Airolo

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Airolo
Wappen von Airolo
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Leventinaw
Kreis: Kreis Airolo
BFS-Nr.: 5061i1f3f4
Postleitzahl: 6780
UN/LOCODE: CH AIR
Koordinaten: 690373 / 15423746.5333318.6166691175Koordinaten: 46° 32′ 0″ N, 8° 37′ 0″ O; CH1903: 690373 / 154237
Höhe: 1'175 m ü. M.
Fläche: 94.5 km²
Einwohner: 1556 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 16 Einw. pro km²
Website: www.airolo.ch
Airolo mit der Kaserne Motto Bartola (Bildrand unten links)

Airolo mit der Kaserne Motto Bartola (Bildrand unten links)

Karte
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Airolo (in alpinlombardischer Mundart: Airö(u)/Aire(u) [ajˈrøː/ajˈrøw/ajˈreː/ajˈrew][2], deutsch Eriels oder Jerels, rätoromanisch Iriel) ist ein Dorf und eine politische Gemeinde im Kreis Airolo, Bezirk Leventina, im schweizerischen Kanton Tessin. Es ist Hauptort des gleichnamigen Kreises.

Geographie[Bearbeiten]

Airolo ist eine Gemeinde am oberen Ende des Valle Leventina an der Grenze zum Kanton Uri, 55 km nördlich von Bellinzona, am südlichen Fuss des Gotthardpasses. Westlich von Airolo erstreckt sich das Bedrettotal, von dem man über den Nufenenpass (Passstrasse) in den benachbarten Kanton Wallis oder über den San Giacomo-Pass (nur Wanderweg) ins italienische Val Formazza gelangt. Zur Gemeinde gehören auch die Dörfer Brugnasco, Fontana, Madrano,[3] Nante und Valle; unbewohnt sind heute die Weiler Albinasca und Bedrina.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Hauptstrasse beim Bahnhof

Die Landwirtschaft spielte lange eine wichtige Rolle, heute schafft sie jedoch nur noch wenige Arbeitsplätze. Durch den Bau einer Schaukäserei (Caseificio dimostrativo del Gottardo) konnten die einheimischen Landwirtschaftprodukte besser vermarktet werden.

Im Industriesektor nimmt das Baugewerbe den ersten Platz ein. Die einzige wichtige Fabrik von Airolo ist eine Metallverarbeitungsfirma, welche etwa 100 Personen beschäftigt.

In Airolo befinden sich Dienstleistungsbetriebe für Bahn- und Strassenverkehr sowie ein grosser Waffenplatz, in der Sanitätstruppen der Schweizer Armee ausgebildet werden. Durch Sparmassnahmen beim Militär und den Bahnbetrieben gingen in Airolo zahlreiche Arbeitsplätze verloren, was zu einer sinkenden Bevölkerungszahl führte. Eine wichtige Rolle spielen darüber hinaus die Wasserkraftwerke.

Trotz der Belastungen durch den Transitverkehr ist Airolo ein vielbesuchter Ferienort. Airolo war der erste Skisportort im Tessin und ist heute der bedeutendste des Kantons. Im Sommer ist Airolo ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen (Strada Alta, Sentiero degli Alpi).

Pneumatisch betriebene Tunnellokomotive bei Airolo während des Baus des Gotthard-Scheiteltunnels.[4]

Verkehr[Bearbeiten]

Airolo ist eine wichtige Bahnstation an der Gotthardbahn-Linie. Der Ort liegt am Südportal des Eisenbahntunnels und des Strassentunnel der Autobahn A2.

Geschichte[Bearbeiten]

Schon im 2./3. Jahrhundert n. Chr. hielten sich in Airolo Menschen auf, wie römische Gräber in Madrano belegen. Die Geschichte von Airolo war stets vom Verkehr über den Gotthard geprägt. Dadurch erlangten Gastgewerbe und Säumerei grosse wirtschaftliche Bedeutung.

