Akustische Telegrafie

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Als akustische Telegrafie (auch harmonische Telegrafie oder Stimmgabeltelegrafie) werden verschiedene im 19. Jahrhundert entwickelte Multiplexverfahren bezeichnet, die es ermöglichten, gleichzeitig mehr als eine telegrafische Mitteilung über eine einzelne Telegrafenleitung zu übermitteln.

Verfahren und Geschichte[Bearbeiten]

Bei der akustischen Telegrafie werden für jede Mitteilung unterschiedliche niedrige Frequenzen oder Kommunikationskanäle verwendet. Ein Telegrafist benutzte dabei eine herkömmliche Morsetaste, um die Mitteilung im Morsecode zu klopfen. Der Taster schaltete dabei die Übertragung von Gleichstromimpulsen in der Frequenz tiefer Schallwellen einer bestimmten Frequenz ein oder aus. Auf der Empfängerseite befand sich ein speziell gestimmtes Gerät, dass nur bei einer speziellen Resonanzfrequenz mitschwang und andere, über den gleichen Telegrafendraht übermittelte Frequenzen ignorierte.

Das Wort akustisch stammt von griechisch ακουειν akuein „hören“ ab. Die Geräte der akustischen Telegrafie arbeiteten elektromechanisch und verursachten über einige Meter hörbare brummende oder summende Geräusche. Die Hauptfunktion dieser Geräte war jedoch nicht die Erzeugung von Schallwellen, sondern die Nutzung von Gleichstromimpulsen in der Frequenz von Schallwellen als Trägersignal für den Morsecode.

Zu den Erfindern die sich mit der akustische Telegrafie beschäftigten, gehören Charles Bourseul, Thomas Edison, Elisha Gray und Alexander Graham Bell. Ihre Bemühungen um die Entwicklung der akustischen Telegrafie, die die Kosten der Telegrafiedienste senken sollten, führten schließlich zur Erfindung des Telefons.

Einige von Thomas Edisons Geräten verwendeten mehrere synchronisierte Stimmgabeln, die darauf abgestimmt waren, eine Frequenz auszuwählen, um auf diese Weise einen elektrischen Stromkreis zu öffnen oder zu schließen. Die akustische Telegrafie ähnelte vom Konzept her dem heutigen Frequenzmultiplexverfahren.

Wesentliche Patente[Bearbeiten]

  • A. G. Bell: Transmitter and Receiver for Electric-Telegraphs. US-Patent 161739, 6. April 1875, PDF.
  • E. Gray: Electrical Telegraph for Transmitting Musical Tones. US-Patent 166095, 27. Juli 1875, PDF.
  • T. A. Edison: Acoustic Telegraph. US-Patent 182996, 10. Oktober 1876, PDF.
  • T. A. Edison: Acoustic Electric Telegraphs. US-Patent 186330, 16. Januar 1877, PDF.
  • T. A. Edison: Acoustic Telegraph. US-Patent 200993, 5. März 1878, PDF.
  • T. A. Edison: Circuits for Acoustic or Telephonic-Telegraphs. US-Patent 203019, 30. April 1878, PDF.
  • T. A. Edison: Acoustic Telegraph. US-Patent 235142, 7. Dezember 1880, PDF.

Edisons Patente wurden von der in New York City ansässigen Western Union Telegraph Company erworben.

Nachweise[Bearbeiten]

  • Tom Standage: The Victorian Internet: The Remarkable Story of the Telegraph and the Nineteenth Century's On-line Pioneers. Berkley Books, New York1998, ISBN 0-425-17169-8.
  • D. Robertson: The Great Telephone Mystery. In: IEEE Review. Band 52, Nummer 2, 2006, S. 44–48, DOI:10.1049/ir:20060204.
  • Brooke–Clarke: Telephone Patents, abgerufen am 29. Juli 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

  • Akustische Telegrafie in: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Bd. 19, Bibliographisches Institut, Leipzig 1902–1909, S. 382–387
  • Anonymus: Elektro-harmonischer Telegraph oder Telephon von Gray. In: Polytechnische Journal. Band 218/Miszelle 8, 1875, S. 529, (online).
  • The Telegraph (engl.), Wiedergabe eines von Thomas A. Edison geschriebenen Artikels für ein Nachschlagewerk über den Stand der Telegrafentechnik 1878, abgerufen am 11. August 2011