

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens von Aglasterhausen lautet: In Silber (Weiß) auf grünem Schildfuß zwischen zwei grünen Pappeln mit schwarzem Stamm ein rotes Haus, auf dessen Dach eine schwarze Elster sitzt.

Das Wappenbild begegnet in ähnlicher Form bereits im Gerichtssiegel aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und ist redend für den Ortsnamen, der als Elsterhausen gedeutet wird (von althochdeutsch agilastra = Elster, Krähe). Das rote Ziegeldach zwischen zwei Pappeln soll Tonvorkommen auf feuchtem Grund anzeigen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

In Aglasterhausen befinden sich in der Ortsmitte das Rathaus und die evangelische Kirche mit markantem Doppelschiff von 1806/07. Auf dem Dorfplatz steht ein alter Eichbrunnen sowie ein neuer Sandsteinbrunnen. Das Pfarrhaus ist ein barocker Bau des 18. Jahrhunderts. Die Hauptstraße und die Landstraße wurde um 1780 von Kurfürst Carl Theodor neu angelegt. Ein 2006 renovierter Gedenkstein der Stüber Cent von 1782 erinnert an ihn. Längs der Hauptstraße befinden sich verschiedene historische Anwesen aus der Zeit des Baus der Straße, darunter das historische Gasthaus Drei Könige von 1780. Im Ort sind verschiedene weitere historische Anwesen, teils mit Zierfachwerk (z.B. Haus Mosbacher Straße 3), erhalten. Die katholische Kirche stammt von 1964. Im Ort befand sich seit dem hohen Mittelalter eine Burg, die von 1387 bis 1421 von den Herren von Helmstatt bewohnt wurde. Die Burgruine wurde beim Bau der Bundesstraße 292 abgetragen. Des Weiteren wurden Mauer- und Straßenreste aus der Römerzeit gefunden.

In Breitenbronn sind in der Ortsmitte das Rathaus sowie die Kirche von 1840 zu sehen. Dort befinden sich auch historische Brunnen und mehrere Anwesen die teils ins 18. Jahrhundert datieren.

In Daudenzell befindet sich eine evangelische Kirche mit außergewöhnlichem Altar sowie Wandmalereien des 13. Jahrhunderts im Turm. Das direkt bei der Kirche befindliche evangelische Pfarrhaus wurde 1735 errichtet. Das Rathaus weist ein großformatiges Fassadengemälde mit Szenen aus der Ortsgeschichte auf. Außerdem ist der beachtliche Bestand an vergleichsweise großen historischen bäuerlichen Anwesen bemerkenswert.

In Michelbach befinden sich ebenfalls Rathaus, Kirche und Dorfbrunnen sowie historische Fachwerkgebäude.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Haltepunkt Aglasterhausen der S-Bahn RheinNeckar

Verkehr[Bearbeiten]

Aglasterhausen ist Endpunkt der Schwarzbachtalbahn (Baden) von Meckesheim und einer Linie in die S-Bahn RheinNeckar eingegliedert. Die Züge werden bis Heidelberg, Mannheim und teilweise Mainz durchgebunden. Durch die Bundesstraße 292 (Bad Schönborn-Lauda-Königshofen) ist Aglasterhausen an das überregionale Straßennetz angebunden.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Neben einer Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule besteht mit der Gebrüder-Grimm-Schule auch noch eine Förderschule im Ort. Zudem gibt es noch zwei kommunale Kindergärten und einen evangelischen Kindergarten im Ort.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Otto Kissel: Aglasterhausen, Geschichte einer Landgemeinde. Geiger-Verlag Horb 2000, ISBN 3-89570-641-8

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 258–260
  3. a b c d Mitteilungen des Württ. und Bad. Statistischen Landesamtes Nr. 2: Ergebnisse der Einwohnerzählung am 31. Dezember 1945 in Nordbaden
  4. Wahlergebnis beim Statistischen Landesamt Baden-Württemberg - abgerufen am 30. November 2009

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Aglasterhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien