Aktenzeichen XY … ungelöst

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Seriendaten
Originaltitel Aktenzeichen XY … ungelöst
Aktenzeichen XY Log.svg
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Jahr(e) seit 1967
Produktions-
unternehmen
ZDF
SECURITEL
Länge ca. 90 Minuten
Episoden 484+, 5 Spezialausgaben
Ausstrahlungs-
turnus
zwölfmal jährlich
(mittwochs, 20:15 Uhr)
Produktion Claus Legal
Idee Eduard Zimmermann
Musik Heinz Kiessling
Ernst August Quelle
Moderation Derzeitiger Moderator:

Ehemalige Moderatoren:

Erstausstrahlung 20. Oktober 1967 auf ZDF

Aktenzeichen XY … ungelöst (auch nur Aktenzeichen XY, Aktenzeichen oder XY) ist der Titel einer 1967 gestarteten Fernsehserie des ZDF. Von 1968 bis 2003 entstand sie in Zusammenarbeit mit dem ORF und dem SRF. Ziel der Sendung ist die Aufklärung von Verbrechen.

Format[Bearbeiten]

Mithilfe von Zuschauerhinweisen sollen ungeklärte Verbrechen im Rahmen der Öffentlichkeitsfahndung aufgeklärt werden. Dazu werden den Zuschauern in jeder Sendung fünf bis sechs ungelöste Kriminalfälle in Form von etwa zehnminütigen filmischen Rekonstruktionen (Filmfälle) vorgestellt, in denen die polizeilich ermittelten Fakten veranschaulicht werden. Des Weiteren werden Fälle behandelt, bei denen anhand von eingeblendeten Personenfotos, Phantombildern oder Abbildungen markanter Gegenstände nach Verbrechern oder der Identität unbekannter Toter gefahndet wird (Studiofälle). Zuschauerhinweise können per Telefon oder Internet abgegeben werden. Nach Angaben der Redaktion werden im Durchschnitt etwa 40 Prozent der ausgestrahlten Fälle aufgeklärt.

Rubriken[Bearbeiten]

Neben der Hauptaufgabe von Aktenzeichen XY, sich mit ungeklärten Kriminalfällen auseinanderzusetzen, gliedert sich die Sendung zusätzlich in kleinere Teilrubriken:

  • Aktenzeichen XY … gelöst – Es werden Fälle aus vorherigen Sendungen thematisiert, die von der Polizei aufgeklärt wurden. In der Regel wird zur Veranschaulichung ein kurzer Einspieler aus zusammengeschnittenen Szenen der betreffenden Folge gezeigt. Es wird zudem erläutert, wie es zur Aufklärung gekommen ist und was die polizeilichen Ermittlungen ergeben haben.
  • Aktenzeichen XY … update – Die Zuschauer werden in dieser Rubrik auf den neuesten Stand der Ermittlungen in bereits behandelten Fällen gebracht. Diese sind zwar noch ungelöst, jedoch haben sich entscheidende Veränderungen in den Ermittlungen ergeben. So werden z. B. falsche Ermittlungsansätze ausgeschlossen oder neue werden aufgegriffen.
  • Aktenzeichen XY … Top-Fahndung – Es wird nach Personen gefahndet (meist Betrüger oder pädophile Sexualstraftäter). In dieser Rubrik werden für die Fahndungen keine filmischen Rekonstruktionen vorbereitet, da es sich um Studiofälle handelt.
  • Aktenzeichen XY … international – In dieser Rubrik kooperiert die XY-Redaktion mit ausländischen Polizeidienststellen. Es werden Kriminalfälle gezeigt, die im Ausland geschehen sind. Meist haben diese jedoch einen Bezug zu Deutschland.
  • Aktenzeichen XY … Prävention – Die Zuschauer werden über aktuelle Handlungsweisen von Verbrechern informiert und darüber, wie man sich vor ihnen schützen kann.
  • Aktenzeichen XY … Abfrage – Diese Rubrik erscheint am Ende und oftmals in der Mitte der Sendezeit. Hierbei wird in Bezug zu den eingegangenen Zuschauerhinweisen eine erste Bilanz durch den Leiter des Aufnahmestudios Alfred Hettmer gezogen.

Geschichte[Bearbeiten]

Moderatoren[Bearbeiten]

Die Sendung begann am 20. Oktober 1967. Urheber des Formats und erster Moderator war Eduard Zimmermann. Er gab die Sendung nach der 300. Folge am 24. Oktober 1997 an Butz Peters ab, der sie gemeinsam mit Zimmermanns Adoptivtochter Sabine Zimmermann moderierte, die bereits seit der 200. XY-Folge (1987) im Unterföhringer Studio neben Zimmermann die Fahndungen präsentierte. Seit dem 18. Januar 2002 moderiert Rudi Cerne die Sendung.

Sendung[Bearbeiten]

Mit Aktenzeichen XY … ungelöst schuf Eduard Zimmermann in Zusammenarbeit mit dem ZDF 1967 eine Weltneuheit.[1] Zwar war schon vorher in Nachrichtensendungen mit Fotos und Phantombildern nach Tätern gefahndet worden, doch als eigenständiges Sendeformat war die Fernsehfahndung vor diesem Zeitpunkt noch unbekannt. Die Idee zur Sendung kam Zimmermann bei der Arbeit an seiner 1963 gestarteten Sendereihe Vorsicht Falle!, in der er die Zuschauer vor aktuellen Betrugsmaschen (Untertitel: Nepper-Schlepper-Bauernfänger) warnte und von den Zuschauern daraufhin oft entsprechende Personenbeschreibungen und Informationen über Betrüger bekam. Das brachte ihn auf den Gedanken, in Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei unaufgeklärte Verbrechen in einer eigenen Sendung zu behandeln. Auch bekannte Eduard Zimmermann, einmal selbst Opfer eines Betrügers geworden zu sein und daraus seine Motivation für diese Sendungen geschöpft zu haben.[2]

Ab der vierten Ausgabe (15. März 1968) beteiligte sich das Österreichische, ab der 13. (24. Januar 1969) auch das Schweizer Fernsehen an der Produktion und Ausstrahlung der Sendung. Seit dem 17. Januar 1975 wird die Sendung in Farbe ausgestrahlt.[3]

Die Sendung wurde zunächst in den ZDF-Studios in Wiesbaden produziert, ab 1969 dann in den Studios der ZDF-Tochter FSM in Unterföhring, den heutigen Bavaria Studios. Die Studioregie führte von der ersten Sendung bis Ende 1998 Bundesfilmpreisträger Kurt Grimm, der in dieser Zeit auch bei vielen hundert Filmfällen Regie führte und die Drehbücher maßgeblich mitbestimmte.

Die Titel- und Spannungsmusiken für die Filmfälle komponierte über lange Jahre hinweg Heinz Kiessling sowie in der Anfangszeit Ernst August Quelle. Als Sprecher agierten zumeist Wolfgang Grönebaum (1967–1989), Isolde Thümmler (1985–2005), Michael Brennicke (1989–2003 und seit 2006), Joachim Höppner (2001–2006) und Hansi Jochmann (seit 2014).

Zum 30-jährigen Jubiläum der Fernsehsendung strahlte das ZDF 1997 eine von Frank Elstner moderierte Sondersendung aus, die im Gespräch mit Eduard Zimmermann vier besonders spektakuläre Fälle der Reihe anhand der jeweiligen originalen Fahndungsfilme präsentierte und in kurzen Einspielern auch deren Klärung mit Details nachstellte, die man bislang zurückgehalten hatte. (Die Originalfilmfälle wurden dabei leicht gekürzt und die Namen der Beteiligten verändert; einige Texte sprach Grönebaum zu diesem Zweck neu).

Am 8. November 2002 – nach 35 Jahren XY – wurde die 350. Sendung ausgestrahlt. In dieser Jubiläumsfolge war Eduard Zimmermann bei Rudi Cerne nochmals zu Gast in seiner Sendung, um einen erneuten Anlauf für die Aufklärung des Mordfalls Ursula Herrmann (1981) zu unternehmen, der ihm nach eigenem Bekunden besonders am Herzen lag.

Mit der Ausgabe am 6. Dezember 2002 endete die Beteiligung des österreichischen Fernsehens; ein Jahr später, am 5. Dezember 2003, stieg auch das Schweizer Fernsehen aus. Seither wird die Sendung nur noch in Deutschland ausgestrahlt, kann aber in Österreich und der Schweiz noch über Satellit und Kabel empfangen werden.

Von 2005 bis 2007 wurde XY zwölfmal statt wie zuvor zehnmal pro Jahr gesendet. Seit dem 5. Juli 2007 wird XY im Bildformat 16:9 ausgestrahlt. Im Zusammenhang mit größeren Programmumstellungen kehrte das ZDF ab dem 20. Februar 2008 zu jährlich zehn Ausgaben zurück, erweiterte dafür aber die Sendezeit auf 90 Minuten. Aufgrund guter Einschaltquoten im Jahr 2008 werden seit 2009, bei unveränderter Sendezeit, wiederum zwölf Folgen pro Jahr ausgestrahlt.

Seit Januar 2010 werden die XY-Sendungen am späten Abend als Aufzeichnung im Programm von ZDFneo wiederholt.

Seit 2011 wird ein- bis zweimal pro Jahr eine Spezialausgabe mit dem Titel Aktenzeichen XY … ungelöst – Spezial – Wo ist mein Kind? ausgestrahlt, die sich ausschließlich mit Fällen beschäftigt, in denen Minderjährige oder junge Erwachsene als vermisst gemeldet sind.

Aufnahmestudios[Bearbeiten]

Neben der Hauptmoderation gab es immer sogenannte Aufnahmestudios, in denen die meist telefonisch eingehenden Zuschauerhinweise aufgenommen und geprüft wurden. Das deutsche Aufnahmestudio in Wiesbaden (1967–1969) bzw. Unterföhring (Landkreis München; als "Studio München" bezeichnet) wurde zunächst von Peter Hohl geleitet, ab 1979 von Irene Campregher und ab 1987 von Sabine Zimmermann. Derzeit liegt die Leitung bei Alfred Hettmer.

Als 1968 das österreichische und 1969 das schweizerische Fernsehen mit in die Sendereihe einstiegen, bekamen auch diese Länder eigene Aufnahmestudios. Das Aufnahmestudio Wien übernahm zunächst Teddy Podgorsky, ab 1971 bis zum Ausstieg des ORF im Jahre 2002 wurde es von Peter Nidetzky geleitet. Das Aufnahmestudio Zürich wurde zuerst von Werner Vetterli, ab 1976 von Konrad Toenz und ab 1998 bis zum Ausstieg der SRG im Jahre 2003 von Stephan Schifferer geführt.

Auch der DFF hatte für kurze Zeit ein eigenes Aufnahmestudio. Zum ersten Mal konnte Eduard Zimmermann in der XY-Sendung vom 5. Oktober 1990, also zwei Tage nach der deutschen Wiedervereinigung, das Aufnahmestudio Potsdam begrüßen, das von Annette Judt geleitet wurde. Nach nur fünf Sendungen entfiel der Telefonaufnahmeplatz im Februar 1991 allerdings wieder, nachdem die Telefonverbindungen zwischen den neuen und alten Bundesländern so verbessert worden waren, dass die Zuschauer direkt in München anrufen konnten.

Am 18. Juli 1969 waren einmalig auch das niederländische Fernsehen und der niederländische Rundfunk mit dem Journalisten Johan van Minnen durch ein eigenes Aufnahmestudio in Enschede vertreten. Die niederländischen Zuschauer konnten parallel zur deutschsprachigen Fernsehausstrahlung (die im niederländischen Fernsehen unter dem Titel Dossier XY firmierte) im Radio Simultanübersetzungen der Fahndungstexte in niederländischer Sprache empfangen. Aufgrund der dennoch hohen Sprachbarrieren wurde das Projekt aber sogleich wieder aufgegeben.

Zuschauerreaktionen[Bearbeiten]

Nachdem unmittelbar nach der ersten Sendung einer der dort Gesuchten hatte festgenommen werden können, kam man spontan auf die Idee, diesen ersten Erfolg von XY noch am selben Abend im Programm des ZDF zu verkünden. Auf diese Weise entstanden die Zuschauerreaktionen (auch Spätsendung oder zweiter Teil der Sendung genannt), in denen am späteren Abend über die ersten Entwicklungen in den Fahndungen der Hauptsendung informiert wurde. Dabei wurden mitunter zu einzelnen Fällen bewusst nur vage Angaben gemacht um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Außerdem nutzte man die Spätsendung, um auf telefonisch geäußerte Wünsche der Zuschauer einzugehen, etwa Phantombilder gesuchter Täter noch einmal zu zeigen oder aufgezeichnete Täterstimmen erneut abzuspielen. Die meist etwa 10-minütigen Nachbetrachtungen wurden jedoch nur im ZDF live gesendet und anschließend im ORF und im SF DRS zu unterschiedlichen Zeiten ausgestrahlt.

In den ersten Spätsendungen erkundigte sich Eduard Zimmermann noch per Telefon bei den Aufnahmestudios in Wien und Zürich nach den Ergebnissen; später folgte ein Standbild über eine Bildleitung. Da sich auch die Technik verbesserte, folgte ab 1997 eine direkte Bildleitung ohne Standbild.

Nach dem Ausstieg des Schweizer Fernsehens wurden mit Jahresablauf 2003 auch die Zuschauerreaktionen eingestellt. Seither kann man die ersten Ergebnisse am späteren Abend nur noch auf dem von Zimmermann gegründeten Webportal und seit Oktober 2008 parallel dazu auch im ZDF-Teletext nachlesen.

Bilanz (2007)[Bearbeiten]

Am 10. Mai 2007 strahlte das ZDF die 400. XY-Folge aus. Dabei traten im Studio Eduard Zimmermann, Sabine Zimmermann, Butz Peters, Konrad Toenz, Werner Vetterli und Stephan Schifferer als Gäste auf.

Außerdem wurde Bilanz gezogen: In den vorangegangenen 399 Folgen seit 1967 waren 3.750 Fälle behandelt worden. 1.571 davon konnten aufgeklärt werden, was einer Erfolgsquote von 42 % entspricht. Fast jeder dritte XY-Fall war ein Mordfall. Von den bisher über 1.200 vorgestellten Mordfällen konnten im Laufe der Jahre 445, also rund 37 % aufgeklärt werden. Platz zwei in der Statistik belegen die Raubüberfälle (948 Fälle, 35 % geklärt), gefolgt von Betrugsdelikten (556 Fälle, 60 % geklärt) und versuchten Tötungsdelikten (179 Fälle, 80 % geklärt). Aber auch eher seltene Delikte wurden in der Sendung vorgestellt. So befasste sich XY in fünf Fällen mit Kindesentziehung, in zwei Fällen mit Tierquälerei und in einem Fall mit dem illegalen Handel mit geschützten Tierarten.

Im Rahmen der Fahndungen aus Deutschland wurden am häufigsten Fälle aus Nordrhein-Westfalen (588 Fälle) behandelt, gefolgt von Bayern (448 Fälle) und Baden-Württemberg (381 Fälle). Bei den nichtdeutschen Fahndungen steht Österreich mit 455 Fällen an der Spitze, gefolgt von der Schweiz mit 451 Fällen. Auch die Niederlande (elf Fälle), Tschechien, Italien, Schweden, Ungarn, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten stellten einen Fall in XY vor.

Besondere Vorkommnisse[Bearbeiten]