Die ältesten urkundlichen Belege für den Ort als Oriolo, Ur(i)olo, Irorio stammen aus dem 13. Jahrhundert, im 14. Jahrhundert erscheint er als Oriollo, Oirolo, Yroll(i)o, Airol(l)o, Ayrolio. Der Ortsname gehet wahrscheinlich auf volkslateinisch *oriolu ‚schmaler Rand, Kante‘ zurück.[2]

Die katholische Pfarrkirche Santi Nazario e Celso wurde im 12. Jahrhundert errichtet und erstmals 1224 zusammen mit der Pfarrei erwähnt. Das heutige Gebäude wurde 1879 neu gebaut, nachdem es 1877 von einem Brand zerstört wurde, bei welchem auch ein grosser Teil des Dorfes niederbrannte. Der Kirchturm, der von doppelreihigen Zwillingsarkaden bekrönt ist, stammt aus der romanischen Zeit.

In der Nähe des Bahnhofs steht das Denkmal für die Opfer des Gotthardtunnelbaus, ein von Vincenzo Vela (1820–1891) geschaffenes bronzenes Flachrelief.

1882 wurde der Eisenbahntunnel mit dem Südportal Airolo eingeweiht. Zum militärischen Schutz der Gotthardstrasse und des Gotthardtunnels wurden auf dem Gebiet von Airolo die Gotthardfestungen Motto Bartola (1890), Forte Airolo (1890) und Fort Hospiz (1894) gebaut.

Am 28. Dezember 1898 zerstörte ein Bergsturz einen Teil des Dorfes und forderte drei Tote. Zum Schutz des Dorfes wurde die grosse Schutzmauer oberhalb der Häuser errichtet. Eine riesige Lawine forderte am 12. Februar 1951 zehn Tote. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden zahlreiche Lawinenverbauungen errichtet; eine Arbeit, welche in neuerer Zeit fortgesetzt wird.

Bereits 1890 erhielt Airolo eine elektrische Strassenbeleuchtung. Airolo war die erste Gemeinde des Kantons Tessin, die eine Kläranlage baute (1969).

Im Zweiten Weltkrieg wurden auf dem Gemeindegebiet als Teil des Reduit die neuen Artilleriewerke San Carlo (1938), Foppa Grande (1940) und Festung Sasso da Pigna (1941) erstellt.

1980 wurde der Gotthard-Strassentunnel mit dem Südportal Airolo eröffnet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Pfarrkirche Santi Nazario e Celso[5][6][7]
  • Spätneoklassiches Pfarrhaus (1878)[5]
  • Im Friedshof, Grabkapelle (1949/1951), Architekt: Mario Chiattone[5][8]
  • Denkmal für die Opfer des Gotthardtunnelbaus (1886) von Pietro Andreoletti[5]
  • Grabmal Giuseppe und Agostina Motta (1971) mit Sarkofage und Relief des Bildhauers Remo Rossi[5]
  • Ehemaliges Hotel Motta & Poste (1810) Geburtshaus des Bundesrats Giuseppe Motta[5]
  • Ehemaliges neoklassiches Hotel Motta (1850) heute Wohngebäude[5]
  • Grundschule (1917), Architekt: Ferdinando Bernasconi[5]
  • Dépendance Albergo Motta (1880) und Centro Motta (1992), Architekt: Giorgio Guscetti[5]
  • Salone Olimpia (Theater) (1905), renoviert (1948)[5]
  • Ehemaliges Hotel Lombardi (1870)[5]
  • Denkmal für die Opfer des Gotthardtunnelbaus (1882/1883) von Vincenzo Vela[5][9]
  • Tremolastrasse[10]
  • Gotthardpass, Nationales Gotthardmuseum Vecchia Sosta (1834/1837), Architekt Domenico Fontana, restauriert (1983/1986)[5][11]
  • Adrien Guex Denkmal (1928) des Bildhauers Fausto Agnelli[5][12]
  • Statue Madonna di Fatima (1946) des Bildhauers Remo Rossi[5][13]
  • Suworow-Denkmal (1999), Reiterstandbild des Bildhauers Dmitry Nikitovic Tugarinov[14][15]
  • Prähistorische Siedlung auf dem Gotthardpass[16]
  • Oratorium San Gottardo (1210/1230), restauriert (1975/1982), Architekt: Alberto Finzi[5][17]
  • Ospizio vecchio (1623), erbaut (1776/1777)[5][18]
  • Albergo Monte Prosa (Albergo San Gottardo) (1866), Architekt Regli[5]
  • Betkapelle dei Morti (Totenkapelle) (1577)[5][19]
  • Im Ortsteil «Valle», Oratorium Sant’Antonio Abate (1570)[5][20]
  • Wohnhaus Lombardi (1975/1977), Architekten Franco Ponti, Milo Navone[5]
  • Im Ortsteil «Madrano», Oratorium Santi Gervasio und Protasio (17. Jahrhundert) renoviert 1992 mit Fresken (1931) des Malers Tita Pozzi und Kreuzweg (18, Jahrhundert)[5][21]
  • Prähistorische Siedlung und römische Nekropole bei Madrano[22][5]
  • Im Ortsteil «Brugnasco», Oratorium San Barnaba[23] mit Holzstatuen San Bernardo und San Sebastiano (1566)[5]
  • Im Ortsteil «Stalvedro», Burgruine und Oratorium Santa Maria Vergine (1699), restauriert 1990[5][24]
  • Stazione di servizio Stalvedro (1987), Autobahn A2, Architekten: Tita Carloni, Roberto Nicoli[5]
  • Im Ortsteil «Nante», Oratorium Santa Maria Assunta (1974), Architekt: Pietro Ceresa[5][25]
  • Im Ortsteil «Albinengo», Elektrikzitätswerk Lucendro (1945), Architekten: Carlo Tami, Rino Tami[5]
  • Viadukt Albinengo (1970/1972), Ingenieure: Grignoli, Muttoni[5]
  • Autobahnportal Sud (1979/1980), Architekten: Rino Tami und Giovanni Lombardi[5][26]
  • Alte Tremolastrasse (1828/1831), Ingenieur Francesco Domenico Meschini[5]
  • Im Ortsteil «Fontana», Oratorium Santa Maria Maddalena (1882), restauriert 1972, Architekt: Alberto Finzi mit Glasmalereien des Malers fra' Roberto Pasotti[5][27]
  • Im Ortsteil «Albinasca», Oratorium Sant'Anna (1629), restauriert 1999[5][28]
  • Im Ortsteil «Bedrina», Kaserne und Waffenplatz (1889/1995), Architekten: Fabio Muttoni, Silvano Caccia mit Wandmalereien des Malers Livio Bernasconi[5]
  • Betkapelle Santa Maria (1852)[5].

Militärbauten[Bearbeiten]

Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Stiftung Pro Sankt Gotthard[37]

