Ahiram

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Ahiram (richtiger: Ahirom) war um ca. 1000 v. Chr. ein König von Byblos. Besondere Bekanntheit erlangte er durch seinen im Jahre 1923 im Grab V der Königsnekropole von Byblos entdeckten Sarkophag.

Sarkophag[Bearbeiten]

Es ist einer der ältesten und berühmtesten phönizischen Sarkophage. Der rechteckige Kasten mit seinem gewölbten Deckel ruht auf vier sprungbereit kauernden Löwenfiguren, die Seitenwände sind mit verschiedenen Szenen geschmückt. Auf den beiden Längsseiten sind Prozessionen dargestellt: Einerseits sieht man den Herrscher auf einem von einer geflügelten Sphinx eingerahmten Thron sitzen. Vor ihm steht ein Tisch, auf den die Träger von Opfergaben zugehen. Auf der anderen Seite eine Trauer-Prozessionszene. Auf den Schmalseiten sieht man weibliche Figuren in Trauergesten (Klageweiber). Auf dem Deckel sind zwei Gestalten mit Lotusblüten abgebildet, die Hebebossen des Deckels werden durch zwei ausgebreitete Löwen gebildet. Reste einer ursprünglichen reichen Bemalung sind teilweise noch erkennbar.

Der phönizische Stil dieser Zeit zeichnet sich durch die Verschmelzung von ägyptischen und syrischen Stilelementen aus. Die Form des Sarkophags ist nach ägyptischem Vorbild gearbeitet. Auch Thematik und Ausführung der Darstellungen sind ägyptisch beeinflusst. Der Lotusfries ist klar ein ägyptisches Schmuckelement, das zweite Band syrischen Ursprungs und auch die Löwen gehören zum syrischen Formenschatz.

Auf einem Band der Schmalseite der Sarkophagwanne und auf dem Rand einer Breitseite des Deckels befindet sich eine zweiteilige (A und B), 38 Wörter umfassende phönizische Inschrift im altbyblischen Dialekt, die als eine der ältesten phönizischen Inschriften überhaupt gelten kann.

Sarcophag of Ahiram inscription.png

Sie lautet (nach Lehmann[1]):

(A)„Zum Sarkophag machte dies Ittobaal, Sohn Ahiroms, König von Byblos, für seinen Vater Ahirom;
fürwahr, er setzte ihn damit ins Verborgene“
(B) „Und wenn ein König unter Königen
und Statthalter unter Statthaltern,
und Heerlagerkommandant Byblos überfällt,
und deckt dann diesen Sarkophag auf –
es sei entblättert der Stab seiner Gerichtsamkeit,
sei umgestürzt der Thron seins Königtums,
und die Ruhe fliehe von Byblos.
und er - man lösche seinen Memorialeintrag für die Totenpflege.“

Die Datierung des Sarkophags ist stark kontrovers. Während Helene Sader, Ellen Rehm[2] und andere ihn auf Grund archäologisch-kunsthistorischer Analogien in das das 13. Jahrhundert v. Chr. datieren, treten andere wegen der so früh nicht möglichen Schriftgestalt der Inschrift für eine jüngere Datierung um 1000 v. Chr. ein. Eine neue paläographische und philologische Aufarbeitung des Textes durch R. G. Lehmann hat jedoch gezeigt, dass die schrifthistorisch nicht vor dem 10. Jahrhundert mögliche Inschrift im Zuge einer Wiederverwertung des Sarkophags sekundär angebracht wurde, so dass einer Frühdatierung des Sarkophags, dann allerdings ohne Inschrift, nichts entgegensteht.[3]

Die Gestalt des Ahirom ist sonst nicht bekannt. Der Name ist eine frühe phönizische Form des Namens Hiram, Verbindungen mit aus dem Alten Orient oder dem Alten Testament bekannten Trägern dieses Namens (nach Flavius-Josephus Hiram I. von 978-944 v. Chr. phönizischer König von Tyros zu Zeiten Salomons) sind aber nicht beweisbar. Siehe auch: Liste der Könige von Byblos.

Der Sarkophag ist eines der Hauptstücke der Sammlung des Nationalmuseums von Beirut.

Eine zweite, ältere und kürzere Inschrift fand sich an der Südwand des Schachts von Grab V der Königsnekropole von Byblos. Sie wird meistens als Warnung an Grabräuber aufgefasst. Nach der Neuentzifferung von R. G. Lehmann ist sie allerdings zu übersetzen:

„In Bezug auf Erkenntnis:
Hier nun demütige dich jetzt
in diesem Untergeschoss“

und bezieht sich möglicherweise auf Initiationsrituale, die einst in der Grabanlage stattgefunden haben.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Pierre Montet: Byblos et l'Egypte, Quatre Campagnes des Fouilles 1921–1924, Paris 1928 (reprint Beirut 1998: ISBN 2-913330-02-2 (formal falsche ISBN)): S. 228–238, Tafel CXXVII–CXLI
  • Ellen Rehm: Der Ahiram-Sarkophag, Mainz 2004 (Forschungen zur phönizisch-punischen und zyprischen Plastik, hg. von Renate Bol, II.1. Dynastensarkophage mit szenischen Reliefs aus Byblos und Zypern Teil 1.1)
  • Jean-Pierre Thiollet: Je m'appelle Byblos. Paris, 2005. ISBN 2-914266-04-9
  • Reinhard G. Lehmann: Die Inschrift(en) des Ahirom-Sarkophags und die Schachtinschrift des Grabes V in Jbeil (Byblos). Mainz 2005 (Forschungen zur phönizisch-punischen und zyprischen Plastik, hg. von Renate Bol, II.1. Dynastensarkophage mit szenischen Reliefs aus Byblos und Zypern Teil 1.2)

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Reinhard G. Lehmann: Die Inschrift(en) des Ahirom-Sarkophags und die Schachtinschrift des Grabes V in Jbeil (Byblos), 2005, S. 38
  2. Ellen Rehm: Der Ahiram-Sarkophag, 2004
  3. Reinhard G. Lehmann: Die Inschrift(en) des Ahirom-Sarkophags und die Schachtinschrift des Grabes V in Jbeil (Byblos), 2005, S. 3–13
  4. Reinhard G. Lehmann: Die Inschrift(en) des Ahirom-Sarkophags und die Schachtinschrift des Grabes V in Jbeil (Byblos), 2005, S. 39–53

Weblinks[Bearbeiten]