  • In der Sendung vom 16. Mai 1980 gab es eine technische Störung. In dem Moment, als Eduard Zimmermann seinen Schweizer Kollegen Konrad Tönz nach den ersten Ergebnissen fragte, wurde der Ton umgeschaltet auf die Übertragung eines Fußballspiels zwischen dem Hamburger SV und Eintracht Braunschweig, und der Kommentator verkündete gerade mit einem lauten „Tor! Tor!“ das 1:0 für Hamburg. Dieser Fehler wurde in der Spätsendung von Eduard Zimmermann noch einmal gezeigt und darauf hingewiesen, dass es sich um ein technisches Problem handelte.
  • Die ersten 15 Minuten der Sendung vom 9. Juni 1989 wurden aufgrund der Liveübertragung eines Tennisspiels in Deutschland nicht ausgestrahlt. Am Ende der Sendung erfolgte eine Wiederholung der versäumten Viertelstunde.
  • 1992 wurde aufgrund eines am 10. April 1992 bei XY ausgestrahlten Aufnahmen einer Überwachungskamera Donald Stellwag wegen großer Ähnlichkeit zum Täter auf den Überwachungsbildern fälschlicherweise als Bankräuber identifiziert und später zu acht Jahren Haft verurteilt, die er als vermeintlicher „Tatleugner“ unter verschärften Bedingungen vollständig verbüßte. Erst 2001, nach der Haftentlassung, wurde der Justizirrtum erkannt und der wirkliche Täter festgenommen.[4]
  • In der Sendung vom 20. Februar 2008 suchte XY in Zusammenarbeit mit dem FBI nach dem US-amerikanischen Schwerverbrecher James J. Bulger und dessen Lebensgefährtin. Kurz nach der Ausstrahlung von Videoaufnahmen aus einer Überwachungskamera, die angeblich Bulger samt Lebensgefährtin zeigen sollen, stellte sich heraus, dass die Aufnahmen ein unbescholtenes Urlauber-Ehepaar aus Deutschland zeigten.[5]
  • Am 19. April 2012 wurde der Schauspieler Aaron Defant, der in der Sendung vom 14. März 2012 einen in Kirn aktiven Juwelendieb verkörperte, in Stuttgart als vermeintlicher Täter erkannt und von der Polizei kontrolliert.[6]
  • In der Sendung vom 5. September 2012 wurden 38 Minuten, etwas weniger als die Hälfte der 90-minütigen Sendezeit, der Entführung und Ermordung der Bankiersgattin Maria Bögerl aus dem Jahre 2010 gewidmet; der dazugehörige Einspieler war mit gut 27 Minuten der zu diesem Zeitpunkt längste in der bisherigen Geschichte der Sendung. Chefredakteurin Ina-Maria Reize erklärte dazu: „Um dem Fall Bögerl gerecht zu werden, kann man ihn nicht in zehn Minuten darstellen.“ Es gingen bis Mittag des 6. September mehr als 200 Hinweise ein. Die Sendung hatte mit 19,7 % und 5,85 Millionen Zuschauern den größten Marktanteil an diesem Abend.[7]
  • Immer wieder kommt es vor, dass Kriminalfälle, die sich im Sommer ereignet haben, aus organisatorischen Gründen im Winter nachgestellt werden müssen, sodass mitunter die Schauspieler in einer verschneiten Landschaft zu sehen sind, obwohl das rekonstruierte Verbrechen im Sommer verübt wurde – oder umgekehrt. Auf diese Abweichungen wird meist durch den Moderator hingewiesen.
  • Um die Täter nicht auf die Fahndung vorab aufmerksam zu machen (und auch aus Kostengründen) werden die Filmrekonstruktionen meist nicht an den Originalschauplätzen gedreht. Nur bei Örtlichkeiten mit einmaligen Merkmalen, die sich nur dort finden, werden hiervon Ausnahmen gemacht, z. B. bei der Theodor-Heuss-Brücke über den Rhein zwischen Ludwigshafen und Mannheim wo der nur dort in dieser Form zu findende Fußweg zwischen den Fahrstreifen der Autobahn eine Rolle spielte.
  • In einigen Fällen konnte ein Verbrechen zwischen der Fertigstellung der Filmrekonstruktion und der Ausstrahlung der Sendung bereits geklärt werden. Manchmal wurde der fertige Film dann zur Vorbeugung aber trotzdem gezeigt, z. B. in der Sendung vom 10. Juni 1994, wo ein Bankräuber kurz vor der Sendung gefasst werden konnte. Der Film diente dann als Warnung für die Zuschauer.
  • Es wurden mehrere Fälle von vermutlich nur vorgetäuschten Straftaten gezeigt. So wurde in der Sendung vom 7. April 1989 der Fall eines Raubüberfalls mit zur Erlangung eines Daumenringes abgeschnittenem Daumen präsentiert. Das als Jochen K. bezeichnete Opfer aus dem Raum Bonn wollte allerdings möglicherweise nur mithilfe von Selbstverstümmelung seine Versicherung um eine siebenstellige Invalidenrente betrügen. Nach mehreren Prozessen wurden 900.000 DM statt der maximal möglichen 4,5 Millionen DM ausgezahlt.[8] Der am 7. Februar 1992 ausgestrahlte Fall einer angeblich vom Frankfurter Hauptbahnhof drei Tage lang entführten und sexuell missbrauchten 25-jährigen Frau, für dessen Lösung extra ein aufwendiges Modell der von ihr beschriebenen Kellerräume angefertigt wurde, erwies sich einige Jahre später nach Eingeständnis des Opfers selbst als lediglich ausgedacht.[9]
  • In älteren Sendungen wurden bei der Rekonstruktion von Verbrechen mitunter bewusst Dialekte gesprochen, die zum Ort des Geschehens passten. Manchmal kam es jedoch auch vor, dass Schauspieler unabsichtlich in ihren eigenen Dialekt verfielen, obwohl dieser für den Ort des Verbrechens gar nicht passend war (z. B. dargestellte Hamburger Polizisten – aber mit Münchener Tonfall).
  • Ebenfalls eine Besonderheit älterer Sendungen ist die große Zurückhaltung bei der Darstellung von Elementen einer Tat, die in den sexuellen Bereich gehören, z. B. werden Prostitution, Homosexualität oder Ehebruch den Moralvorstellungen der Zeit entsprechend oft nur sehr indirekt umschrieben und nicht ausdrücklich angesprochen.
  • Am 31. Oktober 2012 fahndete XY nach der Identität einer männlichen Wasserleiche, die 2011 bei Xanten am Niederrhein entdeckt wurde. Die auf der Grundlage rechtsmedizinischer Untersuchungen gemachten Angaben zur Körpergröße des Toten erwiesen sich jedoch als falsch, da für deren Berechnung eine fehlerhafte Formel aus einem Lehrbuch für Rechtsmedizin angewendet wurde. Obwohl die Person zu Lebzeiten deutlich kleiner war als angegeben, führte ein Zuschauerhinweis zur Aufklärung der Identität des Mannes, der aus Sicht der Kriminalpolizei Suizid begangen hatte.[10]
  • Am 7. August 2013 wurde der bisher aufwendigste und mit knapp 30 Minuten längste Einspieler gezeigt. Dieser thematisiert den Bankraub in einer Steglitzer Filiale der Berliner Volksbank am 14. Januar 2013. Vermutlich mehrere Täter hatten einen über 40 Meter langen Tunnel von einer Tiefgarage in die Bank gegraben und dann die Schließfächer von Privatpersonen ausgeraubt.[11]
  • Am 16. Oktober 2013 sendete das ZDF die bislang längste Folge von XY von 20:15 Uhr bis 22:15 Uhr. Die Sendung thematisierte rund 30 Minuten den Fall der 2007 in Portugal verschwundenen, damals dreijährigen, Madeleine McCann. Auch deren Eltern und ein Ermittler von Scotland Yard waren im Studio zu Gast. Die Einschaltquote lag bei 7,26 Millionen Zuschauern, der Marktanteil belief sich auf herausragende 24,3 Prozent und sie war die meistgesehene Sendung des Tages.[12]

