Ahmad Jamal

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Ahmad Jamal (Glasgow Jazz Festival 1994)

Ahmad Jamal (* 2. Juli 1930 in Pittsburgh, Pennsylvania als Frederick Russell Jones) ist ein afroamerikanischer Jazz-Pianist, -Komponist und Arrangeur. Er hieß Frederick "Fritz" Russell Jones, bevor er um 1952 zum Islam übertrat. Der Pianist verfügt über eine sehr individuelle Stilistik; für Miles Davis war er die „größte Inspiration.“[1]

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Jamal hatte bereits ab dem vierten Lebensjahr Klavierunterricht, besuchte die Westinghouse High School und tritt seit seiner Jugend professionell auf. Zunächst ging er mit George Hudson auf Tournee und arbeitete 1949 und 1950 bei den Four Strings um Joe Kennedy, Jr.. Seit Jahrzehnten arbeitet er zumeist im klassischen Klaviertrio mit Bass und Schlagzeug, zwischen 1950 und 1955 jedoch zunächst im schlagzeuglosen Trio mit Israel Crosby, Bass, und Ray Crawford, Gitarre, (vor Oscar Petersons derartigem Trio mit Barney Kessel bzw. Herb Ellis ab 1952). Ab 1956 spielte Jamal mit einem konventionell besetzten Trio, zunächst mit Israel Crosby und (später) Jamil Nasser als Bassisten und Schlagzeugern wie Vernell Fournier (teilweise ergänzt um den Gitarristen Ray Crawford). Das Album Live at the Pershing mit dem Song Poinciana wurde 1958 ein Millionenhit. 1959 tourte er durch Afrika, dann auch mehrmals durch Europa. In den frühen 1960er Jahren wurde es ruhiger um den auch als Clubmanager und später als Musikproduzenten tätigen Pianisten. Sein langjähriger Bassist James Cammack und Schlagzeuger Idris Muhammad prägten das Trio der jüngsten Phase, mit dem Jamal zwischen 1998 und 2002 mehrmals in Europa gastierte und Live-Aufnahmen einspielte. In einigen Produktionen wird das Trio bisweilen durch ein Showorchester aus Bläsern, Streichern und Hintergrundsängern ergänzt. Das Ausgangsmaterial bildet das Great American Songbook neben Eigenkompositionen.

Aus Jamals Vereinigung von Pop mit Jazzinnovationen erwächst sein guter Ruf bei Publikum (US-Popchart-Platzierungen seit Jahrzehnten, bis zum 3. Platz hinauf). Musikkritiker ignorierten ihn lange Zeit. Repräsentative jüngere Einspielungen sind Crystal (1987) und Live In Paris (1992).

Stilistik[Bearbeiten]

Jamal hat nach eigenen Angaben „immer orchestral gedacht“.[2] Seine Combos – bereits das mit Poinciana und But Not For Me Mitte der 1950er Jahre erfolgreiche Gitarrentrio, aber auch das die Errungenschaften der Fusionmusik aufgreifende Quartett auf Rossister Road (1986, mit James Cammack, Herlin Riley und dem Perkussionisten Manolo Badrena) – zählen zu den „integriertesten der Jazzgeschichte“. Seine Musik in kleinen Besetzungen[Anm. 1] klingt immer unverkennbar: Spannung erzeugt „seine ständige, geradezu Stil werdende Weigerung, seinen umfassenden technischen Hintergrund auszuspielen.“[3] Er verfügt über einen nuancierten Anschlag, „der ihm feinste dynamische Differenzierungen erlaubt“[3], und setzt das Pedal sehr bewusst ein. Er spielt rhythmisch präzise und swingt sicher ohne zu synkopieren mit einem sehr geraden Rhythmus. Seine Rhythmusgruppe spielt oft im Twobeat und wird mit viertaktigen Zwischenspielen und Abschlüssen, den tags, unterbrochen.[4].

