Akim Tamiroff

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Akim Tamiroff bei einem Aufenthalt in der Niederlande (1964)

Akim Tamiroff (russisch Аким Тамиров/Akim Tamirow; * 29. Oktober 1899 in Tiflis, Russisches Kaiserreich, heute Georgien; † 17. September 1972 in Palm Springs, Kalifornien, USA), war ein russisch-amerikanischer Schauspieler armenischer Herkunft.[1]

Leben und Filme[Bearbeiten]

Nach einer Ausbildung an der Moskauer Schauspielschule entschied Akim Tamiroff sich 1932 während einer USA-Tournee, in Amerika zu bleiben. Gemeinsam mit seiner Frau, der Schauspielerin Tamara Shayne und Schwester des Schauspielers Konstantin Shayne, schloss er sich Nikita Balieffs „Théâtre de la Chauve-Souris“ an. Daneben trat er auf verschiedenen New Yorker Bühnen auf und führte dort eine Schule für Maskenbildnerei.

Als Filmdarsteller begann er nach der Einführung des Tonfilms in kleinen Rollen in Filmen großer Hollywood-Unternehmen wie Universal Pictures, MGM und RKO Pictures. Tamiroff war kurz und untersetzt, weitere Markenzeichen waren sein dunkles Haar, dicke Augenbrauen und eindringliche Augen; oft trug er einen schwarzen Schnurrbart. Bereits seit den 1930er Jahren wurde er – nicht zuletzt wegen seines schweren russischen Akzents – häufig als Ausländer eingesetzt, z. B. als Zigeuner (Storm at Day Break), Spanier (Königin Christina), Türke (The Merry Widow), Italiener (Sadie McKee, The Winning Ticket), Deutscher (The Great Flirtation), Franzose (New and Forever, Paris in Spring), Inder (Bengali), Mexikaner (Chained, Go Into Your Dance) und natürlich auch als Russe (z. B. Whom the Gods Destroy, Black Fury, China Seas). Seine erste größere Rolle spielte Tamiroff 1936 in einem Kriminalfilm der Paramount PicturesWoman Trap –, in dem er einen mexikanischen Ganoven verkörpert, der aus seiner Komplizenschaft mit einem New Yorker Gangster Profit zu schlagen versucht. Weitere wichtige Nebenrollen folgten in The General Died at Dawn, The Jungle Princess (1936, mit Dorothy Lamour), Her Husband Lies, dem Michael Strogoff-Film The Soldier and the Lady und King of Gamblers (alle drei 1937).

Seine erste Hauptrolle spielte Akim Tamiroff 1937 in Charles Vidors Kriminalfilm The Great Gambini, in dem er neben Marian Marsh einen berühmten Zauberkünstler verkörpert, der in allerlei Verbrechen verwickelt ist. 1938 folgte eine weitere große Rolle in Cecil B. DeMilles Piratenfilm The Buccaneer. Gleich danach stand Tamiroff für Robert Floreys Meisterwerk Dangerous to Know (1938) vor der Kamera. Neben Anna May Wong und Gail Patrick erscheint er darin in der Rolle eines machtvollen Gangsters, der mit kriminellen Mitteln die Liebe einer reichen, aber integren Frau zu gewinnen versucht. In dem Western Ride a Crooked Mile spielte Tamiroff einen harten russischen Einwanderer, der sich einer Bande von Viehdieben anschließt und darüber seinen moralisch weniger unzuverlässigen erwachsenen Sohn verliert. 1939 trat er in King of Chinatown erneut neben Anna May Wong auf, diesmal in der Rolle eines mächtigen Unterwelt-Bosses, der von den eigenen Leuten gestürzt wird. Weitere Hauptrollen spielte er in Floreys Spionagethriller The Magnificent Fraud (1939) und in Louis Kings Schicksalsfilm The Way of All Flesh (1940).

Einen Golden Globe als bester Nebendarsteller errang Akim Tamiroff 1943 mit der Rolle des Guerilleraführers Pablo in Sam Woods Hemingway-Adaption Wem die Stunde schlägt Im selben Jahr hatte er eine weitere bedeutende Rolle als ägyptischer Hotelbesitzer in Billy Wilders Fünf Gräber bis Kairo. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erschien er in zahlreichen weiteren Filmen, mit einer größeren Rolle unter anderem in Richard Thorpes Filmmusical Mexikanische Nächte (Fiesta) (1947).

In den 1950er Jahren ließ Tamiroffs Erfolg nach; ein Kassenerfolg war in dieser Zeit nur Anatole Litvaks Melodram Anastasia (1956, mit Ingrid Bergman). Aus seiner Mitwirkung an zahlreichen Fernsehproduktionen (seit 1951) lässt sich ablesen, dass er Geld brauchte. Auch in billigen Horrorfilmen (z. B. The Black Sheep) trat er in dieser Zeit gelegentlich auf. Aus filmhistorischer Sicht waren die 1950er Jahre für Tamiroff andererseits jedoch auch die wichtigsten, denn sie waren auch die Zeit der Zusammenarbeit mit Orson Welles . Erstmals in Berührung gekommen waren die beiden Männer während der Dreharbeiten für Gregory Ratoffs Historienabenteuer Black Magic (1949), in dem Welles die Rolle des Alchemisten und Hochstaplers Cagliostro spielte; Tamiroff stand als sein Komplize Gitano vor der Kamera. 1955 trat Tamiroff in Welles’ in Europa gedrehtem Thriller Mr. Arkadin als Schneider Jakob Zouk auf. Im selben Jahr arbeitete Welles auch an einer Adaption des Romans Don Quijote, bei der Tamiroff neben Francisco Reiguera als Sancho Pansa auftrat; das Filmprojekt musste jedoch aufgegeben werden und konnte erst 1992 in einer nachträglich bearbeiteten Version herausgebracht werden. 1958 folgte Welles’ Meisterwerk Im Zeichen des Bösen, in dem Tamiroff den mexikanischen Drogenboss „Onkel Joe Grandi“ spielte. In der Kafka-Verfilmung Der Prozess (1962) hatte er nur eine winzige Rolle.

In den 1960er Jahren arbeitete Akim Tamiroff meist in Europa, wo er in Filmen wie Die schwarze Tulpe (1962, mit Alain Delon) erschien. Kleine Rollen spielte er in den erfolgreichen amerikanischen Abenteuerfilmen Topkapi (1964) und Lord Jim (1965). Seinen letzten Auftritt hatte er 1970 in dem israelisch-französischen Spionagefilm Moto Shel Yehudi.

Die Zahl der amerikanischen Spitzenstars, mit denen Akim Tamiroff – besonders in den 1930er und 1940er Jahren – gemeinsam vor der Kamera stand, ist erheblich.

Preise[Bearbeiten]

Sein Auftritt in Lewis Milestones Abenteuerfilm The General Died at Dawn (1936) brachte Akim Tamiroff 1937 eine Nominierung für den Oscar (Bester Nebendarsteller) ein; den Preis gewann Walter Brennan (Come and Get It). 1944 gewann Tamiroff als Nebendarsteller in Wem die Stunde schlägt einen Golden Globe; auch für den Oscar wurde er nominiert, unterlag jedoch gegen Charles Coburn (The More the Merrier).

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1949: Graf Cagliostro (Black Magic)
  • 1953: Der Legionär der Sahara (Desert Legion)
  • 1954: Geständnisse einer Frau (La vedova nera)
  • 1954: Die Rache der schwarzen Maske (Le avventure di Cartouche)
  • 1954: Endstation Harem (You Know What Sailors Are)
  • 1955: Herr Satan persönlich (Mr. Arkadin)
  • 1956: Die Schreckenskammer des Dr. Thosti (The Black Sleep)
  • 1956: Anastasia
  • 1956: Der Kurier des Zaren (Michail Strogoff)
  • 1957: Yangtse-Zwischenfall (Yangtse Incident: The Story of H.M.S. Amethyst)
  • 1958: Im Zeichen des Bösen (Touch of Evil)
  • 1958: Jakobowsky und der Oberst (Me and the Colonel)
  • 1960: Frankie und seine Spießgesellen (Ocean’s Eleven)
  • 1961: Die Bacchantinnen (Le baccanti)
  • 1961: Romanoff und Julia (Romanoff and Juliet)
  • 1961: Der Bandit von Neapel (I briganti italiani)
  • 1961: Das Jüngste Gericht findet nicht statt (Il giudizio universale)
  • 1962: Die Horden des Khan (Ursus e la ragazza tartara)
  • 1962: Cleopatra, die nackte Königin (Una regina per Cesare)
  • 1962: Ritt in die Freiheit (Col ferro e col fuoco)
  • 1962: Ein sonderbarer Heiliger (The Reluctant Saint)
  • 1962: Der Prozeß
  • 1963: Die schwarze Tulpe (La Tulipe noire)
  • 1963: Topkapi
  • 1964: Die Puppen (Le bambole)
  • 1964: Im Reich des Kublai Khan (La Fabuleuse aventure de Marco Polo)
  • 1965: Lord Jim
  • 1965: Jagt den Fuchs! (Caccia alla volpe)
  • 1965: Lemmy Caution gegen Alpha 60
  • 1965: An einem heißen Sommermorgen (Par un beau matin d’été)
  • 1965: M.C. contra Dr. KHA (Marie-Chantal contre le docteur Kha)
  • 1966: Unsere Ehemänner (I nostri mariti)
  • 1966: Seitensprung auf italienisch (Adulterio all’italiana)
  • 1966: Robin Crusoe, der Amazonenhäuptling (Lt. Robin Crusoe, U.S.N.)
  • 1966: Hotel Paradiso
  • 1967: Eine Rose für alle (Una rosa per tutti)
  • 1968: Die große Katharina (Great Catherine)
  • 1968: O tutto o niente
  • 1969: Marquis de Sade: Justine
  • 1969: 100 Gewehre (100 Rifles)
  • 1969: Das Mädchen, das nicht ja sagen konnte (Il suo modo di fare)
  • 1969: Hochwürden dreht sein größtes Ding (The Great Bank Robbery)
  • 1992: Don Quijote de Orson Welles

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Akim Tamiroff (1899–1972). Internet Movie Database. Abgerufen am 10. Oktober 2013