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann Rudolf Rahn: I monumenti artistici del medio evo nel Cantone Ticino. Tipo-Litografia di Carlo Salvioni, Bellinzona 1894, S. 1-2, (Brugnasco S. 73), (Madrano S. 194), (San Gottardo S. 266), (Stalvedro S. 278).
  • Siro Borrani: Il Ticino Sacro. Memorie religiose della Svizzera Italiana raccolte dal sacerdote Siro Borrani prevosto di Losone. Tipografia e Libreria Cattolica di Giovanni Grassi, Lugano 1896.
  • Mario Bertolone: Note su alcune asce di bronzo della Leventina. in Rivista storica ticinese, Nummer 1, Februar 1938, Istituto Editoriale Ticinese, Bellinzona 1938.
  • Virgilio Gilardoni: Il Romanico. Arte e monumenti della Lombardia prealpina. La Vesconta, Istituto grafico Casagrande, Bellinzona 1967, S. 30. 38, 40-43, 91, (Madrano S. 176, 251, 481), 176-178, 299, 342, 358, 476, 481, 484, 498, 509, (San Gottardo S. 543-544).
  • Bernhard Anderes: Guida d'Arte della Svizzera italiana. Edizioni Trelingue, Porza-Lugano 1980, S. 112-115.
  • Samuel Butler: Alpi e Santuari del Canton Ticino, Armando Dadò Editore, Locarno 1984.
  • Emilio Motta: Effemeridi ticinesi. 2. Auflage, Edizioni Metà Luna, Giubiasco 1991.
  • Comune di Airolo: Airolo. Arti Grafiche Arturo Salvioni & Co. SA, Bellinzona 1992.
  • Mario Fransioli: Il vicinato di Airolo. Gli ordini del 1788. Patriziato di Airolo, Airolo 1994.
  • Flavio Maggi: Patriziati e patrizi ticinesi. Pramo Edizioni, Viganello 1997.
  • Fabio Beffa: Vocabolario fraseologico del dialetto di Airolo. Humilibus Consentientes, Bellinzona 1998.
  • Luciano Vaccaro, Giuseppe Chiesi, Fabrizio Panzera: Terre del Ticino. Diocesi di Lugano. Editrice La Scuola, Brescia 2003.
  • Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 113, 137, 142, 143, 144, 145, 146, 147, 148, 356.
  • Fabio Ballinari,: Storia di un disastro. Il grande incendio di Airolo del 17 settembre 1877. Edizione del Comune di Airolo, Airolo 2010.
  • Marina Bernasconi Reusser: Monumenti storici e documenti d’archivio. I «Materiali e Documenti Ticinesi» (MDT) quali fonti per la storia e le ricerche sull’architettura e l’arte medievale delle Tre Valli. in Archivio Storico Ticinese, 2. Serie, Nummer 148, Casagrande, Bellinzona 2010, S. 209, 216 Note.
  • Dario Bianchi: Pedro Pedrazzini e la sua idea di scultura: «Viviamo un'epoca bisognosa di bellezza». in «Rivista di Locarno» 3. März 2012, Armando Dadò Editore, Locarno 2012, S. 43, 45.
  • Valeria Farinati: Centrali idroelettriche d’autore. in «Arte&Storia», Il Ticino dell’acqua. Dalla formazione geologica del Cantone alle attività economiche, Edizioni Ticino Management, Jahr 12, Nummer 54, April-Juli 2012, Lugano 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Airolo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. a b Barbara Meroni: Airolo TI (Leventina). In: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, S. 80.
  3. Madrano
  4. Braun, Adolphe: Photographische Ansichten der Gotthardbahn. Dornach im Elsass, ca. 1875
  5. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj ak al am an Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 143–147.
  6. Pfarrkirche Santi Nazario e Celso
  7. Pfarrkirche Santi Nazario e Celso (Foto)
  8. Grabkapelle (Foto)
  9. Denkmal für die Opfer des Gotthardtunnelbaus (Foto)
  10. Tremolastrasse (Foto)
  11. Gotthardpass, Hospiz
  12. Adrien Guex Denkmal (Foto)
  13. Statue Madonna di Fatima (Foto)
  14. Suworow-Denkmal
  15. Suworow-Denkmal (Foto)
  16. Prähistorische Siedlung auf dem Gotthardpass
  17. Oratorium San Gottardo
  18. Ospizio vecchio (Foto)
  19. Betkapelle dei Morti (Foto)
  20. Oratorium Sant’Antonio Abate (Foto)
  21. Oratorium Santi Gervasio und Protasio (Foto)
  22. Prähistorische Siedlung und römische Nekropole bei Madrano
  23. Oratorium San Barnaba (Foto)
  24. Oratorium Santa Maria Vergine (Foto)
  25. Oratorium Santa Maria Assunta (Foto)
  26. Autobahnportal Sud (Foto)
  27. Oratorium Santa Maria Maddalena (Foto)
  28. Oratorium Sant'Anna (Foto)
  29. Forte Airolo (Foto)
  30. Festung Foppa Grande (Foto)
  31. Arsenale alto (Foto)
  32. Arsenale basso (Foto)
  33. Caserma (Foto)
  34. Festung Fieud (Foto)
  35. Festung Sasso da Pigna
  36. Forte San Gottardo (Foto)
  37. Stiftung Pro Sankt Gotthard