Jamals Arbeiten verbinden Eleganz und einen Easy-Listening-Gesamteindruck mit eigenständigen und gewagten Experimenten: Süße Streicher und Chöre, eingängige Melodien und Rhythmen bilden die scheinbar eingänge Oberfläche bzw. das Verpackungsmaterial für teils avantgardistisch perkussives, minimalistisches, virtuoses oder Cluster-Spiel des Pianisten.[Anm. 2] Dabei fallen diese ungleichen Bestandteile nicht auseinander, sondern fließen ineinander. Öfters fehlen ausgedehnte Soli, an ihrer Stelle stehen eng gewobene Ensemblepartien, durchsetzt mit Improvisationen. Das Konzept zielt auf Breitenwirkung und Akzeptanz einerseits, ehrgeiziges Spiel mit sprühenden Überraschungen und Herausforderungen andererseits.

Bedeutung[Bearbeiten]

Miles Davis äußerte seit den 1950er Jahren wiederholt seine Hochachtung, weiterhin beeinflusste Jamal mit seinem Trio Musiker wie Julian Cannonball Adderley, John Coltrane, Gil Evans sowie die Fusion-Musik der 1970er Jahre. Kritiker haben den „Meister musikalischer Ökonomie“ (Martin Kunzler) bis in die 1970er Jahre immer wieder mit einem Barpianisten gleichgesetzt. Hal Galper weist dagegen darauf hin, dass er einer „der wichtigsten Kräfte im zeitgenössischen Jazz [sei], so wichtig wie Louis Armstrong und Duke Ellington, obwohl er die ihm gebührende Anerkennung nicht bekommt.“[1]

Seit den 1970er Jahren hat sich sein Individualstil derart gefestigt, dass Jamal auch für die Kritik „zu den markantesten Klangschöpfern des gemäßigten Jazzklaviers“ zählt. Neuere Alben wie In Search of Momentum (2002), After Fajr (2004) sowie zahlreiche Konzerte weltweit loben nun auch Kritiker: „Pointierte Pausen, aufbrausende Läufe, harte Akkordsetzungen und motivisch pointierte Verstocktheit verwoben sich mit Bühnenexzentrik und Perfektionsanspruch zur markanten Künstlerpersönlichkeit.“[5]

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten]

1994 wurde Jamal mit dem National Endowment for the Arts mit dem NEA Jazz Masters Award geehrt; 1996 wurde er mit dem französischen Django d'Or ausgezeichnet. Ende 2012 wurde sein Album Blue Moon für den Grammy Award in der Kategorie Best Jazz Instrumental Album nominiert.[6]

Diskografische Hinweise[Bearbeiten]

Sammlung[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b zit. nach Martin Kunzler Jazz Lexikon in zwei Bänden. Band 1 Reinbek 2002, S. 609
  2. "Fertig ist man, wenn man im Grab liegt" (Gespräch mit Ahmad Jamal), Die Welt, 27. Juni 2012
  3. a b Martin Kunzler Jazz Lexikon in zwei Bänden. Band 1 Reinbek 2002, S. 609ff.
  4. Ian Carr u.a., Rough Guide Jazz Stuttgart 1999
  5. Ralf Dombrowski, in: Wolf Kampmann Reclams Jazzlexikon. Stuttgart 2003, S. 264
  6. Grammy Nominations Announced (2012) in JazzTimes

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. beispielhaft auf dem Album Crystal
  2. Akkorde spielt er öfters beidhändig schnell abwechselnd im Zweioktavabstand. Er spielt rhythmisch perkussive Orgelpunkte im mittleren Register. Er setzt selten Akkorde mit der linken Hand, um eine einzelne singelnote Melodie in der Rechten zu begleiten. Er führt oft die ganze Melodie akkordisch, es klingt dabei aber nur wenig nach Blockakkordspiel. Auch beidhändig in Intervallen parallele Tonleiterläufe bringt er an Weiter spielt er wenig die üblichen Akkordwechsel des Jazz wie zum Beispiel im Blues oder den Rhythm Changes. Die Abfolge der Akkorde scheint mehr einer klanglichen Motivation zu folgen. Fällt beispielsweise der Bass im typischen Triostück in den Walking Bass, kommt es vor, dass er überhaupt keine begleitenden Akkorde setzt.