Ai (Historischer Stadtstaat)
Ai (hebräisch עי, arabisch التل) ist der Name eines bis in die Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. in der Nähe von Bethel gelegenen Stadtstaates. Die Ausgrabungen des Ruinenhügels (Tell) haben eine Besiedlung bis etwa 2400 v. Chr. nachgewiesen. Der erst um etwa 1200 v. Chr. wiederaufgebaute Ort hatte Dorfcharakter und wurde nach etwa 150 Jahren von den Bewohnern verlassen. Ein Zerstörungshorizont ist für diese Epoche nicht erkennbar. Joseph Callaway vermutet, dass die um 1200 v. Chr. wie Ai im Bergland erbauten Dörfer im Zusammenhang der Seevölker standen. Die neuen Bewohner gehörten ursprünglich zum Küstenland Palästinas. Sie gründeten kurze Zeit nach Ankunft der Seevölker im Rahmen ihres Umzugs in den Bergregionen kleinere Ortschaften.
Gemäß alttestamentlicher Überlieferung Josua 7-8 soll Ai im Rahmen der Landnahme Kanaans durch Josua zerstört worden sein. Der Name עי ist das hebräische Wort für Trümmerhaufen, entsprechend dem arabischen Tell - so auch der heutigen Name ال تل -, so dass die namensgebende Bevölkerung an dieser Stätte schon Ruinen vorgefunden haben muss. Daher geht die historisch-kritische Exegese davon aus, dass es sich bei der biblischen Erzählung um eine ätiologische Legende handelt, die erklären soll, wie der Ort zu dem Namen gekommen sei.
[Bearbeiten] Literatur
- Joseph Callaway: Ai. In: David Noel Freedman (Hrsg.): The Anchor Bible Dictionary. Bd 1. Doubleday, New York 1992, S. 125-130. ISBN 0-385-19351-3
[Bearbeiten] Weblinks
- Klaus Koenen: Ai. In: Michaela Bauks, Klaus Koenen (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart 2006 ff.
31.91697835.261228843Koordinaten: 31° 55′ 1″ N, 35° 15′ 40″ O