Ainaro (Distrikt)

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Distrikt von Ainaro
Indonesien Oecusse (Distrikt) Cova Lima Bobonaro (Distrikt) Ermera (Distrikt) Liquicá (Distrikt) Dili (Distrikt) Aileu (Distrikt) Ainaro (Distrikt) Manufahi Manatuto Baucau (Distrikt) Lautém (Distrikt) Viqueque (Distrikt)Lage des Distrikts Ainaro
Über dieses Bild
Timor-Ponys bei Maisfeldern im Tal von Hatu-Builico
Daten
Hauptstadt Ainaro
Fläche 869,79 km² (9.)[1]
Einwohnerzahl (2011) 62.171 (10.)[2]
Bevölkerungsdichte 71,5 Einw./km² (6.)[1]
Zahl der Haushalte (2010) 9.664 (9.)[1]
ISO 3166-2: TL-AN
Subdistrikte Einwohner[1] Fläche[1]
Ainaro 15.558 235,94 km²
Hato-Udo 9.645 243,01 km²
Hatu-Builico 11.950 129,88 km²
Maubisse 22.022 260,97 km²
Karte
Übersichtskarte vom Distrikt Ainaro

Ainaro (tetum Ainaru) ist ein Distrikt von Osttimor.

Geographie[Bearbeiten]

Ortschaften und Flüsse in Ainaro

Ainaro hat eine Fläche von 869,79 km² und liegt an der Südküste Osttimors, an der Timorsee. Im Norden grenzt es an den Distrikt Aileu, im Osten an Manufahi, im Südwesten an Cova Lima, im Westen an Bobonaro und im Nordwesten an Ermera. Hauptstadt ist das gleichnamige Ainaro. Die Sucos Ainaro und Maubisse sind als „urban“ definiert. In beiden Städten leben zusammen 13.066 Einwohner (2010).[3]

Der Distrikt teilt sich in die Subdistrikte Ainaro, Hato-Udo, Hatu-Builico und Maubisse. Während der indonesischen Besatzungszeit wurde der Subdistrikt Turiscai abgetrennt und dem Distrikt Manufahi angeschlossen, wofür Hato-Udo von Manufahi zu Ainaro wechselte. 2003 wurde der Subdistrikt Mape-Zumalai von Ainaro abgetrennt und dem Distrikt Cova Lima zugeschlagen.

Im Norden und im Zentrum des Distrikts herrscht Bergland vor mit mehreren hohen Bergen, wie den Suro-lau, den Manlau oder den Cablac (2180 m). Vom Subdistrikt Hatu-Builico führt eine Aufstiegsroute auf den Tatamailau (2963 m), Timors höchsten Berg, dessen Gipfel jenseits der Grenze im benachbarten Ermera liegt. Das Gebiet um den Tatamailau ist wird wegen seiner Bedeutung für die Vogelwelt als Important Bird Area eingestuft. Richtung Süden fällt das Land zum Meer hin ab und wird zu Flachlandsavannen.

Wichtigster Fluss ist der Belulik (Bé-lulic), der von Nord nach Süd den Großteil des Distrikts durchfließt und dessen zahlreichen Quellflüsse im Bergland von Ainaro entspringen. Im Südosten bildet der Caraulun (Carau-úlun) mit seinen zahlreichen Flussinseln die Grenze zu Manufahi. Teilweise entspringen seine Quellflüsse im Subdistrikt Maubisse, im Norden Ainaros. Im Westen fließt der Mola entlang der Grenze nach Cova Lima, bevor er dorthin schwenkt.

Einwohner[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl in Ainaro
Mambai aus dem Subdistrikt Maubisse

Im Distrikt Ainaro leben 62.171 Einwohner (2011),[2] wobei die nördlichen Subdistrikte deutlich dichter bevölkert sind, als das südliche Flachland. Die Gesamtbevölkerungsdichte beträgt 71,5 Einwohner pro Quadratkilometer. Der Altersdurchschnitt liegt bei 16,7 Jahren (Stand: 2010).[1] Zwischen 1990 und 2004 wuchs die Zahl der Einwohner jährlich um 1,36 %. Hatte 2004 in Hato-Udo jede Frau durchschnittlich 6,03 Kinder, stieg die Anzahl nach Norden über 8,09 Kinder in Ainaro und 8,38 Kinder in Hatu-Builico, bis auf 9,35 Kinder pro Frau in Maubisse an (Landesdurchschnitt 6,99). Die Kindersterblichkeit lag 2002 in Hatu-Builico bei 186 Todesfällen pro 1000 Lebendgeburten (1996: 193), in Maubisse bei 122 (188), in Hato-Udo bei 98 (115) und in Ainaro bei 79 (141). Der Landesdurchschnitt betrug 98. Der Subdistrikt Ainaro kann auf einen der stärksten Rückgänge bei der Kindersterblichkeit landesweit verweisen.[4]