Kritik[Bearbeiten]

Das Format stieß von Anfang an, vermehrt in den ersten beiden Jahrzehnten seiner Ausstrahlung, auf kritische Stimmen in Teilen von Presse und Öffentlichkeit, die der Fernsehserie unter anderem Menschenjagd, Förderung des Denunziantentums, Diskriminierung von Minderheiten, Schüren von Ängsten und Instrumentalisierung von Verbrechen zu Unterhaltungszwecken vorwarfen.[13] Fürsprecher der Sendung verwiesen dagegen auf die strenge Sachlichkeit der Fahndungsbeiträge und die ständige engste Zusammenarbeit mit den ermittelnden Behörden.[14]

Die Ablehnung des Sendungskonzepts von Seiten der westdeutschen Studentenbewegung[15] in Verbindung mit der ausführlichen Berichterstattung über den Terrorismus des deutschen Herbsts führten in den 1970er Jahren zeitweise zur Notwendigkeit eines Polizeischutzes für Eduard Zimmermann.[16]

Der Kriminologe und Strafrechtsexperte Arthur Kreuzer kritisierte 1995 am Beispiel der Fahndung nach einem aus einem Hafturlaub nicht zurückgekehrten Straftäter, der in der Zwischenzeit resozialisiert gewesen sei, die Unverhältnismäßigkeit und den möglichen Missbrauch als „für Ermittler bequeme Methode“.[17]

Neuerdings wird die zunehmend emotionale Gestaltung der Spezialsendungen Wo ist mein Kind? kritisiert.[18]

Der XY-Preis[Bearbeiten]

Einmal pro Jahr wird unter der Schirmherrschaft des Bundesinnenministers der XY-Preis – gemeinsam gegen das Verbrechen vergeben, den Eduard Zimmermann und das XY-Team gemeinsam mit dem ZDF im Jahr 2002 ins Leben riefen. Mit dem Preis sollen Menschen geehrt werden, die sich mit Zivilcourage für den Schutz des Lebens, der Gesundheit oder des Eigentums von Mitbürgern eingesetzt haben. Die von jedermann vorschlagbaren Kandidaten und ihr beispielhaftes Handeln werden im Rahmen der XY-Sendungen mit kurzen Einspielern vorgestellt; die Verleihung des Preises durch den Bundesinnenminister erfolgt in der Regel im September.[19]

