Akrokorinth

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Das erste Tor Akrokorinths

Akrokorinth ist ein seit der Antike befestigter Ort, der sich auf einem 575 m hohen Tafelberg in der Nähe der Stadt Korinth in Griechenland befindet. Die zwei bis drei Kilometer südöstlich des heutigen Korinth gelegene Festungsanlage war die Akropolis und der höchste Punkt der antiken Stadt.

Geschichte[Bearbeiten]

Westmauern und Eingang
Blick über die Festung nach Norden

Die erste Besiedlung geht bis auf die Jungsteinzeit zurück. Die Menschen wählten das hochgelegene Plateau, das durch Süßwasserquellen genügend Trinkwasser bereitstellte und die umliegende Gegend strategisch dominierte. Vom Akrokorinth aus konnten der Isthmus von Korinth und dessen fruchtbare Ebenen überwacht werden. Die Wahl dieses Standortes stellte sich als hervorragend geeignet heraus, da die später ausgebaute Festung der Bevölkerung und ihren Herrschern bis ins späte Mittelalter diente.

Ungefähr zu Beginn des 2. Jahrtausends v. Chr. wurde die Siedlung, die sich bis zu den Kulturen der frühen Bronzezeit weiterentwickelt hatte, durch eine ungeklärte Ursache zerstört. Während der mittel- und späthelladischen Periode blieb die Siedlung von Akrokorinth verlassen, wohingegen die umliegenden Siedlungen (beispielsweise Korakou und Lechaion) weiter existierten.

Die ersten Funde der Antike auf Akrokorinth stammen von ungefähr 1000 v. Chr. Zu dieser Zeit war Korinth von Argos abhängig. Im 8. Jahrhundert v. Chr. erlangte das florierende Korinth politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit. Die ersten Befestigungen von Akrokorinth gehen auf die Zeit des tyrannischen Herrschers Kypselos (ab 655 v. Chr.) und seines Sohnes Periandros zurück.

Korinth erfuhr daraufhin zahlreiche Höhen und Tiefen, bis es zuletzt als Hauptstadt des griechischen Staatenbundes seinen Höhepunkt erreichte. 146 v. Chr. ließ der römische General Mommius jedoch die Stadt und Akrokorinth vollkommen zerstören. Die erneute Besiedlung Akrokorinths begann erst wieder ab 44 v. Chr. Die Stadt, die zu einer römischen Stadt herangewachsen war, wurde durch den Einfall der Goten im Jahre 375 und zahlreiche Erdbeben (vor allem 357 und 521) erschüttert, überstand jedoch all diese Widrigkeiten. Beginnend mit den Überfällen der Normannen im Jahr 1147 wechselte Korinth und somit Akrokorinth bis ins 19. Jahrhundert häufig die Besitzer und Herrscher. Alle trugen zur Erweiterung der Befestigungsanlagen Akrokorinths und der darin befindlichen Gebäude bei. 1210 wurde Akrokorinth nach fünfjähriger Belagerung durch die Kreuzfahrer Otto de la Roche und Gottfried von Villehardouin eingenommen und Teil des Fürstentums Achaia. Sein Sohn Wilhelm II. von Villehardouin und daraufhin Johann Ohneland bauten die Festungsanlagen aus.

Schließlich wurden die osmanischen Herrscher während des griechischen Unabhängigkeitskrieges vertrieben. Am 14. Januarjul./ 26. Januar 1822greg. übergab nach Verhandlungen mit den Rebellen die türkische Besatzung die Burg an die Griechen und zog ab.[1] Die Festung verlor danach ihre strategische Bedeutung. Eine neue Stadt entstand neben der durch Erdbeben zerstörten antiken Siedlung und die Festung Akrokorinths wurde dem Verfall überlassen.

Akrokorinth wurde erstmals 1896 durch die American School of Classical Studies at Athens ausführlich untersucht.

Die Festungsanlage[Bearbeiten]

Plan der Festungsanlage
Der fränkische Turm auf dem Westgipfel

Die Anlage umfasst zwei Gipfel des 575 m hohen Felsmassivs. Zwischen diesen entspringen kleine Quellen, die die Siedlung mit Wasser versorgten. Das relativ große Areal konnte durch kluges Verbinden der Lagevorteile mit den Wallsystemen ideal verteidigt werden. Es gibt praktisch nur einen Zugang im Westen der Festung, der durch eine dreifache Verteidigungsmauer mit drei starken Toren befestigt wurde. Vor dem ersten Tor befindet sich ein tiefer, ungleichmäßiger Graben. Das markante Mauersystem mit einer Gesamtlänge von fast zwei Kilometern zeigt, wie die Erbauer sich der natürlichen Beschaffenheit des Berges angepasst und ihn in ihre Verteidigung eingebunden haben.

Im Norden, Osten und Süden schützen steil abfallende Geröll- und Felshänge die Anlage. Trotzdem umfasst eine zusammenhängende Schutzmauer die gesamte Siedlung. Zudem befinden sich zusätzliche Mauern im Westen. Im nördlichen Teil der Festungsmauer befinden sich drei kleinere Tore, die wahrscheinlich als Ausfalltore dienten.

Das älteste noch sichtbaren Gebäude befindet sich auf dem westlichen und höchsten Gipfel. Hier stand der Tempel der Aphrodite, in deren Heiligtum angeblich viele Tempelprostituierte tätig waren. Die noch sichtbaren Elemente stammen jedoch von einer byzantinischen Kapelle, die auf den Fundamenten des Tempels errichtet wurde.

Auf dem entgegengesetzten Gipfel befindet sich die Ruine eines fränkischen Turmes, der später durch die Venezianer und die Osmanen ausgebaut und erweitert wurde. Im Inneren der Burg befindet sich vor allem am Fuße des westlichen Gipfels zahlreiche Bauwerke aus den verschiedenen Epochen. Dazu gehören eine venezianische Kirche, osmanische Behausungen, Brunnen und kleine Moscheen sowie eine byzantinische Zisterne.

Da die Gebäude und Mauern häufig auch mit Hilfe der antiken Steine der Ruinen erbaut wurden, ist es zum Teil schwierig, diese zeitlich zuzuordnen.

Zur Erhaltung der Anlage wurden zahlreiche Mauerabschnitte und Gebäude wiederhergestellt. Der zwischen den Gipfeln gelegene Peirene-Brunnen wurde 1930 restauriert. In den Jahren 1965 und 1966 wurden die Brücke über den Graben und das Wachhaus am ersten Tor wiederhergestellt. In den 1970er-Jahren konzentrierte man sich auf die Erhaltung der ersten beiden Tore und der daran liegenden Mauerabschnitte. Weitere Maßnahmen, beispielsweise das Ersetzen der Holzbrücke am Eingang, wurden 1993 bis 1995 durchgeführt.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Petros G. Themelis: Ancient Corinth, the site and the museum – brief illustrated archaeological guide. Editions Hannibal, Athens.
  •  E. Karposini-Dimitriadi: The Peloponnese – A traveller’s guide to the sites, monuments and history. Ekdotike Athenon, Athen 1997, ISBN 960-213-013-X.

Else Höffer: Akro-Korinth. In: Reclams Universum : Moderne illustrierte Wochenschrift 27.2 (1911), S. 1021-1023.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Akrokorinth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. G. R. Schilling: Historische Anthologie für Deutschlands Söhne und Töchter, Seite 49. Berlin 1835., abgefragt am 13. Januar 2012

37.88916666666722.869722222222Koordinaten: 37° 53′ 21″ N, 22° 52′ 11″ O