Agos

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Dieser Artikel behandelt eine türkisch-armenische Wochenzeitung; für andere Bedeutungen siehe Agos (Begriffsklärung).
Agos
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Beschreibung türkisch-armenische Wochenzeitung
Verlag AGOS YAYINCILIK BASIM HİZMETLERİ SAN. VE TİC. LTD.
Erstausgabe 5. April 1996
Erscheinungsweise wöchentlich
Verkaufte Auflage ~ 5.000 Exemplare
Chefredakteur Etyen Mahçupyan
Herausgeber Arat Dink (Bruder von Hrant Dink †)
Weblink http://www.agos.com.tr/index.php

Agos (Arm. Ակոս) ist die erste türkisch-armenische Wochenzeitung der Türkei. Sie erscheint zweisprachig in Armenisch und Türkisch in Istanbul. Luiz Bakar, Hrant Dink, Harutyun Şeşetyan und Anna Turay gründeten Agos am 5. April 1996.

Der Mitgründer und Herausgeber von Agos, Hrant Dink, wurde beim Verlassen des Zeitungsgebäudes am 19. Januar 2007 erschossen, nachdem ultranationale türkische Kreise ihn als Verräter an der türkischen Republik bezeichnet und mehrfach mit dem Tode bedroht hatten.[1] Sein Nachfolger wurde Etyen Mahçupyan.

Die Auflage von Agos beträgt etwa 5000, in den Monaten nach der Ermordung Dinks lag sie jedoch zwischenzeitlich bei über 10.000.[2]

Die Zeitung ist türkischen Ultranationalisten ein Dorn im Auge, Redakteure und Journalisten wurden häufig bedroht. In Artikelserien wurde über verschwundene Zeugnisse armenischer Kultur wie Kirchen, Dörfer und Schulen in Anatolien berichtet und so indirekt der in der Türkei von staatlicher Seite abgestrittene Völkermord an den Armeniern thematisiert. Bereits Ende Februar 2004 demonstrierten vor dem Redaktionshaus ultranationalistische Türken und skandierten: „Entweder du liebst dieses Land, oder du verlässt es.“ Die Zeitung hatte erwähnt, dass die erste Adoptivtochter von Atatürk möglicherweise Armenierin gewesen sei. Die Journalisten von Agos und insbesondere Hrant Dink erhielten daraufhin massive Morddrohungen.

Dink war bis zu seiner Ermordung mehrfach, immer auf der Grundlage des Paragraphen 301 des türkischen Strafgesetzbuchs, der die „Beleidigung des Türkentums“ unter Strafe stellt und dessen Streichung die EU seit langem fordert, angeklagt und bereits einmal rechtskräftig verurteilt worden. Nach seiner Ermordung forderten zahlreiche türkeistämmige Politiker in Deutschland, darunter auch Cem Özdemir und Özcan Mutlu, die Abschaffung des Paragraphen 301 des türkischen Strafgesetzbuches.[3][4]

Nach der Ermordung Dinks hat die Staatsanwaltschaft neue Ermittlungen gegen die Zeitschrift Agos wegen „Beleidigung des Türkentums“ eingeleitet, wobei sich diesmal der Agos-Kolumnist Engin Aydın vor der Staatsanwaltschaft verantworten musste.

2007 wurde Agos zu Ehren ihres ehemaligen Herausgebers Hrant Dink mit der Hermann-Kesten-Medaille des P.E.N.-Zentrums Deutschland ausgezeichnet.

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelbelege [Bearbeiten]

  1. Politische Bluttat in der Türkei geklärt Neue Zürcher Zeitung, 21. Januar 2007, abgerufen am 28. Juli 2011
  2. Jürgen Gottschlich: "Hinter bewachten Türen. (Zum 1. Todestag von Hrant Dink)", Die Tageszeitung, 19./20. Januar 2007
  3. Der Aufruf: "Paragraph 301 im türkischen Strafgesetzbuch streichen!" Der Spiegel, 7. Februar 2007. Abgerufen am 26. März 2013
  4. Türkischstämmige Abgeordnete protestieren gegen Nationalismus Zeit Online, 9. Februar 2007. Abgerufen am 26. März 2013