Gaststars[Bearbeiten]

Im Laufe der Jahre wirkten zahlreiche prominente Darsteller in Gastrollen bei XY-Filmfällen mit. Dazu gehören unter anderem Robert Atzorn, Natalie Alison, Benjamin Bara, Christiane Blumhoff, Gerda Böken, Markus Böker, Peter Bond, Philipp Brammer, Volker Brandt, Katharina Brauren, Hanna Burgwitz, Jochen Busse, Niels Clausnitzer, Till Demtröder, Roswitha Dierck, Markus H. Eberhard, Elinor Eidt, Sebastian Fischer, Pierre Franckh, Mogens von Gadow, Norbert Gastell, Wolfgang Grönebaum, Raimund Harmstorf, Karl-Heinz von Hassel, Broder B. Hendrix, Michel Jacot, Sabine Kaack, Heide Keller, Stephanie Kellner, Andreas Kiendl, Wilfried Klaus, Anja Klawun, Eva Klemt, Marion Kracht, Ingeborg Krabbe, Annette Kreft, Andrea L’Arronge, Heiner Lauterbach, Madeleine Lierck, Ursula Ludwig, Thomas Luft, Wilhelm Manske, Franjo Marincic, Heinz Meier, Patrick Mölleken, Simon Mora, Ruth Moschner, Miroslav Nemec, Christine Neubauer, Ingo Nommsen, Karl Obermayr, Caroline Ohrner, Tommi Piper, Gerhard Polt, Sabine Postel, Franz Rampelmann, Robinson Reichel, Simone Rethel, Marianne Rogée, Jörg Rohde, Dieter Schaad, Otto Sander, Tana Schanzara, Rolf Schimpf, Klaus Stiglmeier, Ingeborg Schöner, Hans E. Schons, Tanja Schumann, Gregor Seberg, Wolfgang Seidenberg, Melanie Sigl, Gunnar Solka, Andreas Sportelli, Florian Stadler, Krista Stadler, Rinaldo Talamonti, Sven Thiemann, Julia Thurnau, Irmhild Wagner, Herbert Weicker, Annemarie Wendl, Kai Wiesinger,Gundis Zámbó und Billie Zöckler.

Ähnliche Formate[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland entwickelten zunächst die öffentlich-rechtlichen Sender MDR mit Kripo live (1990/1992)[20] und ORB mit Täter-Opfer-Polizei (im Mai 1992)[21] jeweils ein ähnliches, von XY beeinflusstes Format. Während diese beiden Sendungen (Täter-Opfer-Polizei jetzt beim RBB) nach wie vor mit Erfolg im Programm laufen, stellte der private Sender Sat.1 sein im September 1997 gestartetes Format Fahndungsakte (1997) nach drei Jahren Laufzeit im Jahr 2000 aufgrund mangelnder Quoten wieder ein. Auch die Sendung Crime! – Der Justizreport vom HR, die Anfang 2004 gestartet und von Kirsten Rademacher moderiert wurde, hatte nicht lange Bestand. Die auf RTL 2 ausgestrahlte Sendung Ungeklärte Morde – Dem Täter auf der Spur zeigt ausschließlich ungeklärte Tötungsdelikte. Seit 2008 strahlen NDR und WDR die Sendung Kriminalreport aus. In dieser Koproduktion werden neben Personenfahndungen auch zahlreiche Tipps zur Kriminalitätsvorbeugung veröffentlicht. Seit der zweiten Staffel, die im Juli 2008 begann, gibt es auch dort ein Aufnahmestudio, wo Zuschauer telefonisch Hinweise zu den behandelten Kriminalfällen abgeben können.[22]

International[Bearbeiten]

Das Sendeformat von XY wurde seit 1982 in mehrere europäische und außereuropäische Länder verkauft. Dazu gehören unter anderem:

