Ahmed Vefik Pascha

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Ahmed Vefik Pascha

Ahmed Vefik Pascha (* 6. Juli 1823 in Istanbul; † 2. April 1891 ebenda) war ein osmanischer Staatsmann, Übersetzer und Turkologe.

Ahmed Vefik Pascha, Sohn eines zum Islam übergetretenen Griechen und einer Jüdin, begleitete seinen Vater 1834 nach Paris, wo er im Collège Ste-Louis erzogen wurde.

Nach mehrjährigem Aufenthalt in Paris nach Istanbul zurückgekehrt, erhielt er eine Anstellung im Übersetzungsbüro, dessen Chef er bald wurde. Auf Grund eingehender historischer und statistischer Studien gab er seit 1847 ein statistisches Jahrbuch über die Türkei heraus.

Ende 1847 wurde er zum Kommissar der Pforte in den Donaufürstentümern ernannt und darauf, da er ein großes diplomatisches Geschick bewies, 1851 als Gesandter nach Persien geschickt, wo er bis 1855 blieb und die russische Allianz zu verhindern wusste. Nach seiner Rückkehr wurde er Mitglied des Staatsrats und des hohen Kriegsrats, endlich des Tanzimats.

Er galt für eins der Häupter der türkischen Reformpartei. Nachdem er 1857 kurze Zeit Justizminister und 1860-61 Gesandter in Paris gewesen war, wobei er sich aber durch seinen heftigen Protest gegen die syrische Expedition die Ungunst des Hofs zuzog, wurde er zum Vorstand des Vakuf-Ministeriums ernannt, machte sich aber durch schroffes Einschreiten gegen die Missbräuche unbeliebt und wurde 1863 abgesetzt.

Er blieb nun eine Zeit lang ohne Amt und widmete sich seinen gelehrten Studien; als Einsiedler von Rumeli Hisari erlangte der bedeutende Philosoph eine gewisse Berühmtheit. Auch übersetzte er Molières Werke ins Türkische und schrieb ein geographisches Handbuch für Volksschulen.

Im Jahr 1877 ernannte ihn der Sultan Abdülhamid II. zum Präsidenten der ersten türkischen Deputiertenkammer, in der er mit despotischer Strenge schaltete und, indem er kein offenes Wort duldete, jede ersprießliche Tätigkeit des Parlaments vereitelte.

Darauf wurde er Generalgouverneur von Adrianopel, er war von Februar bis Mai 1878 Premierminister. Als Premierminister unterzeichnete er den Frieden von San Stefano, und ging darauf als Wali nach Bursa, wo er sich aber durch seine Strenge wenig beliebt machte. 1882 wurde Ahmed Vefik Pascha deshalb abgesetzt.

Vefik Pascha war Angaben der Großloge der Freien und Angenommenen Maurer der Türkei zufolge Freimaurer.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ischtiraki (Friedrich Schrader): Das geistige Leben in der Türkei und das jetzige Regime, In: Die neue Zeit : Revue des geistigen und öffentlichen Lebens. - 18.1899-1900, 2. Bd.(1900), H. 45, S. 548 - 555 Online Artikel bei der FES Bonn, dort S. 551 ff.
  • Jean Deny: Aḥmad Wafīḳ Pas̲h̲a. Encyclopaedia of Islam, Second Edition. Brill Online, 2013 (Zugriff am 9. Juli 2013). Printausgabe zuerst erschienen 1960 (Bd. I, S. 298).
  • Jan Schmidt: Aḥmed Vefīq Pasha. In Encyclopaedia of Islam, THREE. Hrsg.: Gudrun Krämer, Denis Matringe, John Nawas, Everett Rowson. Brill Online, 2013. (Zugriff am 9. Juli 2013)
  • Dieter F. Kickingereder: Eine Freundschaft fürs Leben: Die Briefe Ahmed Vefik Paşas an Sir Henry A. Layard. In: Yavuz Köse (Hrsg.): Şehrâyîn. Die Welt der Osmanen, die Osmanen in der Welt – Wahrnehmungen, Begegnungen und Abgrenzungen. Festschrift für Hans Georg Majer, unter Mitarbeit von Tobias Völker, Harrassowitz, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-447-06739-3, S. 351–359.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Großloge der Freien und Angenommenen Maurer der Türkei: Angaben zu Edhems Mitgliedschaft in der Großloge (türkisch)
Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
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Vorgänger Amt Nachfolger
Ahmed Hamdi Pascha Großwesir des Osmanischen Reiches
4. Februar 1878–18. April 1878
Mehmed Sadık Pascha
Küçük Mehmed Said Pascha Großwesir des Osmanischen Reiches
1. Dezember 1882 - 3. Dezember 1882
Küçük Mehmed Said Pascha