Drei Viertel der Bevölkerung spricht die Nationalsprache Mambai als Muttersprache. Etwa 5.000 Bewohner Ainaros sprechen Tetum und etwa 3.000 Bunak, vor allem in den Sucos Cassa, Mau-Nuno und Foho-Ai-Lico. Knapp 500 Einwohner nennen Kemak als ihre Muttersprache. Berücksichtigt man auch die Zweitsprachen, so sprechen 37,9 % Tetum, 33,7 % Bahasa Indonesia und 12,0 % Portugiesisch. Die Analphabetenrate beträgt 63,0 % (Frauen:65,4 %; Männer: 60,5 %). Nur 10,0 % der über 18-Jährigen haben die Sekundarschule abgeschlossen (Frauen:8,5 %; Männer: 11,4 %)[4]

2004 waren 98,3 % der Einwohner Katholiken, 0,9 % Anhänger der traditionellen, animistischen Religion Timors, 0,6 % Protestanten und 0,1 % Muslime.[5] Die Protestanten haben ihr Zentrum in der Stadt Ainaro, in Tolemau (Subdistrikt Hatu Builico) und in Foho-Ai-Lico (Hato-Udo). Das Verhältnis der verschiedenen Gruppen ist nachbarschaftlich.

Geschichte[Bearbeiten]

1902 scheiterte in Ainaro ein Aufstand gegen die portugiesischen Kolonialherren.

1907 gelang es dem Liurai Nai-Cau für sein Reich von Soro die Unabhängigkeit vom benachbarten Atsabe zu erringen. Die Grenzen Soros reichten im Osten und Süden bis nach Manufahi.

Der Cablac

1911 begann gegen die portugiesischen Kolonialherren die Rebellion von Manufahi. Maubisse unterstützte die Rebellen unter Dom Boaventura, dem Liurai von Manufahi. 1912 griff Boaventura den portugiesischen Militärposten in Ainaro an, wurde aber mit Unterstützung von Nai-Cau abgewehrt. Daher wurde Soro auch zu einer der Basen, von denen die Portugiesen aus Manufahi bekämpften. Am 27. Mai kam es am Cablac zu einer großen Schlacht zwischen den Kolonialtruppen und dem Boaventura. Die timoresischen Rebellen hatten sich hier unter Ausnutzung der zerklüfteten Landschaft verschanzt, wurden aber durch die Übermacht der Portugiesen geschlagen und zur Flucht gezwungen. Der Cablac wird seitdem als heiliger Berg Manufahis verklärt.[6]

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Portugiesisch-Timor von den Japanern besetzt und wurde Schauplatz der Schlacht um Timor, in der australische Kommandos und ein Teil der Bevölkerung in Guerillataktik gegen die Besatzer kämpften. 1942 kam es zur Rebellion von Maubisse, in der sich die ansässige nicht-christliche Bevölkerung gegen die Portugiesen und christianisierten, pro-portugiesischen Timoresen von Ainaro und Same, und hier gegen Dom Aleixo Corte-Real, dem Liurai von Soro, wandte. Corte-Real war der Neffe von Nai-Cau. 1943 wurden Corte-Real und seine Familie von den Japanern erschossen. Von den Portugiesen wurde er zum timoresischen Volkshelden hochstilisiert.

Der Distrikt Ainaro vor der Gebietsreform 2003

Nach der Unabhängigkeitserklärung Osttimors 1975 begann Indonesien mit einer großangelegten Invasion in das Nachbarland. Bis Oktober 1976 waren auch die Orte Ainaro, Maubisse, Hato-Udo und Zumalai, sowie die wichtigsten Überlandstraßen unter indonesischer Kontrolle. Im Bergland blieb die Bevölkerung zunächst noch von den Invasoren verschont, während aus den großen Ortschaften die Bevölkerung in bases de apoio, wie Catrailete, nah dem Tatamailau im Distrikt Ermera, oder in Mape-Zumalai oder den Nachbardistrikten. Im Ort Ainaro wurde eine große indonesische Militärbasis errichtet, von wo aus man gegen die in den Bergen Ainaros operierende FALINTIL vorging. Ab September 1977 begann die indonesische Armee mit der flächenmäßigen Besetzung der Region, was im Februar 1978 abgeschlossen war. Die Widerstandsbasen wurden zerstört, die Bewohner auseinandergetrieben oder gefangengenommen.[7] Trotzdem kämpfte die FALINTIL unter Xanana Gusmão, dem späteren Präsidenten des unabhängigen Osttimors, in den Bergen Ainaros weiter gegen die Besatzer. Indonesien reagierte mit Zwangsumsiedlungen zur besseren Kontrolle der Region. So wurden die Einwohner Maubisses zeitweise nach Aileu deportiert, was zu Konflikten mit der dort ansässigen und traditionell mit ihnen verfeindete Bevölkerung führte. In Ainaro wurden pro-indonesische Milizen zur Unterstützung des Militärs aufgestellt, wie zum Beispiel die Mahidi, die in Cassa ihre Basis hatte. Diese Milizionäre und die in Ainaro stationierten, indonesischen Soldaten verübten während den Unruhen von 1999 im Umfeld des Unabhängigkeitsreferendums am 30. August eine Vielzahl von Straftaten und zerstörten schließlich mehr als 95% der Gebäude in der Stadt Ainaro. Nicht besser ging es der Bevölkerung in den Subdistrikten Hato-Udo und Hatu-Builico. Nur in Maubisse waren die Zerstörungen nicht ganz so umfassend. Viele Einwohner wurden vertrieben und flohen in westtimoresische Flüchtlingscamps oder in die Wildnis. So 1.200 Bewohner von Mau-Nuno, die am 11. August aus Angst um ihr Leben in die Wälder flohen. Andere bildeten kleine Gruppen um sich gegen die Milizen zu verteidigen. Erst die internationale Eingreiftruppe INTERFET sorgte wieder für Ruhe und Ordnung, bis Osttimor 2002 wieder in die Unabhängigkeit entlassen wurde.

