Ajahn Chah

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Ajahn Chah und Ajahn Sumedho

Ajahn Chah (Thai: พระอาจารย์ชา, RTGS: Phra Achan Cha, Aussprache: [pʰráʔ aːt͡ɕaːn t͡ɕʰaː]; auch Cha Suphattho oder Chah Subhaddo (ชา สุภทฺโท); offiziell: Phra Phothiyan Thera oder Bodhiñāṇa Thera (พระโพธิญาณเถร); * 17. Juni 1918 bei Ubon Ratchathani, Thailand; † 16. Januar 1992 in Amphoe Warin Chamrap, Provinz Ubon Ratchathani) war ein theravada-buddhistischer Mönch der Kamatthana-Waldmönchstradition. Ab den Siebzigerjahren wuchs sein Ruf, ein ausgezeichneter Lehrer auch für westliche Theravada-Mönche zu sein, stetig an. Dies führte zu einer Reihe Gründungen von Klöstern in Europa, den USA, Australien und Neuseeland, die sich auf ihn berufen.

Leben[Bearbeiten]

Nach Abschluss der grundlegenden Schulbildung lebte er in den darauffolgenden drei Jahren als Novize, bevor er an den Bauernhof seiner Eltern zurückkehrte, um dort bei den anfallenden Arbeiten zu helfen. Im Alter von zwanzig Jahren entschied er sich dazu, das monastische Leben wieder aufzunehmen, und am 26. April 1939 empfing er Upasampada (die Bhikkhu-Ordination). Das frühe mönchische Leben Ajahn Chahs folgte einem traditionellen Muster des Studierens des buddhistischen Unterrichts und der Schriften-Sprache Pali. In seinem fünften Mönchs-Jahr wurde sein Vater ernsthaft krank und starb bald darauf - ein Ereignis, dass ihm die Vergänglichkeit und den Wert des menschlichen Lebens heftig vor Augen führte. Dies veranlasste ihn, über den wirklichen Sinn des Lebens tiefergehend zu kontemplieren. Obgleich er studiert hatte und eine gewisse Fähigkeit im Pali erworben hatte, schien er dem wirklichen Verständnis vom Ende des Leidens nicht nähergekommen zu sein. Ein tiefliegendes Gefühl der „Entzauberung“ allgemeiner Zielsetzungen im Leben führte dazu, dass er seine traditionellen Studien abbrach und schließlich im Jahre 1946 eine Pilgerreise als wandernder Mönch antrat.

Zu Fuß wanderte er ca. 400 Kilometer nach Zentralthailand, schlief in den Wäldern auf seinem Weg und aß die Almosenspeise, die er in den naheliegenden Dörfern beim morgendlichen Pindabat (Almosengang) von den buddhistischen Bewohnern erhielt. In einem Kloster, das den Vinaya (buddhistische Ordensregel) besonders sorgfältig übte, wurde ihm von Ajahn Mun Bhuridatta berichtet, einem äußerst respektierten Meditationsmeister seiner Zeit. Voller Eifer, einen solch verwirklichten Lehrer zu treffen, kehrte Ajahn Chah in den Nordosten zurück, um Ajahn Mun aufzusuchen.

Zu diesem Zeitpunkt rang Ajahn Chah mit einem hartnäckigen spirituellen Problem. Er hatte die Schriften in all ihren Aspekten wie Tugend, Sammlung und Weisheit studiert (Sila, Samadhi und Panna). Aber dennoch erschien es ihm rätselhaft wie all diese Facetten wirklich in die Praxis umgesetzt werden könnten. Ajahn Mun erklärte ihm, dass - obgleich die Lehren des Buddha in der Tat umfangreich sind - sie dennoch in ihrem Herzen sich sehr einfach darstellen. „Wenn man in sich Achtsamkeit erweckt hat, und man dadurch erkannt hat, dass alles lediglich in unserem Geist entsteht und vergeht - genau dann hat man den wahren Kern der Praxis erreicht.“ Diese einleuchtende und direkte Schulung sollte ein Kernerlebnis für Ajahn Chah werden, auf das er oft in seinen eigenen Lehren immer wieder Bezug nehmen würde. Für ihn war nun klar, was er zu tun hatte.

Für die nächsten sieben Jahre übte Ajahn Chah in der Art und Weise der entsagenden Waldmönche, von hier nach dort wandernd, auf der Suche nach ruhigen und abgelegenen Orten um sich in die Meditationspraxis zu vertiefen. Er lebte in Dschungelgebieten zusammen mit Tigern und Cobras - eine ideale Umgebung um über den Tod und den grundlegenden Sinn des Lebens zu kontemplieren! Bei einer dieser Gelegenheiten meditierte er nachts an einem jener Verbrennungs-Orte, wo traditionellerweise die Thais ihre verstorbenen Angehörigen einäschern. Die aufkommende extreme Furcht vor diesem Ort bei Nacht, vor wilden Tieren und dem Tod an sich forderte er somit in sich heraus und überwand diese schließlich.

Gründung des Klosters Wat Pa Phong[Bearbeiten]

Im Jahre 1954 wurde er zurück in sein Heimatdorf eingeladen. In einem von Malaria befallenen Wald namens „Pa Phong“ schlug er sein Lager auf. Trotz der Härten dieser schutzlosen Umgebung und der spärlichen Nahrung, sammelten sich allmählich immer mehr Schüler um ihn, die von seinem wachsenden, guten Ruf angezogen wurden. Das Waldkloster, das so um ihn herum entstand, wurde „Wat Pa Phong“ genannt. Auf dieselbe Weise sollten bald weitere Zweigklöster in ganz Thailand gegründet werden.

1967 kam ein amerikanischer Mönch nach Wat Pa Phong. Robert Jackman (mit Ordensnamen Sumedho) hatte gerade sein erstes Regenzeit-Retreat (das „Vassa“ - eine dreimonatige Zeit des Rückzuges während der Regenzeit) in einem Kloster an der laotischen Grenze verbracht. Obgleich seine Bemühungen durchaus fruchtvoll gewesen waren, erkannte Sumedho, dass er einen Lehrer benötigte, der ihn in allen Aspekten des monastischen Lebens ausbilden konnte. Zufällig hatte einer von Ajahn Chahs Schülern das Kloster, in dem Sumedho zu diesem Zeitpunkt lebte, besucht - dieser konnte sogar ein wenig Englisch sprechen. Nachdem Sumedho also von Ajahn Chah gehört hatte, reiste er voller Interesse mit dem thailändischen Mönch nach Wat Pa Phong. Ajahn Chah nahm diesen neuen Schüler bei sich auf, aber beharrte darauf, dass dieser Westler keinerlei Sondervergütungen empfangen würde. Er aß die gleiche, einfache Almosenspeise wie die anderen thailändischen Mönche. Das Training dort war streng und äußerst fordernd. Ajahn Chah brachte seine Mönche häufig an deren Grenzen, um ihre Ausdauer zu überprüfen, damit diese Geduld und Gleichmut entwickeln würden. Manchmal veranlasste er lange und scheinbar sinnlose Arbeitsprojekte, um deren Anhaftung an Ruhe und Stille zu frustrieren. Das Hauptgewicht lag dabei immer besonders auf der genauen Befolgung des Vinaya.

Bald kamen weitere Westler nach Wat Pa Phong. Als Sumedho ein Bhikkhu von fünf Jahren war, erachtete Ajahn Chah ihn als kompetent genug, selbst zu unterrichten. So kam es, dass Sumedho und eine Handvoll westlicher Bhikkhus in der heißen Jahreszeit im Jahre 1975 in einem Wald nahe Wat Pa Phong ihre Lagerstatt aufschlugen, um auf Almosenschalen die schützende Glasierung zu brennen. Die Bewohner des nahegelegenen Dorfes Bung Wai erfuhren davon, und baten die Mönche in diesem Wald in ihrer Nähe dauerhaft zu bleiben. Ajahn Chah stimmte zu, und so wurde Wat Pah Nanachat („internationales Waldkloster“) gegründet. Sumedho wurde der erste Abt dieses Waldklosters, in dem nun westliche Waldmönche auf Englisch unterrichtet werden sollten.

Gründung des Klosters Cittaviveka bei London[Bearbeiten]

1977 wurde Ajahn Chah zusammen mit Ajahn Sumedho nach Großbritannien von dem dortigen English Sangha Trust eingeladen - einer Laiengemeinschaft, die sich zum Zwecke der Etablierung eines Theravada-Sangha in England gebildet hatte. Ajahn Chah war von der aufrichtigen Wertschätzung der buddhistischen Lehre im Westen sehr beeindruckt. Er ließ Ajahn Sumedho mit Unterstützung von Ajahn Khemadhammo und zwei weiteren westlichen Mönche in London zurück, um dort das Dhamma zu lehren. 1979 kehrte Ajahn Chah nach Großbritannien zurück, als seine Schüler dort gerade das buddhistische Kloster in Chithurst, Sussex, begannen aufzubauen - Cittaviveka. Danach reiste er in die USA und Kanada, wohin er eingeladen worden war um zu unterrichten.

Nach dieser Reise verging Ajahn Chahs Gesundheit auf Grund der Auswirkungen seines Diabetes Schritt für Schritt. Seinen sich verschlechternden Zustand, den geschwächten Körper nutzte er nun gegenüber seinen Schülern und der buddhistischen Bevölkerung als eine Unterrichtsmethode - er wurde nun selbst ein lebendes Beispiel für die Vergänglichkeit (Anicca) aller Dinge.

Er forderte seine Schüler beständig dazu auf, eine Zuflucht in sich selbst zu finden, da er bald nicht mehr dazu in der Lage sein würde, sie zu unterrichten. 1981 wurde er in Bangkok operiert, was jedoch wenig an seinem Zustand besserte. Innerhalb weniger Monate verlor er die Fähigkeit zu sprechen, sich zu bewegen, bis er schließlich vollständig gelähmt und bettlägerig war. Von da an wurde er sorgfältig und liebevoll von seinen Schülern gepflegt, die ihm nun auf diese Weise dankbar ihre Ehrerbietung erwiesen, nachdem er über lange Jahre hinweg geduldig und mitfühlend das Dhamma gelehrt hatte. Erst zehn Jahre später, im Jahre 1992, verstarb Ajahn Chah. An den mehrtägigen Beisetzungsfeierlichkeiten nahmen über eine Million Menschen teil, darunter die thailändische Königsfamilie.

Heute gibt es vier Zweigklöster Wat Pa Phongs in England, von denen Amaravati Buddhist Monastery, 50 km nördlich von London gelegen, das größte ist. Im Verlauf der letzten Jahre entstanden weitere Klöster im Westen: Dhammapala in der Schweiz, Santacittarama in Italien, Abhayagiri Buddhist Monastery in Kalifornien, Aruna Ratanagiri (Harnham Buddhist Monastery) im Norden Englands, Bodhinyanarama in Neuseeland – um die wichtigsten zu nennen.

Bekannte westliche Schüler[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jack Kornfield: Living Buddhist Masters. Unity Press, Santa Cruz 1977, ISBN 0-913300-03-9

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]