Ajina Tepe

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heutige Ansicht der ehemaligen Klosteranlage Ajina Tepe

Ajina Tepe (auch: Ajina-Tepa beziehungsweise Adzhina-Tepa) ist eine frühmittelalterliche, in das 7. und 8. Jahrhundert zurückreichende buddhistische Klosterstätte (sarighārāma) im Süden Tadschikistans.[1] Die Anlage liegt etwa 12 km östlich von Qurghonteppa (einst: Kurgan-Tjube) im Wachsch-Tal (Zulauf zum Amudarja) und 1 km nördlich der mittelalterlichen Siedlung Chorgul Tepe. Ajina-Tepe wurde 1999 auf die Tentativliste als kulturelles UNESCO-Welterbe gesetzt.[2]

Entdeckungsgeschichte[Bearbeiten]

Das Monument wurde von Archäologen erstmals 1959 untersucht. Ajina Tepe lag an der alten Seidenstrasse und hatte Bedeutung als Handelsstandort zwischen China, Europa und Zentralasien sowie den indischen Seehäfen. Bereits ab 1961 konnte die Fundstätte archäologisch befundet werden. Die bis 1975 andauernden Forschungsaktivitäten wurden von Boris Litvinskiy,[3] einem promovierten Historiker, Archäologen und Mitglied der Tajik Academy of Sciences, geleitet. Die Ausgrabungen brachten Bauwerksteile hervor, die so eingestuft wurden, dass sie als einem buddhistischen Kloster zugehörig gelten mussten. Heute liegt die gesamte Anlage frei.

Die Anlage erlitt aufgrund von Vernachlässigungen während der Jahrzehnte der Russischen Kolonisation, später der Usbekischen Sozialistischen Sowjetrepublik sowie der tadschikischen Autonomie erheblichen Schaden.

Architektur[Bearbeiten]

Bevor die Ausgrabungen begannen, war bereits ersichtlich, dass das Fundament der Anlage aus zwei bis zu 100 m breiten und etwa 5 m hohen Steinhaufen bestand, unter denen sich rechtwinklige Innenhöfe abzeichneten. Zwei Plätze zeichneten sich ab, von denen Zimmer, Zellen und Flure ausgingen. Einige Heiligtümer, wie eine (schlafende) parinirvanische 12 m hohe Buddha-Figur (nach anderen Angaben sind es 14 m) sowie Tonfiguren wurden gehoben, Wandmalereien aufgedeckt und schließlich eine Stupa geborgen. Architektur und Dekorationen der Ajina Tepe waren verschmolzen mit indischen Elementen und lokalen Traditionen der alten Kuschana (Tocharistan).[4] Die gut erhaltene Buddha-Statue wurde in das Tajikistan National Museum of Antiquity nach Duschanbe verbracht.[5]

Die beiden verschütteten Plätze waren durch eine Mauer gegeneinander abgegrenzt. Der höhere südöstliche Anlagenteil umfasste 19 x 19 m und wies eine schalenförmige Vertiefung auf. Hierbei handelte es sich um das eigentliche Kloster. Der nordwestliche Teil hingegen zeichnete sich durch steile Seiten und umlaufende enge Einsackungen aus. Er beherbergte die Stupa und diente verschiedenen religiösen Zwecken. Das Kloster wurde aus Stampflehm (pachsa) und ungebrannten Lehmziegeln hergestellt, die blockweise aufeinander gesetzt wurden und die für die Zeit typischen Größen von 52 x 26 x 10 cm aufwiesen.[6] Hunderte vorgefundener und für die zweite Hälfte des 7. und den Beginn des 8. Jahrhunderts sprechende sogdische Kupfermünzen, lassen die Entstehungszeit der Anlage noch besser eingrenzen. Es wurde für die Dauer von etwa 100 Jahren genutzt. Das Kloster wurde während der arabischen Eroberungsfeldzüge (737-50) zerstört und war fortan ungenutzt. Erst im Verlauf des späten 8. Jahrhunderts lassen sich wieder Nutzungen der Ruinen als Behausungen und Werksläden nachweisen. Beide Gebäudeteile wiesen einander zugewandt, je einen ayvān (portalartige Vorhalle) auf.[7]

Die im Ajina Tepe realisierten architektonischen Ideen bewiesen einen hohen Entwicklungsgrad des buddhistischen Klosterbaus. Die Fußleistenpassage des pradakṣina wiederholte sich später in Paharpur in Bangladesch und beim Bebe-Tempel und Lemyethna-Tempel in Sri Ksetra (Myanmar). Die Vier-Iwan-Bauweise etablierte sich insbesondere später im Iran.

Literatur[Bearbeiten]

  • Boris A. Litvinsky, Outline History of Buddhism in Central Asia, Moskau, 1968.
  • M. Taddei, A Note on the Parinirvana Buddha at Тара Sardar (Ghazni, Afghanistan) // South Asian Archaeology, 1973. Leiden, 1974.
  • Idem, Archaeology in Tajikistan under Soviet Rule, East and West 18/1-2, 1968 (russisch).
  • Boris A. Litvinskiĭ and T. I. Zeĭmal, Adzhina-Tepa. Zhivopis’, Skul’ptura, Arkhitektura, Moscow, 1971 (mit englischer Zusammenfassung).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Year 2006, the Preservation of the Buddhist Monastery of Ajina Tepe
  2. Buddhistic cloister of Ajina-Tepa auf der Tentativliste
  3. T. I. Zeĭmal war sein Stellvertreter
  4. russische Darlegung
  5. Tajikistan Discovers Sleeping Buddha
  6. The materials used at Ajina Tepe are paḵsa (mostly for the foundation and walls) and unfired brick (25-26 by 50-52 by 10-12 cm); walls are 2.2-2.6 m thick; doorways and arches are surmounted by arches of unfired brick.
  7. AJINA TEPE - the present-day name of the mound covering the ruins of an early medieval Buddhist monastery // Eintrag auf Encyclopædia Iranica

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