In Maubisse kam es am 11. Juni 2006 zu Unruhen. Der Ort galt als eine Hochburg der rebellischen Soldaten unter Alfredo Alves Reinado, die Ende April die schlimmsten Unruhen in Osttimor seit der Unabhängigkeit auslösten. Am 22. November wurde von Straßenkämpfen in Maubisse berichtet.

Politik[Bearbeiten]

Der Distriktsadministrator wird von der Landesregierung in Dili ernannt. 2001 war dies João de Corte Real Araújo,[8] 2011 Manuel Pereira.[9] Derzeitiger Administrator ist Manuel Ramos Pinto (Februar 2014).[10]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Timor-Ponys in Maubisse
Öffentlicher Transport im Norden Ainaros
Feuerholzsammeln im Schatten des Tatamailau

Laut der Volkszählung von 2010 arbeiten 48 % aller Einwohner, die zehn Jahre oder älter sind (Landesdurchschnitt: 42 %). 5 % sind arbeitslos (5 %).[11] 80,0 % der Haushalte betreiben Ackerbau, 86,8 % Viehzucht (Stand: 2010).[1] Das Bergland ist wasserreich und gehört zu den fruchtbarsten Regionen des Landes. Wichtigstes Grundnahrungsmittel ist Mais (Produktion 2008: 1.221 t), der von 74 % der Haushalte angebaut wird. 58 % bauen Maniok (2.604 t) an. Weitere landwirtschaftliche Produkte sind Gemüse (53 %), Obst, Bohnen, Vanille und Oliven (insgesamt 1.732 t). Im Südteil wird auch Reis angebaut (11 %, 2.934 t). Kommerziell bauen 56 % der Haushalte Kaffee im Hochland an. 28 % verfügen über Kokosnusspalmen.[12][11] Als Tiere werden hauptsächlich Hühner (32.142 von 72 % der Haushalte) und Schweine (16.466, 73 %) gehalten. Pferde (6.382, 38 %) dienen im Hochland als Transportmittel. Daneben gibt es noch Büffel (4.958, 16 %), Rinder (6.435, 17 %), Ziegen (6.317, 24 %) und Schafe (1.095, 3 %).[11] An der Südküste wird Fischerei betrieben. Die früher betriebene kommerzielle Holzwirtschaft ist verboten.

Die spektakuläre Bergwelt hat touristisches Potential. Bisher hält sich dieser aber aufgrund der allgemeinen Situation des Landes und der schlechten Infrastruktur in Grenzen.

Im Distrikt Ainaro gibt es zwei kommunale Radiosender. Vom Ort Ainaro aus sendet Lian Tatamailau (FM 98,1 MHz) und aus Maubisse Radio Maubisse Mauloko (FM 89,7 MHz).[13]

Weblinks[Bearbeiten]

Heilige Häuser und Totempfahl in Hohulo
 Commons: Ainaro (Distrikt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English) (PDF; 2,7 MB)
  2. a b Direcção Nacional de Estatística: Timor-Leste in figures 2011 (PDF; 3,8 MB), abgerufen am 5. Mai 2013
  3. Highlights of the 2010 Census Main Results in Timor-Leste English (PDF; 4,5 MB)
  4. a b Census of Population and Housing Atlas 2004 (PDF; 14,0 MB)
  5. District Pritory Tables: Ainaro 2004 (PDF; 20,0 MB)
  6. History of Timor – Technische Universität Lissabon (englisch; PDF; 824 kB)
  7. „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  8. National Directory of Studies and Research
  9. Webseite der Regierung Osttimors: The population of Hatubuiliku appreciated the NSDP
  10. Descentralização Administrativa na República Democrática de Timor-Leste: Ainaro, abgerufen am 7. Februar 2014
  11. a b c Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch) (PDF; 9,8 MB)
  12. Direcção Nacional de Estatística: Timor-Leste in Figures 2008 (PDF; 3,7 MB)
  13. ARKTL – Asosiasaun Radio Komunidade Timor-Leste (englisch)

-8.9833333333333125.5Koordinaten: 9° S, 126° O