Aileu

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Subdistrikt und Ort Aileu; zu weiteren Bedeutungen siehe Aileu (Begriffsklärung).
Subdistrikt Aileu
Aileu (Osttimor)
Red pog.svg
Tal von Aileu
Hauptstadt Aileu
Fläche 251,48 km²[1]
Einwohnerzahl 20.830 (2010)[1]
Sucos Einwohner (2010)[2]
Aissirimou 2.192
Bandudato 1.426
Fahiria 854
Fatubossa 1.750
Hoholau 766
Lahae 1.061
Lausi 665
Liurai 4.499
Saboria 713
Seloi Craic 3.328
Seloi Malere 3.576
Übersichtskarte
Aileu im gleichnamigen Distrikt
Lage des Distrikts Aileu

Aileu (Aileu Vila) ist eine Stadt in Osttimor mit 2.927 Einwohnern (Stand 2010)[3]. Sie ist die Hauptstadt des Subdistrikts Aileu mit 20.830 Einwohnern (Stand 2010),[1] sowie des übergeordneten Distrikts Aileu, der 44.325 Einwohner (Stand 2010) hat.

Stadt Aileu[Bearbeiten]

Die Stadt Aileu liegt im Suco Seloi Malere (Malere), etwa 30 km südlich der Landeshauptstadt Dili auf einer Meereshöhe von 913 m und reicht bis in den Suco Liurai. Aileu liegt an den Flüssen Mantane und Mumdonihun, an der Straße, die Dili quer durch die Insel mit Betano an der Südküste verbindet. Die Region ist sehr gebirgig, daher beträgt die Entfernung nach Dili auf der Straße 47 km. Der Ort hieß während der portugiesischen Diktatur Vila General Carmona, benannt nach dem portugiesischen Präsidenten António Oscar de Fragoso Carmona.[4][5]

Ende 1999 gab es zeitweise Pläne, Aileu zur neuen Hauptstadt eines unabhängigen Osttimors zu machen. Diese Pläne wurden aber wieder verworfen.[6]

Subdistrikt Aileu[Bearbeiten]

Aileu liegt im Westen des gleichnamigen Distrikts

Der Subdistrikt Aileu liegt im Südwesten des Distrikts Aileu. Im Norden grenzt der Subdistrikt Aileu an den Subdistrikt Laulara, im Nordosten an Remexio, im Osten an Lequidoe, im Südosten an den Distrikt Ainaro und im Westen an den Distrikt Ermera.

Der Subdistrikt Aileu teilt sich in 11 Sucos auf: Aissirimou (Aisirimou), Bandudato (Bandudatu), Fahiria, Fatubossa (Fatubosa), Hoholau, Lahae, Lausi, Liurai (Suco Liurai, Suku Liurai), Saboria, Seloi Craic (Seloi Kraik) und Seloi Malere mit der Distriktshauptstadt Aileu. Die Sucos Besilau, Fatubesi, Hohulu, Hurai Raco, Laclo, Lequitura und Sarin wurden mit der Gebietsreform 2003 aufgelöst.

Im Subdistrikt Aileu (Aileu Vila) leben 20.830 Einwohner (2010,[1] 2004: 17.166[7]). Die Mehrheit der Bevölkerung spricht die Nationalsprache Mambai. Der Altersdurchschnitt beträgt 18,0 Jahre (2010,[1] 2004: 16,8 Jahre[8]).

82 % der Haushalte in Aileu bauen Mais an, 80 % Maniok, 72 % Kaffee, 77 % Gemüse, 39 % Reis und 23 % Kokosnüsse.[2]

Der Administrator des Subdistrikts wird von der Zentralregierung in Dili ernannt. Im Februar 2014 ist dies Marcos dos Santos.[9]

Geschichte[Bearbeiten]

Ruine der Chinesischen Schule in Aileu (1970)
Gedenkstätte an die Opfer der japanischen Besatzung in Aileu
Feierlichkeiten im Lager in Aileu zum 25. Geburtstag der FALINTIL (2000).

Südlich vom Ort Aileu lag das Reich von Dailor, eines der vielen traditionellen Reiche Timors, die von einem Liurai regiert wurden. Es erscheint auf einer Liste von Afonso de Castro, einem ehemaligen Gouverneur von Portugiesisch-Timor, der im Jahre 1868 47 Reiche aufführte.[10][11] Im Januar 1894 schloss Dailor mit Portugal einen schriftlichen Vertrag über seinen Vasallenstatus gegenüber der Kolonialmacht.[12]

1903 scheiterte in Aileu ein Aufstand gegen die Kolonialherren. Im Januar 1912 diente der Ort als Basis der Portugiesen bei der Niederschlagung der Rebellion von Manufahi.[12]

Zwischen 1942 und 1945 besetzten die Japaner Portugiesisch-Timor. Am 31. August 1942 wurde der Ort Aileu von Colunas Negras, timoresischen Verbündeten der japanischen Invasoren, überfallen. Fünf portugiesische Soldaten, mehrere Beamte und Missionare wurden dabei getötet. Japan schob diesen, wie auch andere Vorfälle, auf „eine Gruppe Westtimoresen, die sich im Osten ansiedeln wollten und von Portugiesen misshandelt worden wären.[12] Eine Gedenkstätte erinnert heute in Aileu an das Massaker.

In Aileu, Banderahun und Fatubossa gab es Ende 1979 indonesische Umsiedlungslager für Osttimoresen, die zur besseren Kontrolle von den Besatzern umgesiedelt werden sollten.[13]

Anfang September 1999 wurden während der Krise in Osttimor Einwohner verschiedener Sucos von der AHI-Miliz (Aku Hidup dengan Integrasi/Indonesia) aus ihrem Heim vertrieben. Die Dörfer wurden systematisch zerstört und die Häuser nierdergebrannt. Indonesisches Militär und die Milizionäre fuhren ab dem 4. September herum und erschossen Nutztiere. Am selben Tag wurden die Einwohner von Fatubossa, Hoholete und Liclaucana (Suco Fatubossa) gezwungen ihr Heim zu verlassen. In der Stadt Aileu wurden sie auf Lastwagen verladen und nach Atambua im indonesischen Westtimor deportiert. Am 5. September wurde Aissirimou zerstört, am 6. September Seloi Malere, am 7. September Saboria, am 8. September Liurai und am 9. September Hoholau.[13]

Kämpfer der osttimoresischen Widerstandsbewegung FALINTIL wurden in Aileu von 2000 bis Februar 2001 kaserniert, nachdem die Vereinten Nationen die Verwaltung im Land übernommen hatten. Später begannen 600 der Kämpfer dort mit einer Ausbildung zu Soldaten der neuen Verteidigungskräfte Osttimors.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English) (PDF; 2,5 MB)
  2. a b Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch) (PDF; 9,4 MB)
  3. Direcção Nacional de Estatística: Preliminary Result of Census 2010 English (PDF; 3,0 MB)
  4. Ministry of State Administration and Territorial Management: District profile summary - Aileu
  5. http://websig.civil.ist.utl.pt/timorgis/Maps@139@2.aspx (Version vom 30. Juni 2007 im Internet Archive)Vorlage:Webarchiv/Wartung/Linktext_fehlt Timor-Leste GIS-Portal
  6. The Permanent Committee on Geographical Names: East Timor - Geographical names against a volatile background, 1999 (PDF; 63 kB)
  7. Direcção Nacional de Estatística Census 2004
  8. Direcção Nacional de Estatística: Census of Population and Housing Atlas 2004 (PDF; 13,3 MB)
  9. Descentralização Administrativa na República Democrática de Timor-Leste: Aileu Vila, abgerufen am 7. Februar 2014
  10. TIMOR LORO SAE, Um pouco de história
  11. East Timor - PORTUGUESE DEPENDENCY OF EAST TIMOR
  12. a b c History of Timor – Technische Universität Lissabon (PDF; 805 kB)
  13. a b „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,2 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  14. Webauftritt des Außenministeriums Osttimors

Weblinks[Bearbeiten]

-8.7166666666667125.56666666667Koordinaten: 8° 43′ S, 125° 34′ O