Ailingen

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47.6888888888899.4958333333333437Koordinaten: 47° 41′ 20″ N, 9° 29′ 45″ O

Ailingen
Ehemaliges Gemeindewappen von Ailingen
Höhe: 437 m ü. NN
Fläche: 14,21 km²
Einwohner: 7501 (28. Mrz. 2012)
Eingemeindung: 1971
Postleitzahl: 88048
Vorwahl: 07541
Karte

Lage von Ailingen in Friedrichshafen

Ailingen

Ailingen

Der staatlich anerkannte Erholungsort Ailingen ist mit 7.501 Einwohnern (Stand: März 2012) die größte Ortschaft von Friedrichshafen am Bodensee im baden-württembergischen Bodenseekreis.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Ailingen liegt rund vier Kilometer nördlich des Friedrichshafener Stadtzentrums.

Ausdehnung des Gebiets[Bearbeiten]

Die Gesamtfläche der Gemarkung Ailingen beträgt 1421 Hektar.

Gliederung[Bearbeiten]

Zur Ortschaft Ailingen gehören neben dem namengebenden Ort Ailingen die Ortsteile und Dorf Berg (zwischen 1825 und 1937 selbständige Gemeinde, zu der auch die Siedlungen und Wohnplatz Holzhof, Ittenhausen, Jägerhaus, Kappelhof, Köstenbach, Langenloch, Unterraderach und Weiler an der Ach gehörten), Buchholz, Bunkhofen, Hagendorn, Höhler, Holzhof, Ittenhausen, Lochenried, Martinshof, Oberailingen, Oberlottenweiler, Reinach, Unterailingen, Unterlottenweiler, Waldacker, Weilermühle, Wiggenhausen und Wolfenhof.

Geschichte[Bearbeiten]

Ailingen wurde am 20. März 771 in einer Schenkungsurkunde eines Priesters namens Hymmo an das Kloster St. Gallen erstmals urkundlich als „villa ailingas“ erwähnt. Die Urkunde führt zusätzlich ein dort befindliches Gericht auf. Zu dieser Zeit besaß Ailingen bereits eine Pfarrei, zu der auch die Kirche in Ettenkirch gehörte. 873 wurde die Einwohnerzahl Ailingens mit rund 100 angegeben.[1]

Das Kloster Löwental

Ab 1198 waren die Grafen von Habsburg Dienstherren des Ortsadels und Besitzer der Kirche, die Rudolf und sein Bruder Gottfried am 10. Juli 1260 dem Dominikanerinnenkloster Löwental schenkten. 1326 wurde sie schließlich dem Kloster inkorporiert. In der Folgezeit kam es zu zahlreichen Streitigkeiten der Ortsbevölkerung mit dem Kloster, beispielsweise über die Entlohnung des Pfarrers.

Grundherrschaftlich gehörte Ailingen bis 1475/76 zur Grafschaft Heiligenberg. Danach wurde es bis 1805 vom Amt Fischbach-Hagendorn der vorderösterreichischen Landvogtei Schwaben verwaltet und bildete mit Fischbach eine Gemeinde. Mit dem Frieden von Pressburg gelangte es 1805 an das Königreich Württemberg. Bis 1825 bildete Ailingen zusammen mit dem Ort Berg und anderen Wohnplätzen (z.B. Allmannsweiler) die Gemeinde Hagendorn. Schließlich wurde Ailingen 1825 von der Berg abgetrennt und damit eigenständige Gemeinde, die zum Oberamt Tettnang (später umbenannt in Landkreis Tettnang) gehörte. 1937 wurde Berg wieder nach Ailingen eingemeindet.

In der Nachkriegszeit war der Ort Teil der französischen Besatzungszone, ab 1949 gehörte er bis zur Gründung Baden-Württembergs 1952 zum Land Württemberg-Hohenzollern. 1971 feierte Ailingen sein 1200-jähriges Jubiläum und wurde am 1. Dezember dieses Jahres nach Friedrichshafen eingemeindet. Mit Friedrichshafen gelangte es 1973 zum neu gebildeten Bodenseekreis. 1974 erhielt Ailingen das Prädikat „Staatlich anerkannter Erholungsort“.

1999 überschritt die Einwohnerzahl die 7.000er-Grenze.

Politik[Bearbeiten]

Rathaus in Ailingen

Die Bewohner der Ortschaft Ailingen nehmen an den Gemeinderatswahlen von Friedrichshafen als Wohnbezirk Ailingen teil. Die Gemeinderatswahl erfolgt nach dem System der Unechten Teilortswahl. Ein hauptamtlicher Ortsvorsteher und der Ortschaftsrat, die alle 5 Jahre gewählt werden, vertreten die Interessen der Ailinger Bürger in der Kommunalpolitik. Für den Ortsteil Berg wird auch auf Ortschaftsebene in unechter Teilortswahl gewählt.