  • Großbritannien: Crimewatch U.K., seit Juni 1984[23]
  • Irland: Crimeline (1992–2004) bzw. Crimecall, seit 2005[24]
  • Israel: Crime Investigation, seit 1986
  • Italien: Chi l’ha visto, seit April 1989[25]
  • Niederlande: Opsporing verzocht, seit November 1982[26]
  • Polen: Magazyn Kryminalny 997, von Oktober 1986 bis Dezember 2010[27]
  • Schweden: Efterlyst, seit Frühjahr 1990[28]
  • Ungarn: Az XY Akta Megoldatlan, seit 1992 (bei MTV)
  • USA: America’s Most Wanted, Februar 1988 bis 2011 bei FOX[29]

Literatur[Bearbeiten]

  • Katrin Hampel: Aktenzeichen XY ungelöst: Die spektakulärsten Fälle des Eduard Zimmermann. Die außergewöhnliche Geschichte der Fernsehfahndung. BSV, Nürnberg 1997, ISBN 3-932234-09-X.
  • Stefan Ummenhofer, Michael Thaidigsmann: Aktenzeichen XY … ungelöst – Kriminalität, Kontroverse, Kult. Romäus, Villingen-Schwenningen 2004, ISBN 3-9809278-1-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. Ummenhofer/Thaidigsmann, S. 17 f.
  2. 1962 hatte Zimmermann nach eigenen Aussagen ein Fertighaus bestellt, das jedoch dann ohne Dach geliefert wurde, und war auf dem Schaden sitzengeblieben. Vgl. Ummenhofer/Thaidigsmann, S. 17.
  3. 42 Jahre Aktenzeichen XY ungelöst. tvspielfilm.de
  4. Mann saß fast fünf Jahre unschuldig in Haft. In: Welt Online, 11. Juli 2001. Abgerufen am 11. Mai 2014. 
  5. Aktenzeichen XY sucht Mörder mit falschem Bild. FAZ.net, 22. Februar 2008
  6. Polizei verwechselt Schauspieler (Aktenzeichen XY) mit Juwelendieb. Spiegel Online, 23. April 2012; abgerufen 17. August 2012.
  7. Mordfall Maria Bögerl: Hunderte neue Hinweise nach TV-Fahndung. Spiegel Online, 6. September 2012 (mit irreführenden Angaben bezüglich der vom Fall beanspruchten Sendezeit).
  8. Seite der Sendung vom 07.04.1989 xywiki.de, abgerufen am 2. September 2013
  9. Seite der Sendung vom 07.02.1992 xywiki.de, abgerufen am 2. September 2013
  10. Toter aus dem Rhein identifiziert – Hinweis nach „Aktenzeichen XY“ im ZDF. WAZ. 9. November 2012. Abgerufen am 20. September 2013.
  11. LKA jagt Berliner Tunnel-Gangster. (Version vom 8. August 2013 im Webarchiv Archive.today) zdf.de; abgerufen am 8. August 2013
  12. Fall Maddie treibt „Aktenzeichen“ auf Rekordhöhe dwdl.de; abgerufen am 17. Oktober 2013
  13. Ein Beispiel für Polemik gegen XY von 1970: Helga Novak, Horst Karasek: XY-Jäger und XY-Gejagte. In: Die Zeit, Nr. 41/1970 (Online-Scan fehlerhaft).
  14. Vgl. zum Gang der Diskussionen und beiderseitigen Argumenten zusammenfassend Ummenhofer/Thaidigsmann, S. 99–110.
  15. Ulrike Meinhof: Aktenzeichen XY - aufgelöst. In: konkret, 17/1968, S. 10/11
  16. Aktenzeichen XY... ungelöst - Die Doku.
  17. Arthur Kreuzer: XY und der große Fang, Die Zeit 22/1995.
  18. Aktenzeichen XY: Vermissten-Special mit Michelle Knight im ZDF - SPIEGEL ONLINE
  19. XY-Preis 2010 auf dem Sicherheitsportal e110.de.
  20. Die 1992 beim MDR gestartete Sendung übernahm Titel und Konzept vom DFF; vgl. Kripo Live auf den Webseiten des MDR.
  21. Täter-Opfer-Polizei beim RBB.
  22. Die Sendung „Kriminalreport“ beim WDR
  23. Geschichte der Sendung Crimewatch BBC.
  24. Geschichte der Sendung Crimecall RTÉ.
  25. Chi l’ha visto RAI.
  26. Opsporing verzocht AVRO.
  27. Kryminalny 997 997 TVP.
  28. Efterlyst (Version vom 25. Januar 1999 im Internet Archive) TV3 (Viasat).
  29. AMW History and Highlights auf den Webseiten der Sendung.