Ahmad Hasan al-Bakr

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ahmad Hasan al-Bakr

Marschall Ahmad Hasan al-Bakr (arabisch ‏أحمد حسن البكر‎, DMG Aḥmad Ḥasan al-Bakr) (* 1. Juli 1914 in Tikrit[1]; † 4. Oktober 1982 in Bagdad[2]) war ein irakischer Politiker und Soldat, der an mehreren Staatsstreichen beteiligt war. Von Februar 1963 bis November 1963 war er Premierminister und von November 1963 bis Januar 1964 Vizepräsident des Irak. Weiter war er 1968–1979 Präsident des Revolutionären Kommandorates und damit auch des Irak bis zu seinem Rücktritt am 16. Juli 1979. Er war Mitglied der Baath-Partei, die 1963–2003 vorherrschende Partei im Irak war.

Militärische Laufbahn[Bearbeiten]

Al Bakr kam 1914 in Tikrit als Kind einer grundbesitzenden Notablenfamilie zur Welt.[3]

Nachdem er sechs Jahre als Grundschullehrer gearbeitet hatte, begann Al-Bakr 1938 eine Ausbildung an der irakischen Militärakademie und unterstützte 1941 den Putsch Raschid Ali al-Gailanis. Al-Bakr war dann auch 1958 am Militärputsch von Abd al-Karim Qasim und Abd as-Salam Arif gegen König Faisal II. beteiligt. Er wurde 1959 inhaftiert, da er beschuldigt wurde, an einen Putsch baathistischer Militärs gegen Qasim teilgenommen zu haben. Während der Haft lernte er as-Salam Arif kennen, mit dem zusammen er am 8. Februar 1963 einen baathistischen Putsch gegen Qasim anführte. Qasim wurde hingerichtet, Arif wurde Präsident und al-Bakr Premierminister des Irak.[4]

Als Premierminister verabredete Al-Bakr mit Nasser und al-Atassi eine Neuauflage der Vereinigten Arabischen Republik,[5] die dann aber nicht zu Stande kam.

Im November 1963 versuchte Ali Salih as-Sa’di, Generalsekretär der irakischen Baath-Partei, al-Bakr aus der Partei auszuschließen. Der Präsident as-Salam Arif nutzte die Wirren zum Militärputsch vom 18. November 1963 und zur Entmachtung der Baath-Partei. Al-Bakr musste als Premierminister zurücktreten und wurde Vizepräsident, dieses Amt musste er im Januar 1964 ebenfalls niederlegen.

Nachdem sich al-Bakr die Kontrolle über das irakische Regionalkommando der Baath-Partei gesichert hatte, führte er 1968 einen unblutigen Putsch gegen Abd ar-Rahman Arif an und wurde Präsident des Irak.[4]

Präsident des Irak[Bearbeiten]

Seine Präsidentschaft war von blutigen Säuberungen geprägt.[6][7][8][9] Diese wurden von Saddam Hussein genutzt, um zum starken Mann des Regimes aufzusteigen. Al-Bakr protegierte Saddam Hussein seit dessen Rückkehr aus dem Exil in Ägypten. Beide teilten die Herkunft aus Tikrit und waren entfernte Verwandte.[10]

Al-Bakr war ein Gegner eines Ausgleichs mit Israel und verfocht panarabische Positionen. Am 9. April 1972 schloss der Irak einen Bündnisvertrag mit der Sowjetunion ab.[11]

Die Ölgesellschaft Iraq Petroleum Company wurde enteignet, und der Irak nahm am Ölembargo der OPEC, das zur ersten Ölkrise führte, teil.[12][13] Der hohe Ölpreis ermöglichte der Regierung zahlreiche soziale und ökonomische Reformprogramme.

Zu seinen weiteren Verdiensten als Präsident zählen die Errichtung der Kurdischen Autonomen Region (1970/74), die Schaffung der Nationalen Front mit Iraks Kommunisten und Barzanis Kurden (1972–1978) und der Abschluss des Abkommens mit dem Schah (1975).[14] In diesem Vertrag wurde der Grenzverlauf zwischen dem Iran und dem Irak festgelegt. Trotz militärischer Hilfe für Syrien im Oktoberkrieg 1973, die Damaskus vor dem Fall bewahrte, gelang die 1978 geplante Aussöhnung und Vereinigung mit dem baathistischen Rivalen Syrien nicht.

1979 ernannte Präsident Ahmed Hassan al-Bakr, inzwischen kränkelnd und mit 65 Jahren pensionsreif, Saddam Hussein zum Vorsitzenden der Partei und zu seinem Nachfolger. Am 11. Juli 1979 wurde dieser Generalsekretär der Ba’ath-Partei und am 16. Juli 1979 übernahm er die Macht auch als Staats- und Regierungschef.[15] Danach leitete Hussein eine blutige Säuberung der Ba’ath-Partei ein, verbot die Kommunistische Partei und stoppte auch den geplanten Zusammenschluss mit Syrien,[16] ein Jahr später begann er dann den acht Jahre dauernden Krieg (1980–1988) gegen den Iran.

Auch nach den Säuberungen und der Errichtung einer Terrorherrschaft im Irak war Saddam Husseins Autorität noch nicht völlig unumschränkt. Zunächst hatten al-Bakr und Saddam Hussein die Ämter nur getauscht, al-Bakr blieb faktisch Vizepräsident bis zu seinem Tode im Oktober 1982. Gerüchten zufolge soll er auf Betreiben Saddam Husseins vergiftet worden sein, als Saddam-kritische Baathisten über eine Rückberufung Bakrs sinnierten.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ahmad Hasan al-Bakr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Encyclopædia Britannica über Ahmed Hassan al-Bakr (englisch)
  2. Ahmed al-Bakr Dies; Former Iraqi President. In: New York Times, 5. Oktober 1982 (englisch)
  3. Edmund E. Gareeb : Historical Dictionary of Iraq, Oxford, 2004 S. 36f
  4. a b  Beten wir. In: Der Spiegel. Nr. 31, 1968, S. 77–79 (online).
  5.  Zweiter Versuch. In: Der Spiegel. Nr. 17, 1963, S. 70 (online).
  6.  Tanz um Leichen. In: Der Spiegel. Nr. 5, 1970, S. 98 (online).
  7. Hinrichtungswelle im Irak. In: Die Zeit, Nr. 5/1970, S. 10
  8.  In den Abgrund. In: Der Spiegel. Nr. 36, 1970, S. 72–74 (online).
  9. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.zeit.deIrak. In: Die Zeit, Nr. 29/1973, S. 12
  10. Efraim Karsh, Inari Rautsi : Saddam Hussein – A Political Biography, New York, 1991 S. 22f
  11.  Flotte im Golf. In: Der Spiegel. Nr. 17, 1972, S. 104–105 (online).
  12.  Gespannte Muskeln. In: Der Spiegel. Nr. 25, 1972, S. 83–84 (online).
  13. Die Ohnmacht der Giganten. In: Die Zeit, Nr. 24/1972, S. 21
  14.  Vor uns der Tod. In: Der Spiegel. Nr. 12, 1975, S. 97–98 (online).
  15.  Berufliches. In: Der Spiegel. Nr. 30, 1979, S. 156 (online).
  16.  Nur Scherben. In: Der Spiegel. Nr. 33, 1979, S. 94 (online).