Ajami (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel Ajami
Originaltitel Ajami
Produktionsland Israel, Deutschland
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2009
Länge 113 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Scandar Copti
Yaron Shani
Drehbuch Scandar Copti,
Yaron Shani
Produktion Thanassis Karathanos
Talia Kleinhendler
Moshe Danon
Musik Rabih Boukhari
Kamera Boaz Yehonatan Yaacov
Schnitt Scandar Copti,
Yaron Shani
Besetzung

Ajami ist ein israelisches Filmdrama aus dem Jahr 2009. Die Handlung spielt in Ajami, einem Vorort von Jaffa.

Handlung[Bearbeiten]

Ein junger Mann und Mitglied der Abuzen-Familie geht eines Tages mit einer Kalaschnikow in ein Café schießt um sich und verlangt Schutzgeld. Das gefällt dem Besitzer nicht, weswegen er diesen sofort erschießt. Nur spricht die Abuzen-Familie eine Blutrache aus und verletzt den Cafébesitzer bei einem Anschlag auf dem Markt in Jaffa schwer und tötet den kleinen Jungen Hihija, den sie fälschlicherweise für den Neffen des Cafébesitzers hielten. Die Familie flüchtet daher aus Jaffa und zurück bleibt der Neffe Omar, der den einflussreichen Abu-Lias um Hilfe bittet. Dieser schafft es mit einer Anzahlung von 2000 Dinar, dass Hajik-Hajem ihn beschützt und nach einem Waffenstillstand von drei Tagen eine Gerichtsverhandlung anberaumt wird. Der muslimische Richter urteilt und beendet die Blutrache, indem die Familie 35.000 Dinar an die Abuzen zu zahlen haben. Schnell machen sich Omar und seine Freunde auf, mit legalen wie illegalen Geschäften Geld zu verdienen, um diese Zahlung auch einzuhalten. Doch es kommt nicht genügend zusammen, weswegen er mit dem Gedanken spielt, Drogen zu verkaufen.

Der illegale arabische Arbeiterjunge Malek arbeitet bei Abu-Lias im Restaurant und hofft, dass es seiner kranken Mutter bald besser geht. Doch sie wird wegen der hohen Kosten bald aus dem Krankenhaus entlassen, da sich niemand die Operationskosten von 75.000 US-Dollar leisten kann. Da scheint es ihm naheliegend, als er bei einigen Freunden den Abend verbringt, dass der Drogensüchtige Binj Crystal Meth im Wert von 150.000 Schekel hat. Nachdem dieser scheinbar ermordet wird, nehmen sich Omar und Malek die Drogen und wollen sie einem Juden verkaufen. Doch dieser fühlt sich hintergangen und schlägt Omar zusammen, der aus dem Augenwinkel nur noch beobachten kann, wie Malek in den Kopf geschossen wird.

Der Jude Ariel wird nach einem Streit, wegen illegaler Ziegen neben seinem Haus, auf offener Straße von einigen aggressiven Arabern durch einen Messerstich ins Herz erstochen. Das stresst Dando, der sich nicht nur wegen dieser Messerstecherei, sondern auch wegen seinem verschwundenen Bruder Joni, der seit seinem Militärdienst unauffindbar ist, sorgen muss. Nachdem seine Kollegen den Drogendealer Zalem Abet auf offener Straße entkommen lassen, muss er sich auch noch mit einer Untersuchungskommission der Polizei rumschlagen. Doch auch anschließend findet er Zuhause immer noch keine Ruhe, denn nicht nur, dass er sich um seinen bettlägerigen Vater kümmern muss, seine Frau fordert mehr Aufmerksamkeit von ihm, sodass er erneut einen Streit erleben muss. Aber das Skelett seines verschwundenen Bruders wird bald ermordet in einer Höhle von dem Militär gefunden.

Malek und Omar kochen gemeinsam lachend und singend mit Binj, dem Sohn von Abu Lias in dessen israelischen Restaurant. Während Binj am Abend mit seiner jüdischen Freundin in der Diskothek ist, um zu feiern, wird er angerufen, weil seine Freunde den Juden Ariel auf offener Straße erstachen. Sofort bricht er auf, um diese zu suchen. Aber er selbst wird vor dem Restaurant seines Vaters von der Polizei aufgegriffen und verhaftet. Nachdem er wieder entlassen wurde, kommt Sis vorbei, der nicht weiß, wohin er mit den 200 g Crystal Meth soll und es deswegen erstmal bei Binj versteckt. Die drei Polizisten, die später den Drogendeal mit Omar abwickeln und denen bereits der Drogendealer Zalem Abet durch die Lappen ging, besuchen Binj und durchwühlen sein Haus nach Drogen. Allerdings finden sie nichts und werden wegen eines anderen Einsatzes wieder weggerufen. Daher beschließt Binj den größten Teil des Meth die Toilette runter zu spülen und mehrere falsche Drogenpakete in seiner Wohnung zu verstecken. Den Rest konsumiert er, wodurch er an einer Überdosis stirbt.

Malek wird scheinbar von Dando erschossen und Omar gelingt die Flucht zu seinem Auto.

Omar ist frustriert und liegt mit seiner Geliebten Hadir, der Tochter von Abu-Lias, im Streit. Er will, dass sie endlich ihren Eltern von ihrer gemeinsamen Beziehung und den Hochzeitsplänen erzählt. Aber Hadir will nicht. Doch Abu Lias bemerkt eines Tages, wie sie sich Omar nähert und streichelt, sodass er, trotz dessen, dass Hadir alles bestreitet, sofort weiß, dass beide zusammen sind. Sofort schmeißt er Omar aus seinem Restaurant und jagt ihn davon. Seiner Tochter erklärt er, dass sie als Christin keinen Muslim heiraten soll. Doch sie will davon nichts wissen und leidet an ihrer Trennung zu Omar. Nachdem Omar Anan erzählte, dass er mit Malek Drogen verkaufen will, weiß Abu-Lias sich zu helfen. Der vermeintliche Drogendeal wird eine Falle sein, bei der Omar in die Hände der Polizei gerät und verhaftet wird.

Am Morgen des Deals erstreitet sich Nasri, der sich Sorgen um seinen Bruder Omar macht, eine Mitfahrgelegenheit zum Deal, wo er im Wagen warten soll.

Dando überwacht den Deal per Videokamera und Funk. Nachdem sich der Undercoverpolizist betrogen fühlt, dass es sich nicht um Crystal Meth handelt, sondern um Zucker, entdeckt Dando bei Malek die Uhr seines verstorbenen Bruders, sodass er den Zugriff anordnet, den kleinen Jungen überwältigt und von ihm wissen will, wo er diese her hat. Doch ein Schuss löst sich und Dando sinkt zu Boden. Im Hintergrund stand Nasri mit der Waffe, der Dando erschoss und nun von Dandos Kollegen selbst erschossen wird. Omar bekommt davon nichts mit, da er bereits zu seinem Wagen flüchtet und entdeckt, dass dieser leer ist.

Kritik[Bearbeiten]

[Ajami] ist der neueste und einer der erschütterndsten Filme entlang der religiösen Trennlinien in Israel. [...] Die Einzelheiten der Handlung in Ajami sind nicht so wichtig wie die Auswirkungen der vielen traurigen Momente, die sich nacheinander aufbauen.“

Roger Ebert in der Chicago Sun-Times[1]

Ajami ist ein komplexer, elliptischer Film, die verschiedenen Erzählstränge laufen erst ganz zum Schluss zusammen. Auch Kabaha und seine Kollegen wussten bis zum Schluss nicht, wie der Film enden würde“

Ulrike Putz auf Spiegel Online[2]

„Der in fünf Kapitel eingeteilte, multiperspektivisch und auf unterschiedlichen Zeitebenen erzählte Film eines israelischen sowie eines arabischen Regisseurs funktioniert an der Handlungsoberfläche als perfekter Thriller, beschreibt darüber hinaus aber intensiv die politische Situation im Nahen Osten.“

Lexikon des Internationalen Films[3]

„Durch den Einsatz von Laiendarstellern, eine stets etwas auf Distanz bleibenden Kamera und den Verzicht auf einen emotionalisierenden Soundtrack wird das Melodramatische durch ein Bemühen um Authentizität in den Hintergrund gedrängt. Wenn die einzelnen Episoden dann aber gegen Ende zusammenlaufen, ist es vorbei mit der inszenatorischen Zurückhaltung. Plötzlich ist den Regisseuren jedes Mittel recht, um ihre Absicht, den Zuschauer möglichst aufgelöst zurückzulassen, durchzusetzen.“

Michael Kienzl auf critic.de[4]

„Der arabische Christ Copti und der Jude Shani verstehen sich nicht als Sendboten der Empathie. Weil sie dem Kino keine allzu große Macht zusprechen, nutzen sie es auch nicht als Instrument der Suggestion. Dem Film kommt ihre Bescheidenheit zugute. Sie gestalteten, was ihnen zugetragen wurde: Lebenssplitter, Trauer, hoffnungslose Liebe, Wut. Aber auch eine Wärme, die sich in jeder der vielen Berührungen zeigt.“

Christina Bylow in der Berliner Zeitung[5]

Produktion[Bearbeiten]

Der Film wurde ausschließlich mit Laiendarstellern gedreht. Keiner der Darsteller bekam während des Drehs ein Drehbuch zum Lesen, die Szenen sind – mit einigen Vorgaben der Regisseure – alle improvisiert.[2]

Die Finanzierung brauchte sieben Jahre, der Filmdreh 23 Tage und der Filmschnitt über sieben Monate.[6]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Veröffentlichung[Bearbeiten]

In Israel startete Ajami am 17. September 2009 in den Kinos und wurde mit 165.000 Kinobesuchern der zweiterfolgreichste Film des Jahres 2009.[7] Nachdem er auf mehreren Filmfestivals gezeigt wurde, startete er am 11. Februar 2010 erstmals außerhalb Israels in Griechenland, gefolgt am 11. März 2010 mit Deutschland in den Kinos. Insgesamt kam der Film bei einem Produktionsbudget von etwa 1 Mio. US-Dollar auf weltweite Einnahmen von etwa 1,3 Mio. US-Dollar.[8] Die deutschsprachige DVD ist seit dem 24. September 2010 erhältlich.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Roger Ebert: Ajami auf suntimes.com vom 17. Februar 2010 (englisch), abgerufen am 8. Januar 2012
  2. a b Ulrike Putz: Blutrache unter Kleingangstern auf Spiegel Online vom 6. März 2010, abgerufen am 8. Januar 2012
  3. Ajami im Lexikon des Internationalen Films
  4. Michael Kienzl: Filmkritik auf critic.de, abgerufen am 4. November 2012
  5. Christina Bylow: Unsere Gesetze, eure Gesetze in der Berliner Zeitung vom 11. März 2010, abgerufen am 4. November 2012
  6. Sousan Hammad: Interview: Palestinian cinema auf aljazeera.com vom 28. September 2009 (englisch), abgerufen am 8. Januar 2012
  7. יאיר רוה:סיכום 2009: הסרטים הישראליים הקופתיים של השנה auf blog.orange.co.il vom 24. Dezember 2009 (hebräisch), abgerufen am 8. Januar 2012
  8. Ajami (2010) auf boxofficemojo.com (englisch), abgerufen am 8. Januar 2012