Ortsvorsteher[Bearbeiten]

Ortsvorsteherin ist seit 2007 Sandra Flucht.

Wappen[Bearbeiten]

Im Jahr 1930 schlug das Württembergische Staatsarchiv erstmals ein Ailinger Wappen vor, das sich vor allem auf das Thema Obstbau beziehen sollte. Der Obstbau wurde wiederum von der Firma Dochtermann, einer privaten Firma für Wappenkunst, aufgegriffen. Die Gemeindeverwaltung lehnte jedoch beide Wappen ab. Nachdem die Suche nach einem Wappen früherer Ortsherren erfolglos war, wurde auf Anregung des Landratsamt hin, ein Wappen mit folgender Blasonierung erstellt:

In gespaltenem Schild vorn in Silber (Weiß) ein nach unten gekehrter grüner Apfelbaumzweig mit zwei roten Äpfeln, hinten im Grün ein silberner (weißer) Kirchturm mit Staffelgiebel.

Dieses Wappen weist auf den umfangreichen Obstbau, der heute noch eine der Haupteinnahmequellen ist, und die Ortskirche, die in der Vergangenheit eine wesentliche Rolle für die Umgebung spielte, hin. Am 7. Dezember 1961 verlieh das Innenministerium der Gemeinde das Recht, dieses Wappen sowie die Flagge Grün-Weiß zu führen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

  • Streuobstmuseum (Ailingen-Weilermühle): Das Museum beschäftigt sich mit der Bedeutung von Streuobstwiesen und deren Ökologie. Diese wird anhand von verschiedenen Obstbäumen erläutert.
  • Museum des Geschichtsvereins Ailingen-Berg (wechselnde Ausstellungen)

Bauwerke[Bearbeiten]

St. Johann Baptist
  • Die Pfarrkirche St. Johannes Baptist wurde von Rudolf und Gottfried von Habsburg dem Kloster Löwental gestiftet und diesem 1326 inkorpiert. Der untere Teil des Kirchturms stammt vermutlich aus dem 14. Jahrhundert. In der Zeit des Kirchenneubaus um 1500 wurde er auf seine heutige Höhe von 42 m erhöht. 1625 wurde das Langhaus vergrößert, 1626 die Rosenkranzkapelle angebaut. Pfarrer Paul Martin (1704–1735) stiftete 1729 eine Strahlenmonstranz (Augsburger Arbeit). 1789 schuf Andreas Brugger das Deckenfresko „Maria Fürbitterin der bedrohten Menschheit“ der Rosenkranzkapelle. 1958/59 musste das alte Langhaus und der Chor der Kirche einem neuen, größeren Kirchenbau weichen, der Turm und Rosenkranzkapelle des Vorgängerbaus einschloss. Ein neugotischer Hochaltar von Anselm Sickinger wurde entfernt, später wurden erhaltene Teile erneut aufgestellt.
  • Die Haldenbergkapelle wurde 1921 als Kriegergedächtniskapelle für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges auf dem Haldenberg errichtet. Das Baumaterial wurde von der ehemaligen Marienkapelle von der Reinachmühle verwendet. Neben dem Mosaik „Stern im Lebensmeere“ von Kurt Zöller (Miltenberg) sind der moderne Kreuzweg (ebenfalls Zöller) und die Pietà (1893) sehenswert. Der im Landschaftsschutzgebiet Haldenberg liegende Aussichtspunkt bei der Kapelle bietet eine wunderschöne Fernsicht auf Bodensee und Alpen.
  • Weiterhin sind Fachwerkbauten, wie das Haus Berger in Oberlottenweiler und das Alte Pfarrhaus, sowie die Pfarrkirche St. Nikolaus in Berg sehenswert.

Naturerlebnis[Bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten]

In Ailingen gibt es ein reges Vereinsleben. Neben katholischen und evangelischen kirchlich geprägten Vereinen (Kirchenchöre, Kinder- und Jugendchor, Landvolk, Landfrauen, Blutreitergruppe), Musikvereinen, Gesangsverein „Liederkranz“ und Sportvereinen gibt es Dorfgemeinschaften in Berg, Ittenhausen und Lottenweiler. Drei Narrenzünfte (Narrenzunft Ailingen, Narrenzunft Berg und Lottenweiler) betreiben in Ailingen die schwäbisch-alemannische Fastnacht.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Fasnet in Ailingen, Berg und Lottweiler
  • Funkenfeuer in Lottenweiler (Sonntag nach Aschermittwoch)
  • Berger Sommerfest (Juniwochenende)
  • Ailinger Dorffest (Wochenende vor Ende den Sommerferien)
  • Ailinger Handballturnier (meist am 3. Augustwochenende)

Sport[Bearbeiten]

Größter Sportverein des Ortes ist die TSG Ailingen, die in den Abteilungen Turnen, Handball, Sportkegeln, Fußball, Tennis, Volleyball, Tischtennis, Ski- und Bergfreunde und Tae-Kwon-Do Breitensport anbietet.

