ʿUmar Tall

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Al-Haddsch Omar)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wandbild von ʿUmar Tall in Dakar

ʿUmar ibn Saʿīd al-Fūtī Tall, genannt auch al-Hāddsch ʿUmar, (* 1797 im Fouta Toro; † 1864 in den Felsen von Bandiagara) war ein Sufi des Tidschānīya-Ordens, Feldherr und ein afrikanischer Reichsgründer. Er gilt als zweitwichtigster Scheich der Tidschānīya nach dem Gründer Ahmad at-Tidschānī.

Nachdem die europäische Kolonisierung bereits begonnen hatte, war El Hadj der letzte afrikanische Reichsgründer. Er stammte aus dem Volk der Tukulor, einem Teilstamm der Fulbe im Senegal. Nach einer Pilgerreise nach Mekka 1820 begann er als Prediger zu wirken, ohne jedoch besonderen Erfolg zu haben. In dieser Zeit wurde er jedoch zum Berater mehrerer westafrikanischer Herrscher. 1845 verfasste er in Jegunko im Futa Jalon sein arabisches Werk "Speere der Gottespartei gegen die Kehlen der Teufelspartei" (Rimāḥ ḥizb ar-Raḥīm ʿalā nuḥūr ḥizb ar-raǧīm), ein Handbuch zur Durchführung religiöser Übungen.[1] Mit diesem Werk und einer Anzahl kleinerer Traktate nahm er großen Einfluss auf das Denken vieler Intellektueller Westafrikas.[2]

1850 ließ El Hadj im Quellgebiet des Niger die Festung Dinguiraye bauen. Ein Jahr später begann er einen Dschihad im Futa Toro, der ihn später in das Gebiet des heutigen Mali führte, wo er mehrere kleinere moslemische und heidnische Territorien eroberte und ein Reich errichtete. 1854 kam es zu ersten Kämpfen mit französischen Kolonialtruppen. Die Truppen von El Hadj', die über keine Artillerie verfügten, erlitten mehrere Niederlagen. 1857 wurden seine Truppen durch den französischen Gouverneur Louis Faidherbe geschlagen. Danach ging El Hadj weiteren Kämpfen mit den Franzosen im Senegal aus dem Weg und wandte sich nach Osten. 1861 nahm er zwar Segu ein, die Hauptstadt der Bambara, wurde von diesem Widerstand leistenden Volk 1864 empfindlich geschlagen. Kurz darauf wurde er ermordet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dhikrá murūr miʾatay sanah ʻalá mīlād al-shaykh al-Ḥājj ʻUmar al-Fūtī Tāll, 1797–1998: nadwa daulīya 14-19 Djanbir 1998, Dakār - al-Sīnighāl - Bicentenaire de la naissance du cheikh El Hadj Oumar al-Futi Tall, 1797–1998 : colloque international, 14-19 décembre 1998, Dakar - Sénégal, Actes du colloque, Rabat, Maʻhad al-Dirāsāt al-Ifrīqīyah, 2001, 2 vol. (vol. 1 en arabe, ISBN 9981-37-022-3 ; vol. 2 en français, ISBN 3-02-237998-1 (formal falsche ISBN))
  • Jamil Abun-Nasr: Art. "ʿUmar ibn Saʿīd al-Fūtī" in The Encyclopaedia of Islam. New Edition Bd. X, S. 825b-826b.
  • Samba Dieng, L’épopée d’Elhadj Omar. Approche littéraire et historique, Dakar, Université de Dakar, 1984, 2 t., t.I, 1-299, t.II, S. 300-606. (Thèse de 3e cycle)
  • Elikia M'Bokolo, Afrique Noire, Histoire et civilisations, Paris, Hatier-AUF, 2004 (2e édition), ISBN 2-218-75050-3.
  • M. Puech, Le livre des Lances (Rimàh) d’El Hadji Omar (1845), Dakar, Université de Dakar, 1967, (Diplôme d’Études Supérieures)
  • David Robinson: La guerre sainte d'al-Hajj Umar. Le Soudan occidental au milieu du XIXe siècle. Karthala, Paris, 1988, ISBN 2-86537-211-1.
  • David Robinson: "Between Hashimi und Agibu. The Umarian Tijâniyya in the Early Colonial Period" in Jean-Louis Triaud, David Robinson (ed.): La Tijâniyya. Une confrérie musulmane à la conquète de l'Afrique. Éditions Karthala, Paris, 2000. S. 101-124.

Belege[Bearbeiten]

  1. Vgl. dazu Jean-Louis Triaud: "Khalwa and the Career of Sainthood. An Interpretative Essay" in Donal B. Cruise O'Brien and Christian Coulon (ed): Charisma and Brotherhood in African Islam. Oxford 1988, S. 53–66.
  2. Vgl. Robinson: "Between Hashimi und Agibu." 2000, S. 102.