Im Jahr 2005 hat sich die Taekwondo-Abteilung von der TSG-Ailingen gelöst und bietet die koreanische Kampfsportart als eigenständiger Verein an.

Weiterhin existiert der Radfahrerverein RV Immergrün, dessen Radballteam an der ersten Bundesliga teilnimmt. Mitglied Florian Blab wurde 2006 Deutscher Meister im Kunstradfahren.[2]

Das „Wellenbad Ailingen“ ist eines von drei Freibädern in Friedrichshafen. Das Bad ist von Mitte Mai bis zum Ende der Sommerferien geöffnet und verfügt neben dem großen Wellenbecken über einen Strudelkanal, eine große Rutsche, ein Kleinkindbecken einen Matsch- und Buddelbereich und vieles mehr. Das Bad ist seit der Sanierung im Jahr 2010 komplett barrierefrei.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg war Ailigen von der Landwirtschaft dominiert, 1983 waren noch 10 % der Bevölkerung im landwirtschaftlichen Sektor tätig. Außerhalb des immer noch ländlich anmutenden Ortskerns sind mehrere Wohngebiete entstanden. Neben der Landwirtschaft hat sich seit den 1960er Jahren, der Tourismus als Nebenerwerbsquelle etabliert. Seit 1974 ist Ailingen staatlich anerkannter Erholungsort, der durch die Nähe zur Stadt Friedrichshafen mit ihrer zentralen Lage am Bodensee und dem ländlichen Umfeld im "Obstgarten am Bodensee" besonders gut auch für Familien als Urlaubsort eignet und ist aktuell auch mit dem Prädikat familien-ferien in Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Die vier Stadtbuslinien 12, 13, 14 und 15 verbinden Ailingen mit Friedrichshafen.

Bildung[Bearbeiten]

In der Ortschaft gibt es drei Kindergärten sowie drei staatliche Schulen: die Grundschule Berg, die Grund- und Hauptschule Ailingen und die Dr.-Josef-Eberle-Realschule in Ailingen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Hymmo, Priester im 8 Jahrhundert, er schenkte seinen Besitz in Ailingen dem Kloster St. Gallen. Dadurch wurde der Ort am 20. März 771 erstmals urkundlich erwähnt.
  • Joseph Eberle (* 2. August 1884 in Ailingen-Reinachmühle; † 14. September 1947 in Salzburg), katholischer Publizist
  • Maria Franziska Eberle (*1890; † 1965), Schwester Bonaventura, 1939-1945 Oberin der Kapuzinerinnen in St. Notkersegg (CH)
  • Bruno Volkwein (* 30. Oktober 1938 in Unterlottenweiler; Priesterweihe 17. Oktober 1964 in Sankt Augustin; † 16. Juni 2003 in Siegburg), Steyler Missionar und Professor des Alten Testamentes in St. Augustin/Bonn
  • Josef Hoben (* 27. Mai 1954 in Unterraderach; † 26. November 2012); Deutscher Schriftsteller und Literaturhistoriker

Literatur[Bearbeiten]

  • Sepp Bucher u. a.: 1200 Jahre Ailingen. Hrsg. von der Gemeinde Ailingen. Gessler, Friedrichshafen 1971
  • Angrit Döhmann: Wie es früher war. In einem Dorf in Oberschwaben 1900 bis 1950. Senn, Tettnang 2005, ISBN 3-88812-202-3
  • Christian Feuerstein, Patrick Meschenmoser: Kirchenführer St. Johannes Baptist in Friedrichshafen-Ailingen. Hrsg. von der katholischen Kirchengemeinde Ailingen. Ostfildern 2001
  • Josef Wieland: Geschichte der Gemeinde Ailingen 1825–1936. Ortsverwaltung Ailingen, Friedrichshafen 1995, ISBN 3-926162-86-4
  • Josef Hoben Lossprechung ISBN 978-3-931402-26-6 / Roman, Verlag: Klöpfer und Meyer , Tübingen 1998

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geschichte von Ailingen
  2. Bericht über die Deutsche Meisterschaft

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ailingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien